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Joseph von Eichendorff
Er zählt mit etwa fünftausend Vertonungen zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern und ist auch als Prosadichter (Aus dem Leben eines Taugenichts) bis …
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Bedeutung und literarisches Profil
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (10. März 1788–26. November 1857) war ein bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik. Besonders bekannt ist er für seine Gedichte und für die Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts. Mit etwa fünftausend Vertonungen zählt Eichendorff zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern.
Typisch für seine Werke sind idyllische Darstellungen der Natur, des Wanderns und des einfachen Lebens. Die Sprache wirkt oft schlicht und bildhaft, enthält aber ein vielschichtiges Netz metaphorischer Symbole, durch das Welt, Natur und Seele gedeutet werden. Seine Texte setzen sich damit vom reinem Nützlichkeitsdenken der beginnenden industriellen Revolution ab.
Viele Werke stehen in einem religiösen Zusammenhang, der von Eichendorffs eigener starker Bindung an den katholischen Glauben geprägt ist. Sein Katholizismus wird als frei von Seelenqualen und besonderem missionarischem Eifer beschrieben. Zugleich verfiel Eichendorff nicht der nationalistischen Deutschtümelei mancher Romantiker, sondern suchte das europäische Miteinander. Eine prägende Grundstimmung seiner Dichtung ist die Sehnsucht: Eichendorff gilt eher als Dichter des Heimwehs, der Abfahrt und der unerfüllten Sehnsucht als des Ankommens und des erfüllten Augenblicks.
Herkunft und Familie
Eichendorff wurde auf Schloss Lubowitz bei Ratibor in Oberschlesien geboren. Sein Vater war der preußische Offizier Adolf Theodor Rudolf Freiherr von Eichendorff (1756–1818), seine Mutter Karoline, geborene Freiin von Kloch (1766–1822), stammte aus einer schlesischen Adelsfamilie. Durch sie kam Schloss Lubowitz in den Besitz der Familie. Das katholische Adelsgeschlecht der Eichendorff war seit dem 17. Jahrhundert in Schlesien ansässig.
Am 7. April 1815 heiratete Eichendorff in Breslau Aloysia von Larisch (1792–1855), genannt Luise. Sie war die Tochter des Gutsbesitzers Johann von Larisch aus Pogrzebin im Kreis Ratibor. Das Ehepaar hatte fünf Kinder: Hermann (1815–1900), Theresia (1817–1894), Rudolf (1819–1891), Agnes (1821–1822) und Anna (1830–1832).
Nach dem Tod des Vaters 1818 mussten wegen der hohen Verschuldung die meisten Familiengüter verkauft werden; erhalten blieben Schloss Lubowitz und das Gut Sedlnitz. Den Verlust der Welt seiner Kindheit verarbeitete Eichendorff lebenslang.
Ausbildung und Lebensweg
Von 1793 bis 1801 wurde Joseph zusammen mit seinem eineinhalb Jahre älteren Bruder Wilhelm zu Hause unterrichtet. Neben Abenteuer- und Ritterromanen sowie antiken Sagen las er viel und begann früh mit literarischen Versuchen. 1800 setzte er Tagebuchaufzeichnungen fort und arbeitete an einer illustrierten Naturgeschichte.
Von 1801 bis 1804 besuchte er das katholische Matthias-Gymnasium in Breslau und wohnte im St.-Josephs-Konvikt. Von 1805 bis 1806 studierte er in Halle Jura und besuchte auch philologische Vorlesungen bei Friedrich August Wolf, Friedrich Schleiermacher und Henrich Steffens. 1807 wechselte er nach Heidelberg, wo er unter anderem bei Anton Friedrich Justus Thibaut und Joseph Görres Vorlesungen hörte. Dort schloss er sich mit Otto von Loeben sowie den Theologen Friedrich Strauß und Wilhelm Budde im „Eleusinischen Bund“ zusammen. 1808 reiste er über Straßburg nach Paris und weiter über Regensburg nach Wien. Seine erste Veröffentlichung erschien unter dem Pseudonym „Florens“; gleichzeitig begann er Die Zauberei im Herbste.
1809 ging Eichendorff nach Berlin und hörte Privatvorlesungen bei Johann Gottlieb Fichte. Dort traf er Clemens Brentano, Achim von Arnim und Heinrich von Kleist. Von 1810 bis 1812 setzte er sein Jurastudium in Wien fort.
Von 1813 bis 1815 nahm Eichendorff an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil: zunächst als Lützower Jäger, später als Leutnant im 3. Bataillon des 17. schlesischen Landwehr-Infanterie-Regiments und schließlich im 1. Bataillon des 2. Rheinischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Er blieb bis Ende 1815 bei den Besatzungstruppen und kehrte 1816 nach Breslau zurück.
1816 begann er als Referendar im preußischen Staatsdienst. 1821 wurde er katholischer Kirchen- und Schulrat in Danzig, 1824 Oberpräsidialrat in Königsberg. 1831 zog die Familie nach Berlin. 1841 erhielt er den Titel eines Geheimen Regierungsrats. Nach einer schweren Lungenentzündung 1843 ging er 1844 in den Ruhestand. 1846 übersetzte er religiöse Dramen von Pedro Calderón de la Barca.
Nach dem Tod seines Bruders Wilhelm am 7. Januar 1849 erbte Eichendorff das Gut Sedlnitz. 1855 lebte er von April bis Oktober im Haus seiner Tochter in Köthen. Von 1856 bis 1857 war er Gast des Breslauer Fürstbischofs Heinrich Förster auf Schloss Johannisberg bei Jauernig. In seinem letzten Lebensjahrzehnt beendete er seine literarische Arbeit weitgehend und verfasste stattdessen publizistische Texte, darunter die Geschichte der poetischen Literatur. Eichendorff starb am 26. November 1857 um 17 Uhr im Alter von 69 Jahren an einer Lungenentzündung.
Werke und literarische Gattungen
Eichendorffs Werk umfasst Gedichte, Romane, Novellen und Erzählungen, Epen, Dramen, Übersetzungen, Tagebücher sowie literaturhistorische und politische Schriften.
Zu den bekannten Gedichten gehören In einem kühlen Grunde (1807/08), Abschied (1810), Zwielicht (1812), Das zerbrochene Ringlein (1813), Der frohe Wandersmann (1822), Sehnsucht (1834), Wünschelrute (1835), Mondnacht (1837), Der Einsiedler (1838), Eldorado (1841) und In Danzig (1842). Häufig erscheinen Natur, Nacht, Wanderschaft, Fremde, Heimat und Sehnsucht als zentrale Bildbereiche.
Seine Romane sind Ahnung und Gegenwart (1815) und Dichter und ihre Gesellen (1834). Zu den Novellen und Erzählungen gehören Die Zauberei im Herbste (1808), Das Marmorbild (1819), Aus dem Leben eines Taugenichts (1826), Das Schloß Dürande (1837) und Eine Meerfahrt (1841). Aus dem Leben eines Taugenichts gilt als Höhepunkt und zugleich als Ausklang der Romantik. Die Epen Julian (1853), Robert und Guiscard (1855) und Lucius (1857) entstanden im späteren Leben. Zu seinen Theaterstücken zählen Krieg den Philistern (1824), Ezzelin von Romano (1828), Der letzte Held von Marienburg (1830) und Die Freier (1833).
Die erste Gesamtausgabe erschien 1841 in vier Bänden. Spätere Werkausgaben, darunter die historisch-kritische Ausgabe, erschließen neben Gedichten, Romanen und Erzählungen auch Dramen, Briefe, Tagebücher, Übersetzungen sowie historische, politische und literaturhistorische Schriften.
Wirkung und Erinnerung
Eichendorffs Gedichte wurden vielfach vertont und gesungen. Seit 1956 verleiht der Wangener Kreis den Eichendorff-Literaturpreis; außerdem trugen ein Preis der Stiftung F. V. S. von 1935 bis 1943, die Eichendorff-Plakette für Gebirgs- und Wandervereine sowie der 1999 benannte Asteroid (9413) Eichendorff seinen Namen.
Die von 1931 bis 2010 bestehende Eichendorff-Gesellschaft erforschte Leben, Werk und Wirkung des Schriftstellers. Zahlreiche Schulen und Straßen sind nach ihm benannt. Das Eichendorff-Museum in Wangen im Allgäu zeigt unter anderem Handschriften, Bilder, Zeugnisse und Erstausgaben, die bei Kriegsende 1945 aus dem Eichendorff-Museum in Neisse nach Wangen gelangten.
Denkmäler, Büsten und Gedenksteine erinnern in Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien an Eichendorff. Besonders hervorzuheben sind Denkmäler in Breslau, Neisse, Ratibor und Lubowitz sowie eine Gedenkstätte in Heidelberg-Rohrbach, die mit Eichendorffs dortiger Zeit und dem Gedicht In einem kühlen Grunde verbunden wird. Eine Büste befindet sich außerdem in der Walhalla bei Regensburg.