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Sturm und Drang
Sturm und Drang war eine Strömung der deutschen Literatur in der Epoche der Aufklärung, die etwa von 1765 bis 1785 hauptsächlich von jungen, etwa 20- bis 30- …
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Kern der Bewegung
Sturm und Drang war eine Strömung der deutschen Literatur innerhalb der Epoche der Aufklärung. Sie dauerte etwa von 1765 bis 1785 und wurde vor allem von jungen Autoren im Alter von ungefähr 20 bis 30 Jahren getragen. Weil sie das „Originalgenie“ als Ideal des höheren Menschen und Künstlers hervorhob, wird sie auch Geniezeit oder Genieperiode genannt.
Im Mittelpunkt stand der Protest gegen starre Regeln, Autorität und überlieferte Formen. Statt nur auf Vernunft, Ordnung und moralische Belehrung zu setzen, betonte Sturm und Drang Gefühl, Fantasie, Leidenschaft, Natur und persönliche Freiheit. Die Literatur sollte nicht in feste Regeln gezwängt werden, sondern das eigene Erleben und das Lebensgefühl einer jungen Generation ausdrücken.
Aufklärung als Ausgangspunkt
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts prägte die Aufklärung das philosophische und literarische Leben im deutschen Sprachraum. Der Verstand galt als zentrale Kraft. Im Sinn Kants sollte der freie Gebrauch der Vernunft den „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ ermöglichen. Literatur sollte Leser moralisch bilden, aufklären und ihre Vernunft wecken.
Damit verband sich die Forderung nach einer „regelmäßigen“ Dichtkunst. Theoretiker wie Gottsched verlangten klare Regeln: Einheit von Ort, Zeit und Handlung, eine gehobene Sprache sowie die Trennung von Tragödie und Komödie, wobei Tragödien eher mit Adel und Komödien eher mit Bürgertum verbunden wurden. Solche Regeln wurden in Dichterakademien gelehrt. Der Sturm und Drang entstand als Gegenbewegung zu dieser als zu eng empfundenen Regelpoetik.
Entstehung und Vorläufer
Bereits Friedrich Gottlieb Klopstocks Oden von 1750 zeigten, dass die strengen Regeln der Aufklärung vielen Autoren zu eng wurden. Damit begann eine Abkehr von einer rein verstandesmäßigen Haltung. An die Stelle der Herrschaft der Vernunft trat stärker der Überschwang von Gefühl, Fantasie und Gemütskräften: emotio statt ratio.
Wichtig wurde Johann Gottfried Herder, der als Wegbereiter des Sturm und Drang gilt. Er kritisierte die Überheblichkeit der Aufklärung gegenüber dem einfachen Volk und forderte, Volkslied und Volksdichtung als echte Kunst anzuerkennen. Außerdem warnte er davor, Aufklärung zum Selbstzweck zu machen: Sie solle Mittel, nicht Ziel sein. Zur Frühphase gehören auch Heinrich Wilhelm von Gerstenbergs Ugolino von 1768 sowie Vorgänger wie Johann Heinrich Füssli und Johann Caspar Lavater.
Ideale, Themen und Formen
Das Persönlichkeitsideal des Sturm und Drang war das selbstständige Originalgenie. Damit meinte man einen schöpferischen Menschen, der nicht nur gelernte Regeln befolgt, sondern eigenes Erleben in eine individuelle künstlerische Form bringt. Die jungen Autoren verwarfen traditionelle poetische Regeln oft als unnötige Hilfsmittel. Ein Werk sollte nicht in eine vorgegebene Form passen, sondern die Welt so darstellen, wie die Generation des Sturm und Drang sie erlebte.
Zentral waren Natur, Herz, Gefühl und Freiheit. Herder formulierte: „Die Stimme des Herzens ist ausschlaggebend für die vernünftige Entscheidung.“ Diese Haltung richtete sich gegen Moralvorstellungen, die Entscheidungen allein von äußerer Moral und nicht vom Herzen abhängig machten. Dazu kam Kritik an repressiven Formen des feudalen Systems, während der aufgeklärte Absolutismus grundsätzlich akzeptiert wurde. Die Befreiung der Leidenschaften von konventioneller Moral war jedoch mit Leiden verbunden, weil sie gegen bestehende bürgerliche Konventionen verstieß.
Die wichtigste literarische Form war das Drama. Dabei wurden die drei Einheiten von Handlung, Zeit und Ort weitgehend aufgehoben. Die Urfassung von Goethes Götz von Berlichingen bestand aus 59 Szenen, war kaum spielbar und eher ein Lesestück. Neben dem Drama gab es auch andere Formen, etwa den Roman Die Leiden des jungen Werthers von Johann Wolfgang von Goethe. Ein häufiges Thema war der Konflikt des Naturgenies oder der freiheitsstrebenden Jugend mit den Grenzen der bestehenden Ordnung; dadurch erscheinen Figuren oft als Aufrührer oder Verbrecher. Als formales Vorbild galt vor allem Shakespeare, während Pindar und Homer weiterhin geschätzt wurden.
Sprache und Stil
Die Sprache des Sturm und Drang war ausdrucksstark, leidenschaftlich und oft ungebändigt. Typisch waren Ausrufe, halbe Sätze, kraftvolle Ausdrücke und eine derb-realistische Nähe zur Volkssprache. Die Autoren brachten die Sprache des Volkes und der Jugend auf die Bühne und stellten sich damit gegen eine höfische, aristokratische Kultur nach französischem Vorbild.
Eine geschlossene Theorie des Sturm und Drang gab es nicht. Die Vertreter verzichteten auf ein einheitliches literarisches, poetologisches oder politisches Konzept. Kritiker bemängelten besonders die Vernachlässigung dramatischer Technik und der klassischen Einheiten. Häufige Schauplatzwechsel konnten über das hinausgehen, was auf der Bühne wirksam oder überhaupt darstellbar war.
Autoren, Zentren und Werke
Die Autoren des Sturm und Drang stammten überwiegend aus dem Mittel- und Kleinbürgertum. Viele konnten von Literatur nicht leben und sicherten sich durch Tätigkeiten als Hauslehrer oder Pfarrer ab. Die Bewegung hatte keine breite soziale Wirkung, sondern blieb oft auf Kreise von Bekannten und Freunden beschränkt, zum Beispiel auf Männerbünde wie den Göttinger Hainbund. Wichtige Zentren waren Straßburg, Göttingen und Frankfurt am Main. Für Goethe und Schiller war Sturm und Drang nur eine begrenzte Phase ihres Lebens und Schreibens.
Zu den wichtigen Namen gehören Johann Georg Hamann, Heinrich Wilhelm von Gerstenberg, Christian Friedrich Daniel Schubart, Johann Gottfried Herder, Gottfried August Bürger, Heinrich Leopold Wagner, Johann Wolfgang Goethe, Jakob Michael Reinhold Lenz, Friedrich Maximilian Klinger, Johann Anton Leisewitz und Friedrich Schiller. Besonders bekannte Werke sind Goethes Götz von Berlichingen von 1773 und Die Leiden des jungen Werthers von 1774, Klingers Drama Sturm und Drang von 1776, Schillers Die Räuber von 1781, Die Verschwörung des Fiesco zu Genua von 1783, Kabale und Liebe von 1784 und Don Karlos von 1783 bis 1787. Der Name der Bewegung geht auf Klingers Komödie Sturm und Drang zurück, die 1776 verfasst, 1777 veröffentlicht und am 1. April 1777 in Leipzig uraufgeführt wurde.
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