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Potenz (Mathematik)

Eine Potenz (von lateinisch potentia ‚Vermögen, Macht') ist das Ergebnis des Potenzierens (der Exponentiation), das wie das Multiplizieren seinem Ursprung …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Definition
  2. 2. Negative, rationale und reelle Exponenten
  3. 3. Potenzgesetze und Grenzen
  4. 4. Komplexe und verallgemeinerte Potenzen
  5. 5. Anwendungen, Schreibweisen und Funktionsnotation

Grundidee und Definition

Eine Potenz ist das Ergebnis des Potenzierens: Die Basis wird wiederholt mit sich selbst multipliziert. In a^n heißt a Basis oder Grundzahl, n Exponent oder Hochzahl; das Ergebnis heißt Potenzwert. Man liest „a hoch n“ oder „n-te Potenz von a“. Bei n=2 sagt man auch „a zum Quadrat“.

Für natürliche n=1,2,3,… gilt a^n=a·a·…·a mit n Faktoren. Zusätzlich wird a^0:=1 festgelegt, damit a·a^n=a^(n+1) auch für n=0 gilt. Anschaulich wird dabei die 1 keinmal mit der Basis multipliziert. Für negative Basen gilt: (-|a|)^(2n)=|a|^(2n), also ein positiver Wert bei geradem Exponenten, und (-|a|)^(2n+1)=-|a|^(2n+1), also ein negativer Wert bei ungeradem Exponenten.

Negative, rationale und reelle Exponenten

Für a≠0 und eine natürliche Zahl n wird ein negativer Exponent durch den Kehrwert definiert: a^(-n)=1/a^n. Negative Exponenten entsprechen damit wiederholtem Dividieren.

Für q=m/n mit m∈ℤ und n∈ℕ sowie a>0 gilt a^(m/n)=ⁿ√(a^m)=(ⁿ√a)^m. Der Wert hängt nicht von der gewählten Bruchdarstellung ab. Beispiel: 2^3,1=2^(31/10)=¹⁰√(2^31)=(¹⁰√2)^31. Auch für a=0 gilt diese Definition: 0^q=0 für q>0; für q<0 existiert 0^q nicht. Bei negativer Basis sind rationale Exponenten nur möglich, wenn der gekürzte Bruch einen ungeraden Nenner hat. Daher ist (-8)^(1/3)=-2, aber ⁶√((-8)^2)=2 und darf nicht als dieselbe Potenz berechnet werden.

Für a>0 und jeden reellen Exponenten r wird a^r als Grenzwert a^r=lim(n→∞)a^(q_n) definiert, wenn rationale q_n gegen r konvergieren. So ist 2^π der Grenzwert von 2^3, 2^3,1, 2^3,14,… . Gleichwertig gilt a^r=exp(r ln a), wobei exp(x)=Σ(n=0 bis ∞) x^n/n!. Bei a<0 funktioniert diese Grenzwertdefinition im Allgemeinen nicht eindeutig. Nichtnegative Basen sind für alle reellen Exponenten definiert; negative Basen nur in den genannten rationalen Fällen.

Potenzgesetze und Grenzen

Für passende, definierte Potenzen gelten insbesondere a^0=1, a^(-r)=1/a^r, a^(r+s)=a^r·a^s, a^(r-s)=a^r/a^s, (a·b)^r=a^r·b^r, (a/b)^r=a^r/b^r und (a^r)^s=a^(r·s). Bei positiven Basen dürfen r und s beliebige reelle Zahlen sein. Bei negativen Basen gelten viele Regeln nur für ganze Exponenten oder rationale Exponenten mit ungeraden Nennern; insbesondere kann (a^r)^s von a^(r·s) abweichen oder einer der Ausdrücke undefiniert sein. Beispielsweise ist ((-1)^2)^(1/2)=1, aber (-1)^(2·1/2)=-1; daraus folgt √(a^2)=|a|.

Potenzieren ist weder kommutativ noch assoziativ: 2^3=8≠9=3^2 und (3^1)^3=27≠3=3^(1^3). Ohne Klammern bedeutet a^(b^c) immer a^(b^c), also rechtsassoziative Auswertung. Für reelle a,b gilt außerdem e≤a<b ⇒ a^b>b^a sowie a<b≤e ⇒ a^b<b^a.

Der Ausdruck 0^0 wird oft als 1 definiert, obwohl dies keine stetige Fortsetzung von x^y ist; manche Autoren lassen ihn undefiniert. Die Umkehrrechenarten sind Wurzelziehen bei x^a=b zur Bestimmung der Basis und Logarithmieren bei a^x=b zur Bestimmung des Exponenten.

Komplexe und verallgemeinerte Potenzen

Für komplexe Zahlen wird e^z durch e^z=Σ(n=0 bis ∞) z^n/n!=exp(z) definiert. Es gilt e^(z₁+z₂)=e^z₁·e^z₂ und e^(iy)=cos y+i sin y. Die komplexe Exponentialfunktion nimmt genau die Werte ℂ{0} an und hat die Perioden 2kπi mit k∈ℤ. Deshalb ist ihre Umkehrfunktion mehrdeutig: Ln(z)=ln|z|+i Arg(z) für z≠0. Mit dem Hauptargument arg(z) erhält man den Hauptwert ln(z).

Für a≠0 wird a^z=e^(z Ln a) definiert. Diese Potenz ist im Allgemeinen mehrdeutig; ihr Hauptwert verwendet ln statt Ln. Bei ganzzahligen Exponenten verschwindet die Mehrdeutigkeit. Für a=|a|e^(iφ) gilt a^n=|a|^n e^(inφ). Bei q=m/n in gekürzter Form hat a^q genau n verschiedene Werte. Für ungerades n und reelles a ist genau einer davon reell; bei geradem n und a<0 gibt es keinen reellen Wert, bei geradem n und a>0 zwei reelle Werte mit verschiedenen Vorzeichen. Beispiel: i^i=e^(-π/2-2πk) mit k∈ℤ; der Hauptwert ist e^(-π/2).

Potenzen mit positiven ganzzahligen Exponenten lassen sich in jeder Halbgruppe definieren. In einem Monoid ist a^0 das neutrale Element; a^(m+n)=a^m·a^n und (a^m)^n=a^(m·n). (a·b)^m=a^m·b^m gilt dort, wenn a und b vertauschen. Für invertierbare Elemente sind auch negative ganze Exponenten über a^(-n)=(a^(-1))^n möglich. Weitere Verallgemeinerungen betreffen etwa Matrizen als Exponenten zur Basis e sowie Kardinalzahlen: |Y|^|X|:=|Y^X|, wobei Y^X die Menge aller Funktionen von X nach Y ist.

Anwendungen, Schreibweisen und Funktionsnotation

Zehnerpotenzen beschreiben im Dezimalsystem sehr große oder kleine positive Zahlen, etwa 10^(-9)=0,000000001 und 10^11=100 Milliarden. Besonders wichtig sind auch Potenzen zur Basis e≈2,71828. Zweierpotenzen entstehen durch wiederholte Verdoppelung: 2^10=1024, daher entspricht 1 Kibibyte (KiB) 1024 Bytes. Sie erklären etwa das schnelle Anwachsen der Lagen beim Papierfalten und die Größen digitaler Speichersysteme.

Bei Funktionen kann eine hochgestellte Zahl Verschiedenes bedeuten. Als Verkettung ist f^0=id und f^n=f∘f^(n-1); somit ist f^2(x)=f(f(x)). f^(-1) bezeichnet häufig die Umkehrfunktion, etwa sin^(-1) für arcsin, kann aber auch eine Urbildfunktion meinen. Dagegen bedeutet sin²x=(sin x)²=sin x·sin x eine Multiplikation von Funktionswerten. Ein hochgestellter Index kann außerdem nur eine Indizierung sein; f^(n) bezeichnet meist die n-te Ableitung.

Wenn kein Hochstellen möglich ist, schreibt man oft a^b oder ab. Zehnerpotenzen erscheinen auf Rechnern häufig mit e oder E, etwa -2.99792458E+08. Programmiersprachen verwenden unterschiedliche Operatoren oder Funktionen, beispielsweise x^y, xy, pow(x,y) in C, Math.pow(x,y) in Java oder JavaScript und Math.Pow(x,y) in C#.

Für positive ganze Exponenten und reelle Basis kann ein Potenzwert auch mit Zirkel und Lineal mithilfe des Strahlensatzes konstruiert werden. Dabei unterscheiden sich die Konstruktionen für a>1 und a<1; durch aufeinanderfolgende Senkrechten beziehungsweise Parallelen werden die Strecken für a², a³, a⁴ und allgemein a^n erzeugt.

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