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Italien
Mit knapp 59 Millionen Einwohnern ist es das viertbevölkerungsreichste vollständig zu Europa zählende Land. Die Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt ist …
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Staat und geografische Lage
Italien, amtlich Italienische Republik (Repubblica Italiana), ist ein Staat in Südeuropa und eine parlamentarische Republik. Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt ist Rom; Mailand ist das Wirtschafts- und Finanzzentrum. Italien hat 301.338 km² Fläche und 58.937.663 Einwohner (Juni 2026). Die Bevölkerungsdichte beträgt 196 Einwohner pro km². Amtssprache ist Italienisch; regional sind auch Deutsch, Französisch, Ladinisch und Slowenisch Amtssprachen. Die Währung ist der Euro (EUR).
Das Staatsgebiet umfasst vor allem die Apenninhalbinsel, die Po-Ebene und den südlichen Alpenbogen. Hinzu kommen Sizilien, Sardinien und zahlreiche kleinere Inselgruppen. Die Küstenlänge beträgt 7600 km. Landgrenzen bestehen zu Frankreich, der Schweiz, Österreich und Slowenien sowie zu San Marino und der Vatikanstadt. Italien besitzt außerdem die von der Schweiz umgebene Exklave Campione d’Italia. Im Inneren wird häufig zwischen Oberitalien, Mittelitalien und Unter- beziehungsweise Süditalien, dem Mezzogiorno, unterschieden.
Der Apennin durchzieht die Halbinsel und erreicht im Gran Sasso 2912 m. Der höchste Gipfel der italienischen Alpen ist der Mont Blanc mit 4805,59 m; der Grenzverlauf ist dort umstritten. Nach französischer Auffassung ist der Mont Blanc de Courmayeur mit 4748 m der höchste Gipfel Italiens. Das vollständig auf italienischem Gebiet liegende höchste Massiv ist der Gran Paradiso mit 4061 m. Die Po-Ebene ist mit 50.000 km² die größte Ebene des Landes.
Italien entwässert fast vollständig zum Mittelmeer. Die längsten Flüsse sind Po (652 km), Etsch (410 km) und Tiber (405 km). Zu den größten Seen gehören Gardasee, Lago Maggiore, Comer See, Bolsenasee und Trasimenischer See. Italien ist wegen seiner geologischen Lage häufig von Erdbeben betroffen. Das Beben von Messina und Reggio Calabria von 1908 hatte die Stärke 7,2 und forderte bis zu 120.000 Todesopfer. Zu den Vulkanen zählen der Vesuv, die Phlegräischen Felder, der aktive Ätna (3403 m) und der ständig aktive Stromboli (926 m).
Das Klima ist überwiegend subtropisch und regional verschieden: Norditalien hat besonders in den Gebirgen kalte Winter und meist milde Sommer, Mittelitalien mildere Winter sowie trockene, warme bis heiße Sommer, Süditalien und die Inseln ein fast ganzjährig warmes Mittelmeerklima. Im Süden treten wegen geringer sommerlicher Niederschläge häufig Dürren auf. Der Kälterekord liegt bei −48,3 °C (Pala di San Martino, Dezember 2010), der Höchstwert bei 48,5 °C (Catenanuova auf Sizilien, 10. August 1999). Die globale Erwärmung führt laut Artikel zu steigenden Temperaturen, weniger Niederschlag und mehr Extremwetter. 13 von 15 italienischen UNESCO-Welterbestätten sind demnach durch Erosion und steigenden Meeresspiegel bedroht.
2014 gab es 24 Nationalparks mit rund 15.000 km² Fläche und 134 Regionalparks mit rund 13.000 km². Der Nationalpark Gran Paradiso wurde 1922 als erster eingerichtet. 2010 verzeichnete das Umweltministerium insgesamt 871 geschützte Naturgebiete.
Bevölkerung, Sprachen und Bildung
Italiens Bevölkerung wuchs von 22.182.377 Menschen im Jahr 1861 auf 60.244.639 im Jahr 2019. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wächst sie nur noch sehr langsam; für 2025 wird eine Entwicklung von −0,1 % geschätzt. Die COVID-19-Pandemie verstärkte den Rückgang: 2020 starben 746.146 Menschen, etwa 100.000 mehr als im Durchschnitt von 2015 bis 2019. 2022 wurden mit 392.598 Kindern so wenige Kinder geboren wie seit der Staatsgründung nicht mehr.
2023 lebten 72 % der Einwohner in Städten. Von 1950 bis 1960 kam es zu starker Landflucht, seit den 1980er Jahren zu Suburbanisierung, also einer Verlagerung in Vororte und Kleinstädte. Zwischen 1951 und 1974 wanderten etwa vier Millionen Süditaliener in die Industriezentren Norditaliens ab.
Die Lebenserwartung lag 2020 bei 82,3 Jahren (Frauen 84,7, Männer 80,1). Etwa 19 % der Bevölkerung waren älter als 65 Jahre. Die Geburtenrate lag bei 1,2 Kindern pro Frau. Die Kindersterblichkeit betrug 2018 3,0 Promille. Der Anteil täglicher Raucher sank von 27,8 % (1990) auf 22,3 % (2005); seit dem 10. Januar 2005 gilt ein Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Gebäuden. Das Gesundheitssystem ist regional organisiert. Dadurch unterscheiden sich die Leistungen stark; insbesondere besteht ein Nord-Süd-Gefälle. 2024 betrugen die Gesundheitsausgaben 6,2 % des BIP, 75 % davon wurden öffentlich getragen.
Neben Italienisch sind Deutsch und Ladinisch in Trentino-Südtirol, Französisch im Aostatal und Slowenisch in Friaul-Julisch Venetien regional amtlich. Ein Gesetz von 1999 schützt unter anderem Albanisch, Frankoprovenzalisch, Furlanisch, Griechisch, Katalanisch, Molisekroatisch, Okzitanisch und Sardisch. Die Umsetzung ist jedoch mit Ausnahmen unvollständig. Die italienischen Dialekte werden meist in norditalienische, toskanische sowie mittel- und süditalienische Gruppen eingeteilt; ob einzelne Dialekte eigenständige Sprachen sind, ist in Sprachwissenschaft und Politik umstritten.
Das einheitlich aufgebaute Schulsystem besteht aus Vorschule (3 bis 6 Jahre, drei Jahre), Grundschule (6 bis 11, fünf Jahre), Mittelschule (11 bis 14, drei Jahre) und Oberschule (14 bis 19, fünf Jahre). Die Oberschulen umfassen Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsfachschulen. Seit 2004 besteht eine zwölfjährige Schul- und Berufsausbildungspflicht. Englisch wird bereits in der Grundschule unterrichtet, eine zweite lebende Fremdsprache kann ab der Mittelschule hinzukommen. Das Hochschulsystem kennt dreijährige Bachelor- und zweijährige Masterstudiengänge; Jura wird fünfjährig angeboten. 67 der 95 Universitäten sind staatlich. Die Universität Bologna wurde 1088 gegründet.
Geschichtliche Entwicklung
Die Besiedlung der Apenninhalbinsel reicht 1,3 bis 1,7 Millionen Jahre zurück. Der moderne Mensch trat vor etwa 43.000 bis 45.000 Jahren auf und lebte noch mehrere Jahrtausende neben dem Neandertaler. Ab etwa 6100 v. Chr. wurde Landwirtschaft eingeführt; im 2. Jahrtausend v. Chr. entstanden aus Dörfern frühe stadtähnliche Siedlungen mit erkennbaren sozialen Hierarchien. In der Antike prägten italische Völker, Etrusker, griechische Kolonien in Süditalien und Sizilien sowie phönizische Siedlungen die Region.
Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. expandierte Rom. Italien wurde zum Zentrum des Römischen Reiches, das sich über den Mittelmeerraum und Teile Europas ausdehnte. Die Wirtschaft wandelte sich von einer bäuerlichen Grundlage zu großen Latifundien mit Sklavenarbeit. Ein dichtes Straßennetz förderte Handel und Städtewachstum. In der Spätantike entstanden neben freien Bauern und Sklaven Formen der Bindung an den Boden, etwa das Kolonat. Mit dem Niedergang Westroms um 476 schrumpften Städte und Bevölkerung; Flüsse und Meer wurden wichtige Handelswege. Im 4. Jahrhundert hatte sich das Christentum als Staatsreligion durchgesetzt.
Nach Einfällen der Goten und Langobarden zersplitterte Italien im Mittelalter in verschiedene Herrschaftsgebiete. Im 8. und 9. Jahrhundert dominierten die Franken. Seit Otto dem Großen gehörte der größte Teil Nord- und Mittelitaliens zum Heiligen Römischen Reich, während der Süden lange byzantinisch blieb. Araber eroberten ab 827 Sizilien und Teile Süditaliens; im 11. Jahrhundert folgte die normannische Eroberung Süditaliens. Gleichzeitig gewannen die Städte Norditaliens durch Handel und Verkehr Selbstständigkeit. Nach dem Untergang der Staufer 1268 blieb der Norden in viele selbstständige Städte und Territorien geteilt.
Die Renaissance begann im späten 14. Jahrhundert; ihre Kernzeit lag im 15. und 16. Jahrhundert. Humanismus und die Rückbesinnung auf die Antike prägten diese Epoche. Städte wie Florenz, Venedig, Mailand und Neapel verfügten über großen wirtschaftlichen und kulturellen Einfluss. Italien gehörte im 15. Jahrhundert zu den am stärksten urbanisierten Regionen Europas.
Nach der Entdeckung Amerikas verlagerte sich der Handel zunehmend auf westeuropäische Überseekolonien. Im 16. Jahrhundert kämpften Frankreich und Spanien um die Vorherrschaft; nach der Schlacht bei Pavia 1525 dominierte Spanien. 1796 übernahmen französische Revolutionstruppen die Macht, 1805 krönte sich Napoleon in Mailand zum König von Italien. Danach geriet der Großteil Italiens unter österreichischen Einfluss.
Im Risorgimento, der italienischen Nationalbewegung, vereinigten die Savoyer und Garibaldis Freiwilligenverbände Italien in drei Unabhängigkeitskriegen von 1848 bis 1870. Am 17. März 1861 wurde Viktor Emanuel II. zum König Italiens ausgerufen. Die Hauptstadt wechselte 1865 nach Florenz und 1871 nach Rom; 1866 kamen Venetien und Friaul hinzu.
Italien trat 1915 trotz seiner Mitgliedschaft im Dreibund der Triple Entente bei und erhielt nach dem Ersten Weltkrieg unter anderem Julisch Venetien, Istrien, Trentino und Südtirol. Nach dem Marsch auf Rom übernahmen Mussolini und die Faschisten im Oktober 1922 die Macht. Italien wurde ein totalitärer Staat und trat am 10. Juni 1940 auf deutscher und japanischer Seite in den Zweiten Weltkrieg ein. Nach Mussolinis Absetzung 1943, dem Waffenstillstand von Cassibile und der deutschen Besetzung kämpften Resistenza, Alliierte, deutsche Truppen und die faschistische Italienische Sozialrepublik gegeneinander. Die deutsche Kapitulation in Italien trat am 2. Mai 1945 in Kraft. 1946 wurde die Monarchie durch Volksabstimmung abgeschafft und die Republik ausgerufen. Die republikanische Verfassung wurde am 22. Dezember 1947 beschlossen und trat am 1. Januar 1948 in Kraft. Seit den 1990er Jahren wechselten die Regierungen häufig; seit dem 22. Oktober 2022 ist Giorgia Meloni Ministerpräsidentin.
Politisches System und Staat
Italien ist seit 1946 eine parlamentarische Republik. Die Verfassung beruht auf einem Kompromiss antifaschistischer liberaler, sozialistischer, kommunistischer und katholischer Parteien. Kennzeichnend sind das starke Parlament, das Zweikammersystem mit vollständig gleichberechtigten Kammern (bicameralismo perfetto), plebiszitäre Elemente, ein mächtiger Verfassungsgerichtshof und die Dezentralisierung.
Der Staatspräsident wird von den vereinigten Parlamentskammern und Vertretern der 20 Regionen gewählt. Bis zum dritten Wahlgang ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, danach genügt die absolute Mehrheit. Kandidaten müssen mindestens 50 Jahre alt sein. Der Präsident ernennt den Ministerpräsidenten, wirkt an der Regierungsbildung mit, ist Oberbefehlshaber und kann das Parlament auflösen, grundsätzlich jedoch nicht in den letzten sechs Monaten seiner Amtszeit. Gesetze kann er vorläufig zurückweisen; billigt das Parlament sie erneut, muss er sie unterzeichnen. Seit dem 3. Februar 2015 ist Sergio Mattarella Staatspräsident.
Die Regierung heißt Ministerrat. Der Ministerpräsident bestimmt die allgemeine Politik und koordiniert die Minister, ist wegen instabiler Mehrheiten aber häufig nur primus inter pares, also „Erster unter Gleichen“. Die Minister werden auf Vorschlag des Ministerpräsidenten vom Staatspräsidenten ernannt. Der Ministerrat bereitet Gesetzentwürfe vor, erlässt Gesetzesdekrete und kann aufgrund von Ermächtigungsgesetzen gesetzesvertretende Dekrete beschließen. Seit dem 22. Oktober 2022 ist Giorgia Meloni Ministerpräsidentin.
Die Abgeordnetenkammer hat 400 Mitglieder, darunter acht Vertreter der Auslandsitaliener. Der Senat hat 200 gewählte Senatoren, darunter vier Auslandsitaliener, sowie höchstens fünf vom Staatspräsidenten ernannte Senatoren auf Lebenszeit; ehemalige Staatspräsidenten sind ebenfalls Senatoren auf Lebenszeit. Beide Kammern werden für fünf Jahre gewählt. Das allgemeine Wahlrecht wurde für Frauen und Männer 1945 eingeführt; 1946 nahmen Frauen erstmals an den nationalen Wahlen teil. Beim Referendum vom 2. Juni 1946 stimmten 54,27 % für die Republik und 45,73 % für die Monarchie.
Italien ist in 20 Regionen, 90 Provinzen, 15 Metropolitanstädte und 7904 Gemeinden gegliedert. Fünf Regionen besitzen ein Sonderstatut mit erweiterten Autonomierechten. Das Rechtssystem gehört zum römisch-germanischen Rechtskreis. Zentrale Rechtsquellen sind Verfassung, Zivilgesetzbuch, Zivilprozessordnung, Strafgesetzbuch und Strafprozessordnung. Höchste Gerichte sind der Kassationsgerichtshof und der Verfassungsgerichtshof.
Italien ist Gründungsmitglied beziehungsweise Mitglied der EU, des Europarates, der NATO, der UNO, G7, G20, OECD und WTO. Das Land ist stark in die europäische Integration eingebunden und außenpolitisch besonders auf Mittelmeerraum, Westbalkan, Nahen Osten, Horn von Afrika und Lateinamerika ausgerichtet.
Wirtschaft, Verkehr und soziale Lage
Italien ist ein hoch entwickelter Industriestaat. Das nominale BIP betrug 2024 2,4 Billionen USD; das BIP nach Kaufkraftparität (KKP, ein Vergleich auf Grundlage unterschiedlicher Preisniveaus) 3,6 Billionen USD. Das BIP pro Einwohner lag nominal bei 40.224 USD und nach KKP bei 61.254 USD. Der HDI, der Lebenserwartung, Bildung und Einkommen zusammenfasst, betrug 2023 0,915. Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich langfristig: Von 1970 bis 1979 wuchs das BIP um 40 %, von 2000 bis 2009 nur um 1,2 %. 2020 sank es pandemiebedingt um 8,9 %, 2021 stieg es um 8,9 %.
Die Landwirtschaft trägt etwa 2 % zur Wirtschaftsleistung bei, ist aber bei Wein, Olivenöl, Käse, Obst und Gemüse bedeutend. Italien ist mit rund 49 Millionen Hektolitern (2015) der größte Weinproduzent der Welt und war 2013 mit 442.000 Tonnen der zweitgrößte Olivenölproduzent. Das verarbeitende Gewerbe besteht überwiegend aus kleinen und mittleren, häufig familiengeführten Unternehmen; 95,2 % der Unternehmen sind Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten. Wichtige Branchen sind Maschinen-, Luftfahrzeug-, Schiff- und Automobilbau, Chemie, Textilien, Design, Nahrungsmittel und Brillenherstellung. Dienstleistungen umfassen Banken, Versicherungen, bargeldlosen Zahlungsverkehr und Tourismus. 2019 besuchten rund 65 Millionen Touristen das Land.
Die Wirtschaft ist regional stark geteilt. Der industrialisierte Norden, besonders das frühere Industriedreieck Mailand–Turin–Genua, ist deutlich leistungsfähiger als der Mezzogiorno. 2021 betrug die Arbeitslosenquote im Nordwesten 6,6 %, im Nordosten 5,4 %, in Mittelitalien 8,8 % und in Süditalien einschließlich Inseln 16,7 %. Insgesamt lag sie 2021 bei 9,5 %, die Jugendarbeitslosigkeit im Juni 2022 bei 23,1 %. 2023 waren 62,1 % der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter beschäftigt.
Die Staatsverschuldung betrug 2020 154,3 % des BIP und 2023 134,8 %. Der Staatshaushalt 2023 umfasste Ausgaben von 1.144 Milliarden Euro und Einnahmen von 992 Milliarden Euro. Wichtige Steuern sind die IRPEF mit fünf Sätzen von 23 % bis 43 %, die IRES-Körperschaftsteuer von 24 %, die IRAP von 3,9 % und die IVA-Umsatzsteuer von normalerweise 22 %. Seit 2002 ist der Euro gesetzliches Zahlungsmittel; in Campione d’Italia gilt der Schweizer Franken.
Italien ist stark von Energieimporten abhängig; etwa 79 % des Energiebedarfs werden importiert. Die Stromerzeugung erfolgt vor allem in thermischen Kraftwerken, daneben durch Wasser-, Solar-, Wind- und Geothermie. Nach Volksabstimmungen 1987 und 2011 stieg Italien aus der Kernenergie aus. Das Autobahnnetz umfasste 2025 8.006 km. Das Schienennetz war 2023 rund 25.000 km lang, etwa zur Hälfte elektrifiziert; eine über 1000 km lange Hochgeschwindigkeitsachse verbindet Turin, Mailand, Bologna, Florenz, Rom, Neapel und Salerno. Wichtige Seehäfen sind Genua, Triest, Tarent und Gioia Tauro. Der größte Flughafen ist Rom-Fiumicino mit 48.669.250 Passagieren im Jahr 2024.
Kultur, Medien und Sport
Italien besitzt mit 60 UNESCO-Welterbestätten die höchste Zahl weltweit. Zum kulturellen Erbe gehören römische Bauwerke, christliche Zentren, Renaissancekunst, Barock und Klassizismus. Das Land verfügt über rund 100.000 Denkmäler. Zu den bedeutenden Bauwerken zählen das Kolosseum, der Mailänder Dom, die Kathedrale von Florenz, der Schiefe Turm von Pisa und die Paläste Venedigs. In der Architektur prägten römische Bögen und Kuppeln, Renaissancearchitektur sowie der vom Werk Andrea Palladios beeinflusste Palladianismus die internationale Baugeschichte.
Die italienische Literatur reicht vom Sonnengesang des Franz von Assisi über Dante Alighieris Göttliche Komödie, Petrarcas Canzoniere und Boccaccios Decamerone bis zu modernen Autoren. Dante, Petrarca und Boccaccio werden als „drei Florentiner Kronen“ bezeichnet. In der Philosophie gilt Niccolò Machiavellis Il Principe als eines der ersten Werke der modernen politischen Philosophie. In der Wissenschaftsgeschichte stehen unter anderem Leonardo da Vinci, Galileo Galilei, Alessandro Volta, Guglielmo Marconi und Enrico Fermi. Medizinische Beiträge reichen von der Schola Medica Salernitana über die Beschreibung des Kapillarkreislaufs durch Marcello Malpighi bis zur Entdeckung von Vibrio cholerae durch Filippo Pacini 1854.
Die bildende Kunst Italiens war besonders in Gotik, Renaissance und Barock prägend. Die Renaissance begann in der Malerei um 1420 in Florenz und erreichte ihren Höhepunkt zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Bedeutende Werke sind unter anderem Leonardo da Vincis Mona Lisa und Abendmahl sowie Michelangelos Erschaffung Adams. In der Bildhauerei prägten Donatello, Michelangelo, Bernini und Canova wichtige Epochen. Italienische Operntraditionen reichen von Monteverdi bis Verdi und Puccini. Das Sanremo-Festival findet seit 1951 jährlich statt. Die Filmfestspiele von Venedig wurden 1932 gegründet und gelten als ältestes Filmfestival der Welt. Cinecittà in Rom ist ein wichtiges Filmzentrum.
Die italienische Küche ist eine einflussreiche Regionalküche. Bekannt sind unter anderem Pasta, Pizza, Olivenöl, Pesto, Käse, Wurstwaren, Panettone, Tiramisu und Weine wie Chianti und Barolo. Die Küche wurde 2010 als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Zu bekannten Traditionen gehören der Palio di Siena, der Calcio storico in Florenz, die Regata storica in Venedig und verschiedene Karnevalsfeiern.
Zu den reichweitenstärksten Tageszeitungen zählen Corriere della Sera, La Stampa, La Repubblica und Il Messaggero. Daneben gibt es drei große tägliche Sportzeitungen: La Gazzetta dello Sport, Tuttosport und Corriere dello Sport – Stadio. Das staatliche Rundfunkunternehmen Rai wird durch private Sender wie Mediaset ergänzt. 2023 nutzten rund 87 % der Einwohner das Internet. In Minderheitengebieten erscheinen auch deutsch- und slowenischsprachige Zeitungen und Rundfunkprogramme.
Sport besitzt einen hohen Stellenwert. Fußball ist die populärste Sportart; die Serie A ist die höchste Spielklasse. Italien gewann die Fußball-Weltmeisterschaft 1934, 1938, 1982 und 2006 sowie die Europameisterschaft 1968 und 2021. Weitere wichtige Sportarten sind Motorsport, Radsport, Skisport, Rugby Union, Basketball, Volleyball und Wasserball. Der Giro d’Italia gilt als zweitbedeutendstes Radrennen der Welt. Italien nimmt seit 2000 an den Six Nations im Rugby teil und qualifizierte sich für alle Rugby-Weltmeisterschaften.