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Deutsche Konjugation

Das Deutsche unterscheidet zwischen den Handlungsrichtungen (Diathesen) Aktiv und Passiv. ... Insbesondere im formalen Deutsch ist das Passiv wichtig. Es …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip der deutschen Konjugation
  2. 2. Infinite und finite Verbformen
  3. 3. Personalformen und Tempusbildung
  4. 4. Zeitformen und ihr Gebrauch
  5. 5. Aktiv und Passiv
  6. 6. Modi: Imperativ und Konjunktiv

Grundprinzip der deutschen Konjugation

Die deutsche Konjugation ist die Flexion, also die Veränderung der Wortform, von Verben. Sie geschieht durch Endungen, Veränderungen des Verbstamms und Zusammensetzungen mit Hilfsverben. Wichtig ist der Unterschied zwischen schwachen und starken Verben: Schwache Verben bilden Formen vor allem mit regelmäßigen Endungen; starke Verben verändern häufig ihren Stammvokal. Starke Verben werden in Schulgrammatiken oft den unregelmäßigen Verben zugerechnet, zeigen aber eigene Regelmäßigkeiten.

Verben werden nach Person und Numerus (Zahl) gebeugt: Es gibt die 1., 2. und 3. Person sowie Singular und Plural. Das Verb stimmt mit seinem Subjekt in Person und Numerus überein; dies heißt PN-Kongruenz. Weitere Merkmale sind Tempus (Zeitform), Modus (Aussageform: Indikativ, Konjunktiv, Imperativ) und Diathese (Handlungsrichtung: Aktiv oder Passiv). Im gesprochenen Deutsch werden Hilfsverben gegenüber synthetischen, also in einem Wort gebildeten, Formen tendenziell häufiger verwendet.

Infinite und finite Verbformen

Infinite oder unbestimmte Verbformen geben weder Person noch Zahl, Zeit oder Modus an. Dazu gehören der Infinitiv, etwa „laufen“, „essen“ oder „nennen“, das Partizip I („laufend“, „essend“) und das Partizip II („gelaufen“, „gegessen“).

Das Partizip I, auch Partizip Präsens, entsteht durch -end am Infinitivstamm. Bei deutschstämmigen Verben mit Stamm auf -r oder -l wird meist -nd verwendet: „lächelnd“, „trauernd“. Verben auf -ier behalten -end: „polierend“, „schmierend“.

Das Partizip II, auch Partizip Perfekt, hat normalerweise ge- und -t oder -et; starke Verben haben meist die Endung -en. Bei manchen starken und unregelmäßigen Verben verändert sich außerdem der Stamm, etwa „trinken → getrunken“, „gehen → gegangen“, „sein → gewesen“. ge- entfällt bei Verben, die nicht auf der ersten Silbe betont werden, bei vielen Verben auf -ieren und bei Verben mit Präfix: „poliert“, „zerlegt“, „gewonnen“. Eine betonte abtrennbare Verbpartikel steht außerhalb der Partizipbildung: „vor-gesagt“, „ein-gezogen“, „zu-gestanden“.

Finite oder bestimmte Formen kennzeichnen Person, Zahl, Zeit und Modus. Beispiele sind „mache“ (1. Person Singular, Indikativ Präsens Aktiv), „gingst“ (2. Person Singular, Indikativ Präteritum Aktiv) und „kämen“ (1. oder 3. Person Plural, Konjunktiv II).

Personalformen und Tempusbildung

Aus Person und Numerus entstehen sechs Personalformen, aber nur vier verschiedene Personalendungen: „ich lache“, „du lachst“, „er lacht“, „wir lachen“, „ihr lacht“, „sie lachen“. Die 3. Person Singular stimmt mit der 2. Person Plural überein; die 1. mit der 3. Person Plural.

Bei einigen starken Verben ändert sich in der 2. und 3. Person Singular der Stammvokal: „du gibst, er gibt“, „du fährst, er fährt“, „du läufst, er läuft“, „du stößt, er stößt“. e oder ä wird zu i oder ie; a, au und o werden oft umgelautet. Unregelmäßige Verben können im Singular einen anderen Stammvokal als im Plural oder Infinitiv haben, zum Beispiel „darf – dürfen“, „kann – können“, „weiß – wissen“. Das Hilfsverb „sein“ ist im Präsens völlig unregelmäßig: „bin, bist, ist, sind, seid, sind“.

Morphologisch, also als einzelne Wortformen, kennt das Deutsche nur Präsens und Präteritum. Schwache Verben bilden das Präteritum mit -te und Personalendung: „lachte“. Nach t, d sowie nach Verschluss- oder Reibelaut + n/m erscheint zur Erleichterung der Aussprache ein e: „redete“, „atmete“. Starke Verben haben gewöhnlich Ablaut, also einen Wechsel des Stammvokals, ohne Tempusmarker: „flog“, „gab“. Mischverben wie „denken → dachte“ und „bringen → brachte“ verbinden Stammveränderung und schwache Präteritumsendung. In der 1. und 3. Person Singular sind die Präteritalformen immer gleich.

Perfekt und Plusquamperfekt bestehen aus dem flektierten Hilfsverb „haben“ oder „sein“ und dem Partizip II. Futur I wird mit flektiertem „werden“ und Infinitiv gebildet; Futur II mit „werden“, Partizip II und „haben/sein“ im Infinitiv. Bei Modalverben mit Vollverb steht in Perfekt, Plusquamperfekt und Futur II statt des Partizips der Infinitiv: „ihr habt (gehen) müssen“; im Futur II: „ihr werdet haben (gehen) müssen“.

Zeitformen und ihr Gebrauch

Die sechs dargestellten Zeitformen sind Präsens, Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II. Beispielsweise lautet die Reihe bei „gehen“: „er geht“, „er ist gegangen“, „er ging“, „er war gegangen“, „er wird gehen“, „er wird gegangen sein“.

Das Präteritum ist die klassische Erzählvergangenheit. In literarischen Texten, besonders Romanen, bezeichnet es die Gegenwart innerhalb der erzählten Geschichte; dies heißt episches Präteritum. Für vergangene Ereignisse innerhalb einer solchen Erzählung dient das Plusquamperfekt als Vorvergangenheit. Bei einer Erzählung im Präsens wird Vergangenes meist im Perfekt ausgedrückt.

Regional unterscheidet sich der Gebrauch: Im Niederdeutschen und in Teilen des mitteldeutschen Sprachraums kommt das Präteritum auch umgangssprachlich häufig vor, während das Perfekt zunimmt. Im Oberdeutschen wird meist Perfekt verwendet; dies wird oberdeutscher Präteritumschwund genannt. In der österreichischen Umgangssprache werden nur „sein“ und „wollen“ im Präteritum gebraucht. Einige alemannische Dialekte wie Schweizerdeutsch haben außer Präteritalformen von „sein“ kein Präteritum.

Umgangssprachlich gibt es im gesamten Sprachraum das nicht standardsprachliche doppelte Perfekt, etwa „Ich habe ihm geschrieben gehabt.“ In vom Präteritumschwund betroffenen Dialekten kann es das Plusquamperfekt ersetzen; sonst verstärkt es eine Aussage. Auch doppeltes Plusquamperfekt und doppeltes Futur II sind nicht standardsprachlich. Plusquamperfekt, Futur I und Futur II sind in der gesprochenen Sprache eher selten.

Aktiv und Passiv

Die Diathese beschreibt die Handlungsrichtung. Das Deutsche unterscheidet Aktiv und Passiv. Eine eigenständige indogermanische Mittelform, das Mediopassiv, gibt es nicht mehr; ähnliche Bedeutungen können Aktivformen mit Reflexivpronomen haben, etwa „Ich wasche mich“ oder „Das Buch liest sich gut“.

Das Passiv ist eine täterabgewandte Aussageform, auch Leideform. Es ist besonders im formalen Deutsch wichtig und wird meist mit „werden“ und Partizip II gebildet. Dabei wird das Patiens, also das von der Handlung Betroffene, zum Ausgangspunkt des Satzes. Das Agens, der Handelnde, verliert die Subjektrolle und kann fehlen: „Die Frau beobachtete den Unfall. → Der Unfall wurde (von der Frau) beobachtet.“

Beim Vorgangspassiv wird ein Akkusativobjekt zum Subjekt. Bei Verben ohne Akkusativobjekt ist ein unpersönliches Passiv ohne Subjekt möglich: „Jetzt wird wieder gelacht.“ Das Rezipientenpassiv oder Dativpassiv bildet sich mit „bekommen“, umgangssprachlich „kriegen“, seltener „erhalten“; ein Dativobjekt wird dann zum Subjekt. Daneben steht das Zustandspassiv mit „sein“, das oft das Ergebnis einer Handlung bezeichnet: „die Tür ist geöffnet“. Beispiele für Vorgangspassiv sind „ich werde gesehen“, „ich wurde gesehen“ und „ich bin gesehen worden“; für Rezipientenpassiv „er bekommt das Buch weggenommen“.

Modi: Imperativ und Konjunktiv

Der Indikativ ist die Wirklichkeitsform („Paul kommt“), der Imperativ die Befehlsform („Paul, komm!“) und der Konjunktiv die Möglichkeitsform („Paul komme“, „Paul käme“, „Paul würde kommen“).

Der Imperativ steht meist ohne Personalpronomen. Im Singular entspricht er gewöhnlich der 2. Person Singular Präsens ohne -st: „du arbeitest → arbeite!“, „du gibst → gib!“. Im Plural ist er die 2. Person Plural ohne Pronomen: „ihr lernt → lernt!“. Ersatzformen sind „Gehen wir!“ und „Gehen Sie!“. Bei starken Verben entfällt der Umlaut: „du fährst → fahr!“, „du läufst → lauf!“. Ausnahmen sind „hab(e)!“, „sei!“, „werd(e)!“ und „wisse!“.

Der Konjunktiv I dient vor allem der indirekten Rede. Er wird aus Infinitivstamm, -e- und Personalendung gebildet: „ich komme, du kommest, er komme, wir kommen, ihr kommet, sie kommen“. Alle Verben folgen diesem Muster; bei „sein“ lautet die 1. und 3. Person Singular „sei“. Präsens drückt Gleichzeitigkeit, Perfekt Vorzeitigkeit und Futurformen Nachzeitigkeit bezogen auf den Zeitpunkt der direkten Rede aus. Ist Konjunktiv I mit dem Indikativ Präsens gleich, tritt Konjunktiv II als Ersatz ein; bei weiterer Gleichheit wird „würde“ verwendet.

Der Konjunktiv II wird vom Indikativ Präteritum abgeleitet. Bei schwachen Verben ist er damit gleich; starke Verben erhalten gegebenenfalls -e-, Personalendungen und einen Umlaut: „ich käme, du kämest, wir kämen“. Bei Verwechslungsgefahr können besondere Formen auftreten, etwa „hülfe“ statt „hälfe“ und „schölte“ statt „schälte“. Möglich sind auch „befähle/beföhle“, „stände/stünde“ und „schwämme/schwömme“.

Konjunktiv II bezeichnet Unwirkliches, unwahrscheinliche Bedingungen, Folgen, Vergleiche und Wünsche sowie Höflichkeit oder Bescheidenheit: „Hättest du den Text gelesen, könntest du die Frage beantworten“, „Wäre doch schon Samstag!“, „Könnten Sie mich zurückrufen?“ und „Ich hätte gerne ein Wasser.“ In der gesprochenen Sprache ist er häufiger als Konjunktiv I. Die würde-Form wird dort oft als Konjunktiv-Ersatzform verwendet.

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