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Exponentialfunktion

In der Mathematik bezeichnet man als Exponentialfunktion eine Funktion der Form x ↦ a x … e-Funktion bezeichnet man die Exponentialfunktion

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Definition
  2. 2. Definitionen und Eigenschaften
  3. 3. Rechenregeln und Basiswechsel
  4. 4. Ableitung, Integral und Differentialgleichung
  5. 5. Komplexe Zahlen und Verallgemeinerungen
  6. 6. Berechnung, Abschätzungen und Anwendungen

Kernidee und Definition

Eine Exponentialfunktion ist eine Funktion der Form x ↦ a^x mit einer reellen Basis a > 0 und a ≠ 1. Meist sind für den Exponenten x alle reellen Zahlen zugelassen. Anders als bei Potenzfunktionen ist nicht die Basis die Variable, sondern der Exponent. Exponentialfunktionen sind wichtig, weil sie viele Wachstums- und Zerfallsprozesse beschreiben.

Die wichtigste Exponentialfunktion ist die natürliche Exponentialfunktion oder e-Funktion x ↦ e^x, auch exp(x). Ihre Basis ist die eulersche Zahl e = 2,718 281 828 459… Jede Exponentialfunktion mit positiver Basis lässt sich mit dem natürlichen Logarithmus auf die e-Funktion zurückführen: a^x = e^(x · ln a). Deshalb steht die e-Funktion im Mittelpunkt.

Definitionen und Eigenschaften

Die e-Funktion kann auf verschiedene Arten definiert werden. Eine Definition nutzt die Exponentialreihe exp(x) = Σ(n=0 bis ∞) x^n / n!, wobei n! die Fakultät von n ist. Eine andere Definition ist der Grenzwert exp(x) = lim(n→∞) (1 + x/n)^n.

Die reelle Exponentialfunktion exp: R → R_{>0} ist positiv, stetig und surjektiv auf die positiven reellen Zahlen. Sie ist streng monoton wachsend und deshalb bijektiv. Ihre Umkehrfunktion ist der natürliche Logarithmus ln: R_{>0} → R. Darum wird die Exponentialfunktion auch Antilogarithmus genannt.

Die Potenzreihe konvergiert für alle reellen und komplexen x absolut; ihr Konvergenzradius ist unendlich. Als Potenzreihe ist die Exponentialfunktion in jedem reellen und komplexen Punkt stetig und analytisch.

Rechenregeln und Basiswechsel

Die wichtigste Rechenregel ist die Funktionalgleichung exp(x + y) = exp(x) · exp(y). Mit ihr kann man Potenzen mit reellen oder komplexen Exponenten definieren: a^x := exp(x · ln a) = e^(x · ln a) für a > 0.

Für einen Basiswechsel gilt allgemein a^x = b^(x · log_b(a)). Damit lassen sich Exponentialfunktionen zu verschiedenen Basen ineinander umformen.

Für positive reelle a und b sowie reelle x und y gelten die Potenzgesetze: a^0 = 1, a^1 = a, a^(x+y) = a^x · a^y, a^(x-y) = a^x / a^y, a^(x·y) = (a^x)^y, a^(-x) = 1/a^x = (1/a)^x und a^x · b^x = (a·b)^x. Außerdem kann man Brüche und Wurzeln schreiben als 1/a = a^(-1) und q√(a^p) = a^(p/q).

Ableitung, Integral und Differentialgleichung

Die besondere Bedeutung der e-Funktion liegt darin, dass ihre Ableitung wieder sie selbst ist: d/dx e^x = e^x. Wenn zusätzlich f(0) = 1 gilt, ist sie die einzige Funktion f: R → R mit dieser Eigenschaft. Man kann e^x daher auch als Lösung der Differentialgleichung f'(x) = f(x) mit der Anfangsbedingung f(0) = 1 definieren.

Für allgemeine Exponentialfunktionen folgt aus a^x = e^(x · ln a) und der Kettenregel: d/dx a^(b·x) = b ln a · a^(b·x). Der natürliche Logarithmus ln kann in dieser Formel nicht durch einen Logarithmus zu einer anderen Basis ersetzt werden.

Die Stammfunktion der e-Funktion ist ∫ e^x dx = e^x + C. Für a > 0 und b ≠ 0 gilt ∫ a^(b·x) dx = a^(b·x)/(b ln a) + C.

Die Differentialgleichung y' = αy beschreibt eine Größe y, deren Änderungsrate proportional zu ihrem aktuellen Wert ist. Ihre Lösungen haben die Form y = f(x) = c e^(αx). Für α = 1 ergibt sich y = c e^x.

Komplexe Zahlen und Verallgemeinerungen

Für komplexe Zahlen z wird die Exponentialfunktion ebenfalls durch die Reihe exp(z) = Σ(n=0 bis ∞) z^n / n! definiert; sie konvergiert für alle z ∈ C absolut. Wichtige Eigenschaften bleiben erhalten: exp(z+w) = exp(z) · exp(w), exp(0) = 1, exp(z) ≠ 0 und exp'(z) = exp(z).

Die komplexe Exponentialfunktion ist surjektiv, aber nicht injektiv, von (C,+,0) auf (C \ {0},·,1). Sie ist holomorph und damit eine ganze Funktion; in ∞ hat sie eine wesentliche Singularität. Außerdem ist sie periodisch mit der Periode 2πi: exp(z + 2πki) = exp(z) für k ∈ Z.

Über die komplexe Exponentialfunktion werden trigonometrische Funktionen definiert: sin(z) = (e^(iz) - e^(-iz))/(2i), cos(z) = (e^(iz) + e^(-iz))/2. Das ist äquivalent zur eulerschen Formel e^(iz) = cos(z) + i sin(z). Ebenso lassen sich hyperbolische Funktionen definieren: sinh(z) = (e^z - e^(-z))/2, cosh(z) = (e^z + e^(-z))/2.

Die Exponentialfunktion lässt sich auch auf Banachalgebren, etwa Matrix-Algebren, verallgemeinern. Dort wird sie ebenfalls durch die Reihe exp(x) = Σ x^n/n! definiert. Die Regel exp(x+y) = exp(x)·exp(y) gilt dort aber nur, wenn x und y kommutieren, also xy = yx. Eine wichtige Anwendung ist das Lösen linearer Differentialgleichungssysteme y_dot = A·y mit konstanten Koeffizienten.

Berechnung, Abschätzungen und Anwendungen

Zur numerischen Berechnung reduziert man exp(x) meist auf Werte in einer kleinen Umgebung von 0 und verwendet den Anfang der Potenzreihe. Eine einfache Methode nutzt exp(2z) = exp(z)^2: Man wählt z = 2^(-K)·x, berechnet näherungsweise e^z und quadriert anschließend K-mal. Effizientere Verfahren verwenden Werte wie ln(2), ln(3) und ln(5), um x in ein kleines Intervall wie [-0,4; 0,4] zu transformieren. In Hardware werden zum Beispiel BKM-Algorithmus und CORDIC verwendet.

Wichtige Abschätzungen sind exp(x) > 0 und exp(x) ≥ 1 + x. Daraus folgt für x < 1 auch exp(x) ≤ 1/(1-x). Außerdem wächst die e-Funktion stärker als jede Potenzfunktion: lim(x→∞) x^r/e^x = 0 für r ∈ R.

Exponentialfunktionen treten in vielen Wissenschaften auf. In der Physik beschreiben sie unter anderem radioaktiven Zerfall, Luftdruckverlauf in der Atmosphäre, Ladungskurven eines Kondensators, Selbstinduktion bei einer Spule, Boltzmann-Faktor, Fermi-Dirac-Statistik, Bose-Einstein-Statistik sowie Abkühlung und Erwärmung. In der Chemie führt ein Geschwindigkeitsgesetz du/dx = -ku für eine Reaktion ohne Rückreaktion auf u(x) = ae^(-kx). In Biologie und Epidemien beschreiben sie Anfangsphasen von Populationswachstum und Infektionsausbreitung. In der Stochastik ergibt sich bei n Münzen und n Empfängern für großes n die Näherung P(keine Münze) ≈ 1/e ≈ 0,37 und P(eine Münze) ≈ 1/e ≈ 0,37. In der Wirtschaft erscheinen Exponentialfunktionen bei stetiger Verzinsung und bei Wertstufungen wie Münzen und Banknoten.

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