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Hellenismus

Als Hellenismus (von altgriechisch Ἑλληνισμός hellēnismós, deutsch ‚Griechentum') bezeichnet man die Epoche der antiken griechischen Geschichte vom …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Epoche, Raum und politische Entwicklung
  2. 2. Herrschaft, Städte, Bünde und Krieg
  3. 3. Wirtschaft und Gesellschaft
  4. 4. Religion, Wissenschaft und Philosophie
  5. 5. Literatur, Städtebau und Kunst
  6. 6. Nachwirkung, Bewertung und Quellenlage

Epoche, Raum und politische Entwicklung

Der Hellenismus bezeichnet die Epoche der griechischen Antike vom Regierungsantritt Alexanders des Großen 336 v. Chr. bis zur Eingliederung des ptolemäischen Ägyptens in das Römische Reich 30 v. Chr. Politisch war er durch Alexanders Eroberungen, die Nachfolgereiche seiner Generäle und schließlich den Aufstieg Roms geprägt. Kulturgeschichtlich reichen seine Wirkungen bis in die römische Kaiserzeit und die Spätantike.

Ein Hauptmerkmal war die Hellenisierung: Griechische Sprache und Kultur verbreiteten sich von Südfrankreich und Unteritalien über Griechenland, Ägypten und Vorderasien bis nach Indien und in das heutige Afghanistan. Gleichzeitig beeinflussten orientalische Kulturen die Griechen. Als gemeinsame Verkehrssprache entstand die Koine, eine überregionale Form des Griechischen, die in Teilen des Orients noch Jahrhunderte verwendet wurde.

Alexander eroberte seit 334 v. Chr. das persische Achämenidenreich und drang bis nach Indien vor. Nach seinem Tod 323 v. Chr. kämpften seine Generäle, die Diadochen oder „Nachfolger“, um die Herrschaft. Seit 306/5 v. Chr. führten die meisten den Königstitel. Mit der Niederlage Antigonos’ I. in der Schlacht bei Ipsos 301 v. Chr. scheiterte die Wiedervereinigung des Alexanderreiches endgültig; 281 v. Chr. endeten die Diadochenkriege.

Danach bestanden drei Großreiche: Die Antigoniden herrschten über Makedonien und große Teile Griechenlands, die Seleukiden über Kleinasien, Syrien, Mesopotamien und Persien, die Ptolemäer über Ägypten, die Kyrenaika und zeitweise die Levante. Daneben wirkten Mittelmächte wie Pergamon, Rhodos und der Achaiische Bund. Seit 200 v. Chr. griff Rom zunehmend ein. 168 v. Chr. beseitigten die Römer die antigonidische Monarchie, 146 v. Chr. plünderten sie Korinth, 133 v. Chr. fiel Pergamon an Rom. Zugleich verdrängten die Parther die Seleukiden aus Iran und nahmen um 141 v. Chr. Mesopotamien ein. Pompeius annektierte 63 v. Chr. Syrien; Octavian eroberte 30 v. Chr. Alexandria. 27 v. Chr. wurde Griechenland als Provinz Achaea direkter römischer Herrschaft unterstellt.

Herrschaft, Städte, Bünde und Krieg

Die hellenistischen Monarchien waren persönliche Herrschaften makedonischer Dynastien. Das Königtum, die basileia, galt nicht als staatliches Amt, sondern als persönliche Würde. Die Legitimität eines Königs beruhte besonders auf der Nachfolge Alexanders, militärischem Erfolg und der Akklamation durch das Heer. Genealogien, Heiratspolitik, göttliche Abstammung und Herrscherkult ergänzten diese Grundlagen. So nannten die Rhodier Ptolemaios I. 304 v. Chr. „Sōtēr“, also „Retter“, und verehrten ihn als Gott. Wie stark eine charismatische, auf Sieghaftigkeit gegründete Herrschaft das Königtum bestimmte, ist in der Forschung umstritten.

Die Könige regierten durch schriftliche Erlasse und einen zentralistischen Berufsbeamtenapparat. Berater waren die „Freunde“ und „Verwandten“ des Herrschers. Der dioikētēs, der Hausverwalter, leitete Verwaltung, Wirtschaft und Finanzen. Strategen und Satrapen verwalteten die Gebiete; höhere Ämter gingen meist an Makedonen oder Griechen. Besonders das Ptolemäerreich besaß eine engmaschige Verwaltung.

Für die meisten Griechen blieb die Polis, der selbstverwaltete Stadtstaat, der wichtigste soziale und rechtliche Rahmen. Der frühe Hellenismus gilt heute sogar als Blütezeit vieler Städte. Dennoch mussten selbst Athen, Sparta oder Ephesos ihre Außenpolitik an den Großmächten ausrichten. Im Laufe der Epoche nahm der Einfluss reicher Oberschichten zu; spätestens in der Kaiserzeit regierten überwiegend oligarchische Stadträte statt Volksversammlungen.

Kleine Poleis schlossen sich zu Bundesstaaten, den koina, zusammen. Besonders wichtig waren der Aitolische und der Achaiische Bund. Die Mitgliedsstädte behielten grundsätzlich ihre innere Autonomie, übertrugen aber Außenpolitik und Militär an gemeinsame Einrichtungen wie Bundesversammlung, Rat, Magistrate und Heer. Ein gemeinsames Bundesbürgerrecht ergänzte das jeweilige Polisbürgerrecht. Diese repräsentativen Strukturen beeinflussten später auch neuzeitliche Vorstellungen vom Bundesstaat.

Die Heere bestanden hauptsächlich aus makedonischer Garde, griechisch-makedonischer Phalanx und Söldnern. Militärsiedler erhielten Land, bewirtschafteten es in Friedenszeiten und standen für den Krieg bereit. Die Armeen waren erheblich größer als in klassischer Zeit; für Ipsos 301, Raphia 217 und Magnesia 190 v. Chr. gelten rund 70.000 Soldaten je Seite als realistisch. Kriegselefanten, gepanzerte Reiter, große Belagerungsmaschinen und immer größere Kriegsschiffe kamen zum Einsatz. Im 2. Jahrhundert v. Chr. zeigte sich jedoch, dass die makedonische Phalanx der beweglicheren römischen Legion unterlegen war.

Wirtschaft und Gesellschaft

Alexanders Eroberungen öffneten neue Siedlungs- und Handelsräume. Nach einer kurzen Phase wirtschaftlichen Aufschwungs störten allerdings die Diadochenkriege die Entwicklung. Die Monarchien betrieben eine planmäßige Wirtschaftspolitik. Ägypten wurde durch moderne Anbaumethoden zum wichtigsten Getreideexporteur des östlichen Mittelmeerraums; der ptolemäische Herrscher erhielt etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Erträge. Alexandria war der wichtigste Handelsplatz der damaligen Welt.

Münzprägung, Banken, Lagerhäuser, Steuern, Zölle und viele Monopole standen unter königlicher Kontrolle. In Ägypten wickelte die königliche Staatsbank den Zahlungsverkehr über Alexandria und zahlreiche Zweigstellen ab. Wichtige Staatsausgaben waren Hofhaltung, Sold und Beamtengehälter, Flottenbau, Tribute und Außenpolitik. Gewerbetreibende hatten mehr Freiheit, doch Grundnahrungsmittel, Papyrus, Textilien, Glas, Luxusartikel, Transport und Außenhandel konnten staatlich geregelt sein. Zölle erreichten bis zu 50 Prozent. Die Seleukiden profitierten von ihrer Lage an der Seidenstraße; seit der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. verlagerten sich Handelsströme zunehmend direkt nach Italien.

Das Seleukidenreich hatte schätzungsweise 30 Millionen, das Ptolemäerreich etwa acht Millionen Einwohner. Die Gesellschaft war vor allem durch den Gegensatz zwischen griechisch-makedonischen Einwanderern und einheimischer Bevölkerung geprägt. Griechen stellten höchstens ein Prozent der Bevölkerung, waren aber in Militär und höherer Verwaltung bevorzugt. Bevölkerungsgruppen unterlagen teils unterschiedlichen Rechten; Mischehen waren verboten. Gleichzeitig führte die gemeinsame Koine langfristig zu kultureller Vermischung und erleichterte später die Verbreitung des Christentums.

Die soziale Mobilität war zunächst relativ hoch, weil Ämter eher nach Leistung als nach Geburt vergeben wurden. Erst im späten Hellenismus entstand vielerorts eine erblich geprägte Oberschicht. Sklaverei war besonders in Ägypten wirtschaftlich weniger bedeutend als in anderen antiken Gesellschaften; Landarbeit leisteten dort hauptsächlich die rechtlich nicht als Sklaven geltenden Fellachen. Sklaven arbeiteten vor allem in reichen Haushalten sowie als Kriegsgefangene in Steinbrüchen und Bergwerken.

Frauen besaßen im Vergleich zur klassischen Zeit mehr Handlungsmöglichkeiten. Sie konnten Unternehmen führen, vor Gericht aussagen, Schulen und Gymnasien besuchen, philosophisch oder dichterisch tätig sein, Stiftungen errichten und vereinzelt politische Ämter übernehmen. Königliche Frauen wie Arsinoë II. und Kleopatra griffen aktiv in die Politik ein. Mädchen wurden dennoch häufiger ausgesetzt als Jungen.

Religion, Wissenschaft und Philosophie

Die hellenistische Religion verband griechische und orientalische Vorstellungen. Synkretismus bedeutet dabei die Verschmelzung verschiedener Gottheiten und Kulte. Das wichtigste Beispiel war Sarapis, den Ptolemaios aus Osiris, Apis und Zeus sowie Elementen von Dionysos und Hades verbinden ließ. Auch Demeter und Isis wurden gleichgesetzt. Solche Gottheiten waren nicht mehr an eine einzelne Polis gebunden und konnten im gesamten Mittelmeerraum verehrt werden. Einweihungs- und Erlösungskulte bildeten überregionale Gemeinschaften.

Die Herrscher duldeten meist einheimische Religionen, kontrollierten aber teilweise Tempel und Priester. In Ägypten wurden Tempelerträge besteuert und die Ptolemäer als Götter mitverehrt. Neben lokalen Ehrungen entstand ein staatlich organisierter Dynastiekult. Alexanders Grab in Alexandria war Zentrum seines Kultes. Zugleich entwickelte sich das hellenistische Judentum; in Alexandria bestand die größte jüdische Gemeinschaft außerhalb Jerusalems, und mit der Septuaginta entstand eine griechische Fassung des Alten Testaments. Magie, Astrologie und private Schutzgötter gewannen an Bedeutung. Diese religiöse Vielfalt bereitete nach Darstellung des Artikels den Boden für die Ausbreitung des Christentums.

Der Hellenismus war eine Blütezeit von Wissenschaft und Gelehrsamkeit. Zentrum war das Museion in Alexandria mit seiner Bibliothek, die bis zu 500.000 Schriftrollen umfasst haben soll. Das Museion ähnelte einer Universität und förderte Philosophie, Philologie, Medizin und Naturwissenschaften. Kallimachos erstellte den ersten Bibliothekskatalog; Zenodotos von Ephesos war der erste Bibliotheksleiter. Pergamon baute eine konkurrierende Bibliothek auf und nutzte Pergament, nachdem Ptolemaios II. die Ausfuhr von Papyrus verboten hatte.

Herophilos und Erasistratos untersuchten die menschliche Anatomie und sezierten Hingerichtete. Aristarch begründete ein heliozentrisches Weltbild und erkannte die Erdrotation. Eratosthenes berechnete den Erdumfang und entwickelte ein System der Längengrade. Pytheas befuhr die Nordsee und entdeckte Britannien. Technische Fortschritte ermöglichten später die Erfindungen des Archimedes und Heron von Alexandria.

In der Philosophie sollten vor allem Epikureismus und Stoa den Einzelnen gegen Unsicherheit, Krieg und Verbannung innerlich festigen. Die Stoa erklärte die Welt als gesetzmäßig bestimmt und konnte dem Königtum eine vernunftbezogene Begründung geben. Herrscher beschäftigten Philosophen als Berater und Erzieher. Dadurch verbreitete sich besonders praktische Moralphilosophie; philosophische Bildung wurde zum Kennzeichen der Eliten.

Literatur, Städtebau und Kunst

Die hellenistische Literatur entwickelte bekannte Gattungen weiter. Kallimachos prägte die alexandrinische Dichtung; Apollonios von Rhodos verband in den „Argonautika“ Helden- und Liebesdichtung. Theokritos schuf die bukolische Lyrik, also Hirtengedichte. Menander erneuerte die Komödie: Statt politischer Satire standen Charaktere, Liebesverwicklungen und Alltagssituationen im Mittelpunkt. Der Prosaroman, besonders als Abenteuer-, Liebes- oder Reiseroman, war eine eigenständige hellenistische Entwicklung und weist auf eine private Buchkultur hin. Von der Geschichtsschreibung blieben vor allem größere Teile des Polybios und Abschnitte der Universalgeschichte Diodors erhalten.

Neue, geometrisch geplante Städte brauchten Tempel, Gymnasien, Theater und Plätze. Residenzstädte wie Pergamon wurden Zentren höfischer Kunst. Wohlhabende Bürger finanzierten im Rahmen des Euergetismus öffentliche Bauten und Stiftungen. Reiche Privathäuser entwickelten sich zu villenartigen Peristylhäusern mit Säulenhof. Mit wachsendem Fernhandel verloren Theater und Agora teilweise ihre politische Funktion; Säulengänge und gedeckte Hallen wurden zu Handelsräumen.

Der wachsende Wohlstand schuf einen Massenmarkt für Skulpturen, Wandmalereien, Hausaltäre und Kunsthandwerk. Hellenistische Kunst verband griechische und orientalische Formen, strebte nach Realismus und stellte auch ältere, arme oder groteske Menschen dar. Typisch waren starke Gefühle, Bewegung, Pathos und in den Raum ausgreifende Figuren. Für den dramatischen Stil pergamenischer Skulpturen prägte Jacob Burckhardt den Ausdruck „Pergamenischer Barock“.

Berühmte Werke sind der Pergamonaltar, die Nike von Samothrake, die Aphrodite von Melos, die Laokoon-Gruppe sowie die Gallierdarstellungen Attalos’ I. Kunst diente auch der Selbstdarstellung der Herrscher: Göttliche Attribute betonten ihren Rang und ihre Sieghaftigkeit, während Münzporträts zugleich individuelle Gesichtszüge zeigen konnten.

Nachwirkung, Bewertung und Quellenlage

Die kulturelle Wirkung des Hellenismus überdauerte das Ende seiner Reiche. Griechisch blieb in Syrien, Kleinasien und Ägypten über Jahrhunderte eine Hauptverkehrssprache. Rom übernahm zahlreiche griechische Bildungsgüter und hellenistische Herrschaftsformen. Die Monarchie setzte sich langfristig gegenüber der Polisdemokratie durch. Synkretistische Kulte verbreiteten sich im Römischen Reich; besonders folgenreich war der Einfluss auf Judentum und Christentum. Paulus war ein hellenisierter Jude, und das Neue Testament sowie die meisten frühen Kirchenväter schrieben Griechisch. Das Christentum wurde Ende des 4. Jahrhunderts römische Staatsreligion.

Die Bewertung der Epoche ist umstritten. Antike und ältere Forschung sahen nach Alexander häufig einen kulturellen Niedergang. Johann Gustav Droysen wertete den Hellenismus im 19. Jahrhundert dagegen als „moderne Zeit des Altertums“ und als Voraussetzung für das Christentum. Spätere Forscher betonten teils Welthandel, Urbanisierung, Mobilität, Bürokratie, technische Neuerungen und kulturellen Austausch, teils Kriege, soziale Gegensätze und die Spannung zwischen Polis und Monarchie. Eine einheitliche Gesamtbewertung besteht bis heute nicht.

Die Quellenlage ist schwierig. Viele historische und philosophische Werke gingen verloren; Hermann Strasburger schätzte das Verhältnis verlorener zu erhaltener Schriften auf 40:1. Wichtigste literarische Quellen sind Polybios und Diodor sowie spätere Autoren wie Plutarch, Appian und Arrian, die ältere Werke benutzten. Ergänzend dienen jüdische Texte, darunter Flavius Josephus und das Buch Daniel.

Besonders bedeutsam sind Inschriften, Münzen, Papyri, Keilschrifttexte und archäologische Funde. Der dreisprachige Stein von Rosette von 197 v. Chr. half Jean-François Champollion bei der Entzifferung der Hieroglyphen. Rund 2000 Dokumente umfasst das Archiv des ägyptischen Funktionärs Zenon. Papyri geben vor allem für das Ptolemäerreich Einblick in Verwaltung und Alltag; Münzen überliefern Titel und Porträts der Herrscher. Archäologische Funde aus Pergamon, Ephesos, Milet oder Ai Khanoum ergänzen das Bild. Wegen der lückenhaften Überlieferung bleiben zahlreiche Einzelheiten umstritten.

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