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Frühromantik

Die Frühromantik gilt als Keimzelle der deutschen Romantik und hatte erhebliche Auswirkungen auf die Kunst und Kultur der Moderne. Ausgehend und beeinflusst von …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Geistige und politische Voraussetzungen
  3. 3. Bildung und Zerfall des Jenaer Kreises
  4. 4. Ideen und langfristige Wirkung
  5. 5. Personen, Medien und zentrale Werke

Kern und Bedeutung

Die Frühromantik, auch Jenaer Frühromantik genannt, ist eine kulturhistorische Strömung der Moderne und eine frühe Phase der Romantik. Als Jenaer Gruppenbildung wird sie meist von 1796, dem Jahr der Übersiedlung August Wilhelm und Caroline Schlegels nach Jena, bis 1803, dem Fortgang Caroline Schlegels und Friedrich Wilhelm Joseph Schellings, eingegrenzt. Da sich geistige Strömungen allmählich entwickeln, lässt sich ihr Beginn jedoch nicht eindeutig auf ein einzelnes Datum festlegen. Neben Jena waren Berlin mit seinen literarischen Salons und Dresden wichtige Zentren.

Die Frühromantik gilt als Keimzelle der deutschen Romantik. Sie war keine Schule mit einer festen Lehre, sondern ein vielfältiger Kreis, dessen Mitglieder gemeinsam über Philosophie, Literatur und Kunst nachdachten. Ihre Ideen beeinflussten die europäische Romantik und das moderne Verständnis von Kunst und Kultur erheblich.

Geistige und politische Voraussetzungen

Die Frühromantik entstand unter dem Einfluss verschiedener geistiger und literarischer Richtungen. Dazu gehörten die Philosophie der Aufklärung, die Literatur der Empfindsamkeit, Immanuel Kants Schriften, Sturm und Drang, Johann Gottlieb Fichtes idealistische Philosophie und Friedrich Schillers Schrift Über die ästhetische Erziehung des Menschen. Prägend waren außerdem Werke Johann Wolfgang von Goethes, besonders Werther, seine Gelegenheitsgedichte und Wilhelm Meisters Lehrjahre.

Auch die Französische Revolution und die mit ihr verbundenen Diskussionen über Freiheit wirkten auf die Gedankenwelt der Frühromantiker. Mitte der 1790er Jahre begann sich ihr Kreis besonders in Jena herauszubilden. Die Stadt galt um 1800 als liberales Zentrum der Philosophie. Goethes Universitäts- und Kulturpolitik förderte ein freies und aufgeklärtes geistiges Klima. Weil die Universität Jena vier Herzögen unterstand, war die Zensur durch den hohen Verwaltungsaufwand erschwert; die Professoren besaßen daher mehr Lehrfreiheit als in vielen anderen Herzogtümern.

Jena hatte damals etwa 4500 Einwohner in 800 Häusern, darunter 800 eingeschriebene Studenten. Eine Leihbücherei, die Universitätsbibliothek mit mehr als 5000 Bänden, sieben Buchhandlungen sowie ein lebendiges Verlags- und Zeitungswesen erleichterten den Austausch von Ideen. Die täglich erscheinende Allgemeine Literaturzeitung gehörte zu den meistgelesenen Zeitungen des deutschsprachigen Raums.

Bildung und Zerfall des Jenaer Kreises

Als symbolischer Beginn der Jenaer Romantik gilt der 8. Juli 1796, an dem August Wilhelm und Caroline Schlegel in Jena eintrafen. Schiller hatte August Wilhelm Schlegel zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift Die Horen eingeladen. Dort veröffentlichten neben Schiller und Schlegel unter anderem Alexander und Wilhelm von Humboldt, Johann Gottlieb Fichte, Goethe und Sophie Mereau. Die Zeitschrift spiegelte das geistige Klima Jenas und brachte einen wichtigen intellektuellen Kreis zusammen.

Friedrich Schlegel, der bedeutendste Theoretiker der Frühromantik, kam ebenfalls 1796 nach Jena. Nach einem Streit mit Schiller zog er im Juli 1797 nach Berlin, wo er Friedrich Schleiermacher und seine spätere Frau Dorothea Veit kennenlernte. Mit Jena blieb er durch Briefe und gemeinsame Projekte verbunden. Zusammen mit August Wilhelm gab er von 1798 bis 1800 die Zeitschrift Athenäum heraus, das zentrale programmatische Organ der Frühromantik.

Mittelpunkt des Kreises waren August Wilhelm und Friedrich Schlegel sowie Caroline Schlegel und Dorothea Veit. Das Wohnhaus von Caroline und August Wilhelm in der Leutragasse 5 wurde bis 1800 zum geselligen und geistigen Zentrum. Dort fand vom 11. bis zum 14./15. November 1799 das Jenaer Frühromantikertreffen statt. Neben den Schlegels und Dorothea Veit nahmen Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis, Ludwig Tieck und Schelling teil. In Gesprächen, bei Ausflügen und in der gegenseitigen Besprechung ihrer Werke praktizierten sie „Symphilosophie“, also gemeinsames Philosophieren und Denken.

Kurz danach zerfiel der Kreis. Fichte hatte Jena infolge des Atheismusstreits bereits verlassen. Die offen gelebte Beziehung zwischen Caroline Schlegel und Schelling spaltete die Freunde zusätzlich. Caroline Schlegels Tochter Auguste Böhmer starb am 12. Juli 1800, Novalis am 25. März 1801. Tieck ging nach Berlin, Friedrich Schlegel und Dorothea Veit verließen Jena 1802. August Wilhelm und Caroline beendeten ihre Beziehung im Frühjahr 1802. Nach der Scheidung verließ Caroline am 21. Mai 1803 gemeinsam mit Schelling die Stadt; damit waren die letzten Vertreter der Frühromantik aus Jena fortgegangen.

Ideen und langfristige Wirkung

Besonders einflussreich waren die Überlegungen zur romantischen Ironie, zum Fragment und zum Abstrakten. Ein Fragment ist eine bewusst offene oder unvollständige Form, die Gedanken nicht zu einem abgeschlossenen Lehrsystem ordnet. Im Athenäum-Fragment 116 formulierte Friedrich Schlegel die Idee der „romantischen Universalpoesie“ als neue literarische Gattung. Frühromantische Vorstellungen wirkten auf Kunst und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die Frühromantik prägte zudem das moderne Verständnis von Individualität und von Kunst als Ausdruck einer subjektiven Künstlerpersönlichkeit. Wichtig waren die Einheit von Mensch und Natur, Fantasie und Irrationales sowie das Interesse am Geheimnisvollen, Zwielichtigen und Traumhaften. Ihre Bedeutung liegt weniger in festen Regeln als in vielfältigen Impulsen, die in späteren Jahrzehnten und Jahrhunderten weiterwirkten.

Zum Jenaer Kreis gehörte auch eine für die Zeit moderne Diskussion über die Rolle der Frau. Friedrich Schlegel bezeichnete Männer und Frauen als „gleich wie die Blätter einer Blume“. Die Frühromantiker schätzten intelligente und gebildete Frauen und beteiligten sie an ihrer Arbeit. Diese Beiträge erschienen allerdings oft anonym oder unter dem Namen eines Ehemanns oder Bruders. Wie groß etwa Caroline Schlegels und Dorothea Tiecks Anteil an deutschen Shakespeare-Übersetzungen war, lässt sich deshalb nicht genau bestimmen. Scheidungen ermöglichten einigen Frauen ein selbstbestimmteres Leben, konnten damals aber den Verlust von Vermögen und Kindern sowie gesellschaftliche Ausgrenzung nach sich ziehen.

Die Wirkung reichte über den deutschsprachigen Raum hinaus. Kritiker, Philosophen und Dichter in mediterranen, skandinavischen und slawischen Ländern griffen frühromantische Gedanken auf. Samuel Taylor Coleridge und Madame de Staël verbreiteten die Theorien in Frankreich, England und Nordamerika. Dort beeinflussten sie besonders den amerikanischen Transzendentalismus und Edgar Allan Poe.

Personen, Medien und zentrale Werke

Zum engeren Kreis oder Umfeld gehörten unter anderem August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Caroline Schlegel, Dorothea Veit, Novalis, Schelling, Schleiermacher, Tieck, Fichte, Goethe, Sophie Mereau sowie Alexander und Wilhelm von Humboldt. Die Zusammenarbeit geschah in persönlichen Gesprächen, Briefen, Zeitschriften, Vorlesungen, Übersetzungen und literarischen Werken. Besonders wichtig waren Die Horen, die Allgemeine Literaturzeitung und das Athenäum.

Typische Werke zeigen die Verbindung von Literatur, Philosophie, Religion und Kunsttheorie. Novalis veröffentlichte unter anderem die Blüthenstaub-Fragmente (1798), Die Christenheit oder Europa (1799) und Hymnen an die Nacht (1800); sein 1799 begonnener Roman Heinrich von Ofterdingen blieb unvollendet und erschien 1802 nach seinem Tod. Schellings Erster Entwurf eines Systems der Naturphilosophie erschien 1799, das System des transzendentalen Idealismus 1800.

Von Friedrich Schlegel stammen unter anderem Kritische Fragmente (1797), Über Goethes Meister (1798), der Roman Lucinde (1799) und Gespräche über die Poesie (1800). Schleiermacher veröffentlichte 1799 Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern. Zu Tiecks Werken gehören Geschichte des Herrn William Lovell (1796), Franz Sternbalds Wanderungen (1798) und seine Don-Quixote-Übersetzung von 1799. Dorothea Veits Roman Florentin erschien 1801, herausgegeben von Friedrich Schlegel. Die Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (1797) und Phantasien über die Kunst für Freunde der Kunst (1799) sind mit Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck verbunden.

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