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Geschichte Europas
Die Geschichte Europas ist eine Migrationsgeschichte, von der ersten Besiedlung über die Eiszeiten hinweg bis zur Gegenwart. Heutige Europäer, egal aus …
Inhalt6 Abschnitte
Europa als Migrations- und Kulturraum
Die Geschichte Europas ist wesentlich eine Geschichte von Wanderungen, kulturellem Austausch, Reichsbildungen, Konflikten und politischer Neuordnung. Die heutigen Europäer sind genetisch eine Mischung verschiedener Einwanderungsgruppen aus Afrika, dem Nahen Osten und der russischen Steppe. Wichtige Grundlagen späterer europäischer Kulturen entstanden in der griechisch-römischen Antike, im Christentum, in den mittelalterlichen Reichen sowie durch Renaissance, Aufklärung, Industrialisierung und politische Revolutionen.
Die ältesten derzeit bekannten Nachweise der Gattung Homo innerhalb der heutigen Grenzen Europas stammen aus der Sierra de Atapuerca in Spanien und sind bis zu 1,2 Millionen Jahre alt. Funde aus Georgien, außerhalb der heute gültigen Grenzen Europas, sind 1,8 Millionen Jahre alt. Nördlich der Alpen ist Homo heidelbergensis seit etwa 600.000 Jahren belegt; seine Einordnung als eigene Art ist umstritten. Vor etwa 40.000 Jahren erreichte Homo sapiens Europa und ersetzte nach und nach den Neandertaler.
Die letzte Hauptvereisungszeit dauerte ungefähr von 23.000 bis 9.660 v. Chr. Nach ihrem Ende breiteten sich dichte Wälder aus. Die Menschen der Mittelsteinzeit lebten meist als nomadische Jäger und Sammler in kleinen Gruppen von ungefähr 20 Personen. Die Landwirtschaft entwickelte sich seit dem 10. Jahrtausend v. Chr. im Fruchtbaren Halbmond und verbreitete sich ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. nach Europa. Dieser grundlegende Übergang zu Landwirtschaft und Sesshaftigkeit heißt Neolithische Revolution. Die Ausbreitung verlief unter anderem entlang der Mittelmeerküsten und der Donau. Dauerhafte Siedlungen sind seit etwa 5000 v. Chr. belegt. Um 1800 v. Chr. hatte sich die Verarbeitung von Bronze in ganz Europa durchgesetzt; um 800 v. Chr. begann in Mitteleuropa die Eisenverhüttung, im östlichen Mittelmeerraum teilweise schon früher.
Antike und Ende des Römischen Reiches
Die erste europäische Hochkultur war die minoische Kultur auf Kreta, die um 2000 v. Chr. begann. Von ihr beeinflusst entstand ab etwa 1700 v. Chr. auf dem griechischen Festland die mykenische Kultur. Nach dem Zusammenbruch ihrer Palaststaaten um 1200 v. Chr. bildete sich während der sogenannten dunklen Jahrhunderte, ungefähr 1050 bis 800 v. Chr., eine neue griechische Kultur.
Das antike Griechenland bestand aus Stadtstaaten, den Poleis, darunter Athen und Sparta. Diese besaßen unterschiedliche Regierungsformen. Griechische Leistungen in Demokratie, Philosophie, Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichtsschreibung, Literatur, Theater, Musik und Sport prägten Europa langfristig. Griechische Kolonien entstanden an den Küsten des Mittelmeers und des Schwarzen Meers. Nach der Abwehr des Perserreichs im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. kämpften Athen, Sparta und Theben um die Vorherrschaft. 338 v. Chr. besiegte Philipp II. von Makedonien Athener und Thebaner bei Chaironeia. Die Eroberungen Alexanders des Großen verbreiteten anschließend die griechische Kultur bis nach Indien und leiteten den Hellenismus ein.
Rom entwickelte sich im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. zur Republik. Nach dem Sieg über Karthago am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurde es zur führenden Macht im westlichen Mittelmeerraum. Ägypten fiel 30 v. Chr. an Rom. Nach langen Bürgerkriegen wandelte Augustus die Republik am Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. zum Kaiserreich um. Unter Trajan erreichte das Reich im 2. Jahrhundert seine größte Ausdehnung. Römisches Recht, Sprache und Architektur beeinflussten Europa dauerhaft, obwohl sich das Reich selbst als Mittelmeerreich und nicht als europäisches Reich verstand.
Konstantin förderte das Christentum; unter Theodosius I. wurde es Ende des 4. Jahrhunderts Staatsreligion. Die Reichsteilung von 395 schuf einen westlichen und einen östlichen Herrschaftsbereich. Das Weströmische Reich endete 476, während das Oströmische beziehungsweise Byzantinische Reich bis zur Eroberung Konstantinopels 1453 bestand. Die seit dem späten 4. Jahrhundert einsetzende Völkerwanderung führte zu germanisch-romanischen Nachfolgereichen. Die arabische Expansion seit den 630er Jahren brachte islamische Herrschaft und Kultur von Kleinasien über Sizilien bis Spanien. Der Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter verlief fließend.
Mittelalter, Renaissance und Expansion
Im frühen Mittelalter gingen Städtewesen und Handel in Westeuropa stark zurück. Das Lehnswesen beziehungsweise der Feudalismus ersetzte vielerorts die römische Zentralverwaltung; Gesellschaft und Herrschaft waren ständisch gegliedert. Die Kirche bewahrte Teile des antiken Wissens und blieb außerhalb von Byzanz bis zum 14. Jahrhundert ein Zentrum von Bildung und Wissenschaft.
Karl der Große beherrschte große Teile Westeuropas und wurde 800 von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt. Die karolingische Renaissance belebte Kunst, Wissenschaft und antikes Wissen. Aus der Teilung seines Reiches entwickelten sich das Westfrankenreich, aus dem Frankreich hervorging, und das Ostfrankenreich. Aus Letzterem entstand mit der Kaiserkrönung Ottos I. 962 das später so genannte Heilige Römische Reich. Dieses wurde kein einheitlicher Nationalstaat; König und Kaiser mussten ihre Herrschaft mit mächtigen Landesherren abstimmen.
1054 spaltete das Morgenländische Schisma die Kirche in die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche. Seit dem späten 11. Jahrhundert führten europäische Herrscher Kreuzzüge in den Vorderen Orient. 1204 eroberten und plünderten Kreuzfahrer Konstantinopel. Zugleich prägten außereuropäische Mächte Teile Europas: Auf der Iberischen Halbinsel bestand von 711 bis 1492 arabische Herrschaft. Übersetzungen arabischer Schriften zu Astronomie, Physik, Alchemie und Mathematik förderten den Wissenstransfer. Mongolische Heere drangen im 13. Jahrhundert bis in das heutige Deutschland, Tschechien und Österreich vor; die Goldene Horde blieb bis 1502 ein bedeutender Machtfaktor.
Das Spätmittelalter war durch Kriege, kirchliche Konflikte und Seuchen, aber auch durch wachsende Städte, Universitäten, Handel und Geldwirtschaft geprägt. Der Schwarze Tod von 1346 bis 1352 tötete vermutlich ein Drittel der europäischen Bevölkerung. Im 14. Jahrhundert begann in Florenz die Renaissance, eine kulturelle Wiederaufnahme antiker Ideen. Der Buchdruck, ausgehend von Johannes Gutenbergs Druckerpresse in Mainz, beschleunigte den Wissensaustausch.
Martin Luthers Ablassthesen von 1517 trugen zur Reformation bei. Die Spaltung in Katholizismus und Protestantismus führte zu politischen und religiösen Kriegen. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 endete mit dem Westfälischen Frieden. Gleichzeitig eröffneten Spanien und Portugal seit dem frühen 16. Jahrhundert das Zeitalter europäischer Kolonialreiche; Frankreich, England und die Niederlande folgten. Der Columbian Exchange bezeichnet den Austausch von Pflanzen und Tieren zwischen östlicher und westlicher Hemisphäre. Die Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776 und die Unabhängigkeit südamerikanischer Staaten setzten der europäischen Kolonisierung erste Grenzen.
Aufklärung, Revolution und Nationalstaaten
Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelten sich Nationalstaaten und absolutistische Herrschaftsformen, während die mittelalterliche Feudalordnung an Bedeutung verlor. Handel und Merkantilismus stärkten das Bürgertum. Die Aufklärung schwächte die gesellschaftliche Stellung der Religion, betonte vernünftiges Denken und forderte Gewaltenteilung. Naturwissenschaft und Technik machten große Fortschritte. Mit Erfindungen wie der Dampfmaschine begann im späten 18. Jahrhundert, ausgehend von Großbritannien, die industrielle Revolution. Sie mechanisierte Arbeitsprozesse, förderte internationalen Handel und leitete tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Veränderungen ein.
Die Französische Revolution von 1789 versuchte, einen Staat nach den Grundsätzen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu schaffen. König Ludwig XVI. wurde hingerichtet und Frankreich zur Republik erklärt. Napoleon Bonaparte übernahm nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII die Macht, ließ sich 1804 zum Kaiser krönen und führte bis 1815 zahlreiche Kriege. 1806 endete infolge der Bildung des Rheinbundes das Heilige Römische Reich. Nach Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo 1815 versuchte der Wiener Kongress von 1814/1815, die vorrevolutionäre Ordnung wiederherzustellen.
Demokratische, liberale, sozialistische und nationalistische Bewegungen ließen sich jedoch nicht dauerhaft unterdrücken. Die Industrialisierung schuf eine wachsende Arbeiterklasse; sozialistische, kommunistische und anarchistische Ideen verbreiteten sich. Revolutionen und Unabhängigkeitsbewegungen erschütterten Europa 1830 und 1848/49. Bis 1871 hatten die meisten Staaten Verfassungen erhalten und wurden nicht mehr absolutistisch regiert.
1861 entstand unter Viktor Emanuel II. das Königreich Italien. Nach den Einigungskriegen von 1864, 1866 und 1870/1871 wurde 1871 unter Wilhelm I. das Deutsche Kaiserreich gegründet. In den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts verschärften Nationalismus, Militarisierung, Wettrüsten und Imperialismus die Konkurrenz zwischen den Großmächten. Der Wettlauf um Kolonien in Afrika und Asien sowie die Auflösung des Bündnissystems Otto von Bismarcks nach 1890 trugen langfristig zum Ersten Weltkrieg bei.
Weltkriege und geteiltes Europa
Der Erste Weltkrieg begann 1914. Den Mittelmächten Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich und Bulgarien stand die Entente aus Frankreich, Großbritannien und Russland gegenüber; 1915 kam Italien, 1917 unter anderem die USA hinzu. Trotz der russischen Niederlage 1917 siegte die Entente Ende 1918. Der Krieg förderte die Oktoberrevolution und die Entstehung der kommunistischen Sowjetunion. Nach dem Krieg entstanden auf dem Gebiet Österreich-Ungarns unter anderem Österreich, Ungarn, Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien.
Angst vor dem Kommunismus, Unzufriedenheit mit den Friedensverträgen und die Weltwirtschaftskrise von 1929 begünstigten autoritäre und totalitäre Regime: 1922 kamen die Faschisten in Italien an die Macht, 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland und nach dem Bürgerkrieg 1939 die Franquisten in Spanien. Am 1. September 1939 begann Deutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. Nach frühen Eroberungen scheiterte die weitere Expansion: Im Dezember 1941 wurde die Wehrmacht vor Moskau gestoppt, ein Jahr später erlitt sie bei Stalingrad eine entscheidende Niederlage. Die Alliierten eroberten ab 1943 Italien und 1944 mit der Operation Overlord Frankreich zurück.
Das nationalsozialistische Deutschland ermordete in Konzentrations- und Außenlagern Millionen Juden, Sinti und Roma sowie zahlreiche weitere Verfolgte, darunter politische Gegner, Geistliche, sowjetische Kriegsgefangene und polnische Zivilisten. Deutschland kapitulierte bedingungslos am 8. Mai 1945. Japan ergab sich im August 1945 nach der Zerstörung Hiroshimas und Nagasakis durch US-amerikanische Atombomben.
Nach 1945 verlor Europa seine frühere weltpolitische Vorrangstellung. Im Kalten Krieg teilte der Eiserne Vorhang den Kontinent in einen von den USA geprägten Westen und einen von der Sowjetunion beherrschten Ostblock. Militärisch standen sich NATO und Warschauer Pakt gegenüber. Im Westen begann zugleich die europäische Integration: Aus der Montanunion entstand 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die nach dem Maastrichter Vertrag 1992 von der Europäischen Union abgelöst wurde.
Freiheitsbewegungen im Ostblock wurden 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei zurückgedrängt. Wirtschaftliche Schwäche und die Belastung durch das Wettrüsten schwächten schließlich die Sowjetunion. Ab Herbst 1989 löste sich der Ostblock auf. Die friedliche Revolution in der DDR führte zum Ende der SED-Herrschaft und zur deutschen Wiedervereinigung. Bis Ende 1991 zerfiel die Sowjetunion; ab 1991 zerfiel auch Jugoslawien.
Europa seit 1990
Nach dem Ende des Kalten Krieges bestanden zunächst Hoffnungen auf Abrüstung, Demokratisierung und eine Friedensdividende. Deregulierung und Globalisierung prägten die Wirtschaftspolitik, stießen aber auch auf Kritik. Die Kriege beim Zerfall Jugoslawiens sowie die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA beendeten einen Teil dieser Hoffnungen. Auch Europa wurde von Terroranschlägen getroffen, unter anderem 2004 in Madrid und 2005 in London.
Die europäische Integration wurde vertieft. Der Euro ist gemeinsame Währung von 20 EU-Staaten. Am 1. Mai 2004 traten Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Malta und die Republik Zypern bei; Bulgarien und Rumänien folgten am 1. Januar 2007. Der 2007 unterzeichnete Vertrag von Lissabon trat am 1. Dezember 2009 in Kraft. Die Weltfinanzkrise führte 2009 in Griechenland zu einer schweren Finanzkrise, die sich 2010 zur Eurokrise entwickelte. Der Europäische Stabilitätsmechanismus sollte eine Katastrophe verhindern; auch Irland, Spanien, Portugal und Italien waren betroffen.
Russland verfolgte nach dem Ende der Sowjetunion wieder eine stärker nationalistische Politik. Unter Wladimir Putin wurde die staatliche Autorität mit diktatorischen Methoden gestärkt. Im März 2014 annektierte Russland während der Revolution in der Ukraine die Krim. Ein improvisiertes Votum ergab nach veröffentlichten Zahlen mehr als 90 Prozent Zustimmung zum Anschluss, ließ aber keine Entscheidung für den bisherigen Zustand zu. 100 Staaten der Vereinten Nationen erklärten, das Votum könne keine Grundlage für eine Änderung des Status der Krim sein. Am 24. Februar 2022 griff die russische Armee die unabhängige Ukraine an; der Ukraine-Konflikt ging damit in den Russisch-Ukrainischen Krieg über.
Europas historische Vielfalt wird teilweise durch Modelle von Kulturregionen beschrieben, etwa Peripherie, Nordwesteuropa, Mittelosteuropa, Osteuropa, Mediterranea und Südosteuropa. Solche Einteilungen beruhen auf Gemeinsamkeiten wie Wirtschaftsform, politischer Entwicklung und römischem, byzantinischem oder osmanischem Erbe. Sie sind jedoch subjektive Modelle und keine allgemein verbindliche Gliederung Europas.
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