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Weimarer Klassik

Die Weimarer Klassik oder Klassische deutsche Literatur ist eine Epoche der deutschen Literatur, in der das „Viergestirn“ Christoph Martin Wieland, …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Begrenzung der Epoche
  2. 2. Voraussetzungen und Entwicklung
  3. 3. Kunstideal und typische Merkmale
  4. 4. Beispiele wichtiger Werke

Einordnung und Begrenzung der Epoche

Die Weimarer Klassik, auch Klassische deutsche Literatur, bezeichnet eine als Blütezeit der deutschen Literatur geltende Epoche. Im Mittelpunkt stehen Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang Goethe, Johann Gottfried Herder und Friedrich Schiller, die im Kulturraum Weimar und Jena wirkten. Wegen ihrer literaturgeschichtlichen Bedeutung wird die Epoche häufig mit der klassischen griechischen Literatur verglichen.

Der Begriff entstand erst im 19. Jahrhundert; keiner der vier Dichter nannte sich selbst Klassiker. In weiter Bedeutung umfasst die Epoche Goethes italienische Reise 1786 bis zu seinem Tod 1832. Diese Definition fasst die vier wichtigsten, nicht frühromantischen literarischen Persönlichkeiten der Region zusammen, darf aber nicht über gemeinsame künstlerische Positionen hinwegtäuschen: Besonders enge Übereinstimmungen gab es vor allem zwischen Goethe und Schiller.

Die engere und literaturwissenschaftlich besser anwendbare Definition meint die etwa elfjährige gemeinsame Schaffenszeit Goethes und Schillers von 1794 bis 1805. Sie beruht auf ihrer Freundschaft und ihrer „Ästhetischen Allianz“ in der Dichtung. Schiller lebte und arbeitete bis Dezember 1799 in Jena; deshalb erfolgte ein großer Teil des Austauschs über Briefe und Besuche. Nach Schillers Tod 1805 führte Goethe die Allianz inhaltlich weiter.

Voraussetzungen und Entwicklung

Wichtige Voraussetzungen lagen in der erneuten Beschäftigung mit der Antike. Johann Joachim Winckelmann prägte mit Gedanken über die „Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“ (1755) und Geschichte der Kunst des Altertums (1764/67) das Ideal der griechischen Kunst: „edle Einfalt, stille Größe“. Das Prunkvolle der Französischen Klassik wurde damit zu einem bürgerlich schlichten Ideal. Als Begründer der Literatur der deutschen Klassik kann Albrecht von Haller mit Die Alpen in Versuch Schweizerischer Gedichte (Bern 1732) gelten.

1771 lud Herzogin Anna Amalie von Sachsen-Weimar-Eisenach die Schauspiel-Gesellschaft des Abel Seyler an ihren Hof ein; sie blieb bis 1774. Die Truppe war Pionier des Sturm und Drang sowie des ernsten deutschen Theaters und der Oper. 1772 wurde Wieland als Erzieher der herzoglichen Söhne nach Weimar berufen. Goethe kam 1775 mit 26 Jahren nach Weimar, nachdem Die Leiden des jungen Werthers ihn zum führenden Autor des Sturm und Drang gemacht hatte. Seine Italienreise von 1786 folgte dem Ideal der klassischen Antike. 1776 hatte Goethe Herder als Generalsuperintendenten aus Bückeburg nach Weimar geholt.

Goethe und Schiller trafen sich 1788 in Rudolstadt zunächst ohne engere Annäherung. Nach einem Vortrag in Jena 1794 entstand ihre Freundschaft; entscheidend waren Schillers Briefe an Goethe vom 23. und 31. August 1794. Ihr gegenseitiger Einfluss zeigt sich unter anderem in den gemeinsam verfassten Xenien von 1796 und im anschließenden Briefwechsel.

Kunstideal und typische Merkmale

Die Weimarer Klassik reagierte auf die Erfahrung, dass die Ideale der Französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – während der Terrorherrschaft der Jakobiner 1793/94 nicht verwirklicht, sondern pervertiert wurden. Auch der Sturm und Drang hatte den Konflikt zwischen Vernunft und Gefühl nicht gelöst. Das klassische Kunstkonzept strebt deshalb einen harmonischen Ausgleich der Gegensätze an.

Orientierungspunkte sind Vollkommenheit, Harmonie, Humanität und die Übereinstimmung von Inhalt und Form. Goethe suchte in der Natur ein Modell für den universalen Zusammenhang aller Erscheinungen, Schiller nahm besonders die Geschichte als Bezugspunkt. Gesellschaftliche Verbesserungen sollten nicht durch einen gewaltsamen Umsturz, sondern durch evolutionäre Fortentwicklung erreicht werden. Kunst und Literatur sollten Menschen ästhetisch erziehen und so für Veränderungen reif machen.

Das Erziehungsideal der „schönen Seele“ meint einen Menschen, bei dem Handeln, Pflicht und Neigung übereinstimmen. Die Klassik behandelt zeitübergreifende menschlich-ethische Werte, setzt Menschlichkeit, Toleranz und gesellschaftliche Harmonie gegen Egoismus und versteht persönliches Verderben als gerechte Strafe für sittlich-moralische Verfehlungen.

Die wichtigste Gattung ist das Drama. Typisch sind hohes Sprachniveau und reglementierte Sprache, etwa der Blankvers in Goethes Iphigenie auf Tauris. Sie soll zwischen Vernunft und Gefühl vermitteln und Werte der Klassik sprachlich tragen. Goethe und Schiller näherten sich zudem der klassischen Dramenkonzeption mit pyramidalem Aufbau und der Einhaltung der aristotelischen drei Einheiten.

Beispiele wichtiger Werke

Zu Goethes wichtigen Werken der Epoche gehören Iphigenie auf Tauris (im Druck 1787), Torquato Tasso (im Druck 1790), Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795/96), Hermann und Dorothea (1798) und Faust. Faust entstand von 1773 bis 1831; Teil I wurde 1807 abgeschlossen, 1808 gedruckt und 1829 uraufgeführt, Teil II 1831 abgeschlossen, 1832 gedruckt und 1854 uraufgeführt.

Schillers zentrale Werke umfassen die ästhetischen Schriften Über die ästhetische Erziehung des Menschen und Über naive und sentimentalische Dichtung (beide 1795) sowie Dramen wie die Wallenstein-Trilogie (1799), Maria Stuart (1800), Die Jungfrau von Orléans (1801) und Wilhelm Tell (1803/04). Die Xenien entstanden 1796 gemeinsam mit Goethe.

Bei Herder zählen Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (4 Teile, 1784–1791) und Briefe zur Beförderung der Humanität (zehn Sammlungen, 1791–1797) zu den genannten Werken. Von Wieland werden unter anderem Die Geschichte der Abderiten (1774–1780), Oberon (1780) und Aristipp und einige seiner Zeitgenossen (1800–1802) aufgeführt.

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