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Fremdkapitalquote
Für Besteuerungszwecke wird also vom Anlagendeckungsgrad ausgegangen und das Eigenkapital dann als angemessen eingestuft, wenn der Anlagendeckungsgrad (I) …
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Bedeutung und Grundidee
Die Fremdkapitalquote (englisch: gearing ratio) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl. Sie zeigt, welchen prozentualen Anteil das Fremdkapital an der Bilanzsumme, also am Gesamtkapital eines Unternehmens, hat. Ihr Komplementärbegriff ist die Eigenkapitalquote.
In der Praxis wird „Fremdkapitalquote“ teilweise als Synonym für den Verschuldungsgrad verwendet. In der Fachliteratur ist der Verschuldungsgrad jedoch meist eine andere Kennzahl: Er setzt Fremdkapital ins Verhältnis zum Eigenkapital.
Die Fremdkapitalquote wird auch Anspannungskoeffizient oder Anspannungsgrad genannt. Gemeinsam mit der Eigenkapitalquote ist sie eine wichtige vertikale Bilanzkennzahl zur Beurteilung der Kapitalstruktur. Das Unternehmen nutzt sie für Finanzierungsentscheidungen. Für Wettbewerber, Kreditinstitute, sonstige Gläubiger, Ratingagenturen sowie Gesellschafter und Aktionäre ist sie wichtig, um die Kreditwürdigkeit und das Kreditrisiko anhand transparenter Jahresabschlüsse einschätzen zu können.
Berechnung und Zuordnung
In der Jahresabschlussanalyse gehört die Fremdkapitalquote zur finanzwirtschaftlichen Analyse, genauer zur Finanzierungsanalyse. Dabei werden Bilanzpositionen als Verhältniszahl gegenübergestellt: das tatsächliche Fremdkapital und die Bilanzsumme.
Die Berechnung lautet:
Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Bilanzsumme
Vor der Berechnung müssen die zum Fremdkapital gehörenden Bilanzpositionen bestimmt werden. Entscheidend ist ihre wirtschaftliche Eigenschaft als Fremdkapital.
Abgrenzung und Bestandteile des Fremdkapitals
Für Analysten ist die Abgrenzung zwischen Eigenkapital und Fremdkapital besonders wichtig und nicht immer einfach. Besteht auch nur die geringste Rückzahlungsmöglichkeit, wird eine Bilanzposition dem Fremdkapital zugeordnet. Rückstellungen gehören deshalb zum Fremdkapital, weil mindestens eine 50%ige Rückzahlungswahrscheinlichkeit besteht. Bei Mezzanine-Kapital spricht eine erfolgsunabhängige Verzinsung ebenfalls für Fremdkapital.
Als formales Fremdkapital gelten die auf der Passivseite der Bilanz in § 266 Abs. 3 HGB unter den Positionen B und C genannten Bestandteile. Dazu zählen Rückstellungen, etwa Pensionsrückstellungen, Steuerrückstellungen und sonstige Rückstellungen, insbesondere für Gewährleistungsverpflichtungen. Ebenfalls dazugehören Verbindlichkeiten, zum Beispiel aus Schuldverschreibungen, gegenüber Kreditinstituten, aus Lieferungen und Leistungen (Kreditoren), erhaltene Anzahlungen, Wechselverbindlichkeiten und Konzernverbindlichkeiten.
Angemessene Höhe der Quote
Die Höhe der Fremdkapitalquote ist für sich allein wenig aussagekräftig. Ob sie angemessen ist, hängt unter anderem vom Wirtschaftszweig, Betriebszweck, der Betriebsgröße und der Rechtsform ab. Eindeutige betriebswirtschaftliche Grundsätze für eine angemessene Kapitalisierung oder allgemeine Regeln zum Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital gibt es nicht.
Das „angemessene Eigenkapital“ ist ein unbestimmter Rechtsbegriff: Es setzt die Eigenmittel eines Unternehmens zur Bilanzsumme in Beziehung. Steuerrechtlich gilt Eigenkapital jedenfalls als angemessen, wenn es mit der Kapitalstruktur gleichartiger Unternehmen der Privatwirtschaft im maßgebenden Zeitraum vergleichbar ist. Nach dem Körperschaftsteuergesetz ist eine angemessene Eigenkapitalausstattung grundsätzlich gegeben, „wenn das Eigenkapital mindestens 30 % des Aktivvermögens beträgt“. Dann erreicht das Fremdkapital höchstens 70 % der Aktiva. Für Besteuerungszwecke wird dabei vom Anlagendeckungsgrad ausgegangen: Bei einem Anlagendeckungsgrad (I) von 30 % gelten 70 % des Anlagevermögens als über Fremdkapital finanzierbar.
Die üblichen Werte unterscheiden sich stark nach Branche. Kreditinstitute haben typischerweise eine Fremdkapitalquote von meist über 85 %. Anlagenintensive Betriebe des verarbeitenden Gewerbes weisen durchschnittlich eine relativ niedrige Quote auf. Als häufig genannte Faustregel für Nicht-Banken soll die Eigenkapitalquote mindestens 20 % betragen; die Fremdkapitalquote läge dann bei höchstens 80 %.
Kleine Betriebe haben tendenziell höhere Fremdkapitalquoten als Großunternehmen. Auch die Rechtsform spielt eine Rolle: Personengesellschaften haben relativ hohe Quoten, weil mindestens ein Vollhafter mit nicht in der Bilanz erkennbarem Privatvermögen unbeschränkt haftet. Kapitalgesellschaften weisen dagegen niedrigere Quoten auf, da sie oft anlagenintensiven Branchen angehören.
Folgen für Risiko und Rendite
Die Fremdkapitalquote ist eine bedeutende Kennzahl für die Kreditwürdigkeit. Eine hohe Quote bedeutet eine starke Abhängigkeit von Gläubigern sowie hohe Zinsaufwands- und Tilgungszahlungen. Dadurch können sich ungünstige Schuldenkennzahlen wie der Schuldendienstdeckungsgrad ergeben. Der Artikel ordnet einer niedrigen Fremdkapitalquote normalerweise auch einen niedrigen Zinsdeckungsgrad zu, weil Schulden aus dem Umsatzprozess finanzierte Zins- und Tilgungszahlungen auslösen.
Bei hoher Fremdkapitalquote steigt wegen des hohen Schuldendienstes das Ertragsrisiko: Mehr Gewinn wird für Zinsaufwand benötigt, und mit zunehmender Verschuldung steigt der Break-even-Point (cost leverage). Dies kann Beschäftigungsrisiken sowie künftige Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken erhöhen. Eine hohe Quote kann deshalb ein Krisenindikator sein, weil etwa die Überbrückung von Liquiditätsengpässen, der Erhalt von Bankkrediten und notwendige Investitionen schwieriger werden können.
Eine niedrige Fremdkapitalquote bedeutet dagegen eine höhere Tragfähigkeit von Verlusten. Solche Unternehmen sind weniger krisenanfällig; für Gläubiger sinkt das Ausfallrisiko. Eigenkapitalstarke Unternehmen können Verluste länger aus Eigenkapital auffangen und sind insolvenzfester als unterkapitalisierte Betriebe, denen im Extremfall Überschuldung droht. Niedrige Quoten signalisieren zudem, dass Gesellschafter bereit sind, das Investitionsrisiko selbst zu tragen.
Ein möglicher positiver Effekt hoher Fremdkapitalquoten ist der financial leverage: Sie können zu einer hohen Eigenkapitalrendite führen. Solange die Fremdkapitalzinsen niedriger sind als die Gesamtkapitalrentabilität, kann eine steigende Fremdkapitalquote die Eigenkapitalrentabilität erhöhen; umgekehrt gilt dies ebenfalls. Weitere vergleichbare Kennzahlen sind Verschuldungsgrad und Return on Investment.
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