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Kongruenz (Grammatik)
So stimmen in einem deutschen Satz Subjekt und Verb in den Merkmalen Person und Numerus überein. Beispiel: In dem Satz „Die Kinder im Saal lachten“ kongruieren …
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Grundbedeutung und Funktion
Kongruenz bezeichnet in der Sprachwissenschaft die regelhafte Übereinstimmung von Wörtern und Satzgliedern hinsichtlich grammatischer Merkmale. Sie wird durch Flexion, also die Beugung von Wörtern, mit aufeinander abgestimmten Formen hergestellt. Dadurch werden syntaktische Beziehungen zwischen zusammengehörenden Teilen eines Satzes formal gekennzeichnet.
Oft stimmen mehrere Merkmale gleichzeitig überein. Im deutschen Satz „Die Kinder im Saal lachten“ kongruieren Subjekt und Verb in Person und Numerus: Beide stehen in der 3. Person und im Plural. In der Nominalphrase „einem älteren Manne“ stimmen Artikel, Adjektiv und Substantiv – soweit entsprechende Formen vorhanden sind – in Kasus, Numerus und Genus überein. Alle Wörter stehen hier im Dativ, Singular und Maskulinum.
Kongruenz bedeutet die Übereinstimmung grammatischer Merkmale, nicht unbedingt eine lautliche Übereinstimmung der Endungen. Die Endungen in „lange Sätze“, „lange Bretter“ und „lange E-Mails“ zeigen gleichermaßen Kongruenz an, obwohl die jeweiligen Formen nicht vollständig gleich klingen.
Weicht beim Subjekt das grammatische Genus oder der grammatische Numerus vom semantisch Gemeinten ab, etwa bei „das Mädchen“, kann statt grammatischer Kongruenz auch semantische Kongruenz hergestellt werden.
Abgrenzung von Rektion
Kongruenz ist üblicherweise eine Beziehung zwischen zwei Satzteilen, die beide ein bestimmtes grammatisches Merkmal tragen. Bei Rektion liegt das betreffende Merkmal dagegen nur an einem Satzteil vor; der andere Satzteil verlangt es dort.
Im Satz „Das Theaterstück gefiel den kleinen Kindern sehr gut“ regiert das Verb „gefiel“ den Dativkasus an der Ergänzung „den kleinen Kindern“. Der Dativ liegt nicht am Verb selbst vor. Deshalb handelt es sich zwischen Verb und Ergänzung um Rektion, nicht um Kongruenz.
Innerhalb des Dativobjekts besteht dagegen Kongruenz in Dativ und Plural: „d-en klein-en Kind-er-n“. Der Dativ wird dem gesamten Objekt durch Rektion zugewiesen und breitet sich durch die Kongruenzregel im Inneren des Objekts auf die einzelnen Wörter aus. Rektion und Kongruenz sind dabei zwei getrennte Mechanismen.
Auch zwischen „das“ und „Theaterstück“ besteht Kongruenz im Genus Neutrum. Das Genus ist zwar nur an der Artikelform „das“ sichtbar, aber das Substantiv „Theaterstück“ trägt dieses Merkmal ebenfalls eindeutig. Daher liegt auch hier Kongruenz und nicht Rektion vor.
Abweichende Begriffsverwendung
Manche Quellen zur deutschen Grammatik ziehen die Grenze zwischen Kongruenz und Rektion anders. Nach dieser engeren Definition zählen nur solche Merkmalsübereinstimmungen als Kongruenz, bei denen das betreffende Merkmal im Flexionsparadigma beider beteiligter Wörter variabel ist.
Nach dieser Auffassung wäre die Übereinstimmung des Genus zwischen „das“ und „Theaterstück“ kein Fall von Kongruenz, weil das Genus beim Substantiv festliegt. Die unterschiedlichen Definitionen betreffen somit vor allem die Frage, ob ein Merkmal bei beiden beteiligten Wörtern flektierbar sein muss.
Kongruenz von Verben
In vielen Sprachen stehen Subjekt und Prädikat in Kongruenz. Im Deutschen müssen Subjekt und finites Verb in Person und Numerus übereinstimmen. Deshalb muss die Endung des finiten Verbs zum Subjekt passen.
Im Satz „Sie hob das rote Blatt Papier auf“ kongruiert das Verb „hob auf“ mit dem Subjekt „sie“. Beide stehen in der 3. Person Singular.
KNG-Kongruenz bei Adjektiven
Als KNG-Kongruenz bezeichnet man die Übereinstimmung von Kasus, Numerus und Genus. Sie ist beispielsweise im Deutschen und Lateinischen innerhalb einer Nominalphrase bei Determinantien, Adjektiven und Nomen gefordert. Die übrigen Wortarten folgen dabei dem Nomen in Kasus, Numerus und Genus.
Im Satz „Das schöne Haus steht zum Verkauf“ stehen „schöne“ und „Haus“ beide im Nominativ Singular Neutrum. Sie beziehen sich aufeinander und sind deshalb in Kasus, Numerus und Genus kongruent.
Im Satz „Der große Mann sieht die schmutzige Straße“ stehen „große“ und „Mann“ beide im Nominativ Singular Maskulinum. „Schmutzige“ und „Straße“ stehen beide im Akkusativ Singular Femininum. In beiden Nominalphrasen zeigen die Formen somit KNG-Kongruenz.