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Konstantinische Wende
In ihrem Verlauf gewann das Christentum an Einfluss im Römischen Reich und wurde schließlich im Jahr 380 zur Staatsreligion erhoben, neben der andere …
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Grundidee und Bedeutung
Als konstantinische Wende bezeichnet man die religiöse Entwicklung, die durch die Mailänder Vereinbarung der Kaiser Konstantin und Licinius im Jahr 313 eingeleitet wurde. Diese Vereinbarung wird oft als Toleranzedikt bezeichnet, was sachlich unkorrekt ist. Sie führte dazu, dass das Christentum im Römischen Reich zunächst geduldet, dann rechtlich privilegiert und schließlich im Jahr 380 unter Theodosius I. zur Staatsreligion erhoben wurde.
Die Wende ist wichtig, weil sie die Stellung des Christentums grundlegend veränderte: Aus einer bis 311 bzw. 313 verbotenen und teils blutig verfolgten Kirche wurde eine anerkannte Institution, später eine eng mit dem politischen System verbundene Reichskirche. Andere Religionen wurden am Ende dieser Entwicklung offiziell nicht mehr geduldet, mit Ausnahme des Judentums. Die Förderung durch Konstantin trug auch außerhalb des Römischen Reiches zur Verbreitung christlicher Lehren bei und war damit ein wichtiger Schritt beim Aufstieg des Christentums zur Weltreligion.
Konstantins Hinwendung zum Christentum
Im Mittelpunkt der konstantinischen Wende steht Konstantins Hinwendung zum Christentum und seine Abwendung von den traditionellen Kulten. Seine Motive sind bis heute umstritten. Unklar ist, ob er ein persönliches Bekehrungserlebnis hatte oder ob er vor allem aus rationalen und realpolitischen Gründen handelte.
Christliche Quellen berichten, dass ein entscheidendes Ereignis im Jahr 312 kurz vor der Schlacht an der Milvischen Brücke stattgefunden habe. In der neueren Forschung wird aber meist nicht von einer einmaligen „Bekehrung“ ausgegangen, sondern von einem schrittweisen Prozess. Danach fand Konstantin wohl über Apollo und den Sonnengott Sol Invictus zum christlichen Glauben. Ob dies bereits 312 geschah, bleibt umstritten.
Auch die berühmte Vision wird diskutiert: Laut Eusebius von Caesarea sollen Konstantin und sein Heer am Himmel ein Kreuz gesehen haben. In der Forschung wird gefragt, ob dieses Erlebnis möglicherweise auf ein reales natürliches Phänomen zurückzuführen ist. Trotz vieler offener Fragen wird Konstantins persönliche Religiosität in der neueren Forschung nur noch von einer Minderheit grundsätzlich bezweifelt.
Religionspolitik Konstantins
Ob Konstantin schon als Christ im engeren Sinn gelten kann, ist ebenfalls umstritten. Er ließ sich erst am Ende seines Lebens taufen. Außerdem duldete er den traditionellen Kaiserkult und ging nicht grundsätzlich gegen die traditionellen Kulte vor. Zugleich hielt er sich selbst weitgehend von den paganen, also heidnischen, Kulten fern und förderte sie nach 312 nicht mehr.
Die neue Hauptstadt Konstantinopel enthielt im Jahr 326 wahrscheinlich keine Tempel der alten Hauptgötter mehr. Es gab dort aber weiterhin Kultstätten der traditionellen Zivilreligion, etwa für Rhea oder Tyche. Christen und christliche Institutionen wurden von Konstantin häufig fiskalisch begünstigt, besonders durch steuerliche Vorteile.
Besonders wichtig war, dass Konstantin seine Söhne christlich erziehen ließ. Diese waren später deutlich weniger bereit, andere Kulte zu dulden. Dadurch setzte sich die religiöse Verschiebung im Reich nach Konstantin weiter fort.
Folgen für Kirche und Staat
Die christliche Kirche reagierte mit großer Dankbarkeit auf Konstantins Politik, weil er die diokletianische Verfolgung beendet, das Christentum aus der Illegalität befreit und es zu einer anerkannten Religion gemacht hatte. Bei einigen Hofbeamten und Bischöfen führte diese Erleichterung zu einer besonders eifrigen Staatsfrömmigkeit.
Im 4. Jahrhundert war diese Staatsfrömmigkeit zunächst weitgehend arianisch geprägt. Der Arianismus war eine christliche Glaubensrichtung, die in zentralen Fragen nicht mit dem später durchgesetzten Bekenntnis von Nicäa übereinstimmte. Je nach Kaiser und Religionspolitik kam es sowohl zu Verfolgungen von Arianern als auch zu Verfolgungen durch Arianer. Am Ende des 4. Jahrhunderts setzte sich das Bekenntnis von Nicäa durch.
Der römische Staat beruhte wie andere antike Gemeinschaften auf einer religiös-kultischen Grundlage. An die Stelle der alten heidnischen Kulte trat nun das Christentum. Trotzdem gab es bis zum Ende der Spätantike weiterhin sogenannte Heiden im Imperium.
Christianisierung und Gegenbewegungen
Innerhalb von nur hundert Jahren wurde das zunehmend christianisierte Römische Reich fast mit dem biblischen Reich Gottes und mit dem Christentum gleichgesetzt. Ein Beispiel dafür ist die Reichstheologie des Eusebius von Caesarea. Augustinus von Hippo wandte sich in seinem Werk De civitate Dei gegen eine solche Gleichsetzung.
Durch den starken Zustrom von Menschen, die weniger religiös motiviert waren, wurden die strengen disziplinären und liturgischen Standards der frühen Kirche aufgeweicht. Als inneres Korrektiv entstand fast gleichzeitig mit der konstantinischen Wende in Ägypten das christliche Mönchtum.
Ein Versuch, zum Heidentum zurückzukehren, wurde von Konstantins Neffen Julian unternommen, der von 361 bis 363 Kaiser war. Dieser Versuch scheiterte und war teilweise mit einer Verhärtung der Fronten auf beiden Seiten verbunden.
Vom geförderten Glauben zur Staatsreligion
Den Endpunkt der von Konstantin eingeleiteten Entwicklung bildete die Erhebung des Christentums zur Staatsreligion durch Theodosius I. Nun wurden im Sinne des Ausschließlichkeitsanspruchs des Christentums die heidnischen Kulte untersagt. Das Judentum bildete eine Ausnahme: Es wurde durch Gesetze eingeschränkt, aber nicht verboten.
Unter Theodosius gab es sehr strenge Gesetze gegen das antike Heidentum. So konnte etwa das Betrachten von Statuen oder Tempeln als Hochverrat gelten. Dennoch war das Heidentum nur selten systematischen staatlichen Übergriffen ausgesetzt. Die Gesetze boten aber eine Grundlage für Gewalt durch christliche Institutionen, die sich vor allem gegen heidnische Kulturgüter richtete.
Die verschiedenen heidnischen Kulte verloren bis etwa zur Mitte des 4. Jahrhunderts zunehmend an Einfluss, unter anderem weil sie dem karitativen Wirken und dem missionarischen Impuls des Christentums wenig entgegensetzen konnten. Im 6. Jahrhundert wurde dieser Prozess durch weitere staatliche Gesetzgebung verstärkt. Wie stark die Bevölkerung tatsächlich vom Christentum durchdrungen war, lässt sich nicht exakt bestimmen und ist in der Forschung umstritten. Am Ende wandelte sich das Reich zu einem Imperium Romanum Christianum, also einem christlichen Römischen Reich.