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Hugo Portisch, Die Geschichte Europas/ Teil 3: 1945-1989. #Doku Deutsch
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 264 Zeilen
- In Memoriam Hugo Pontisch. Wie diese Stadt aussieht. Doch es ist nicht nur Berlin, das am Ende dieses
- Krieges in Trümmern liegt. Überall in Europa hat der Krieg tiefe [musik] Wunden geschlagen.
- Am 19. September 1946, also ungefähr ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, kommt Winston Churchill, der Mann, der Großbritannien
- durch den Krieg geführt hatte, in die Schweiz, nach Zürich, und hält dort eine beachtenswerte Rede. Was soll aus Europa werden? Deutschland lag noch in Schutt
- und Trümmern. Auch den anderen europäischen Staaten geht es schlecht. Auch die Amerikaner hatten noch nicht begriffen, dass sie Europa helfen
- müssten. Es gab noch keine Marshallhilfe. Churchill wusste, dass die Idee, die er nun vortragen würde, für alle völlig
- unerwartet kommen sollte. Churchill schlug etwas vor, was damals sensationell war. Wenn Europa wieder auf die Beine kommen wolle, wenn man dieses
- Europa wieder zur alten Größe führen wollte, müsste etwas Außergewöhnliches geschehen, sagte er. Frankreich müsste sich entschließen, dem besiegten
- Deutschland die Hand zu reichen. Nur wenn Frankreich und Deutschland sich miteinander versöhnen, könne Europa gerettet werden.
- Der erste Schritt [musik] zur Wiederherstellung der europäischen Familie muss eine Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland sein.
- [schnauben] Die Struktur der Vereinigten Staaten von Europa, wenn sie gut und wahrhaftig
- errichtet werden, wird [musik] so gestaltet sein, dass die wesentliche Stärke eines einzelnen Staates weniger wichtig sein
- wird. Kleine Nationen werden so viel zählen wie große und sich durch ihren Beitrag
- zur gemeinsamen Sache auszeichnen. Aber ich warne Sie. Die Zeit dafür ist möglicherweise kurz.
- Im Moment gibt es eine Atempause. Die Kanonen haben aufgehört zu schießen. Die Kämpfe sind vorbei. Aber die Gefahren sind nicht vorbei.
- Wenn wir die Vereinigten Staaten von Europa errichten wollen, oder welchen Namen wir ihnen auch immer geben, müssen wir jetzt damit anfangen.
- Daher sage ich Ihnen, lassen wir Europa entstehen. [musik] Im Weißen Haus in Washington studiert
- Präsident Harry Truman die Entscheidungen, die die Siegermächte [musik] zu Kriegsende in Jalta getroffen haben. Truman teilt die Meinung seines
- Außenministers Marshall, dass Europa unter den Einfluss der Sowjetunion kommen würde, wenn Amerika den kriegsgeschädigten europäischen Ländern
- nicht unverzüglich Hilfe leistet. Es war also nicht nur reine Menschenliebe, die den Außenminister und ehemaligen General George Marshall bewogen hat, eine
- Strategie zum Wiederaufbau Europas zu entwickeln. In einer Rede anlässlich der Ernennung zum Ehrendoktor an der Universität
- Harvard verkündet er die Absicht, Europa mit einer großzügigen Wirtschaftshilfe vor dem Hunger zu retten und vor dem Kommunismus zu schützen. Das Gegenmittel
- scheint darin zu liegen, den Teufelskreis zu durchbrechen und das Vertrauen der Völker Europas in die wirtschaftliche Zukunft ihrer eigenen
- Länder wiederherzustellen und für Europa als Ganzes. Die Produzenten und Landwirte in den großen Gebieten müssen willens und fähig sein,
- ihre Produkte gegen Bargeld abzugeben. Aber ich habe keinen Zweifel, wenn wir uns entschließen, das zu tun, werden wir
- damit Erfolg haben. Und ebenso habe ich keinen Zweifel daran, dass die ganze Welt den Atem anhält und darauf wartet, was es wohl sein wird, das wir versuchen
- hier vorzuschlagen. Dass diese Marshall-Initiative des Staatssekretärs Marshall herrührende Wiederaufbauwerk
- zu einem vollen Erfolg führen wird. Die Soforthilfe bietet den Europäern an, ihre materiellen Bedürfnisse Amerika zur Kenntnis zu bringen. Sie könnten in den
- USA alles bestellen, was sie brauchen. Maschinen, Lokomotiven, Baumaterialien, Werkstoffe. Sie werden geliefert und den europäischen Staaten geschenkt.
- Allerdings unter der Bedingung, dass die Staaten diese Güter den eigenen Bürgern auf Kredit in lokaler Währung verkaufen. Die abzuzahlenden Kredite würden nicht
- an die USA zurückgezahlt, sondern in einem Fond gesammelt werden. Diese Gelder stünden dann weiter als Kredit an die eigenen Bürger zur Verfügung. Es war
- de facto ein finanzielles [musik] Perpetuum Mobile, ein sich selbst immer wieder neu finanzierendes Wirtschaftshilfsprogramm.
- [musik] Am 25. Juni 1955 kehrt mit einem Transport ehemals österreichischer Kriegsgefangener die Sektionsleiterin im
- österreichischen Bundesministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung nach sieben Jahren Arbeitslager in Sibirien nach Österreich
- zurück. Sie wurde von den Sowjets der Spionage bezichtigt und zu 25 Jahren Haft verurteilt. [musik] Erst mit der Unterzeichnung des österreichischen
- Staatsvertrages wird Margarethe Ottillinger entlassen. Wie der Marshallplan begonnen hat, war habe ich ja die Planungssektion geführt und habe
- mit dem Mitarbeiterstab haben wir die Pläne erarbeitet und aufgrund dieser Pläne hat dann die Marshallplan-Organisation
- uns die Dollarbeträge bewilligt. Die wurden dann an Österreich gegeben. Wir haben sie im Kreditweg an die entsprechenden Firmen gegeben, die das
- dann zurückzahlen mussten und das kam in einem bestimmten Fond und wurde dort gesammelt. Nicht durfte dieses Geld verwendet werden, natürlich für die
- russische Zone. Aber ich war es war vorbereitet auch für diese Zone quasi Fonds anzulegen, weil ich immer gesagt habe, vielleicht ist es einmal so, dass
- die Russen nicht in dieser Zone sein werden, dann wird man das Geld haben. Die Sowjetunion unter Führung Stalins verhängt über die Länder Osteuropas
- quasi den Belagerungszustand. Stalin erzwingt die Kontrolle über die Wirtschaft und die politische Macht in den Ländern innerhalb seines
- Einflussbereichs. Zum Teil müssen die von Moskau abhängigen Volksrepubliken hohe Reparationsleistungen
- an das Mutterland der sozialistischen Revolution erbringen. Nachdem die Oppositionsparteien unterdrückt sind, ersticken Propaganda
- und Terror in diesen Ländern jeglichen Protest und lassen nur mehr inszenierten Jubel für die Alleinherrscher zu.
- [musik] Obwohl Stalin 1945 noch freie demokratische Wahlen
- zugesichert hat, verstärkt sich in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands zunehmend die Parteidiktatur [musik] der Kommunisten.
- Die Tschechoslowakei ist drei Jahre lang eine bürgerliche Demokratie. Eduard Benesch ist Präsident, Jan Masaryk ist
- Außenminister. [jubel] Eine Regierungskrise, bei der die Sozialdemokraten zurücktreten, nutzen
- die Kommunisten zur Machtübernahme, lassen die von ihnen unterstützten bewaffneten Werkschutzeinheiten marschieren und setzen Staatspräsident
- Benesch unter Druck. Der gibt nach und setzt den Kommunisten Klement Gottwald als Regierungschef ein.
- Einige Tage nach der Regierungsumbildung findet man Jan Masaryk, Sohn von Thomas Masaryk, den Begründer der tschechoslowakischen Republik, hier im
- hellen Anzug tot auf dem Pflaster unter einem offenen Fenster seines Ministeriums. Der sogenannte dritte Prager Fenstersturz bleibt unaufgeklärt.
- Schon 1945 übt Staatspräsident Benesch Vergeltung an der sudetendeutschen Bevölkerung. Weil diese den Anschluss an Deutschland
- begrüßt hatte, wird sie jetzt von Benesch ausnahmslos enteignet und aus dem Land vertrieben. Rund drei Millionen Menschen müssen bis 1947
- ihre Heimat unverzüglich verlassen. Dabei kommt es zu vielen Übergriffen und Totschlägen. Anders als bei den anderen
- osteuropäischen Umwälzungen ist es in der Tschechoslowakei eine Revolution von unten, selbst wenn sie Stalins Plänen angepasst ist. [musik]
- Die Kommunisten vollbringen den Umsturz mit Unterstützung der großen Mehrheit der Arbeiter. [musik]
- Mit dem Tod von Masaryk und Benesch stirbt 1948 auch die bürgerliche Demokratie in der Tschechoslowakei. Stalin schließt [musik]
- den Eisernen Vorhang. [musik] In den von den sudetendeutschen
- verlassenen Ortschaften werden Häuser abgetragen, die Ziegel ins Landesinnere abtransportiert.
- Die Dörfer an der Grenze sterben. [musik] Entlang dieser Grenze wird der Eiserne Vorhang gebaut. Wachtürme, Stacheldraht und Minengürtel.
- Gefahr lauert an dieser Grenze. Anstelle von zwischenmenschlichen Begegnungen, Warenaustausch und dem freien Grenzübertritt gibt es
- Beobachtungen und Misstrauen. Auf beiden Seiten. [musik] An der Grenze verödet das Leben und
- Nachbarn werden zu Fremden. Der Eiserne Vorhang ist nun Wirklichkeit geworden. Entlang der Grenzen zum
- ehemaligen Zwischeneuropa sind in den Jahren nach 1946 die Satellitenstaaten des sowjetischen Imperiums entstanden.
- 200 km hinter dem Eisernen Vorhang, in der alten, jetzt geteilten ehemaligen Reichshauptstadt Berlin, [musik] geht die Konfrontation weiter und sie wird
- täglich explosiver. Die Sowjets versuchen die Westmächte, Amerikaner, Briten und Franzosen aus der vierfach besetzten Stadt zu vertreiben.
- Ziel der Sowjets ist es, aus Ostdeutschland einen eigenen kommunistischen Staat zu machen, mit eigener Hauptstadt Berlin.
- So ordnen die Sowjets eine Blockade der drei Westzonen an. Der gesamte Verkehr nach West-Berlin wird von den Sowjets gesperrt. Das könnte zu militärischer
- Konfrontation führen. Doch die USA reagieren anders. Sie errichten gemeinsam mit den Briten eine Luftbrücke von Westdeutschland nach
- West-Berlin. Sie überfliegen die Sowjetzone und versorgen 2,5 Millionen West-Berliner mit Nahrungsmitteln, Kohle und Öl und Rohstoffen. Das ist [musik]
- der größte Einsatz dieser Art. Alle 63 Sekunden landet jetzt [musik] ein Flugzeug auf den drei in West-Berlin befindlichen Flugfeldern, Tempelhof,
- Gatow und Tegel. Trotz dieser organisatorischen Meisterleistungen kommt es immer wieder [musik] zu tragischen Unfällen. 39
- Briten, 31 Amerikaner und mindestens acht Deutsche verunglücken tödlich. Jedes der Flugzeuge wird innerhalb von 30 Minuten entladen, gewartet und fliegt
- wieder ab. Mit den anfangs geschätzten 750 t Luftfracht pro Tag ist man vom
- Tagesbedarf der Berliner weit entfernt. Um die tägliche [musik] Versorgung zu garantieren, arbeiten die Menschen auf
- Hochtouren. Nach fast einjähriger Dauer wird die Blockade durch ein in den Vereinten Nationen diskret ausgehandeltes Abkommen
- beendet. Die Sowjets heben die [musik] Blockade West-Berlins auf. Der Westen und die Freiheit haben gesiegt. [musik]
- [musik] Während die Stadt belagert wird, entsteht aus den drei Westzonen der Amerikaner, Engländer und Franzosen
- jetzt die neue Bundesrepublik [musik] Deutschland, ein demokratischer Staat mit einem demokratischen Grundgesetz. Zum Bundeskanzler wird Konrad Adenauer
- gewählt. Neun Monate haben 65 Abgeordnete am Grundgesetz gefeilt. [musik] In
- Paragraph 1 heißt es: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt. Bald darauf [musik]
- tritt die neue Bundesrepublik Deutschland der NATO, dem westlichen Verteidigungsbündnis bei. Bei ihrer Gründung sagt Präsident Truman:
- Sie können zwischen Sklaverei und Freiheit wählen, zwischen Krieg und Frieden. Ich habe keinen Zweifel daran, was sie wählen werden. Der Vertrag, den
- wir hier heute unterschreiben, ist ein Hinweis darauf, welchen Weg sie einschlagen werden. Wenn heute irgendetwas sicher ist, wenn irgendetwas
- in der Zukunft unvermeidlich ist, dann ist das der Wunsch der Völker der Welt nach Freiheit und Frieden.
- Kurz darauf überfällt das kommunistische Nordkorea Südkorea. Der UN-Sicherheitsrat beschließt in Abwesenheit der Sowjetunion die
- Entsendung von Truppen aus 22 Ländern unter der Führung der Vereinigten Staaten.
- [musik] Dieser erstmalige Stellvertreterkrieg fordert in den Jahren von 1950 bis 1953
- Millionen Menschenleben. Soldaten der freien westlichen Welt lassen ihr Leben im Kampf gegen den kommunistischen Aggressor, der ebenso
- hohe Verluste erleidet. Und endet nach langen Verhandlungen in einem bis heute andauernden Waffenstillstand am 38. Breitengrad.
- Von jetzt an beginnt das Wettrüsten der beiden Supermächte USA und Sowjetunion. Beide bewaffnen sich mit nuklearen Sprengköpfen und Raketen und stellen
- diese in Paraden zur Schau. Auch der Weltraum [musik] wird zur Arena des Kalten Krieges, in der ein Wettlauf
- um strategische Vorteile in [musik] der Raumfahrt einsetzt. Die Sowjetunion entwickelt 1957 als erste einen die Welt umkreisenden Satelliten, genannt
- Sputnik, der Weggefährte. Sie schickt 1961 mit ihrem Kosmonauten Juri Gagarin auch den ersten Menschen in den Weltraum.
- Man belauert einander. Weltweit und in Europa.
- Doch nun wird auch Churchill in Berlin Paris erhört. Ein Mann der französischen Wirtschaft, Jean Monnet, legt dem Außenminister Robert Schumann
- einen Plan vor, mit dem gleich zwei große Sorgen Frankreichs behoben werden könnten. Statt künftig wieder eine Rivalität zwischen Deutschland und
- Frankreich zu erwarten, sollte Frankreich dem besiegten Deutschland die Hand reichen und es für eine Zusammenarbeit gewinnen. Immerhin war
- man durch den Marshallplan bereits innerhalb der OEEC zur Zusammenarbeit mit Deutschland gezwungen. Nun schlug Monnet vor, alle Kohlengruben
- Deutschlands und alle seine Stahlwerke mit den Kohle- und Stahlbetrieben Frankreichs einer gemeinsamen Aufsicht zu unterstellen, eine Kohle- und
- Stahlunion zu gründen. Denn ohne Kohle und Stahl ließe sich kein Krieg mehr führen. Das neue Deutschland, gegründet 1949,
- wird von Frankreich eingeladen, in diese Kohle- und Stahlunion einzutreten. [räuspern] Adenauer ruft seinen Ministern zu: Das
- ist der Durchbruch! Ja, das war der Durchbruch. Nur an der Hand Frankreichs war das besiegte und zerstörte Deutschland in eine neue europäische
- Gemeinschaft zu führen. Belgien, die Niederlande und Luxemburg, vor allem auch Italien, traten nun der Montanunion bei. Sie gründeten die
- Sechsergemeinschaft, die sich 1957 zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,
- zur EWG, in Rom zusammenfand. Dort sollte sie unterschrieben werden. Die Idee Monnets zur Gründung der Kohle- und Stahlunion, der späteren Montanunion,
- ist die Grundlage des Zusammenschlusses sechs europäischer Staaten. Mit der Unterschrift ihres Initiators, Frankreichs [musik] Außenminister Robert
- Schumann, ist dies der erste Schritt in ein neues [musik] Europa. Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, die Niederlande, Belgien, Luxemburg und
- Italien bilden fortan die Sechsergemeinschaft als gemeinsames Wirtschafts- und Friedensprojekt. [musik] Schumann reicht damit
- Deutschland die Hand. Die gesamte deutsch-französische Kohle- und Stahlproduktion wird unter internationale Kontrolle gestellt und
- für die Dauer von 50 Jahren wird ein gemeinsamer Markt geschaffen. Die Bundesrepublik bekommt ihren fixen Platz in der Völkergemeinschaft [musik]
- wieder. In der Sowjetunion stirbt am 5. März 1953
- der Despot, [musik] der über Tod und Leben von Millionen Menschen entschieden hat. Die Bevölkerung reagiert auf sein Ableben widersprüchlich.
- Einige weinen, andere stoßen einen großen Seufzer der Erleichterung aus. Die meisten sind wie betäubt und fürchten, an die Zukunft zu denken.
- Stalins [musik] Regentschaft kostete Millionen Menschen das Leben. Für sie bestand keine Möglichkeit [musik] zu einem revolutionären Sturz des
- Despotismus. Eine Reform kann nur von oben kommen, von Stalins Anhängern und Komplizen. Dieser Umstand prägt den zögernden und
- widersprüchlichen Charakter der sogenannten Entstalinisierung. In der DDR kommt der Aufstand von unten. Die Menschen sehen den Zeitpunkt
- gekommen, sich nun gegen die Diktatur der Einheitspartei aufzulehnen. Mit bloßen Händen und dem Willen zur Freiheit treten sie den sowjetischen
- Panzern entgegen. Ihr Schrei nach Freiheit erstickt in der gewaltsamen Unterdrückung.
- Das letzte Ringen um die Freiheit Berlins und die Wiedervereinigung der Bundesrepublik Deutschland findet auf der Außenministerkonferenz 1954 in
- Berlin statt, auf der Molotow seinen Plan für gesamtdeutsche freie Wahlen und die Neutralisierung Deutschlands vorstellt, mit dem Ziel, in Zukunft die
- westliche Einflussnahme auf ein neutrales Deutschland zu schwächen. [musik] Auf dieser Konferenz hören auch die
- Amerikaner vom Plan des sowjetischen Außenministers und denken aber bei dem Begriff Neutralität [musik] bereits an ein anderes Land.
- Der sowjetische Außenminister Molotow hatte bei der Berliner Konferenz vorgeschlagen, auch Österreich sollte ein neutraler Staat werden. Das würde
- zum Abschluss des Staatsvertrages helfen. Der amerikanische Außenminister John Foster Dulles wandte sich bei einem
- Frühstück im Weißen Haus an den Präsidenten Eisenhower und fragte ihn, ob für die Amerikaner ein solcher Vorschlag annehmbar wäre.
- Eisenhowers Antwort war eindeutig. Wenn Österreich so neutral wird, wie es die Schweiz ist, ist das durchaus annehmbar, sagt Eisenhower. Die Schweiz habe sich
- bis an die Zähne bewaffnet und sei bereit, gegen jeden Angreifer entschieden zu kämpfen. Die neutrale Schweiz ist ja keine Lücke in der
- NATO-Verteidigung. Auch die Österreicher wären bestimmt zum Kampf um ihre Freiheit bereit. Neutral wie die Schweiz, das ist die Formel,
- meinte Eisenhower. Ein Jahr nach der Außenministerkonferenz wird die österreichische Regierung nach
- Moskau [musik] eingeladen. Dort vollzieht sich das, was die Amerikaner bereits angedacht hatten. Österreich bekommt die Zusicherung für den
- Staatsvertrag unter der Bedingung, dass das Land sich der immerwährenden Neutralität verpflichtet, [musik] also weder einem westlichen noch einem
- östlichen Militärbündnis beitreten wird. Der Verhandlungsführer für die Sowjetunion ist Außenminister Molotow. Für Österreich verhandeln Bundeskanzler
- Raab, Vizekanzler Adolf Schärf, Außenminister Leopold Figl und Staatssekretär Bruno Kreisky.
- Die Verhandlungen werden ein Erfolg. Im NATO-Gebäude in Paris tritt die Bundesrepublik Deutschland dem
- westlichen Militärbündnis und der Westeuropäischen Union bei und erklärt den Verzicht auf eigene atomare Waffen. Auch ist für Westdeutschland mit diesem
- Vertrag die Besatzungszeit [musik] beendet. Was dadurch auch klar wird, ist der Fahrplan für Europa, geteilt [musik] in
- Ost und West. Doch die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung Deutschlands ist nun sehr gering geworden.
- [musik] [musik] Nur einen Tag, bevor in Wien der
- österreichische Staatsvertrag unterzeichnet wird, reist Molotow nach Warschau, um die bisherigen militärischen Bündnisverträge mit den
- Ostblockstaaten auch in einem gemeinsamen Militärbündnis zu vereinen, dem Warschauer [musik] Pakt. Dieser ist nun Wirklichkeit und bildet den
- östlichen Gegenpol zur westlichen NATO. Direkt von Warschau aus besteigt Molotow das Flugzeug nach Wien für den großen
- Tag Österreichs am 15. Mai 1955. [musik] In Wien sollen die Besatzungsmächte den in Moskau ausverhandelten Staatsvertrag
- mit Österreich unterzeichnen. [musik] Alle vier Mächte sind durch ihre Außenminister vertreten. Ihre Wagenkolonne [musik] fährt vor und
- man versammelt sich im Sommersitz Prinz Eugens, dem Schloss Belvedere. [musik] Bundeskanzler Raab und Außenminister Figl empfangen die Delegationen der
- Alliierten, die nach und nach im Schloss eintreffen. [musik] Und vor dem Schloss weht bereits die österreichische Fahne.
- [musik] Gemeinsam unterzeichnen sie nun den Vertrag. Der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow,
- der britische Außenminister Harold Macmillan, [musik] der amerikanische Außenminister John
- Foster Dulles, der französische Außenminister Antoine Pinay. Jetzt unterzeichnet auch Figl.
- Und Österreich ist frei. Die Außenminister stehen gemeinsam auf dem Balkon des Schlosses und werden von
- einer vieltausendköpfigen Menge jubelnd begrüßt. Man winkt gemeinsam dem österreichischen Volk zu. Jedoch ist man bereits [musik] getrennt.
- Ab diesem Moment auf dem Balkon des Oberen Belvedere in Wien sind Ost und West militärisch eindeutig definiert. Und dennoch,
- nach Deutschland ist nun auch Österreich in die Gemeinschaft der Nationen zurückgekehrt. Eine neue Ära beginnt in der Sowjetunion
- mit einem erfahrenen Pragmatiker. Auf dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion im Februar 1956 leitet Nikita Chruschtschow in einer
- geheimen Rede das Ende des Stalinismus ein. Chruschtschow zählt die Führer kommunistischer Parteien auf, die noch beim 19. Parteitag anwesend waren und
- jetzt tot sind. [musik] Es gelte, so Chruschtschow in seiner Rede, wieder zu den leninschen
- Prinzipien der Parteiführung, vor allem zur Kollektivität zurückzukehren. [jubel] Es scheint eine neue Phase der
- Entspannung, ein Tauwetter im Kalten Krieg zu geben. Doch man sollte sich täuschen. Nachdem sich in Ungarn nach friedlichen
- Massenprotesten in wenigen Tagen eine demokratische Führung unter dem Sozialisten [musik] Imre Nagy bildet, beenden sowjetische Panzer gewaltvoll
- den Ruf nach Freiheit und Demokratie. Die Anführer des Volksaufstandes werden hingerichtet, [musik] Zehntausende eingekerkert und
- interniert. Und rund 200.000 Menschen in die Flucht geschlagen. Der Wunsch nach Öffnung des Eisernen Vorhangs erhält von den USA nur verbale Unterstützung. Die
- NATO greift nicht ein, da eine Einmischung in die Einflusssphäre [musik] der Sowjetunion als Kriegsgefahr befürchtet wird.
- In Rom treffen einander 1957 die Regierungschefs und die Außenminister der Sechsergemeinschaft, um die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft,
- kurz EWG, zu gründen. Ein nächster Schritt in ein gemeinsames [musik] Europa ist geschafft. Das Konzept, die Schlüsselindustrien eng miteinander zu
- verzahnen und einen gemeinsamen offenen Markt zu schaffen, ist ein Friedenskonzept. Für die Bundesrepublik unterschreibt den Vertrag von Rom Konrad
- Adenauer. An dem Tag, an dem die EWG-Verträge in Rom unterschrieben wurden, war ich im Kanzleramt zu einem Kaffeeklatsch beim
- Bundeskanzler Raab. Wir machen immer wieder macht mir solche Begegnungen. Auf einmal sagt der Bundeskanzler ganz unerwartet: "Also, wir gehen dazu."
- Sag ich: "Wozu, Herr Bundeskanzler?" Sagt er: "Zur EWG, also zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft." Ich erinnerte mich, dass die Russen
- diese EWG verteufelt hatten. Sie sagten, es wäre der der Untergrund für die NATO. Und ich sag dem Bundeskanzler: "Und was sagen die Russen dazu?" Darauf antwortet
- Raab: "Der wird nicht gefragt." Nein, die Russen wurden nicht gefragt, aber sie meldeten sich sofort, als Raab mit der Idee in die Öffentlichkeit ging.
- Und Moskau erklärte, das wäre ein Bruch des Staatsvertrags, wenn Österreich zur EWG ginge, denn im [räuspern]
- österreichischen Staatsvertrag ist der Anschluss Österreichs an Deutschland verboten. Und wenn Österreich zur EWG ginge, wäre es gleichbedeutend mit dem
- Anschluss an Deutschland. Also musste auch Raab warten und Österreich warten, bis die Sowjetunion zusammenbrach. Erst dann durften wir zur EWG, das heißt zur
- Europäischen Union, gehen, früher nicht. 1960 verliest Bundeskanzler Julius Raab die Regierungserklärung zum Beitritt Österreichs zur EFTA. Das neutrale
- Österreich, durch das sowjetische Veto am EWG-Beitritt gehindert, schließt stattdessen einen Freihandelsvertrag ab. Die Mitglieder der EFTA sind Österreich,
- die Schweiz, Portugal, Großbritannien, Norwegen, Schweden und Dänemark. Diese sieben Staaten schließen sich zu einer Freihandelszone zusammen, [musik] weil
- sie der EWG nicht beitreten dürfen oder nicht beitreten wollen. Deutschlands Bundeskanzler Konrad Adenauer eilt 1963 auf Einladung von
- Frankreichs Charles de Gaulle zu einer zukunftsweisenden Vertragsunterzeichnung in den Élysée-Palast. Aus Gegnern werden gute Freunde. Der im selben Jahr
- zwischen de Gaulle und Adenauer geschlossene Vertrag über die freundschaftliche Zusammenarbeit der beiden Staaten stärkt das demokratische,
- friedliche Europa. [musik] Der Bruderkuss besiegelt die gute Absicht.
- [musik] In Europa ist das nicht die Regel. Der Eiserne Vorhang trennt [musik] das
- demokratische Westeuropa vom kommunistischen Ostblock. Doch es gibt eine einzige Lücke, das freie West-Berlin.
- Tausende [musik] Ostdeutsche benutzen den Übergang nach Berlin zur Flucht in den Westen. Das gefährdet recht bald die gesamte
- [musik] Existenz der DDR. Daraufhin beschließt die DDR-Führung den Bau einer massiven Mauer rund um West-Berlin. Sie wird zum Symbol der im
- Osten eingekerkerten Menschen. Die DDR-Propaganda aber nennt sie den antifaschistischen Schutzwall.
- Sie bringt Schmerz und Leid und jahrelange Trennung. Nicht wenige Menschen riskieren ihr Leben, um diese Gefängnismauer zu überwinden.
- [musik] Im selben Jahr steht der junge [musik] demokratische US-Präsident John F.
- Kennedy einer weltpolitischen Krise gegenüber. Die Sowjetunion hat auf der mit ihr verbündeten [musik] Insel Kuba Atomraketen stationiert, die die
- gesamten USA unmittelbar bedrohen. Um diesen offensiven Aufbau Einhalt zu gebieten, wird eine strenge Blockade über alles militärische
- Offensivmaterial, das nach Kuba geliefert wird, eingeführt. Sämtliche Schiffe irgendeiner Art, die nach Kuba bestimmt sind, gleichgültig aus welchem
- Land oder welchem Hafen, werden, wenn sie Ladungen von Angriffswaffen enthalten, zurückgeschickt werden. Ich habe die Fortsetzung und Verstärkung
- einer scharfen Überwachung Kubas und seines militärischen Aufbaus angeordnet. Sollten diese offensiven militärischen Vorbereitungen andauern und dadurch die
- Bedrohung der Hemisphäre verschärfen, wird dies weitere Aktionen rechtfertigen. Präsident Kennedy fordert den Abzug der
- Raketen und verkündet eine Militärblockade, um sowjetische Transportschiffe fernzuhalten. Einige seiner Berater drängen zu einer Invasion
- Kubas, aber im letzten Moment lenkt Chruschtschow ein. Er bietet den Abzug der sowjetischen Raketen gegen die amerikanische Zusicherung an, Kuba jetzt
- und in Zukunft nie anzugreifen. Der Deal wird [musik] in der UNO abgesegnet. Die sowjetischen Raketen werden abgezogen, aber auch die Amerikaner [musik] ziehen
- ihre in der Türkei stationierten Raketen ab, effektiv im Austausch. Als Reaktion auf diese ernsthafte weltweite Bedrohung unterzeichnen die
- USA, die Sowjetunion und Großbritannien 1963 das erste Atomteststoppabkommen, das die Verbreitung von atomaren Waffen und atomaren Schäden verhindern soll.
- [musik] Der Wille zu einer friedlichen Welt ist wieder einmal geboren, wenn auch das Wettrüsten der beiden Supermächte
- ungehindert weitergeht. [musik]
- Um zu betonen, dass die USA wegen des Mauerbaus weiterhin und immer für die Freiheit West-Berlins eintreten und sich nicht vertreiben lassen werden, besucht
- Kennedy Berlin, spricht vor Zehntausenden Berlinern und endet mit seinem historischen Bekenntnis: [jubel]
- Frankreichs de Gaulle hat sich mittlerweile mit Deutschland [musik] versöhnt. Bei den Briten hat er nach wie vor Vorbehalte. Zweimal verhindert
- Charles de Gaulle die Europapläne der englischen Regierung. Er hält Großbritannien für nicht europareif. Eine Gegenleistung für Englands Krieg
- gegen Hitler ist für den Staatspräsidenten keine politische Kategorie. [musik]
- De Gaulle aber steht selbst unter schwerem Druck. In Paris revoltieren die Studenten und fordern den Rücktritt des konservativen Generals. Seine Politik,
- [musik] die weitgehend auf seinen Erfahrungen als Kriegsveteran beruht, ist der jungen Generation zu eng, zu starr und zukunftsverweigernd.
- Sie errichten Barrikaden. Es fliegen Pflastersteine, die mit Baggern und Bulldozern entfernt werden müssen. Im Mai 1968 brennt Paris und die Unruhen
- greifen auch auf andere französische Städte über. Explosionsartig entlädt sich das soziale und politische Unbehagen der Studenten. Bei den
- Arbeitern stoßen die revolutionären Aktionen der Studenten auf Misstrauen und zunächst auf Ablehnung. [musik]
- Erst als die Regierung auf harte Konfrontation geht, schließen sich die Gewerkschaften den Protesten der Studenten an.
- [musik] In der DDR rumort es ebenfalls. 1968 kommt es vereinzelt zu Protesten, vor allem friedlich und getragen von
- Schülern und Studenten und jungen Arbeitern. Die Sympathien der Demonstranten gelten vorwiegend [musik] dem Versuch eines demokratischen
- Umbruchs. Während die zweitstärkste Militärmacht der Welt beginnt, mit ihren Panzern die
- sanfte Revolution in Prag zu überrollen. Dort fordern selbst Kommunisten einen neuen Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Sie heben die Pressezensur auf,
- fordern volle Meinungsfreiheit und eine Demokratisierung der Partei. Moskau reagiert [musik] wie Jahre zuvor in Ungarn und marschiert mit Panzern und
- Truppen in die Tschechoslowakei ein, unterstützt von Soldaten Polens, Ungarns und Bulgariens. In Prag wird der Reformkommunismus einfach niedergewalzt.
- [musik] Doch die Bevölkerung wehrt sich, versucht die Panzer aufzuhalten und setzt sie teilweise in Brand. Vergeblich
- ruft der Führer der KP, Alexander Dubček, die Bevölkerung auf, sich nicht provozieren zu lassen, geduldig und gescheit zu sein. Letztlich aber
- scheitert der Widerstand an der Übermacht der Truppen des Warschauer Paktes. Der Generalsekretär der Kommunistischen
- Partei der Tschechoslowakei, Alexander Dubček, wird nach Moskau beordert und später seines Amtes enthoben. Sein Nachfolger ist ein moskauhöriger
- Politiker. [musik] Eine neue Generation von Politikern setzt ein Zeichen im Westen. Englands
- Edward Heath führt seine erste Mission nach Frankreich und zu Georges Pompidou. Dieser führt im Inneren die gaullistische Politik weiter. In der
- Außenpolitik ändert sich jedoch sein Kurs. 1972 öffnet er für Großbritannien das Tor nach Europa. Mit Januar 1973 erfolgt der EWG-Beitritt [musik]
- Englands. Er wird aber bald wieder in Frage gestellt. Margaret Thatcher, Parteivorsitzende der Konservativen, wirbt für den Verbleib in der EWG. Ein
- Referendum findet statt. Das Votum ist eindeutig und 8 Millionen Briten stimmen dagegen. Rund 17 Millionen stimmen aber für den Verbleib in der EWG.
- [musik] Premierminister Edward Heath trifft in einer Stadt im hohen Norden Europas
- weitere [musik] Politiker, die über Sicherheit und Zusammenarbeit den Abbau des Eisernen Vorhangs konferieren. Das finnische Helsinki wird zum
- Ausgangspunkt erster gemeinsamer Verhandlungen zwischen Ost und West. Auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa treten 35
- Staaten zusammen und beraten erstmals blockübergreifende [musik] Maßnahmen zum Thema Menschenrechte, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und
- Umwelt in Europa. Das Gleichgewicht des Schreckens zwischen östlichem und westlichem
- Machtblock sieht mit der Stationierung amerikanischer Langstreckenraketen, den sogenannten Pershing II, auch westeuropäische Standorte vor. Im
- sogenannten NATO-Doppelbeschluss wollen die Amerikaner Pershing II-Raketen in hohem Ausmaß [musik] in verbündeten NATO-Ländern Europas, vor allem in
- Deutschland, stationieren. Deutschland muss dem zustimmen und verhandelt gleichzeitig um den Abbau der auf Westeuropa gerichteten sowjetischen
- SS-60-Raketen. Dem Journalisten Hugo Portisch gelingt es, in die geheimen Atombunker der USA vorzudringen.
- Nach einem Gespräch mit Henry Kissinger, dem Berater des US-Präsidenten und Außenminister der USA, wurde mir und meinem Kameramann Sepp Riff die
- Erlaubnis erteilt, dieses Atomhauptquartier zu besuchen und es auch zu filmen. In Begleitung von vier Offizieren durfte ich den sogenannten
- War Room, also den Kriegsbunker, besuchen und auch filmen, in dem sich jenes sagenhafte rote Telefon befindet, über das der Einsatz aller Atomraketen
- und Atombomber zum Gegenangriff gestartet werden kann, wenn die USA von der Sowjetunion angegriffen würde.
- Das rote Telefon kann nur eingesetzt werden, wenn der Präsident oder im Falle seiner Verhinderung ein legitimierter Nachfolger den Befehl dazu gibt. Und der
- Befehl dann auch noch vom Pentagon, vom Vereinigten Generalstab konfirmiert wird. Eine Vorsorge, der den unbedachten Einsatz der Atomstreitkräfte verhindern
- soll. Aber wenn der Befehl kommt, dann starten Hunderte Raketen aus unterirdischen Silos und von getauchten U-Booten, die den ersten Schlag der
- Sowjetzeile überstanden haben, gegen die Sowjetunion. Wir haben uns große Mühe gegeben und riesige Summen Geldes investiert, um
- unsere strategischen Systeme zu sichern, also diese Waffen, vor denen sich alle so sehr fürchten, um sicherzustellen, dass nichts dergleichen passiert, weder
- von Seiten eines Individuums, eines Menschen, noch durch eine Fehlfunktion technischer Art im System selbst.
- In manchen Nächten schlafe ich, vielleicht nicht so gut wie andere Menschen.
- Die Menschen in Europa sind verunsichert und verängstigt. Ein möglicher Atomkrieg scheint täglich für sie Wahrheit werden zu können. Vielfach werden die Sorgen,
- die sie in europaweiten Friedensmärschen auf die Straße tragen, als kommunistische Angstbeeinflussung gesehen. Doch in Anbetracht der
- Bedrohungsszenarien hat diese Angst mit Politik wenig zu tun. Es ist ein US-amerikanischer Kinofilm,
- der die Politik [musik] der Abrüstung nachhaltig beeinflussen wird. The Day After zeigt 1983 die Folgen eines irrtümlich ausgelösten
- Atomschlages. Und beeinflusst den damaligen Präsidenten Ronald Reagan bei seinem
- Entschluss, einem Abrüstungsvertrag [musik] mit Sowjetchef Michail Gorbatschow zuzustimmen. Die Welt rüstet ab.
- Osteuropa will sich befreien [musik] und sich dem Druck der autoritären Regierungen nicht mehr beugen. Die Bürger wollen Freiheit, Demokratie
- [musik] und Wohlstand. In der DDR beginnt der starre Block der Diktatur zu bröseln. Die DDR-Bürger
- sehen ihre Chance gekommen, [musik] dass ihre Proteste letztendlich die Demokratie mit sich bringen könnten.
- Das Sowjetreich beginnt von der DDR aus zu zerfallen. Michail Gorbatschow, der neue Mann in Moskau, führte in der Sowjetunion eine
- neue Innenpolitik [räuspern] ein. Mit den Schlagworten Glasnost für Transparenz und Perestroika für Umgestaltung des Systems will er die
- Sowjetunion grundlegend reformieren. Während die russische Bevölkerung gezögert auf Gorbatschows Pläne eingeht, erwecken sie besonders in der DDR eine
- neue Hoffnung. Ähnlich wie vor in Prag, fordern die Ostdeutschen jetzt mehr Demokratie und mehr Freiheit. Dafür wird jeden Montag in der eigenen
- Demonstration rund um die Nikolaikirche in Leipzig demonstriert. Die Regierung der DDR hält den Druck kaum noch stand. Als Gorbatschow die DDR besucht, wird er
- mit großem Sprechchor empfangen. "Gorbi, Gorbi", schreit die Menge und es ist klar, was sie damit meint: Mehr Freiheit. Ab jetzt stehen der
- Kommunismus und die von ihm getragenen Regime in Mittelosteuropa und in der Sowjetunion in Frage.
Zum Nachlesen
Kalter KriegAls Dauer des Kalten Krieges gilt im Allgemeinen die Nachkriegszeit von 1945 bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991. Michail Gorbatschow bezeichnet in seinen …
Chronik der deutschen TeilungDie Chronik der Teilung Deutschlands umfasst Geschehnisse vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990.
OstblockDer Begriff Ostblock ist ein im Westen geprägtes politisches Schlagwort aus der Zeit des Ost-West-Konflikts für die Sowjetunion (UdSSR) und ihre …
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