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Deutsche Romantik
Die deutsche Romantik, deren Ursprünge in Jena gesehen werden, prägte ab etwa 1800 Literatur, später auch die Malerei und die Musikästhetik in Deutschland.
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Gegenstand und Ursprung
Die deutsche Romantik entstand um 1800, ihre Ursprünge werden besonders in Jena gesehen. Zunächst prägte sie die Literatur, später auch die Malerei und die Musikästhetik in Deutschland. Friedrich von Schlegel, Ludwig Tieck und Novalis gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten der Frühromantik. Teilweise gilt die deutsche Romantik als Ursprung einer Bewegung, die sich in ganz Europa ausbreitete.
Friedrich von Schlegel entwickelte 1798 im Athenäums-Fragment 116 eine zentrale Definition: „Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie.“ Sie soll getrennte Gattungen der Poesie wieder vereinigen und Poesie mit Philosophie und Rhetorik verbinden. Außerdem soll sie Poesie und Prosa, Genialität und Kritik sowie Kunstpoesie und Naturpoesie mischen oder verschmelzen. Sie kann die gesamte umgebende Welt und das Zeitalter spiegeln, ist aber niemals endgültig abgeschlossen: „Die romantische Dichtart ist noch im Werden; ja das ist ihr eigentliches Wesen, daß sie ewig nur werden, nie vollendet sein kann.“
Mit dieser Ästhetik war eine neue Autonomie der Künste verbunden. Schlegel forderte, eine Philosophie der Poesie müsse „mit der Selbständigkeit des Schönen beginnen“. Für die Instrumentalmusik wurde entsprechend formuliert, sie sei „unabhängig und frey“ und schreibe sich „nur selbst ihre Gesetze vor“.
Ende 1797 traf Ludwig Tieck erstmals mit Friedrich Schlegel zusammen. Tieck hielt sich 1799–1800 in Jena auf und stand dort unter anderem mit August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Novalis, Clemens Brentano, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling in freundschaftlicher Beziehung. Tieck lieferte für die Theorien der Jenaer Frühromantik literarische Beispiele; zugleich beeinflussten sich Theorie und Literatur gegenseitig.
Zentrale Anliegen und Motive
Zu den Grundthemen der Romantik gehören Gefühl, Leidenschaft, Individualität, individuelles Erleben und die Seele, besonders die gequälte Seele. Die Bewegung entstand als Reaktion auf das Monopol der vernunftgerichteten Philosophie der Aufklärung, die in Deutschland vor allem durch Immanuel Kant geprägt war, sowie auf die Strenge des von der Antike inspirierten Klassizismus. Wichtige Empfindungen sind Sehnsucht, Mysterium und Geheimnis. Dem auf die Zukunft gerichteten Rationalismus und Optimismus der Aufklärung stellte die Romantik das Individuelle und Numinose, also das geheimnisvoll oder göttlich Erfahrene, gegenüber.
Nach romantischer Vorstellung hatte ein Bruch die Welt in zwei Bereiche gespalten: in die Welt der Vernunft, der „Zahlen und Figuren“ (Novalis), und in die Welt des Gefühls und des Wunderbaren. Die treibende Kraft war eine ins Unendliche gerichtete Sehnsucht nach der Heilung der Welt und nach der Vereinigung von Gegensätzen zu einem harmonischen Ganzen. Als symbolische Orte und Ausdrucksformen dieser Sehnsucht galten nebelverhangene Waldtäler, mittelalterliche Klosterruinen, alte Mythen und Märchen sowie die Natur. Das wichtigste Symbol war die Blaue Blume. Sie steht für die Suche nach innerer Einheit, Heilung und Unendlichkeit. Ricarda Huch fasste dies so: „Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.“
Während die Weimarer Klassik, Sturm und Drang sowie die Aufklärung der Literatur unter anderem die Aufgabe zuschrieben, das Volk zu erziehen, sahen romantische Dichter ihre Aufgabe in der Heilung des Risses, der durch die Welt und die Individuen geht. Kunst erhielt dabei eine mystische Bedeutung, die im Bild des „Dichterpriesters“ zum Ausdruck kommt. Bei Eichendorff heißt es: „die Welt hebt an zu singen / Triffst Du nur das Zauberwort“.
Auch die politische Lage wirkte auf die Romantik ein. Die Aufteilung des Reiches in viele deutsche Teilstaaten, von denen einige mit Frankreich kooperierten, führte bei Philosophen wie Johann Gottlieb Fichte und Dichtern wie Heinrich von Kleist zu einer nationalen Mobilmachung.
Die Romantiker suchten das Wahre in Werken aus der „Kindheit der Menschen“: in Märchen und Sagen, der deutschen Vorgeschichte, Volksliedern und im Mystizismus des Mittelalters. Die mittelalterliche, auf Treue gegründete ständische Ordnung wurde dabei idealisiert. Anregungen kamen außerdem aus exotischen Ländern. Als natürlich und wahrhaftig galt besonders das Verhalten des einfachen Volkes. Die Brüder Grimm sammelten mündlich überlieferte Sagen und Märchen; in die Musik der Romantik flossen auch Volkstänze ein, etwa bei Franz Schubert.
Die Romantik hatte jedoch auch eine dunkle Seite. Ihre „Nachtseite“ umfasst Teufelspakte, Wahnsinn, Gespenster, Schuld und Tod und zeigt sich besonders bei E. T. A. Hoffmann. Bei Heinrich von Kleist finden sich die Entdeckung des Unbewussten und die Vorstellung, dass Gewalt in der menschlichen Natur verankert ist. Der einzige erfolgreiche Dramatiker der deutschen Romantik war Zacharias Werner, dessen düstere Phantastik durch seinen katholischen Glauben begrenzt wurde.
Romantik in der Malerei
Mit Caspar David Friedrich entwickelte sich früh eine eigene Richtung der romantischen Malerei. Zu den bekanntesten Gemälden gehört Wanderer über dem Nebelmeer, das 1818–1819 entstand. Weitere im Zusammenhang mit der Romantik genannte Werke Friedrichs sind Landschaft mit Brücke (um 1800), Knabe auf einem Grab schlafend (um 1802), Ruine Eldena mit Begräbnis (um 1802/03), Kügelgens Grab (1822) und Die Lebensstufen (um 1835).
Die Romantik rückt die Natur als Offenbarung Gottes ins Zentrum. In Frankreich bildete die romantische Malerei außerdem, im Gegensatz zu den idealisierenden Darstellungen früherer Epochen, die Eigenschaften und charakteristischen Züge der dargestellten Person oder Personen ab.
Kritische Rezeption
Heinrich Heine beurteilte die deutsche Romantik kritisch. Er sah in ihr eine restaurative Bewegung, die den Anschein des Neuen, Unerhörten und Frischen erwecke. Sie widersetze sich dem „Glauben an Geld“ und dem „bare[n] Egoismus“, flüchte sich dafür aber in das Mittelalter und den Katholizismus, den Heine als schöne Mythologie bezeichnete. Nach seiner Auffassung zerstörte die Romantik dadurch die Vernunft. Die Romantiker hätten „im Traume der Vergangenheit das Verständnis der Gegenwart“ eingebüßt. In Frankreich sei die romantische Begeisterung für das Mittelalter dagegen nur eine Mode gewesen.
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