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Immanuel Kant

Hier wird der kategorische Imperativ als grundlegendes Prinzip der Ethik entwickelt und die Idee der Freiheit, die in der ersten Kritik für die theoretische …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Leben und Bedeutung
  2. 2. Die kritische Erkenntnistheorie
  3. 3. Moral, Recht, Geschichte und Religion
  4. 4. Urteilskraft, Schönheit und Naturzweck
  5. 5. Anthropologie und problematische Rassenlehre
  6. 6. Spätwerk, Wirkung und Ausgaben

Leben und Bedeutung

Immanuel Kant (* 22. April 1724 in Königsberg, Preußen; † 12. Februar 1804 ebenda) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung und Professor für Logik und Metaphysik an der Universität Königsberg. Er zählt zu den bedeutendsten Denkern der abendländischen Kultur. Seine drei „Kritiken“ markieren besonders mit der Kritik der reinen Vernunft einen Wendepunkt der Philosophie. Sie prägen bis heute Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ethik und Ästhetik; außerdem schrieb Kant über Religion, Recht, Geschichte, Astronomie und Geowissenschaften.

Kant besuchte ab 1732 das Collegium Fridericianum und begann 1740 das Studium an der Albertus-Universität Königsberg. Nach dem Tod seines Vaters 1746 arbeitete er zunächst als Hauslehrer. 1754 kehrte er nach Königsberg zurück, promovierte 1755 mit einer Arbeit über das Feuer und erhielt im selben Jahr die Lehrbefugnis. Er hielt Vorlesungen unter anderem über Logik, Metaphysik, Moralphilosophie, Mathematik, Physik, Geografie, Anthropologie, Pädagogik und Naturrecht. 1770 wurde er Professor für Logik und Metaphysik. Rufe nach Erlangen, Jena und Halle lehnte er ab. 1786 und 1788 war er Rektor der Universität, 1787 wurde er in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

Kant lebte fast sein gesamtes Leben in Königsberg. Das oft überlieferte Bild eines ausschließlich steifen und pflichtbesessenen Gelehrten ist laut Artikel überzeichnet: Als Student spielte er Karten und Billard, nahm gern an Gesellschaften teil und pflegte beim Mittagessen den Austausch mit Freunden. Erst nach dem 40. Lebensjahr richtete er aus gesundheitlichen Gründen einen regelmäßigen Tagesablauf ein. Wegen religiöser Schriften geriet er in den letzten fünfzehn Lebensjahren wiederholt mit der preußischen Zensurbehörde in Konflikt. Er lehrte bis 1796.

Die kritische Erkenntnistheorie

Kants philosophische Entwicklung wird in eine vorkritische und eine kritische Periode eingeteilt. Bis in die 1760er Jahre stand er dem Rationalismus von Leibniz und Wolff nahe. Durch die Auseinandersetzung mit David Hume erkannte er jedoch, dass Erkenntnis weder allein aus dem Verstand noch allein aus der Erfahrung erklärt werden kann. Seine neue Position, der Kritizismus, wurde nach einer längeren Phase des Schweigens vor allem in der Kritik der reinen Vernunft von 1781 ausgearbeitet.

Kants Ausgangsfrage lautet: Unter welchen Bedingungen ist Erkenntnis möglich? Er untersucht daher nicht zuerst, was die Welt an sich ist, sondern wie wissenschaftliche Erkenntnis überhaupt möglich wird. Die „transzendentale Ästhetik“ behandelt Raum und Zeit als reine Formen der Anschauung. Raum ordnet Vorstellungen nebeneinander, Zeit als Abfolge. Beide sind Voraussetzungen jeder Erfahrung, gelten aber nicht notwendig für die Dinge an sich.

In der „transzendentalen Analytik“ erklärt Kant, dass Wahrnehmungen allein noch keine Erkenntnis ergeben. Sinnlichkeit liefert Anschauungen, der Verstand ordnet sie durch Begriffe. „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ Erkenntnis entsteht durch ihre Verbindung, die Synthesis. Die Sinne sind rezeptiv: Sie werden von einer nicht begrifflich erkennbaren Außenwelt, dem „Ding an sich selbst“, affiziert. Erkannt wird aber nicht das Ding an sich, sondern seine Erscheinung, also das, was es für uns unter den Bedingungen unserer Sinnlichkeit und unseres Verstandes ist. Diese Umstellung bezeichnet Kant als „Kopernikanische Wende“.

Der Verstand arbeitet mit Kategorien, also reinen Begriffen a priori. Kant ordnet sie vier Gruppen zu: Quantität (Einheit, Vielheit, Allheit), Qualität (Realität, Negation, Limitation), Relation (Substanz und Akzidenz, Ursache und Wirkung, Wechselwirkung) sowie Modalität (Möglichkeit und Unmöglichkeit, Dasein und Nichtsein, Notwendigkeit und Zufälligkeit). Durch Kategorien und Schemata werden Empfindungen zu bestimmbaren Gegenständen. Ein Schema ist ein allgemeines Verfahren der Einbildungskraft, einem Begriff ein Bild zuzuordnen; so wird ein wahrgenommenes vierbeiniges Tier als Dackel, Hund, Säugetier und Lebewesen eingeordnet.

Kant bejaht die Möglichkeit synthetischer Erkenntnisse a priori, also von Erkenntnissen, die nicht aus einzelnen Erfahrungen stammen, aber unser Wissen erweitern. Als Beispiel nennt der Artikel die mathematische Gleichung 7+5=12. Kategorien wie Substanz, Kausalität und Wechselwirkung strukturieren auch die Naturerfahrung. Sie sind jedoch ohne sinnliche Anschauung „leer“.

In der „transzendentalen Dialektik“ untersucht Kant die Vernunft, die über die Erfahrung hinaus nach dem Unbedingten strebt. Dabei entstehen die Ideen der Seele, des Weltganzen und Gottes. Diese Ideen können weder bewiesen noch widerlegt werden; sie haben eine regulative Funktion, dürfen aber nicht als wissenschaftlich erkennbare Gegenstände behandelt werden. Die Grenzen des Erkennbaren führen zu Kants Formel, man müsse „das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu haben“. Die Kritik der reinen Vernunft bildet damit die Grundlage für seine spätere praktische Philosophie und Ästhetik.

Moral, Recht, Geschichte und Religion

Die Frage der praktischen Philosophie lautet: „Was soll ich tun?“ Kant entwickelt seine Moralphilosophie vor allem in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten von 1785 und der Kritik der praktischen Vernunft von 1788. Grundlage der Moral sind der gute Wille, die Freiheit des Willens und ein unbedingt geltendes moralisches Gesetz. Moralische Forderungen dürfen nicht von persönlichen Neigungen, erwarteten Vorteilen oder Glücksvorstellungen abhängen, sondern müssen aus der praktischen Vernunft hervorgehen.

Das zentrale Prinzip ist der kategorische Imperativ. Kant formuliert ihn unter anderem so: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Weitere Formulierungen sind die Naturgesetzformel, die Menschheitszweckformel („Handle so, daß du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“) und die Reich-der-Zwecke-Formel. Eine Maxime ist ein subjektiver Grundsatz des Willens; ein praktisches Gesetz gilt objektiv für den Willen jedes vernünftigen Wesens.

Freiheit ist für Kant Voraussetzung moralischer Verantwortung. Theoretisch lässt sie sich nicht beweisen, wird aber durch das Sittengesetz als notwendiges Postulat der praktischen Vernunft gerechtfertigt. Der Mensch ist zugleich empirisches Wesen, das Naturgesetzen unterliegt, und intelligibles Wesen, das sich selbst moralische Gesetze geben kann. Diese Selbstbestimmung nennt Kant Autonomie. Weil der Mensch zu sittlichem Handeln fähig ist, besitzt er Menschenwürde. Kants Ethik ist ihrem Ansatz nach eine Pflichtethik. Glückseligkeit kann nicht Maßstab der Moral sein; an ihre Stelle tritt die „Würdigkeit zum Glück“. Erreichbar ist im menschlichen Leben vor allem „Selbstzufriedenheit“, also die Zufriedenheit mit einem sittlich ausgerichteten Handeln. Zu den Pflichten gehört auch, das Glück anderer durch Hilfsbereitschaft und uneigennütziges Handeln zu fördern.

In der Metaphysik der Sitten von 1797 entwickelt Kant eine Rechtslehre und Tugendlehre. Recht soll die Freiheit der Einzelnen so ordnen, dass die Verletzung der Freiheitsrechte anderer sanktionierbar wird. In Zum ewigen Frieden überträgt Kant das Prinzip der Gegenseitigkeit auf die Beziehungen zwischen Staaten. Eine republikanische Ordnung kann danach Mittelpunkt eines Völkerbundes werden, der den Freiheitszustand der Staaten durch Völkerrecht sichert.

Die Frage „Was darf ich hoffen?“ beantwortet Kant nicht durch einen theoretischen Gottesbeweis. Gott, die Unsterblichkeit der Seele und die Freiheit sind keine Gegenstände möglicher Erkenntnis, bleiben aber für die praktische Vernunft bedeutsam. Moral ist für Kant ursprünglicher als Religion; Religion deutet moralische Pflichten als göttliche Gebote. Rituelle Praktiken und bloßer äußerer Gottesdienst werden kritisiert.

Aufklärung definiert Kant 1784 als „den Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“. Ihr Wahlspruch lautet: „Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ In seiner Geschichtsphilosophie betrachtet Kant Geschichte als Bereich menschlicher Freiheit. Einen notwendigen Fortschritt gibt es nicht, doch kann man regulativ einen Plan der Natur denken, in dem sich Vernunft, Recht und eine bürgerliche Verfassung weiterentwickeln. Zielvorstellung ist eine weltbürgerliche Ordnung.

Urteilskraft, Schönheit und Naturzweck

Die Kritik der Urteilskraft von 1790 untersucht die Verbindung zwischen Natur und Freiheit. Kant unterscheidet die bestimmende Urteilskraft, die einen Einzelfall unter eine bekannte allgemeine Regel einordnet, von der reflektierenden Urteilskraft, die vom Besonderen ausgeht und nach dem passenden Allgemeinen sucht. Ihr regulatives Prinzip ist die Zweckmäßigkeit: Natur wird so betrachtet, als sei sie für unsere Erkenntnisfähigkeiten geeignet. Dieses Prinzip begründet keine objektive Erkenntnis.

Das Geschmacksurteil über das Schöne ist nach Kant interesselos, subjektiv, zwecklos und wird mit Notwendigkeit gefällt. Es berücksichtigt weder den Nutzen noch die bloße Existenz des Gegenstandes und beruht nicht auf einem Begriff. Zugleich beansprucht es Allgemeingültigkeit: „Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.“ Die Lust entsteht im „freien Spiel der Erkenntniskräfte“, also im Zusammenspiel von Einbildungskraft und Verstand. Die Einbildungskraft ordnet sinnliche Eindrücke, während der Verstand Einheit stiftet, ohne den Gegenstand unter einen bestimmten Begriff zu zwingen. Der Gemeinsinn oder sensus communis ist dabei als „bloße idealische Norm“ die Voraussetzung dafür, dass andere einem ästhetischen Urteil zustimmen können.

Das Schöne verweist auf die Zusammenstimmung der Erkenntnisvermögen. Das Erhabene dagegen entsteht angesichts überwältigender Größe oder Kraft und beruht auf einem Widerstreit unserer Vermögen. Ein absolutes Ideal der Schönheit gibt es nicht; der Mensch kann jedoch als moralisches Wesen ein Ideal der Schönheit erfüllen, weil er sich selbst Zwecke setzen kann.

In der teleologischen Urteilskraft erscheinen besonders Lebewesen als zweckmäßig organisiert. In einem Organismus ist jeder Teil zugleich Mittel und Zweck; ein Baum erzeugt neue Bäume und erhält sich selbst. Diese Struktur lässt sich nach Kant nicht ausreichend durch rein mechanische Prinzipien erklären. Die Zweckmäßigkeit ist jedoch kein objektiver Beweis für einen göttlichen Urheber, sondern ein regulatives Prinzip. Ebenso bleibt die Idee Gottes regulativ.

Als „letzten Zweck der Natur“ bestimmt Kant den Menschen nicht bloß als Naturwesen, sondern als moralisches, freies Wesen. Die Kultur dient der Verwirklichung dieser Bestimmung. Sie umfasst Wissenschaft und Kunst und soll eine gesetzmäßige bürgerliche Gesellschaft ermöglichen, in der „Vernunft allein Gewalt“ hat.

Anthropologie und problematische Rassenlehre

Neben den drei Fragen „Was kann ich wissen?“, „Was soll ich tun?“ und „Was darf ich hoffen?“ beschäftigte Kant die Frage „Was ist der Mensch?“. Seine anthropologischen Arbeiten gehören nicht im engeren Sinn zur späteren philosophischen Anthropologie, sondern behandeln unter anderem Psychologie, Ethnologie, Völkerkunde, Kultur- und historische Anthropologie. Kant interessierte sich weniger dafür, „was die Natur aus dem Menschen macht“, als dafür, „was er als freihandelndes Wesen aus sich selber macht, oder machen kann und soll“.

Die Anthropologievorlesungen begann Kant im Wintersemester 1772/73 und hielt sie in knapp zwei Jahrzehnten 24 Mal. Das 1798 erschienene Werk Anthropologie in pragmatischer Hinsicht beruht besonders auf der letzten Vorlesung im Wintersemester 1795/96. Der erste Teil, die Anthropologische Didaktik, behandelt Erkenntnisvermögen, Lust und Unlust sowie das Begehrungsvermögen. Der zweite Teil, die Anthropologische Charakteristik, untersucht unter anderem Charakter, Geschlechter, Völker, Temperamente, Vererbung und Denkungsart. Kant ordnet dabei verschiedenen Völkern typische Eigenschaften zu; viele dieser Aussagen gelten aus heutiger Sicht als oberflächlich, eurozentrisch und unhaltbar.

In den Schriften Von den verschiedenen Rassen der Menschen von 1775 und Bestimmung des Begriffs einer Menschenrasse von 1785 vertritt Kant einerseits, dass alle Menschen zu einer und derselben Naturgattung, einer Art und vermutlich einem Stamm gehören. Andererseits nimmt er vier Rassen beziehungsweise Klassen nach Hautfarbe und klimatischen Bedingungen an. Der Artikel nennt dabei unterschiedliche Formulierungen: Weiße, Neger, Hunnen und Bewohner Indiens beziehungsweise „Hochblonde“, „Kupferrote“, „Schwarze“ und „Olivgelbe“. Die genaue Bedeutung des Rassebegriffs ist in der Forschung kontrovers. Kant wollte Rasse als „progenies classifica“, also als klassifizierende Abstammungsgruppe, verstanden wissen, nicht als eigene Species.

Der Artikel weist ausdrücklich darauf hin, dass Kants empirische völkerkundliche Aussagen oft auf mittelbarer Kenntnis und eurozentrischen Darstellungen beruhen. Besonders seine Bewertungen afrikanischer, amerikanischer und anderer Völker werden heute kritisch beurteilt. Auch Äußerungen über Frauen und Juden in der Anthropologie gelten als problematisch. Dem steht gegenüber, dass Kant im ethischen Werk ein für alle Menschen geltendes Weltbürgerrecht vertritt.

Spätwerk, Wirkung und Ausgaben

Ab 1790 arbeitete Kant bis zu seinem Tod an einem Übergang von den metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft zur Physik. Die Manuskripte wurden später als „Opus postumum“ zusammengefasst und waren seit 1935 leichter öffentlich zugänglich. Kant untersuchte darin erneut die Rolle sinnlicher Erfahrung und postulierte einen allgegenwärtigen Äther beziehungsweise „Wärmestoff“, den er als notwendiges Stück des Übergangs zur Physik verstand. Um 1800 entwickelte er außerdem eine „Selbstsetzungslehre“ und Entwürfe zu einem neu konzipierten System der Transzendentalphilosophie; das Werk blieb unvollendet.

Schon zu Kants Lebzeiten entstand ein Kantianismus. Später setzten sich der deutsche Idealismus, Schopenhauer, der Neukantianismus und zahlreiche Philosophinnen und Philosophen des 20. und 21. Jahrhunderts mit ihm auseinander. Im 20. Jahrhundert gab es keine einheitliche Kant-Schule mehr, Kant blieb jedoch ein zentraler Bezugspunkt für Erkenntnistheorie, Ethik, Ästhetik, Rechts- und Sozialphilosophie. Die Wiederbelebung der deontologischen Ethik beeinflusste unter anderem John Rawls, die Diskursethik von Karl-Otto Apel und Jürgen Habermas sowie die Diskurstheorie des Rechts von Robert Alexy.

Als Standardreferenz für Kants Schriften gilt die seit 1900 erscheinende Akademieausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, abgekürzt AA. Sie umfasst Werke, Nachlass, Briefwechsel und Vorlesungsmitschriften; ihre Fortführung betreut die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Eine verbreitete moderne Studienausgabe ist die von Wilhelm Weischedel herausgegebene Werkausgabe in sechs Bänden aus den Jahren 1955 bis 1962. Zahlreiche Denkmäler, Büsten und Gedenktafeln erinnern an Kant. Besonders bekannt ist der Satz: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht ...: Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“

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