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Verschuldungsgrad
Für Besteuerungszwecke wird also vom Anlagendeckungsgrad ausgegangen und das Eigenkapital dann als angemessen eingestuft, wenn der Anlagendeckungsgrad (I) …
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Bedeutung und Grundidee
Der Verschuldungsgrad (englisch debt to equity ratio, gearing oder leverage ratio) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl. Er gibt bei Unternehmen, Gemeinden oder Staaten das Verhältnis von bilanziertem Fremdkapital zu Eigenkapital an und beschreibt damit die Finanzierungsstruktur eines Schuldners.
Er ist für Gläubiger wichtig, weil mit einem steigenden Verschuldungsgrad ihr Kreditrisiko zunimmt. Eigenkapital dient als Haftungsmasse: Es kann Verluste auffangen und steht im Insolvenzfall grundsätzlich zur Befriedigung der Gläubiger zur Verfügung. Je höher der Eigenkapitalanteil, desto niedriger ist daher im Allgemeinen das Gläubigerrisiko. Der Verschuldungsgrad soll zeigen, ob ein Schuldner Verluste oder einen kurzfristigen Entzug von Eigen- oder Fremdkapital überstehen kann.
Der Begriff wird teilweise fälschlich als Synonym für die Fremdkapitalquote verwendet. Fachlich ist die Fremdkapitalquote jedoch eine andere Kennzahl: Sie setzt Fremdkapital ins Verhältnis zum Gesamtkapital.
Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital
Für die Berechnung muss zunächst bestimmt werden, welche Bilanzpositionen wirtschaftlich als Eigen- oder Fremdkapital gelten. Die formale Zuordnung im Jahresabschluss ist nicht immer für die Analyse geeignet. Umstritten ist dies etwa bei emittierten Wandelanleihen und anderen Finanzierungstiteln. Auch der Geschäfts- oder Firmenwert (Goodwill) erhöht als immaterieller Vermögensgegenstand das Eigenkapital. Wird er analytisch nicht als realisierbar angesehen, ist er vom Eigenkapital abzuziehen. Das gilt auch für weitere analytisch zweifelhafte Vermögensposten, beispielsweise ausstehende Kapitaleinlagen der Gesellschafter.
Zum wichtigen Fremdkapital zählen Rückstellungen einschließlich Pensionsrückstellungen, Wandelanleihen, bei denen das Optionsrecht nicht ausgeübt wurde, sonstige Verbindlichkeiten sowie die Hälfte des Sonderpostens mit Rücklageanteil. Das Eigenkapital umfasst gezeichnetes Kapital abzüglich ausstehender Einlagen und Goodwill, zuzüglich Gewinnrücklage, Kapitalrücklage und der Hälfte des Sonderpostens mit Rücklageanteil.
Mezzanine-Kapital ist eine hybride Finanzierungsform. Es ist darauf zu prüfen, ob es rückzahlbar ist oder Rangrücktritte aufweist. Ratingagenturen rechnen Teile solcher Finanzierungsformen zum wirtschaftlichen Eigenkapital.
Statischer und dynamischer Verschuldungsgrad
Die gängige Formel des statischen Verschuldungsgrads lautet:
Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Eigenkapital
Je höher die Kennzahl und je kleiner damit der Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital ist, desto größer ist das Risiko eines Vermögensverlustes für Eigenkapitalgeber und Gläubiger. Ein hoher Fremdkapitalanteil verursacht hohen Zinsaufwand. Dieser mindert den Gewinn oder erhöht Verluste; außerdem wird die Gewinnschwelle später erreicht als bei einem Unternehmen mit höherer Eigenkapitalquote.
Der dynamische Verschuldungsgrad lautet:
dynamischer Verschuldungsgrad = (Fremdkapital − liquide Mittel) / Cashflow
Hierbei wird die Effektivverschuldung, also Fremdkapital abzüglich liquider Mittel, dem Cashflow gegenübergestellt. Die Kennzahl zeigt die Schuldentilgungsdauer (englisch debt repayment capacity): Sie gibt an, wie lange die Rückzahlung des Fremdkapitals aus dem frei verfügbaren Cashflow dauern würde. Dabei wird angenommen, dass der Cashflow künftig mindestens gleich hoch bleibt und vollständig für Tilgungen verwendet wird. Die Kennzahl heißt auch Entschuldungsdauer; als noch tragfähig werden 3 Jahre angesehen.
Folgen eines hohen Verschuldungsgrads
Ein angemessenes Eigenkapital führt zu einem vertretbaren, nicht risikoerhöhenden Verschuldungsgrad. „Angemessenes“ Eigenkapital ist ein unbestimmter Rechtsbegriff und bezieht die Eigenmittel auf die Bilanzsumme. Steuerrechtlich gilt es jedenfalls als angemessen, wenn es mit der Kapitalstruktur vergleichbarer Unternehmen der Privatwirtschaft im maßgebenden Zeitraum vergleichbar ist. Nach R 33 Abs. 2 S. 3 KStR liegt eine angemessene Eigenkapitalausstattung grundsätzlich vor, wenn das Eigenkapital mindestens 30 % des Aktivvermögens beträgt. Diese 30-%-Grenze ist nach der angeführten BFH-Rechtsprechung vor allem eine Nichtaufgriffsgrenze für steuerliche Außenprüfungen. Für Besteuerungszwecke gilt Eigenkapital als angemessen, wenn der Anlagendeckungsgrad (I) 30 % beträgt und damit 70 % des Anlagevermögens fremdfinanziert werden.
Als optimal gilt ein Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital, bei dem die durchschnittlichen Kapitalkosten niedriger sind als bei anderen Finanzierungsalternativen. Als branchenabhängige Faustregel für Nichtbanken soll der Verschuldungsgrad nicht über 2:1 (200 %) liegen: Fremdkapital soll also höchstens doppelt so hoch wie Eigenkapital sein. Entsprechend darf die Fremdkapitalquote höchstens 67 % der Bilanzsumme betragen; die Eigenkapitalquote liegt dann bei 33 %.
Kreditaufnahme erhöht den Verschuldungsgrad und die Abhängigkeit von externen Gläubigern. In einer Insolvenz kann die im Eigenkapital gebundene Haftungsmasse dann möglicherweise nicht ausreichen, um das Fremdkapital vollständig zurückzuzahlen. Schulden lösen Zins- und Tilgungszahlungen aus, die aus dem Umsatzprozess finanziert werden müssen. Der Artikel nennt bei hohem Verschuldungsgrad normalerweise auch einen hohen Zins- und Schuldendienstdeckungsgrad. Wegen des vergleichsweise niedrigen Eigenkapitals kann zugleich die Eigenkapitalrendite steigen (Leverage-Effekt oder Hebeleffekt). Deshalb ist zusätzlich die Gesamtkapitalrendite aus Eigen- und Fremdkapital zu betrachten. Hoher Schuldendienst erhöht außerdem Ertragsrisiken, weil mehr Gewinne für Zinsen verbraucht werden und der Break-even-Point steigt (cost leverage).
Staaten, Gemeinden und Vertragsgrenzen
Bei Staaten wird Verschuldung zwar ähnlich wie bei Unternehmen als Gesamtverschuldung ermittelt; für die Beurteilung werden ihr jedoch Exporterlöse oder das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenübergestellt. Exporterlöse stehen primär für den Schuldendienst zur Verfügung. Das BIP misst die Wirtschaftsleistung eines Staates innerhalb eines Jahres und zeigt, ob die Staatsschulden noch in einem angemessenen Verhältnis dazu stehen.
Die Staatsschuldenquote lautet: Staatsschuldenquote = S / B. Dabei ist S die Gesamtheit der Staatsschulden und B das BIP. Nach den Maastricht-Kriterien beträgt die maximal zulässige sanktionsfreie Staatsschuldenquote für EWU-Staaten 60 % des BIP (Art. 126 AEU-Vertrag). Dies entspräche drei Fünfteln der Wirtschaftsleistung eines Jahres zur vollständigen Tilgung der Staatsschulden. Währungsreserven oder Neuverschuldung können zwar sekundäre Quellen des Schuldendienstes sein, sind dafür aber nicht vorgesehen. Als noch tragfähige Belastung gilt eine Auslandsverschuldung von 150 % der Exporterlöse.
Bei Kommunen sind absolute Schuldenbeträge weniger entscheidend als die Schuldentragfähigkeit. Kommunale Schulden werden daher zu Gesamteinnahmen oder zu den geringeren eigenen Einnahmen ins Verhältnis gesetzt. Decken die Gesamteinnahmen die Schulden insgesamt, kann die Schuldentragfähigkeit als vertretbar gelten.
Der Verschuldungsgrad kann außerdem als Covenant in Anleihebedingungen oder Kreditverträgen vereinbart werden. Der Schuldner verpflichtet sich dann, eine Obergrenze nicht zu überschreiten. Bei Überschreitung liegt ein covenant breach vor. Zunächst folgt meist eine Heilungsperiode (remedy/grace period), in der der Kreditnehmer die Kennzahl nachträglich erfüllen kann. Misslingt dies, können eine höhere Kreditmarge oder ein außerordentliches Kündigungsrecht des Gläubigers ausgelöst werden.
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