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Meilensteine der Kontinental-Geschichte Europas | Ganze Folge | Terra X

Terra X History43:31 1,5 Mio. Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Unsere Kontinente. Einzigartig und vielfältig zugleich.
  2. Südamerika. Asien. - Afrika.
  3. Australien und Ozeanien. Nordamerika.
  4. Europa. Vor mehr als 200 Millionen Jahren beginnt die Reise der Erdteile,
  5. als der Urkontinent Pangäa zerbricht. Heute erstreckt sich Europa vom Atlantik bis zum Ural,
  6. vom Mittelmeer bis nach Island. Es ist Mutter Erde, die die Ansagen macht.
  7. Die Natur beschenkt die Menschen. Und fordert sie heraus.
  8. (Frau) Ich glaube, dass die Natur unseren Glauben an das Übernatürliche auslöst.
  9. Europas Küsten sind wie geschaffen für die Schifffahrt. Der Kontinent bildete eine Startrampe in den Nordatlantik
  10. und in die ganze Welt. Unter der Erde werkelt ein Brennstoff,
  11. der die Welt für immer verändert. Geologie bestimmt die Geschichte Europas
  12. und prägt die Menschen. Europa ist vielleicht der paradoxeste Kontinent.
  13. Einerseits für jemanden wie mich eine unersättliche Fundgrube füllt die Geschichtsbücher und -kanäle dieser Welt.
  14. Andererseits ist es neben der Antarktis, Ozeanien und Australien der kleinste Erdteil.
  15. Und es gibt kaum Vorkommen von Diamanten oder von Gold. Trotzdem ist Europa, zugespitzt gesagt,
  16. der Gunst-Kontinent. Und das kann man auch sehen, wenn man sich den Globus anschaut.
  17. Das machen wir jetzt auch mal - und zwar live. Mit einem Spaziergang entlang des 55. Breitengrades.
  18. Ungefähr auf unserer Heimathöhe. Wichtig ist aber: warm anziehen.
  19. Denn auf dieser Höhe, ungefähr, befindet sich auch Neufundland in Kanada.
  20. Hier leben Eisbären und die Wintertemperaturen erreichen bis zu minus 30 Grad.
  21. Oder Sibirien: fünf Monate Dauerfrost.
  22. Zu den wenigen Bäumen, die hier überleben, gehören Fichten, Kiefern und auch Lärchen.
  23. Und Europa? Gleiche Höhe, blühende Landschaften.
  24. An den Küsten Norwegens wachsen Obstbäume, es gedeihen Erdbeeren und auch Gemüse.
  25. Und in England und Schottland liegen wir am Strand. Dieses Klima ist ein Nebeneffekt der Entstehung der Kontinente
  26. und für Europa ein echter Glücksfall. Es beginnt vor etwa 3 Millionen Jahren
  27. dank einer geologischen Verschiebung auf der anderen Seite des Globus. Die Landbrücke zwischen den Amerikas schließt sich.
  28. Das ändert die Richtung des mild temperierten Golfstroms. Er transportiert von nun an warmes Wasser nach Europa.
  29. Unterwegs nimmt er Sand aus der Sahara auf, der als Naturdünger wirkt.
  30. So wird der Golfstrom zum idealen Lebensraum für Fische und Meeressäuger.
  31. Der Strom wärmt Europas Küsten und schiebt warme Luft und Feuchtigkeit über den Kontinent.
  32. Das sorgt nicht nur für milde Temperaturen, sondern auch für regelmäßige Jahreszeiten.
  33. Auf Frühling und Sommer folgen Herbst und Winter im steten Wechsel.
  34. Die geologischen Gegebenheiten sind perfekt für eine vielfältige und produktive Landwirtschaft,
  35. eine wachsende Bevölkerung und die Entstehung von Städten und ganzen Kulturen.
  36. Auch ein geologisches Plus für Europa: Während der Eiszeiten drücken Gletscher tonnenschwer
  37. auf das darunterliegende Gestein und splittern es auf.
  38. Ein fruchtbares Mehl aus Quarz und Kalk bleibt zurück. Winde verbreiten diesen Löss über den Kontinent.
  39. Wo er landet, werden Äcker und Wiesen entstehen. Wie maßgeblich dieser Vorgang
  40. Jahrmillionen später das Leben der Menschen verändert, untersucht das Max-Planck-Institut Leipzig.
  41. Aus Knochenfunden rekonstruiert man hier die Gene der frühen Europäer und Europäerinnen
  42. und stößt auf die Spuren einer Zeitenwende. Wir haben in den letzten Jahren Tausende von alten Genomen
  43. aus der Vergangenheit aus Europa rekonstruiert. Unter anderem auch die Ureuropäer, die Jäger und Sammler,
  44. deren Vorfahren vor ungefähr 40.000 Jahren nach Europa eingewandert sind.
  45. Die dann in Europa gelebt haben. Und vor 7000 Jahren passiert aber dann plötzlich
  46. etwas Spannendes, Unerwartetes. Die Genetik der Einwohner Europas verändert sich.
  47. Zur selben Zeit verändert sich die Lebensweise. Den Kontinent erreichen Migranten aus dem Südosten.
  48. Ihre DNA zeigt: Sie haben einen weiten Weg hinter sich.
  49. Und zwar sehen wir diese DNA-Signatur vorher in Menschen in Anatolien.
  50. In Anatolien, das heißt im Süden von Anatolien, im Norden vom heutigen Syrien, im fruchtbaren Halbmond.
  51. Die Neuankömmlinge bringen eine ganz andere Lebensweise mit. Sie bestellen Felder, betreiben Ackerbau, züchten Vieh.
  52. Und sie werden sesshaft. In der Folge nimmt die Bevölkerung rapide zu,
  53. was die Besiedlung des Kontinents beschleunigt. (Krause) Über mehrere Hundert oder Tausend Jahre
  54. verbreiten sich die Menschen von im Prinzip Westanatolien über den Balkan nach Mitteleuropa und dann auch in ganz Europa.
  55. (Dartnell) Über die Zeit werden die fruchtbaren Ebenen Nord-, Mittel- und Osteuropas
  56. zum Mittelpunkt der europäischen Zivilisation. Diese gewaltigen Flächen mit ihrer fruchtbaren Erde,
  57. mit ihren schweren, lehmigen Äckern, entwickeln sich dank der Erfindung des Pflugs
  58. zu regelrechten Kornkammern. Das ernährt eine wachsende Bevölkerung.
  59. Im Getreide wurzelt unsere Essenstradition. Hartweizen ist typisch für die Mittelmeerregion.
  60. Sein eiweißreiches Mehl bildet die Grundlage für Brot, Pizza und Pasta.
  61. In Mitteleuropa wachsen neben Weizen vor allem Roggen und Gerste. So wird in Deutschland das Mischbrot besonders beliebt.
  62. Im Westen inspiriert Weizen das französische Baguette. Im europäischen Norden dünnes Knäckebrot,
  63. dass sich im skandinavischen Winter besonders lange lagern lässt. Der Mensch kultiviert nicht nur Ackerböden.
  64. Fast der ganze Naturraum Europas ist heute gestaltet. Doch der Kontinent hat auch den Menschen
  65. zur Anpassung gezwungen. In der Lebensweise und sogar im Aussehen,
  66. wie der Vergleich mit den Vorfahren zeigt. Diese brachten aus ihrer sonnenreichen Heimat
  67. eine schützende, dunklere Haut mit. Doch das kann weiter nördlich zu einem Vitaminmangel führen.
  68. Innerhalb weniger Tausend Jahre wird die Haut heller. Und damit durchlässiger für die Sonne.
  69. So kann der Körper mehr Vitamin D produzieren. Die hellste Haut in Europa
  70. haben die Skandinavierinnen und Skandinavier wegen des wenigen Sonnenlichts.
  71. Je weiter südlich man kommt, desto mehr Menschen mit dunklerer Haut findet man.
  72. Wir in Europa haben also im Norden, im Süden, im Osten und im Westen ganz unterschiedliche Wurzeln und verschiedene Eigenheiten.
  73. Trotzdem verstehen sich etwa 70 Prozent aller Europäerinnen und Europäer als Bürger Europas.
  74. Und die Grundlage dafür, die legt vor Jahrmillionen wieder die Natur.
  75. Unter anderem auch der größte Vulkan Europas, der Ätna.
  76. * Majestätische Musik * Wo er steht, befindet sich ein offener Bruch Europas,
  77. der Südrand der europäischen Kontinentalplatte. Durch ihre Bewegung entsteht ein Kulturraum,
  78. dem wir unglaublich viel zu verdanken haben. Wenn sich Erdplatten bewegen,
  79. verändern sie das Gesicht der Kontinente. Sie formen ein neues Relief der Oberfläche,
  80. bringen Gesteine des Untergrunds nach oben oder schlucken ganze Landstriche.
  81. Im Süden Europas ist es die afrikanische Platte, die vor 120 Millionen Jahren
  82. mit der eurasischen Landmasse kollidiert. Dieses tektonische Kräftemessen
  83. erzeugt gewaltige Verwerfungen mit markanten Folgen. So sind riesige Gebirgsketten in Südeuropa entstanden.
  84. Der Kaukasus, die Karpaten, die Alpen. Doch im Erdinneren ist damit keineswegs Ruhe.
  85. An den Nahtstellen der Platten rumort es weiter - bis heute. Genau auf einer solchen Naht liegt Sizilien.
  86. Mit dem Ätna hat die Insel den größten und aktivsten der Mittelmeervulkane aufzuweisen.
  87. Ein internationales Geologenteam behält ihn im Blick. Zu einem Vulkan gehören Veränderungen dazu.
  88. Das macht sie gerade für uns so spannend. Die Oberfläche des Vulkans ist ständig in Bewegung
  89. und ändert sich ständig, besonders, wenn er so aktiv ist wie der Ätna.
  90. Das macht Ätna zu einem der interessantesten und spannendsten Vulkane für die Forschung.
  91. Seit Anfang 2021 ist der Ätna wieder auffällig. Spontane und besonders starke Ausbrüche nehmen zu.
  92. Sie verändern die gesamte Küstenlinie und damit auch die Lebensbedingungen für die Menschen.
  93. Wie sehr, das zeigen Drohnenmessungen. Innerhalb von nur sechs Monaten
  94. ist der Ätna um ganze 30 Meter gewachsen. Der Ätna zeigt sehr viele verschiedene Verhaltensweisen.
  95. Er hat eben nicht nur einen Krater, sondern viele. Er eruptiert nicht nur am Gipfel, auch an den Flanken.
  96. Das ist insbesondere dann gefährlich, wenn es ein Vulkan an einer Küstenlinie ist,
  97. also Inselvulkane, weil ein Hangrutsch ins Meer dann einen Tsunami auslösen kann.
  98. Die Furcht vor der Katastrophe ist auf Sizilien Alltag. Wie lange noch wird der Ätna Ruhe halten?
  99. Beim Ausbruch von 1908 wird die gesamte Region verwüstet. 72.000 Menschen sterben.
  100. Im kollektiven Gedächtnis Europas haben Vulkane einen festen Platz als Verursacher gewaltiger Katastrophen.
  101. Doch die unruhigen Erdplatten haben auch besonders begünstigte Lebensräume geschaffen -
  102. wie das Mittelmeer. Es entsteht in seiner heutigen Form,
  103. als die Landbrücke bei Gibraltar vor etwa 5 Millionen Jahren absinkt. Das zu dieser Zeit trockene Land zwischen Europa und Afrika
  104. wird vom Atlantik überschwemmt. Die Küstenlinie ist zerknittert
  105. und in viele natürliche Buchten gegliedert. Wie geschaffen für Seefahrerkulturen.
  106. Die Buchten bieten gut geschützte Plätze zum Ankern und Segeln. Steile Hänge halten Wind und Wetter ab.
  107. Das Mittelmeer selbst hat kaum Gezeiten oder starke Strömungen. Auch die vielen Inseln erleichtern das Reisen.
  108. Wenn Sie zum Beispiel vom Nildelta bis nach Griechenland fahren, sind Sie nie weit von Land entfernt.
  109. Und es gibt zuverlässige Orientierungspunkte für die Navigation.
  110. Das Mittelmeer wird in der Geschichte zum idealen Transportraum für Waren und Ideen.
  111. Die großen Kulturen der Antike blühen unter diesen Bedingungen auf. Ihr Erbe bestimmt das Leben in Europa bis heute.
  112. Im alten Griechenland entwickeln sich Theater, Wissenschaft
  113. und die Idee der Demokratie. Auch in Rom entsteht das moderne Europa.
  114. Rechtssystem, Bauwesen und Städteplanung. Über ihr Straßennetz verbreiten die Römer technische Innovationen
  115. und entfalten ihre militärische Macht über den Kontinent. Sie schaffen einen einheitlichen Rechts-,
  116. Wirtschafts- und Währungsraum vom Norden Britanniens bis zum schwarzen Meer.
  117. Auch das Christentum kann sich so in Europa ausbreiten. Der Katholizismus und später der Protestantismus
  118. begründen einen gemeinsamen europäischen Wertekanon. 1514 spaltet sich die orthodoxe Ostkirche ab.
  119. Die Antike ist ein Grundstein des Europa, wie wir es heute haben. Und das hängt vor allem auch mit den Sprachen zusammen.
  120. Die lateinische Sprache ist zu den romanischen Sprachen geworden. Wir konnten uns daher in Europa überhaupt verständigen -
  121. ein Riesenunterschied zu anderen Kontinenten, wo wir ganz andere Sprachfamilien
  122. und große Barrikaden und Hürden auf engstem Raum haben. (Durchsage) "Attenzione."
  123. (Durchsage) "Attention." (Durchsage) "Atentie."
  124. Im Norden reicht Europa so weit über den Polarkreis hinaus, dass sich am Nachthimmel
  125. farbige Naturschauspiele beobachten lassen. Nordlichter. Kennen Sie das?
  126. Ist unglaublich faszinierend. Hab ich noch nie in echt gesehen, will ich aber unbedingt anschauen.
  127. Überhaupt find ich die gesamte Geschichte und Natur Nordeuropas extrem interessant.
  128. Und dass sie so interessant ist, das liegt unter anderem am Plattenrand und seinen Vulkanen.
  129. Zum Beispiel am nördlichen Rand Europas, auf der Insel Island. Im Süden ist es ähnlich.
  130. Während der einen wirtschaftlichen Boost bekommen hat, einen politischen Aufschwung,
  131. gab es für den Norden insbesondere eine eigene Mentalität. Und deren Ursprung findet sich hier.
  132. Das ist die Silfra-Spalte. Ergebnis eines Prozesses,
  133. der quasi das Gegenteil von dem ist, was wir im Süden sehen. Im Süden kollidieren die Platten
  134. und im Norden driften sie auseinander und sorgen unter anderem
  135. für jede Menge scheinbar außerweltliche Naturphänomene. Seit Jahrmillionen wird Island förmlich auseinandergerissen.
  136. An der Silfra-Spalte entfernen sich die nordamerikanische und die eurasische Platte
  137. etwa sieben Millimeter im Jahr voneinander. Wo die Erdkruste bricht, werfen Vulkane Lava aus.
  138. Sie bilden neues Land und lassen die Insel bis heute wachsen.
  139. Es ist eine Landschaft, deren einzige Konstante die Veränderung ist.
  140. Das Meer vor den Küsten ist fischreich und seit Jahrhunderten die Nahrungsgrundlage
  141. der Isländerinnen und Isländer. Mehrere Monate im Jahr sind die Männer zum Fang auf See.
  142. Den Rest des Jahres leben die Fischerfamilien in windgeschützten Torfhäusern auf engstem Raum.
  143. Im Wohnzimmer, dem sogenannten Baðstofa, kommt die ganze Großfamilie zusammen.
  144. Zum Arbeiten, Essen und Schlafen, aber auch, um Geschichten zu erzählen.
  145. Geschichten, inspiriert von einzigartiger Natur voller unerklärlicher Phänomene und gewaltiger Kräfte.
  146. Es entstehen Sagen und Märchen über unsichtbare Wesen, die in der Natur leben und diese ständig verändern.
  147. Über Hunderte Jahre prägen sie Glaubenswelt und Alltag der Menschen auf Island.
  148. Ich glaube, dass die Natur unseren Glauben an das Übernatürliche auslöst.
  149. Es ist total logisch, dass das hier in Island passiert. Wir haben eine bizarre Landschaft, in der wir Bilder sehen.
  150. Dazu kommt die Lebendigkeit der Natur. Wenn die Erde zu beben beginnt, die Berge Feuer speien
  151. oder die heißen Quellen Dampf ausstoßen... Dann ist es kein Wunder,
  152. dass wir denken, die Natur hat eine lebendige Seele. Auf Island gelten manche Felsen als versteinerte Trolle.
  153. Hinter der wilden Natur wähnt man überall sonderbare Wesen am Werk. Sie heißen Huldufólk, das versteckte Volk.
  154. Die Schauergeschichten vom Huldufólk sind lange Teil der isländischen Kindererziehung.
  155. Viele der Huldufólk-Sagen sind Warnungen. Du darfst der Natur nie vertrauen.
  156. Wenn du dich mit den versteckten Wesen einlässt, ziehen sie dich ins Unglück und du wirst womöglich sterben.
  157. Viele der Sagen beschreiben die Gefahr, sich mit etwas Übernatürlichem einzulassen,
  158. das man nicht versteht. Bis heute ist dieser Glaube tief in der Gesellschaft verankert.
  159. In diesem Bezirk der Hauptstadt Reykjavik gibt es besonders viele Felsen,
  160. die als beseelt und damit schützenswert gelten. Sie dürfen weder abgetragen noch überbaut werden.
  161. Denn seit 2012 sind die Felsen durch das "Gesetz zum Elfenerbe" geschützt.
  162. Das Ergebnis sind felsige Brachen und ungewöhnliche Wegführungen, verengte Straßen und Fenster ohne Aussicht.
  163. Ganze Baupläne werden eigens für die Erhaltung der Felsen umgeschrieben.
  164. * Mysteriöse Klänge * (Mann) Vor zehn Jahren haben wir die Planung
  165. der Álftanesvegar-Straße begonnen. Dann bekamen wir Informationen aus der Bevölkerung
  166. über einen sehr schönen Stein, wie wir ihn vorher nicht hatten. Der Stein hieß Ófeigskirkja.
  167. "Ófeigskirkja" heißt "Elfenkirche". Das bedeutete, dass wir mit den Elfen
  168. in Kontakt treten und Verhandlungen führen mussten, und zwar durch eine Dame, die auf dem Gebiet Erfahrung hat.
  169. Für die Baubehörden ist der Elfenglaube eine besondere Herausforderung.
  170. In diesem Fall befragt eine Seherin ganz offiziell die Wesen im Stein. Als die Straße gebaut werden sollte,
  171. haben die Elfen und die versteckten Völker explizit darum gebeten, dass dieses Gebiet geschützt wird.
  172. Wir stehen hier in einem Heiligtum, das wir Elfenkirche nennen. Und so wandert der 70 Tonnen schwere Felsen an einen neuen Ort,
  173. den sich die Elfen aussuchen durften. Überall auf Island gibt es Schauplätze von Elfengeschichten.
  174. Die geheimnisvollen Wesen sind ein großes Thema, auch im privaten Alltag.
  175. Denn sie lieben es angeblich, die Menschen an der Nase herumzuführen.
  176. Laut Umfragen glauben acht Prozent der Leute hier an Elfen. 57 Prozent wollen zumindest nicht ausschließen,
  177. dass sie existieren. Die raue Natur der Insel
  178. inspiriert die Freude der Isländer und Isländerinnen an Geschichten. Mehr als die Hälfte der Menschen
  179. liest mindestens acht Bücher pro Jahr. Nur in Schweden und Finnland wird noch mehr gelesen.
  180. Umgeben von wilder Natur sind die Inselbewohner eher risikobereit,
  181. getreu ihrem Lebensmotto: "Es wird schon alles gut gehen." Auch das Vertrauen in die Mitmenschen
  182. ist höher in der rauen Umgebung Islands. Womöglich der Grund
  183. für eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt. Auch weiter östlich in Skandinavien
  184. ist die Natur nicht immer ein Verbündeter. Hinter den Fjorden bieten Tundra und Wälder nur magere Böden.
  185. Gute Siedlungsflächen sind rar. Wohl auch deshalb
  186. suchen die Wikinger ihr Glück oft fernab der Heimat. Die Daheimgebliebenen kümmern sich um die Höfe.
  187. In der widrigen Umgebung müssen alle gemeinsam anpacken. Diese historische Erfahrung hat sich bis ins Heute fortgesetzt.
  188. Wir leben in relativ kleinen Gemeinschaften, in flachen Hierarchien.
  189. Feudalismus hat sich bei uns nicht durchgesetzt. Nicht Abhängigkeit,
  190. sondern Augenhöhe entsteht in dieser kargen Natur. Bis heute versuchen Forscher*innen, nachzuvollziehen,
  191. wie sich die Wikinger ausgebreitet haben. Anhand von DNA-Proben und Skeletten aus ganz Skandinavien.
  192. Sie waren die ersten Europäer auf dem nordamerikanischen Kontinent. Sie betrieben Handel,
  193. aber sie plünderten und raubschatzten auch. Entscheidend für ihren Erfolg ist ihr legendärer Zusammenhalt,
  194. entstanden im rauen Klima Nordeuropas. So etwas schweißt zusammen.
  195. Und für diese schlechten Bedingungen gibt es einen Grund im Kontinent. Die Gletscher der Eiszeit haben auf ihrem Rückzug den steinigen Kern
  196. der europäischen Kontinentalplatte freigerieben. Der eisige Schild
  197. hinterlässt nur kleine Taschen mit fruchtbarem Boden. Im Vergleich hat Skandinavien es mit der Landwirtschaft
  198. deswegen schwerer als andere Teile Europas. Harte Bedingungen für die Menschen, die hier leben.
  199. Bis heute bleibt Skandinavien dünn besiedelt, allen voran Norwegen.
  200. Weil aber jeder noch so weit entfernte kleine Weiler angeschlossen wird,
  201. besitzt das Land, gemessen an der Einwohnerzahl, eines der längsten Straßennetze der Welt.
  202. Darin lebt auch der Gleichheitsgedanke weiter. Jede Familie soll am öffentlichen Leben teilhaben können
  203. und ihr eigenes Haus besitzen. Wer es sich nicht aus eigenen Mitteln leisten kann,
  204. wird vom Staat unterstützt. Genauso investiert Norwegen intensiv in Bildung und Kultur für alle.
  205. Das Land gibt gut sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes allein für Bildung aus.
  206. Skandinavien gilt als Vorreiter für Teilhabe und Gleichberechtigung. Sie hatten eine Arbeitsteilung,
  207. bei der beide Partner gleichberechtigt waren. Männer und Frauen trugen in der Landwirtschaft zum Leben bei.
  208. So wurde die Familie als gesellschaftlicher Kern wichtig. Das ist ein Schlüssel,
  209. um die Gleichberechtigung in Nordeuropa zu verstehen. Das zeigt sich auch im öffentlichen Leben.
  210. Es gibt fast so viele weibliche wie männliche Parlamentsabgeordnete. In den Familien übernehmen immer öfter
  211. Männer die Kinderbetreuung. In den Top Fünf der Länder
  212. mit der höchsten Geschlechtergerechtigkeit weltweit sind aktuell vier skandinavische Nationen vertreten.
  213. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch ihren Anfang nimmt die Entwicklung
  214. in den natürlichen Gegebenheiten dieser Region. Es klingt paradox, aber Europa wäre im Mittelalter
  215. niemals so ein Zugpferd gewesen und so erfolgreich geworden ohne seine geologischen Barrieren.
  216. Der Kontinent wird durchzogen von Bergen. Allein in Deutschland gibt es rund 40 Mittelgebirge.
  217. Dazu kommen die Hochgebirge des Kontinents. Sie durchziehen den Kontinent
  218. und hinterlassen ein Schachbrett aus separierten Gebieten. Dieses Hemmnis hat uns erfolgreich gemacht
  219. und bis heute geprägt. Denn aus den Gebirgen heraus entstehen auch Flussläufe.
  220. Europa verfügt über ein riesiges Netz an schiffbaren Wasserstraßen. 37.000 Kilometer sind es insgesamt.
  221. Damit ist Europa der verkehrsdurchlässigste Kontinent und die Donau allein
  222. verbindet zehn Länder und vier Hauptstädte. Der internationalste Fluss der Welt.
  223. Die Flüsse sorgen für einen Transfer von Technologie und Wissen und befeuern damit den Fortschritt.
  224. Aber nicht nur das, sondern auch eine urmenschliche Eigenschaft, die uns Europäerinnen und Europäer bis heute prägt:
  225. Rivalität und Wettbewerb. Auch durch die kleinteiligen Räume
  226. entsteht im Mittelalter ein politischer Flickenteppich mit Hunderten verschiedenen Herrschaften.
  227. Meine Burg, mein Fürst, meine Währung. * Mittelalterliche Musik *
  228. Einerseits erzeugt das ständig Konflikte, andererseits wird Europa zum Motor für Innovation.
  229. Wirtschaft, Technik und Wissenschaft bringt das voran. Mit der Rivalität blühen aber auch die Klischees.
  230. Die steirische Völkertafel aus dem 18. Jahrhundert klassifiziert den Nachbarn nach deren angeblichen Eigenschaften:
  231. den offenherzigen Deutschen, den kriegsversessenen Franzosen und den bäuerlichen Polen.
  232. (Hirschfelder) Wir glaubten lange, diese Regionen werden mal in den Nationen aufgehen.
  233. Heute wissen wir aber, dass Nationen durch Regionen konstituiert werden und dass der Mensch, der in einer Region lebt,
  234. eine regionale Identität braucht, aber nicht unbedingt eine nationale. Bis heute streben Europas Regionen nach Eigenständigkeit,
  235. zum Teil gegen den Staat, dem sie angehören. Auf keinem anderen Kontinent gibt es so viele Unabhängigkeitsbewegungen.
  236. In 30 Regionen, von Sardinien über die Färöer, Nordirland bis nach Siebenbürgen, gibt es Autonomiebestrebungen.
  237. * Klangvolle Musik * Auch die 2,7 Millionen Basken
  238. sehen sich als eigenständige ethnische Gruppe. Eine starke Identität,
  239. befördert durch den geografisch abgesteckten Raum. Denn Berge und der Atlantik
  240. grenzen das Baskenland als eigene Landschaft ab. Politisch gehört es teils zu Spanien und teils zu Frankreich.
  241. In der Abgeschiedenheit des Baskenlandes lebt eine uralte Sprache,
  242. die mit keiner der europäischen Sprachfamilien verwandt ist. Woher sie stammt, lässt Sprachwissenschaftler rätseln.
  243. Dass sie so lange überdauert, liegt auch an der isolierten Gebirgslage.
  244. Wir sind Basken hier. Wir sprechen baskisch,
  245. da wir mit der Sprache von klein auf aufgewachsen sind. Wir fühlen uns in unserem tiefsten Inneren als Basken.
  246. Damit hatten die Menschen hier im spanischen Staat einen schweren Stand.
  247. Vor allem unter der Franco-Diktatur sind bis 1975 Autonomiebestrebungen verboten,
  248. auch Baskisch und regionale Traditionen. Wir haben Zuhause weiter Baskisch gesprochen,
  249. aber als ich in die Schule kam, war das verboten. Ich stellte bei einigen Mitschülern erst 40 Jahre oder noch später fest,
  250. dass sie auch Baskisch sprachen. Wir waren in der Klasse fast alle baskischsprachig.
  251. Aber aus Angst vor der Repression haben wir die Sprache nicht benutzt. Das war unser Leben.
  252. Die Basken finden ein Schlupfloch. Sie treffen sich in sogenannten Kochgenossenschaften,
  253. kulinarischen Vereinen, die in Restaurants für ihre eigenen Mitglieder kochen.
  254. Die Kochgenossenschaften stärken den Zusammenhalt der Basken gegen die spanische Verwaltung
  255. und fördern nebenbei auch die regionale Küche. Die ist für ihre Qualität weltberühmt.
  256. Viele Restaurants tragen Gourmetsterne. * Harmonische Streichmusik *
  257. (Mokoroa) Die Basken sind die, wie der Name "Euskaldunak" schon sagt, die Baskisch sprechen.
  258. Das ist die einfachste Definition. Offiziell bin ich ja Spanier, aber das Herz ist das Herz.
  259. Und ganz tief in unseren Herzen sind wir Basken und wollen als Basken leben.
  260. Die Struktur des Kontinents schafft ein Europa der Regionen und damit auch der Konflikte.
  261. * Meeresrauschen * Der Wettbewerb in Europa verändert die Welt.
  262. Entdeckerambitionen und Hunger nach Ressourcen befeuern ihn. Als die Technologie und auch das Verständnis ausreichen,
  263. um mit Schiffen aufs Meer zu fahren und andere Kontinente zu erreichen, macht Europa, der kleine Kontinent,
  264. sich die ganze Welt brutal zum Untertan. * Meeresrauschen *
  265. Dabei hilft ihm vor allem seine Küstenlinie. Mit 185.000 Kilometern ist sie im Verhältnis zur Landmasse
  266. die weltweit längste, mit idealen Startrampen in den Atlantik,
  267. mit Inseln und Halbinseln, wie gemacht für die Seefahrt. Die Iberische Halbinsel ist das perfekte Tor zum Nordatlantik.
  268. * Abenteuerliche Musik * Auf dem dichtbesiedelten Kontinent
  269. beginnt ein Wettlauf um Ruhm und Ressourcen. Die Portugiesen landen an der Westküste Afrikas.
  270. Christoph Kolumbus wiederum in der Karibik, die er für Indien hält.
  271. Eine globale Ära des Handels beginnt, aber auch eine der Ausbeutung.
  272. Europa um 1500, das ist ein gieriger Kontinent. * Mysteriöse Musik *
  273. (Hirschfelder) Europäer wollen Gold und Silber und Gewürze. Was sich hier als Erfolgsgeschichte liest,
  274. ist für andere eine Katastrophe. Der amerikanische Kontinent ist zu dieser Zeit dicht besiedelt.
  275. Und innerhalb von 100 Jahren werden große Teile der amerikanischen Kulturen zerstört
  276. und 90 Prozent der dortigen Bevölkerung zum Teil ermordet, zum Teil sterben sie an Krankheiten.
  277. Eine Erfolgsgeschichte, die für andere ein großer Misserfolg ist.
  278. Wie immer in der Geschichte - viel Licht und noch mehr Schatten. Europa sieht sich selbst als den maßgebenden Kontinent.
  279. Das zeigt sich auch auf den Karten, auf denen die eigentlich verhältnismäßig kleine Landmasse
  280. überdimensional groß dargestellt wird. Bis 1914 beherrscht Europa 40 Prozent der Landfläche der Erde.
  281. Dadurch gelangen auch Hunderttausende Kulturgüter aus Afrika, Ozeanien, den Amerikas und Asien nach Europa.
  282. Erst heute ändert sich mit deren Rückgabe auch das europäische Selbstverständnis.
  283. Solche kapitalen Irrwege sind wir Menschen leider immer wieder gegangen,
  284. wie die Geschichte zeigt. Zumal wir in Europa uns lange als Nabel der Welt gefühlt haben.
  285. Auch deshalb, weil der Kontinent uns einen Schatz aus der Urzeit Europas spendierte:
  286. Kohle. * Bewegende Musik *
  287. Sie lagert dort, wo heute halbmondförmig die Metropolen glühen.
  288. Zwischen England, Nordfrankreich, Belgien und dem Ruhrgebiet. Die Kohle entstand über lange Zeit in einer sumpfigen Senke,
  289. in der sich immer wieder abgestorbener Urwald gesammelt hat. Wurde überschwemmt, dann von Sediment überlagert,
  290. und so ist über Jahrmillionen der Stoff entstanden, der die Industrialisierung in Europa maßgeblich vorangetrieben hat.
  291. * Klangvolle Musik * "Das Schwarze Gold" bleibt wenig beachtet,
  292. bis in weiten Teilen Europas die Wälder großteils abgeholzt sind. Nun wird Kohle zum Heizen genutzt
  293. und der recht leicht zugängliche Brennstoff über die Jahrhunderte in immer größerem Stil abgebaut.
  294. Die Kohle entfacht ein neues Zeitalter. Sie treibt eine revolutionäre Erfindung an:
  295. die Dampfmaschine. * Dynamische Musik *
  296. Große Maschinen, noch größere Fabriken. Das industrielle Zeitalter hat begonnen.
  297. Mithilfe der Kohle wird Stahl in großen Mengen erzeugt. * Dynamische Musik *
  298. Die Industrielle Revolution setzt damit eine nie gekannte Lebensbeschleunigung in Gang -
  299. mit enormen Auswirkungen, bis heute. Die Industrialisierung hat die Art, wie wir leben, komplett verändert.
  300. Zusammen mit neuen Lichtquellen wie Gaslichtern und dann Elektrizität.
  301. Die Menschen blieben bis in die Nacht wach, anstatt bei Sonnenuntergang ins Bett zu gehen.
  302. * Laute Maschinengeräusche * In den Fabriken entstehen mit der neuen Form von Arbeit neue Werte.
  303. Zusammenhalt und Solidarität gegen den Druck der Verhältnisse. In großen Fabriken
  304. müssen rund um die Uhr Produkte hergestellt werden, denn man will ja die Kosten wieder reinholen
  305. und den Gewinn maximieren. Die Arbeitstage sind lang.
  306. Sie werden in Schichten organisiert. Zeit wird der entscheidende Faktor, das Leben von der Uhr diktiert.
  307. Doch noch ticken die Uhren überall anders. Das Deutsche Reich ist Ende des 19. Jahrhunderts
  308. ein Wirrwarr aus verschiedenen Zeitzonen. * Ticken der Uhr *
  309. * Glockenläuten * Erst 1893
  310. kommt das Gesetz zur Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung. Damit endet das Durcheinander aus Münchner, Berliner
  311. oder anderen regionalen Zeitzonen. In ganz Deutschland gilt seither die Mitteleuropäische Zeit.
  312. Unser Leben heute, das uns dank der Elektrizität bis tief in die Nacht wach hält
  313. und das vom Rhythmus der Uhren bestimmt ist - All das geht zurück auf die Entdeckung
  314. dieser schwarzen, brennbaren Brocken aus der Erde. Der Bodenschatz Kohle schafft eine Industrie,
  315. die Menschen aus ganz Europa anzieht. Das Ruhrgebiet ist deshalb bis heute
  316. einer der am dichtesten besiedelten Ballungsräume des Kontinents. Längst wurde Europa von anderen Kontinenten eingeholt.
  317. Zum Beispiel, was das Bevölkerungswachstum angeht oder in Bezug auf die Wirtschaftskraft.
  318. Forscherinnen und Forscher diskutieren darüber, ob ein Ende der europäischen Ära erreicht sei.
  319. Aber die geografische Lage unseres kleinen Kontinents ist gleichzeitig seine beste Lebensversicherung.
  320. Die Forschung geht davon aus, dass Europa dank seiner Lage im Vergleich zu anderen Erdteilen mit weniger Naturkatastrophen
  321. und Extremwetterereignissen zu kämpfen haben wird. Das heißt aber nicht,
  322. dass wir sofort die Eindämmung des Klimawandels stoppen sollten. Im Gegenteil.
  323. Denn hier im Studio, da kann ich die Natur per Knopfdruck ändern.
  324. * Bedrohliche Musik * In der Realität, der echten Welt, geht das nicht.
  325. Da sind wir auf die Natur angewiesen. Und sie braucht unseren besonderen Schutz.
  326. Um so die guten Voraussetzungen auf diesem kleinen, aber begünstigten Kontinent für künftige Generationen zu wahren.
  327. * Inspirierende Musik * Ach! Meine Heimat.
  328. Ja, aber... Ich brauche mehr Sonne. Guck mal hier. - Ah, das ist der Himalaya.
  329. Darüber reden wir bei Asien. - Genau, da kommt doch der Yeti her. Untertitel im Auftrag des ZDF, 2022

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