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Novalis

Novalis (* 2. Mai 1772 auf Schloss Oberwiederstedt; † 25. März 1801 in Weißenfels), eigentlich Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, war ein deutscher …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Lebensweg
  2. 2. Beruf, Denken und früher Tod
  3. 3. Grundgedanken seiner Dichtung
  4. 4. Religion und Mystik
  5. 5. Zentrale literarische Werke
  6. 6. Wirkung und Überlieferung

Person und Lebensweg

Novalis, eigentlich Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, wurde am 2. Mai 1772 auf Schloss Oberwiederstedt geboren und starb am 25. März 1801 in Weißenfels. Er war Schriftsteller und Philosoph und zählt zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Frühromantik. Sein Werk verbindet Dichtung mit Philosophie, Religion, Politik und Naturwissenschaften.

Er stammte aus einem alten niedersächsischen Adelsgeschlecht und wuchs in Oberwiederstedt und auf dem Gut Schlöben auf. Sein streng pietistischer Vater Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg wurde 1784 Direktor der Salinen in Dürrenberg, Artern und Kösen; 1786 zog die Familie deshalb nach Weißenfels.

Nach Privatunterricht besuchte Friedrich von Hardenberg 1790 die Prima des Gymnasiums in Eisleben. Im selben Jahr begann er ein Jurastudium in Jena, das er in Leipzig und Wittenberg fortsetzte. Er hörte Friedrich Schillers Geschichtsvorlesung und lernte unter anderem Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder und Jean Paul kennen. Eng verbunden war er mit Ludwig Tieck, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling sowie Friedrich und August Wilhelm Schlegel. Im Juni 1794 beendete er sein Jurastudium mit bestem Examen. Ab 1797 studierte er an der Bergakademie Freiberg Montanwissenschaften, darunter Bergwerkskunde, Mathematik und Chemie, und arbeitete praktisch in Gruben.

1794 trat er als Aktuarius in Tennstedt in den Dienst des Kreisamtmanns Coelestin August Just. Dort lernte er Sophie von Kühn kennen, mit der er sich am 15. März 1795 verlobte. Ihr Tod am 19. März 1797 im Alter von 15 Jahren prägte seine Dichtung stark. Im Dezember 1798 verlobte er sich mit Julie von Charpentier.

Beruf, Denken und früher Tod

Seit Januar 1796 arbeitete Hardenberg an der Lokalsalinendirektion in Weißenfels. 1795/96 beschäftigte er sich intensiv mit Johann Gottlieb Fichtes Wissenschaftslehre. Fichte unterschied das „Ich“ vom „Nicht-Ich“; Novalis entwickelte diesen Gedanken weiter, indem er das „Nicht-Ich“ als „Du“, also als gleichwertiges Subjekt, verstand und daraus eine Liebesreligion ableitete.

1798 veröffentlichte er im Athenaeum erstmals unter dem Namen Novalis die Fragmente Blüthenstaub. Das Pseudonym bezog sich nach seiner eigenen Erklärung auf den alten Familienbeinamen De novali, „vom Neuland“. Ab Pfingsten 1799 war er wieder für die Salinendirektion tätig und wurde im Dezember zum Salinenassessor und Mitglied des Salinendirektoriums ernannt. Er wirkte an der Erschließung von Braunkohlelagerstätten mit, deren Kohle die Salzpfannen in Artern, Dürrenberg und Kösen beheizen sollte. Im Jahr 1800 beteiligte er sich außerdem an der ersten geologischen Vermessung der Region zwischen Zeitz, Köstritz, Gera, Ronneburg und Meuselwitz. Am 6. Dezember 1800 wurde er zum Supernumerar-Amtshauptmann für den Thüringischen Kreis ernannt; dies war die Anwartschaft auf ein Amt, das ungefähr dem eines heutigen Landrates entsprach.

Novalis starb am 25. März 1801 gegen 13 Uhr in Weißenfels an einem Blutsturz. Als Ursache galt „Schwindsucht“, also Tuberkulose. Neuere Forschungen vermuten dagegen die Erbkrankheit Mukoviszidose, da er seit seiner Kindheit an Lungenentzündungen und allgemeiner Körperschwäche gelitten hatte. Die genaue Todesursache ist damit nicht abschließend geklärt. Er wurde auf dem Alten Friedhof in Weißenfels beigesetzt. Zu Lebzeiten erschienen nur Blüthenstaub, Glauben und Liebe oder Der König und die Königin und die Hymnen an die Nacht. Ludwig Tieck und Friedrich Schlegel machten wichtige unvollendete Werke nach seinem Tod zugänglich.

Grundgedanken seiner Dichtung

Im Mittelpunkt von Novalis’ Werk stehen die „Romantisierung der Welt“ und die Verbindung von Wissenschaft und Poesie. Sein Ziel war eine „progressive Universalpoesie“, in der Dichtung, Philosophie und unterschiedliche Wissensgebiete in ständiger Wechselwirkung stehen. Seine Aufzeichnungen von 1798/99, das Allgemeine Brouillon, entwerfen entsprechend eine umfassende Enzyklopädie der Künste und Wissenschaften. Gemeinsam mit Friedrich Schlegel entwickelte er außerdem das Fragment, also einen bewusst offenen oder unvollständigen Text, zu einer charakteristischen literarischen Form der Romantik.

Seine Ästhetik versteht Kunst nicht als bloße Nachahmung der Natur, sondern als selbstständiges Hervorbringen: „Kunst – Fähigkeit bestimmt und frey zu produciren“. Die schöpferische Einbildungskraft kann nach Novalis die Welt verwandeln. Romantisieren bedeutet, ein scheinbar niedriges oder alltägliches Objekt mit einem höheren Sinn zu verbinden und zugleich den höheren Sinn mit dem Diesseits zusammenzuführen. Er bezeichnet dies als „Wechselerhöhung und Erniedrigung“. Poesie ist für ihn unter anderem „Gemüterregungskunst“ und „Darstellung des Gemüts – der innern Welt in ihrer Gesamtheit“.

Seinem Werk liegt zudem ein Bildungsgedanke zugrunde: „Wir sind auf einer Mission: Zur Bildung der Erde sind wir berufen“. Mensch und Welt befinden sich in einem fortwährenden Entwicklungsprozess und streben nach einer erneuten Harmonie von Mensch und Natur. Häufig gestaltet Novalis diesen Prozess als Triade aus drei aufeinander bezogenen Elementen. Sie führt durch einen entscheidenden Augenblick der Krise, den Kairos, in dem sich der weitere Verlauf der Dinge entscheidet. Das Vorbild bilden Strophe, Antistrophe und Epode der antiken griechischen Dichtung, wobei Novalis besonders das dritte Element unterschiedlich ausgestaltet.

Religion und Mystik

Gegen die mechanistische Weltsicht der Aufklärung suchte Novalis nach einer neuen Spiritualität. Er knüpfte an das Christentum an, wollte aber eine freie Religiosität „ohne christlichen und weltlichen Zwang“. Dabei wirkten Friedrich Daniel Schleiermachers Reden über die Religion von 1799 und Baruch Spinozas Pantheismus auf ihn ein. Pantheismus bezeichnet hier die Vorstellung einer grundlegenden Einheit des Göttlichen mit Natur und Welt. Für Novalis sind Mensch und Universum „integrante Hälften“; zur Natur gelangt der Mensch nicht allein durch Zahlen und mechanische Erklärungen, sondern auch durch Liebe und Poesie.

Seit 1800 setzte er sich intensiv mit dem Mystiker Jakob Böhme auseinander. Er verband dessen Einfluss mit Pietismus, Transzendentalphilosophie und dem Konzept einer Universalpoesie. Seine späten Texte entwerfen ein jenseits der empirisch wahrnehmbaren Wirklichkeit liegendes Reich der Geister, in dem geschichtliche Fehlentwicklungen zugleich bewahrt und überwunden werden.

Aus diesen Bestrebungen gingen auch die 1802 veröffentlichten Geistlichen Lieder hervor, darunter Wenn alle untreu werden und Wenn ich ihn nur habe. Einzelne Lieder wurden bald in lutherische Gesangbücher aufgenommen. Religiöse Hoffnung erscheint bei Novalis eng mit Liebe, innerer Erneuerung und der Erwartung eines „goldenen Zeitalters“ verbunden.

Zentrale literarische Werke

Die sechs Hymnen an die Nacht erschienen im August 1800 im Athenaeum und gelten als Höhepunkt von Novalis’ Lyrik sowie als bedeutendes Werk der Frühromantik. Sie verbinden autobiografische Erfahrungen aus den Jahren 1797 bis 1800 mit erfundenen Elementen. Ihr Hauptthema ist das Verhältnis von Leben und Tod, dargestellt durch das Bild der Nacht. Beide Bereiche erscheinen nicht als strikte Gegensätze, sondern als miteinander verschränkt; der Tod wird zum „romantisierenden Prinzip des Lebens“. Zwischen Mensch und Göttlichem vermittelt entweder Christus oder, wie in der dritten Hymne, die verstorbene Geliebte.

Je zwei Hymnen bilden einen kleinen Zyklus. Die jeweils erste führt in einer romantischen Triade von einem glücklichen Erdenleben über schmerzhafte Entfremdung zur Befreiung in der ewigen Nacht. Die folgende Hymne schildert das Erwachen aus dieser Vision und die Sehnsucht nach ihrer Rückkehr. Die drei Hymnenpaare steigern sich zu immer höheren Stufen von Erfahrung und Erkenntnis.

Die unvollendeten Romane Die Lehrlinge zu Sais und Heinrich von Ofterdingen sollen durch Dichtung eine umfassende Weltharmonie vermitteln. Aus Heinrich von Ofterdingen stammt die blaue Blume, die zu einem Sinnbild der gesamten Romantik wurde. Der Roman war als Gegenentwurf zu Goethes Wilhelm Meister geplant, den Novalis trotz seiner poetischen Darstellung als gegen Poesie und Religion gerichtet kritisierte.

Die 1799 entstandene, aber erst 1826 veröffentlichte Rede Die Christenheit oder Europa ist ein poetisches und kulturhistorisches Programm mit einer politischen Utopie. Sie entwirft ein neues Europa auf der Grundlage eines „poetischen Christentums“, das Einheit und Freiheit verbinden soll. Anregungen erhielt Novalis auch hier durch Schleiermachers Über die Religion von 1799.

Wirkung und Überlieferung

Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck veröffentlichten 1802 und 1837 erste umfassende zweibändige Werkausgaben; 1846 folgte ein dritter, von Tieck und Eduard von Bülow herausgegebener Band. Novalis beeinflusste Schriftsteller, Philosophen, Kulturtheoretiker, Musiker und die französischen Symbolisten. Seine Geistlichen Lieder gelangten teilweise in Gesangbücher, die Gesänge des Bergmanns aus Heinrich von Ofterdingen in bergmännische Liedersammlungen. Richard Wagners Tristan und Isolde wurde besonders von der Umdeutung der Nacht zum transzendentalen Raum einer utopischen Liebeserfahrung in den Hymnen an die Nacht geprägt.

Die ältere Forschung deutete sein Werk oft stark aus seiner Biografie und besonders aus Sophie von Kühns Tod. Seine fachliche Arbeit im Bergbau und Salinenwesen blieb dagegen lange wenig beachtet und wurde erst nach 1960 intensiver erforscht. Problematisch waren die ideologisch geprägten Deutungen während der NS-Diktatur und in der frühen DDR-Literaturwissenschaft.

Die kommentierte Historisch-kritische Ausgabe Novalis Schriften. Die Werke Friedrich von Hardenbergs ist die vollständige, auf Handschriften und Erstdrucken beruhende Standardedition der Forschung. Sie umfasst sechs Bände in insgesamt neun Teilbänden und enthält neben den literarischen und theoretischen Texten auch Jugendwerke sowie Dokumente aus Novalis’ Berufstätigkeit.

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