Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Antikes Griechenland
Das antike Griechenland hat die Entwicklung der europäischen Zivilisation maßgeblich mitgeprägt. Es umfasst im Kern den Zeitraum von ca. 800 v.
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und Epochen
Das antike Griechenland prägte die europäische Zivilisation stark. Im Kern umfasst es die Zeit von etwa 800 v. Chr. bis zur Eingliederung des letzten hellenistischen Reiches 30 v. Chr. in das Römische Reich. Üblich ist die Einteilung in Archaik, Klassik und Hellenismus. Die Grenzen dieser Epochen sind wissenschaftliche Konventionen und passen besonders zu den bedeutenden Akteuren des Ägäisraums, nicht immer gleich gut zu Griechen im westlichen Mittelmeer oder am Schwarzen Meer.
In der Archaik (ca. 800–500 v. Chr.) entstanden das griechische Alphabet, die Polis als typische Staatsform, zahlreiche Kolonien sowie die Olympischen Spiele. Ilias und Odyssee wurden wohl um 700 v. Chr. schriftlich festgehalten. Die Klassik wird meist von etwa 500 bis 336/323 v. Chr. angesetzt. Sie umfasst die Perserkriege, die Attische Demokratie, den Peloponnesischen Krieg und eine besonders starke kulturelle Entfaltung. Mit Alexander dem Großen begann ab 336 v. Chr. der Hellenismus: Griechische Sprache und Kultur verbreiteten sich bis nach Vorderindien, während makedonische Könige Großreiche beherrschten.
Ab 200 v. Chr. geriet der östliche Mittelmeerraum schrittweise unter römische Herrschaft. 30 v. Chr. fiel das ptolemäische Ägypten als letzte hellenistische Macht an Rom; 27 v. Chr. wurde der größte Teil Griechenlands zur Provinz Achaea. Die politische Selbstständigkeit endete, doch der östliche Mittelmeerraum blieb kulturell lange griechisch geprägt.
Polis, Kolonien und Zusammenhalt
Die Polis war ein Staatsverband beziehungsweise Stadtstaat. Zunächst bezeichnete polis die Burg als Zentrum einer Siedlung, später auch die Stadt und ihr Umland, die Chora. Politisches und wirtschaftliches Zentrum war die Agora, der Marktplatz. Die Poleis waren meist kleine Ackerbürgerstädte: Die Zahl der wehrfähigen Männer lag gewöhnlich zwischen 500 und 1500. Athen und Sparta mit großer Chora waren Ausnahmen.
Zur Polis gehörte ein Personenverband von Bürgern; entscheidend war individueller Landbesitz. Aristoteles formulierte: „Die Männer, nicht die Mauern machen die Stadt aus.“ Bürgerrechte waren je nach Besitz und Wehrkraft abgestuft. Typische Einrichtungen waren Volks- oder Heeresversammlung, Rat und zeitlich begrenzte Ämter. Jede Polis bildete zugleich eine Kult- und Schwurgemeinschaft mit eigener Schutzgottheit. Sie verteidigte ihre Autonomie, also ihre Selbstständigkeit, sehr entschieden. Innere gewaltsame Konflikte hießen Staseis.
In der Großen Kolonisation von ca. 750–550 v. Chr. gründeten Griechen etwa 200 bis 230 Apoikien, also unabhängige Tochterstädte, an den Küsten des Mittelmeers und Schwarzen Meers. Gruppen von anfangs selten mehr als 200 Menschen zogen unter einem Oikisten, dem Leiter der Gründung, aus. Landknappheit, Erbteilung, Handel und die Beteiligung von Handwerkern werden als Ursachen erwogen; Landnot war nicht das einzige Motiv. Die Apoikien übernahmen Organisation und Kulte ihrer Mutterstadt, der Metropolis, blieben aber politisch unabhängig.
Ein einheitliches Nationalbewusstsein gab es nicht. Verbindend wirkten jedoch Sprache und Dialekte, die homerischen Epen, gemeinsame Götter und Kulte, das Orakel von Delphi sowie die Panhellenischen Spiele. Erst in den Perserkriegen verstärkte sich ein auch politisch wirksames Zusammengehörigkeitsgefühl der Hellenen.
Gesellschaft, Wirtschaft und politische Ordnung
Die Bevölkerung und wirtschaftliche Daten der Antike sind nur grob schätzbar. Für Kerngriechenland wird ein Anstieg von etwa 330.000 Menschen um 1000 v. Chr. auf rund 3 Millionen am Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. angenommen; für die gesamte griechischsprachige Poliswelt werden 8,25 Millionen Einwohner geschätzt. Etwa 1000 Poleis sind anzunehmen, doch weniger als die Hälfte hatte mehr als 2000 Einwohner.
Die Gesellschaft beruhte auch auf Sklaverei: Sklaven arbeiteten in Haushalten, Bergwerken, Landwirtschaft und Handwerk. Frauen waren politisch rechtlos und gesellschaftlich zurückgesetzt. Neben den männlichen Vollbürgern lebten etwa Metöken, zugezogene Einwohner, in vielen Poleis; sie arbeiteten oft in Handel und Handwerk, durften aber politisch nicht mitwirken. Die Lebenserwartung war niedrig: Nur knapp über 50 Prozent überlebten das fünfte Lebensjahr, etwa 40 Prozent wurden mindestens 30 Jahre alt und gut 20 Prozent mindestens 50.
Griechenland war eine Agrargesellschaft; 67 bis 80 Prozent der Erwerbstätigen waren vermutlich Bauern. Die kleinbäuerliche Subsistenzwirtschaft erzeugte oft kaum mehr als den eigenen Bedarf. Hauptnahrungsmittel waren Getreide, besonders Gerste, Oliven und Öl, Feigen, Granatäpfel, Trauben und Wein. Handwerk und Bauwesen bestanden überwiegend aus kleinen Betrieben. Der Bergbau, in Attika vor allem auf Silber und Eisen, war wegen des Masseneinsatzes von Arbeitskräften eine Ausnahme. Athen musste Getreide aus Sizilien, Ägypten und dem Schwarzmeergebiet importieren und finanzierte dies unter anderem durch Silber aus Laureion. Seedarlehen waren verzinste Darlehen zur Vorfinanzierung des Seehandels; das Münzwesen entstand im 6. Jahrhundert v. Chr.
Drei Grundformen der Verfassung waren Tyrannis, Oligarchie und Demokratie. Eine Tyrannis war Einzelherrschaft und in der Archaik noch nicht grundsätzlich negativ bewertet. In einer Oligarchie regierte eine Minderheit der Bürger; Demokratie beteiligte alle Bürger mit Bürgerrecht. Wichtigstes Beschlussorgan war die Volksversammlung, die Ekklesia. In der entwickelten Demokratie hatte jeder Stimmberechtigte Rederecht und Abstimmungen erfolgten oft durch Handaufheben. Der Rat, die Bule, bereitete Volksversammlungen vor und kontrollierte laufende Staatsgeschäfte. Beamte amtierten meist ein Jahr und wurden gewählt oder ausgelost. Rechtspflege war Bürgeraufgabe: Es gab weder Staatsanwälte noch einen Juristenstand.
Kriege, Hegemonien und Makedonien
Der Ionische Aufstand von ca. 500–494 v. Chr. gegen die persische Oberherrschaft war der Anlass für die Perserkriege. Athen siegte 490 v. Chr. bei Marathon. Gegen Xerxes I. gründete sich 481 v. Chr. der Hellenenbund. Nach dem Kampf bei den Thermopylen vernichteten die Griechen die persische Flotte 480 v. Chr. bei Salamis; 479 v. Chr. wurde das persische Heer bei Plataiai geschlagen. Athen gründete 478/477 v. Chr. den Attischen Seebund und entwickelte sich zur führenden Seemacht.
Auf Reformen Solons und Kleisthenes aufbauend entstand Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. die entwickelte Attische Demokratie. Sie gewährte Vollbürgern unabhängig vom Vermögen politische Beteiligung, schloss aber Frauen und Sklaven vollständig aus. Der Seebund wurde zunehmend zum athenischen Reich, dessen Mitglieder Tribut zahlen mussten. Athen errichtete 460–457 v. Chr. die Langen Mauern zum Hafen Piräus und baute die Akropolis repräsentativ aus.
Der Gegensatz zwischen Athen und der Landmacht Sparta führte zum Peloponnesischen Krieg (mit Unterbrechungen 431–404 v. Chr.). Athen verlor nach der gescheiterten Sizilienexpedition von 415–413 v. Chr. zunehmend Verbündete. Sparta erhielt persische Unterstützung, baute eine Flotte auf und besiegte Athen 405 v. Chr. bei Aigospotamoi; 404 v. Chr. kapitulierte Athen. Spartas Hegemonie endete 371 v. Chr. mit der Niederlage gegen Theben bei Leuktra. Auch Thebens Vorrang war kurz und endete nach dem Tod Epameinondas' 362 v. Chr.
Philipp II. von Makedonien wurde 359 v. Chr. König, schuf ein stehendes, professionell geschultes Heer und besiegte den griechischen Abwehrbund 338 v. Chr. bei Chaironeia. 337 v. Chr. gründete er den Korinthischen Bund. Sein Sohn Alexander zerstörte das aufständische Theben und begann 334 v. Chr. den Alexanderzug gegen Persien, der bis nach Indien führte. Damit endete das klassische Zeitalter.
Kultur, Hellenismus und römische Zeit
Die griechische Kultur brachte prägende Leistungen in Philosophie, Drama, Geschichtsschreibung, Mathematik, Physik, Kunst und Architektur hervor. Wichtige Philosophen waren unter anderem Thales, Pythagoras und Heraklit, später Sokrates, Platon und Aristoteles. Platon und Aristoteles entwickelten metaphysisches Denken; bei Aristoteles gelangen auch formale Logik und Wissenschaftstheorie. Im Hellenismus entstanden Stoa und Epikureismus; Archimedes und Eratosthenes wirkten in dieser Zeit.
Ilias und Odyssee waren zentrale literarische Texte. In Athen entwickelten sich Tragödie und Komödie, besonders mit Aischylos, Sophokles, Euripides und Aristophanes. Herodot und Thukydides begründeten maßgeblich die griechische Geschichtsschreibung. Ein großer Teil der antiken Literatur ist verloren; geschätzt sind kaum 10 Prozent der griechischen Literatur überliefert.
In der Kunst stand die Darstellung des menschlichen Körpers im Mittelpunkt. Archaische Haupttypen der Plastik waren Kouros, eine nackte männliche Figur, und Kore, eine bekleidete weibliche Figur. Zu den bedeutenden Bauten gehören der Hera-Tempel von Olympia um 590 v. Chr., der Apollon-Tempel von Korinth um 560 v. Chr. sowie auf der Athener Akropolis der Parthenon, die Propyläen, der Nike-Tempel und das Erechtheion. Hellenistische Herrscher bauten etwa Pergamon zu einem Machtzentrum aus; der Pergamonaltar gilt als monumentales Kunstwerk dieser Zeit.
Nach Alexanders Tod 323 v. Chr. entstanden die Diadochenreiche. Poleis verloren politisches Gewicht gegenüber Großreichen und Bundesstaaten wie dem Aitolischen und Achaiischen Bund, während Alexandria und später Pergamon kulturelle Zentren wurden. Ein wirtschaftlicher Abschwung Griechenlands nach 300 v. Chr. ist in der Forschung umstritten; archäologische Untersuchungen zeigen, dass viele Städte im Hellenismus wirtschaftlich blühten.
Rom besiegte Makedonien im Zweiten Makedonisch-Römischen Krieg 200–197 v. Chr. und wurde trotz der 196 v. Chr. verkündeten „Freiheit“ Griechenlands zur Hegemonialmacht. Nach Pydna 168 v. Chr. war Makedonien ausgeschaltet, nach der Zerstörung Korinths erfolgte die endgültige Unterwerfung. Unter Rom blieb Griechisch die lingua franca des östlichen Mittelmeerraums; die paideia, die klassische Bildung, lebte lange fort. Die arabischen Eroberungen seit 636 n. Chr. und die Ersetzung des Griechischen als Amtssprache im Kalifenreich 698 n. Chr. markierten das Ende des zusammenhängenden griechischen Sprach- und Kulturraums in Ägypten und Syrien.
Lernvideos zu Antikes Griechenland
13:15
Antikes Griechenland erklärt I Geschichte
MrWissen2go Geschichte | Terra X · 1,7 Mio. Aufrufe
15:59
Antikes Griechenland - Athens Losverfahren und Spartas Terrorstaat | Geschichte kompakt erklärt
MOOCit Education Matters Lernvideos für die Schule · 95 Aufrufe
17:18
Das Antike Griechenland (Die Ganze Lore)
Muhu Mees · 369.882 Aufrufe
2:52
Die Griechische Polis - Die Gesellschaft im antiken Griechenland
Geschichte - simpleclub · 423.113 Aufrufe