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Die Geschichte der DDR von 1945 bis 1961

Jac Biermann Dokus30:38 179.250 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 179 Zeilen
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  1. [Musik] [Musik]
  2. Als die rote Armee in Städten wie Leipzig einmarschiert, trifft sie auf Angst, auf Misstrauen. Die Russen errichten die sowjetische
  3. Besatzungszone, so wie die Antihitlerkoalition es beschlossen hat.
  4. Die Uhren gehen jetzt nach den neuen Herrn. Überall wird die Moskauer Zeit eingeführt und mit den Soldaten kommen Deutsche. Sie haben im Krieg die Seite
  5. gewechselt, sich in den Dienst Moskaus gestellt. [Musik] Auch 70 Elitekader der Kommunistischen
  6. Partei, unter ihnen Walter Ulbricht, kommen aus Moskau zurück. Sie sollen Schlüsselfunktionen übernehmen. Magdeburg, Kemnitz, Dresden. Die Städte
  7. sind Steinwürsten. Ausgebombte Familien hungern auf den Straßen. Es herrschen Chaos und Verzweiflung.
  8. Über 40% aller jungen Leute hatten Lungenkolose. Die Besatzer befiehlen Arbeitseinsätze. Die Trümmer müssen weg.
  9. Der Machtapparat der Nazis ist zerschlagen. Jetzt soll die öffentliche Ordnung wiederhergestellt werden und zwar so, wie es die sowjetische
  10. Militäradministration vorgibt. Sie besitzt die absolute Macht, gestützt auf anderthalb Millionen Rotarmisten.
  11. Stalin befiehlt den Deutschen Kultur. Tausende Offiziere mit weitreichenden Vollmachten kommen. Als erstes lassen sie Theater und Kinos öffnen.
  12. Eröffnung des Clubs die Möwe, ein Geschenk der sowjetischen Militärverwaltung an unsere deutschen Künstler. Friedrich Wolf und Fritz
  13. Wisten. Erich Weinhard und Torst Lomas. Ernst legal mit Paul Wegen Direktorberg und Hans Albers erzählen
  14. dem Reporter vom Pulzg Berlin, dass es ihnen in der Möwe gut gefällt und das glauben wir ihnen gerne. [Musik]
  15. Das Verhältnis zwischen Deutschen und Russen ist schwierig, auch wenn sie gemeinsam tanzen.
  16. Die Besatzer fürchten Werwolforganisationen, die im Untergrund wie Partisanen agieren könnten.
  17. Millionen Menschen irren durch das Land. Erst kamen die Flüchtlingstrecks aus Pommern, Ostpreußen und Schlesien, dann die Vertrieben
  18. Millionen Heimatlose auf der Suche nach einem Neuanfang. [Musik]
  19. Seht her, kennt ihr dieses Kind? Wisst ihr etwas von ihm? Vielleicht gelingt es uns einem der verlorenen Kinder, Vater und Mutter wiederzuschenken. Eckehart
  20. Hinkelmann aus Deutsch Eilau. Die fünfjährige Doris Kube aus Glogau. Doris Kube. Ich heiß Gisel Krause. Ich suche meine
  21. Angehörigen. Meine Eltern sind durch Bombenangriff umgekommen. Ich selber war verschüttet. Der Kern
  22. Dieter Kern weiß nur seinen Namen und kam aus dem Warteau. Ein 18 Monate altes Mädchen gefunden vor über einem Jahr auf einem Feld in
  23. Wandlitzee. Christiane Körper aus Lanzig. Meine Mutter hat sich vergiftet und mein Vater war zuletzt auf Fler auf allem
  24. Kriegsschiff. Kinder fanden ihre Eltern. Der Augenzeuge beim Wiedersehen von Fritz
  25. Maurer mit seinem Vater, den er kaum kennt. Geschwister Tränkner. Und da ist der Vater.
  26. [Musik] Im Herbst 46 müssen die letzten Sodendeutschen ihre Heimat verlassen.
  27. Auf nimmer wiedersehen heißt es in Presse berichten. Doch einen nach Hause gibt es längst nicht mehr. Die Siegermächte legten auf
  28. der Potzdammer Konferenz 1945 neue Grenzen fest. Die Sowjetunion nahm sich den Ostteil Polens. Die Polen erhielten dafür den
  29. deutschen Osten. Aus Presslau wurde WZworf. 1947 wird das Problem der Heimatlosen in
  30. Ostberlin per Dekret aus Moskau gelöst. Für die inzwischen ton angebende SED gibt es Flüchtlinge und Vertriebene nicht mehr, nur noch Umsiedler.
  31. Auch bei der Bodenreform ziehen Sowjets und deutsche Kommunisten am gleichen Strang. Die Eigentumsverhältnisse auf dem Land
  32. sollen sich grundlegend ändern. Junkerland in Bauernh. Den adligen Großgrundbesitzern wird vorgeworfen,
  33. alles samt Nazis gewesen zu sein. Tatsächlich aber sollen sie verschwinden. Der Jahrhunderte alte Traum der
  34. Landarbeiter und landarmen Bauern von der Übergabe des Großgrundbesitzes in ihre Hände sollte erfüllt werden. Somit ist die Bodenreform die wichtigste
  35. Voraussetzung der demokratischen Umgestaltung und des wirtschaftlichen Aufstieg unseres Volkes.
  36. Dort, wo es nicht freiwillig geschieht, machen die Besatzer Druck. Hand Im April 46 entsteht die sozialistische
  37. Einheitspartei Deutschlands, kurz Sed. Es gibt keine Gegenstimme. [Musik]
  38. [Applaus] [Musik] [Applaus] [Musik]
  39. Wilhelm Piek und Otto Grotewohl stehen an der Spitze. Doch die eigentliche Machtfigur heißt Walter Ulbrecht. Der zweite Parteivorsitzende ist ein Mann
  40. Stalins. Er hält die Verbindung zu sowjetischen Militäradministration und bestimmt, was im Politbüro beschlossen wird. Kurz vor der SED ist
  41. die freie deutsche Jugend gegründet worden. Die FDJ hat den Anspruch, antifaschistisch, demokratisch und vor allem überparteilig zu sein. Erich
  42. Honiker ist der erste Vorsitzende. Was wird aus Deutschland? Wir wollen keine Massenorganisation ihrer Selbstwillen, sondern eine
  43. Organisation, die die gesamte Jugend zur Verwirklichung ihrer Grundrechte mobilisiert. Das Recht auf Arbeit, das Recht auf Erholung, das Recht auf
  44. Bildung, auf Freude und Frohind. [Musik]
  45. Bei den Wahlen im Oktober 46 unterstützt die FDJ ausschließlich die SED. Die Einheitspartei will die Machtfrage für sich entscheiden und zwar ein für alle
  46. mal. Schließlich galt Ulbrichts Parole: "Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben."
  47. Hier külz ldpak sed kaer cdu,
  48. Grotowo SED, du Fati, das Wahlergebnis in Sachsen ist raus.
  49. Donner Wetter, absolute Mehrheit der SED. Na, das war ja auch nicht anders zu erwarten. Ich glaube, da hat die Bodenreform viel zu beigetragen.
  50. Die Genossen haben jetzt das sagen und die FDJ ist überall mit dabei. Bau auf, Bau auf, eine neue Jugend für ein neues Land.
  51. [Musik] Mit uns zieht die neue Zeit. singen die Jugendlichen unter wehenden Fahnen. Die
  52. Marschrichtung bestimmen SED und Sowjets. Für antisowjetische Kräfte ist hier kein Platz. Stürmische Zeiten kündigen sich an.
  53. [Musik] [Musik]
  54. Der kalte Krieg zwischen den Supermächten ist längst entbrannt. Die Deutschen sind die Trümpfe im Machtpoker zwischen Ost und West. Im Westen
  55. entsteht die B, dann die Triezone. Die Sowjets verlassen den alliierten Kontrollrad, die oberste Regierungsinstanz. Die
  56. Antihitlerkoalition ist zerbrochen. In den drei Westzonen wird eine neue Währung eingeführt. Die Demark tritt
  57. ihren Siegeszug an. Im Westen. Deutschland ist praktisch geteilt. In allen Städten der Ostzone einschließlich Großberlins protestierten
  58. 100000ende gegen die Zerreißung Deutschlands. Achtung, Achtung, das alte Geld ist außer Kurs gesetzt. Im Westen gilt die
  59. Westwährung, im Osten die Ostwährung. Wir zeigen Ihnen Stimmungsbilder aus Berlin. Nur also Stimmung ist übertrieben. Die hier sind reichlich mit
  60. Nerven runter. Schwund in der Brieftasche. Ein Druck auf die Kasse und schon bist du im Druck.
  61. [Musik] Nee, ist nicht. Bis zur Klärung der Währung bleibt der Zapfahren geschlossen.
  62. Vom Westen in die Defensive gedrängt blockiert Moskau die Westsektoren Berlins. Fast ein Jahr lang werden sie aus der
  63. Luft versorgt. Die Ostzone kann wirtschaftlich mit dem Westen nicht mehr mithalten. Hohe Reparationsleistungen und die
  64. Währungsreform wirken sich aus. Es soll vorangehen. In der SPZ wird voll auf die Planwirtschaft gesetzt und auf die
  65. Arbeiter in den Betrieben. Die sollen die Ärmel hochkrempeln. Am 13. Oktober 1948 fuhr Adolf Henneke seine Schicht, die
  66. historisch wurde. Am Ende der Schicht hatte Adolf Henneke statt der Norm von 6,3 Kubikmet 24,4 Kubikmet Kohle gefördert. Von diesem
  67. Tage an gewannen die Menschen ein neues Verhältnis zu ihrer Arbeit, einen Aktivisten, der überall vorgezeigt wird.
  68. In Berlin tagte die Parteikonferenz der SED. Im Präsidium saßen diesmal die besten Aktivisten unserer Zone. An ihrer Spitze Adolf Hennike.
  69. Wer die Planwirtschaft sowjetischen Typs nicht will, wird agitiert und diszipliniert. Walter Ulbricht stellte fest, dass noch
  70. große Anstrengungen unternommen werden müssten, um auf allen Wirtschaftsgebieten unseren Zahrplan zu erfüllen. Vor allem sei wichtig, die
  71. Arbeitsproduktivität zu heben. Nur dadurch kann die Erzeugung und damit die Versorgung verbessert werden. [Musik]
  72. Die sowjetische Militäradministration holt im Sommer 48 zum Schlag gegen Textilfabrikanten aus. Sündenböcke für die Misere müssen her und Privateigentum
  73. soll Volkseigen werden. Eines Tages ging die zentrale Kontrollkommission bei der Deutschen Wirtschaftskommission in Glauchau Mirana
  74. auf Entdeckungsreisen. Es lohnte sich. Der Fabrikant hatte Leder für 100.000 Paar Schuhe versteckt. Sein Betrieb
  75. arbeitete wegen angeblichen Materialmangels nur vier Tage in der Woche. Großindustrie und Banken wurden gleich
  76. nach dem Krieg enteignet. Jetzt ist der Mittelstand dran. Es beginnt der erste große Schauprozess in der sowjetischen Besatzungszone.
  77. Die Vergehen der Geschäftsleute sind vergleichsweise gering. Illegale Tauschgeschäfte, um die Betriebe am Leben zu erhalten. Der öffentliche
  78. Prozess reicht den Machthabern nicht. Die Fabrikanten werden auch privat den. Der Fall Glauum Mirane ist ein Signal. Hier wird rücksichtslos durchgegriffen,
  79. ohne Ansehen von Rang und Person. Die Strafen sind hart. 15 Jahre Hochhaus für die meisten der Angeklagten.
  80. Vier Todesurteile werden gefällt, aber nicht vollstreckt. Im Osten wird am 7. Oktober 1949 aus der sowjetischen Besatzungszone
  81. die deutsche demokratische Republik. Drei Tage später übergibt die sowjetische Militäradministration in Berlin Karlshorst alle
  82. Verwaltungsfunktionen an die provisorische Regierung, damals in der DDR.
  83. Die Botschaft des Generalissimus Stalin war der bedeutendste Akt internationaler Anerkennung.
  84. Aufbruch, Hoffnung, Frieden. Die Losung der Weltfestspiele der Jugend. Aus aller Welt reisen im Sommer 1951 Jugendliche nach Berlin, um zu feiern.
  85. Ein Sport und Kulturfest unter roten Fahnen. Für die junge DDR ist es die Gelegenheit, sich als das andere
  86. Deutschland zu präsentieren. Sozialistisch, antifaschistisch, friedlebend. Im Fahnenmeer zwischen Ruinen. Der Funke
  87. springt über. Das Brandenburger Tor dahinter. beginnt Westberlin.
  88. [Musik] Hier beginnt das Reich der Sturmpolizei,
  89. des amerikanischen Dollars, der amerikanischen Soldateska, der Gangster und Börsensjobber.
  90. In dieses Reich des Bösen wagt sich Irene Geismeier. Sie hat das Agieren geübt. Jetzt will sie es dem Westen beweisen.
  91. Was den Mädchen nicht gelang. Marschkolonnen sollen es richten. Im Gleichschritt geht's nach Westberlin.
  92. Doch sie kommen nicht weit. Für den Westen sind die streitbaren FDJler eine Provokation. Die Polizei greift ein. Es kommt zu wilden Schlägereien.
  93. Die Weltfestspiele der Jugend geraten zwischen die Fronten der großen Politik. [Musik]
  94. Die DDR gibt es erst zwe Jahre und schon ist die kommunistische Welt bei ihr zu Gast.
  95. [Musik] Die Sowjetunion als Vorbild, Vater Stalin als Heilsbringer.
  96. Die frühen Jahre der DDR sind eng mit dem Namen des russischen Führers verbunden. Viele, die das andere Deutschland wollen, die in der DDR einen
  97. Gegenentwurf zur westlichen Bundesrepublik sehen, stehen in seinem Bann. Sie trifft der 5. März 53 wie ein Schlag.
  98. Der Verkehr steht still, die Arbeit ruht. Millionen halten den Atem an und schweigen.
  99. Das Land durch Hitlers Krieg zerstört demontiert in der ostdeutschen Besatzungszone Maschinen, Betriebe, Gleise. Bis zum Ende der 40er Jahre sind
  100. 2500 intakte, nicht durch den Krieg zerstörte Betriebe vollständig abgebaut und in die Uhr der SSR transportiert worden.
  101. Keine der westlichen Besatzungszonen hat Reparationen in diesem Ausmaß leisten müssen.
  102. Für die junge DDR eine kaum zu verkraftende Hypothek. Dennoch soll mit Elan der Sozialismus aufgebaut werden. Man will endlich heraus aus der Not.
  103. Anfang des Jahres 1953 beschließt die DDR-führung, die Produktion mit aller Macht zu steigern. Die Arbeitsnormen werden erhöht, trotzdem bleiben Fett,
  104. Fleisch und Zucker rationiert. Die Arbeiter empfinden diese Schritte als brutale Ausbeutung. mehr arbeiten
  105. und den Gürtel enger schnallen. Jetzt reicht es Ihnen. [Musik] Ein Flächenbrand, der in Berlin beginnt
  106. und sich schnell bis in die Provinz ausbreitet. [Musik]
  107. Unruhe herrscht auch bei den Arbeitern in Stalinstadt. Auf der Großbaustelle Stalinstadt aber legen die Handwerker, Maurer,
  108. Zimmerleute um 12 Uhr die Arbeit nieder und formieren sich zu einem Protestmarsch. Ziel der Demonstranten ist das Rathaus
  109. in Fürstenberg, sitzt der Kreisleitung der SED. Der Aufstand vom 17. Juni, die SED spricht von einem faschistischen Putsch,
  110. hat die Genossen an der Spitze tief erschreckt. Da die Partei sich kein anderes Volk wählen kann, sondern mit diesem ihren
  111. Sozialismus verwirklichen muss, lenkt sie ein, verspricht Erleichterungen im alltäglichen Leben. Der Ton ändert sich.
  112. Im neuen Kurs wird der Leichtindustrie mehr Aufmerksamkeit geschenkt als bisher.
  113. Endlich werden viele Hausfrauen sagen, die manche dringend für Küche und Haus benötigten elektrischen Geräte lange Zeit entbehren mussten.
  114. [Musik] Der Betrieb könnte seine Produktion um 100% erhöhen, wenn das Ministerium für
  115. eine ausreichende Materialbelieferung sorgt. Die modernen Bügeleisen, die hierhergestellt werden, brauchen wir
  116. besonders dringend. Sie sollen in der nächsten Zeit ausgeliefert werden. Noch immer sind viele Waren knapp. Noch immer gibt es in der DDR vieles nur
  117. gegen Bezugsmarken oder teuer in der H. [Musik] Im November 57 geht dann im
  118. Sachsenringwerk Zwickau das Auto für den DDR Bürger in die Nullserie. Der Trabant ist wendig im Straßenverkehr, ausdauernd und
  119. zuverlässig. Was ihn besonders auszeichnet, das ist seine Anzugsfreude. Ausgezeichnet gefedert und weich gepolstert, ist auch eine gelegentliche
  120. Fahrt durch unebenes Gelände nicht beschwerlich. Hoppla, solche Wege werden Sie wahrscheinlich mit ihrem Baden nicht
  121. fahren, aber er verdaut sie. Sie haben es gesehen. Nun, wie wär es?
  122. Die Kirche gilt als Auslaufmodell. Von den Kanzeln wird zwar noch gepredigt, geduldet vom Staat, aber wer sich in der Gemeinde engagiert, kommt
  123. beruflich nicht recht voran. Steht abseits, gehört irgendwie nicht dazu. Kommunisten will das Land, keine Christen.
  124. Die ODSSR garantiert allen Bürgern Gewissensfreiheit und somit das Recht auf Atheismus.
  125. Die Geschichte der kommunistischen Partei lehrt, dass das Schicksal der Völker nicht durch ein höheres Wesen, sondern allein durch ihre großen Führer
  126. bestimmt wird. Gott ist tot. Es leben die großen Führer. Am Anfang war die Utopie, der Glaube an einen neuen Menschen, eine
  127. neue gerechtere Gesellschaft. Jugendweihe. Die Jungs tragen ihren ersten Anzug und die Mädchen gehen noch etwas unbehäufen in ihren
  128. Stöckelschuhen. Wä ich heute 14 Jahre, was wäre das für ein Glück? Dann wüsste ich von allein das Werk von
  129. Marx durch Sinnen, das ist wie Goldgewinnen. Goldgräber wollte ich sein. Seid ihr bereit als treue Söhne und
  130. Töchter unseres Arbeiter und Bauernstaates für ein glückliches Leben des gesamten deutschen Volkes zu arbeiten und zu kämpfen? So antwortet
  131. mir: Ja, das geloben wir. Ja, das geloben wir. Die Ungarn wagen 1956 den Aufstand. Wieder rollen sowjetische Panzer.
  132. Die DDR Führung will die Zügel um keinen Preis lockern, aber sie lockt mit günstigeren Preisen und die Lebensmittelmarken werden
  133. abgeschafft. Die Dekorateure hatten alle Hände voll zu tun, um die Preisschilder für viele
  134. Waren neu zu zeichnen. Nahrungs und Genussmittelpreise wurden bis zu 50% gesenkt. [Applaus]
  135. Für die beliebte Ho Bockwurst mit Brötchen werden 44 Pfennige pro Stück gespart. Gelb, das nun in der Haushaltskasse auf andere Konten
  136. verbucht werden kann. Den ungezählten Bockwurstvisenden. Ein Grund zur Freude. Prosit. Was dem einen sein Bier ist, dem anderen
  137. der Schnaps und ausgerechnet der wird teurer und darüber soll man sich freuen. [Musik] 1945 bei der Bodenreform ist das Land
  138. zum Teil enteignet und neu verteilt worden. Wenn es für viele auch nur ein Fleckchener gab, so ist es doch ihre
  139. eigene Scholle und an der hängen sie. [Musik] Als es Anfang der 50er heißt, das Eigentum nach dem Vorbild sowjetischer
  140. Kolchosen in Genossenschaften einzubringen, empfinden viele Bauern das als Enteign. Bis 1957
  141. hat sich erst ein Drittel aller Höfe in LPGs zusammengeschlossen. Der Sozialismus hat auf dem Lande einen schweren Stand.
  142. 1958 fällt die Entscheidung. Es müssen alle Bauern in die LPGs. Zwangskollektivierung. Es wird agitiert, überzeugt, geworben,
  143. Zwang ausgeübt, aber zunächst ohne großen Erfolg. Nun müssen die FDJler ran. Eine groß angelegte Agitationskampagne rollt übers
  144. Land. Die Bauern trifft diese letzte großelegte Kollektivierungskampagne ins Mark. Sie fühlen sich in ihrer Existenz
  145. bedroht. [Musik] Die Propagandamaschine läuft auf Hochtouren.
  146. Die Bauern gehen oft nur unter Zwang in die Versammlungen, in denen sie mit ihrer Unterschrift Ecker und Vieh abtreten sollen.
  147. Im April 1960 verkündet die DDR stolz den erfolgreichen Abschluss der Kollektivierung auf dem Lande. Der Preis ist hoch. 154 000 Bauern verlassen bis
  148. zum Mauerbau die DDR. Ihr Trck zieht westwärts. Sie lassen alles zurück. Dörfer, Ecker, Vie. Die Kommunistische Partei der
  149. Sowjetunion leitet einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Menschheit ein. Ihr 22. Parteitag weist den Weg in das kommunistische Morgen.
  150. Welch Glück dabei zu sein, wenn in den nächsten 20 Jahren die Sowjetunion als erstes Land unseres Planeten den Kommunismus aufbaut.
  151. Keiner will abseits stehen, wenn das Glück zu den Menschen kommt. Es ist beschlossene Sache. Bis 1980 wird der Kommunismus aufgebaut. Das Geld wird
  152. abgeschafft. Gearbeitet wird nur noch aus purer Lebensfreude. Das Paradies auf Erden, die Erschaffung eines Landes, in dem Milch und Honig
  153. fließen, wird verkündet. Noch aber gibt es das Geld und wenig zu kaufen. Ein Markt in Erfurt,
  154. Privataufnahmen, keine Jubelkommentare, keine gleißenden Scheinwerfer für die Kameras der Propaganda. Grauer Alltag, die
  155. Wirklichkeit damals in der DDR. Hunderttausende gehen den Weg zum Kommunismus nicht mit. Sie flüchten in
  156. die andere Richtung, in den Westen, die Bundesrepublik. Vor allem Ärzte, Techniker und Wissenschaftler gehen, Bauern, die nicht
  157. in die LPG wollen. Für sie alle ist Utopia keine Perspektive, sondern ein leeres Versprechen. Sie entziehen sich dem kommunistischen Wahn vom kollektiven
  158. Glück, nehmen Abschied von einem Staat, der Bürger bespitzelt, bedroht. Sie erleben, was es heißt, die Heimat zu verlassen, sich von Freunden und
  159. Verwandten zu trennen. Damit die Arbeiter und Bauern endlich im Arbeiter und Bauernstat bleiben, hat
  160. Ulbricht schon seit 1952 mehrfach in Moskau angefragt, ob man nicht Westberlin endlich abbringe. Er will das Nadelöhr schließen, durch
  161. das seine Bürger immer wieder abhauen. Doch die sowjetische Führung wehrt ab. Sie will keinen bewaffneten Konflikt mit den USA riskieren.
  162. Währenddessen blutet die DDR aus. [Musik] Erst im Sommer 61, als die DDR Wirtschaft vor dem Kollaps steht, will
  163. ich Krustow ein. Am 11. August beginnen die Vorbereitungen. Äh Herr Vorsitzender, bedeutet die
  164. Bildung einer freien Stadt ihrer Meinung nach, dass die Staatsgrenze am Brandenburger Tor errichtet wird? Ich verstehe ihre Frage so, dass es Menschen
  165. Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadter der mobilisieren, um meine Mauer aufzurichten. Ja,
  166. niemand hat die Absicht, deine Mauer zu errichten. Seit etwa 1 Uhr heute Nacht rattern die Pressbohrer und
  167. bohren einen Graben. sind Volkspolizisten in ihrer Arbeitskleidung.
  168. Das sind etwa schätzungsweise 50 Uniformierte, die hier das Brandenburger Tour bewachen hier.
  169. Es gibt nun kein innen mehr. Auch wer den Sozialismus nicht will, muss sich arrangieren.
  170. Der Mauerbau stabilisiert die DDR politisch, wirtschaftlich, ideologisch. Das verheißene Paradies ist das noch nicht. Wohl aber entsteht Raum für das
  171. kleine private Glück. Aussicht auf einen bescheidenen Wohlstand. Die Industrie wird ausgebaut. Jetzt geht's voran. Es wird geplant,
  172. projektiert, errichtet. Ganze Städte entstehen nach sozialistischem Modell. Heimat für den neuen Menschen.
  173. Ein richtiger Staat braucht eine richtige Hauptstadt. Auf den Trümmern des Alten wird das neue Zentrum Ostberlins aus dem Boden gestampft.
  174. Hell, hoch, modern. Die verheißene Zukunft. Hier am Alexanderplatz soll sie in Beton gegossen werden, weithin sichtbar.
  175. bis über die Mauer z.B. Himmelsstürmer am Werk [Musik] frei von Bodenspekulation und Profitge
  176. können Sie bauen. So nützlich wie möglich für jeden einzelnen der künftigen Bewohner und Besucher. So modern und so schön wie möglich für
  177. die Menschengemeinschaft unserer ganzen Republik. [Musik]
  178. Wer aus dieser Menschengemeinschaft flieht, riskiert sein Leben an der Mauer. Ah. [Musik]
  179. [Musik]

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