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Flexion

In der Grammatik bezeichnet Flexion (lateinisch flexio ‚Biegung'), deutsch auch Beugung oder (österreichisch) Biegung, eine Änderung in der Form eines …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Flexion
  2. 2. Flexion nach Wortarten im Deutschen
  3. 3. Konjugation der Verben
  4. 4. Kongruenz und Gruppenflexion
  5. 5. Agglutination und Fusion
  6. 6. Sprachtypen und Beispiele

Grundidee der Flexion

Flexion, auf Deutsch auch Beugung oder in Österreich Biegung, ist in der Grammatik die Veränderung der Form eines Wortes, um grammatische Merkmale auszudrücken. Dabei entsteht eine Wortform desselben Wortes, kein neues Wort im Sinne eines Lexems. Das unterscheidet Flexion von Wortbildung, also Wortableitung und Zusammensetzung. Flexion ändert nicht die Wortart, sondern fügt grammatische Merkmale hinzu.

Im Deutschen können solche Merkmale Person, Numerus, Tempus, Modus, Genus, Kasus und bei Adjektiven Stärkeflexion sein. Umstritten ist, ob die Steigerung von Adjektiven ebenfalls zur Flexion zählt. Die Markierungen der Flexion heißen Flexive. Sie erscheinen oft als angehängte Endungen, also Suffixe. Flexion kann aber auch in den Wortstamm eingreifen, etwa durch Vokalwechsel bei Ablaut oder Umlaut, oder sogar verschiedene Stämme verwenden; das heißt Suppletion.

Flexion wird durch grammatische Regeln gesteuert. Manche Flexionsmerkmale haben eine gut erkennbare Bedeutung, zum Beispiel Singular und Plural beim Numerus. Trotzdem können grammatische Regeln Formen auch aus rein formalen Gründen erzwingen, sodass die Bedeutung nicht immer direkt frei interpretierbar ist.

Flexion nach Wortarten im Deutschen

Im Deutschen unterscheidet man Flexionsarten nach der Wortart. Substantive werden dekliniert, also nach Kasus und Numerus verändert. Das Genus eines Substantivs ist fest. Ein Beispiel ist: das Haus, des Hauses, der Häuser.

Adjektive werden nach Genus, Kasus, Numerus und Komparation dekliniert. Beispiele sind nach Genus: ein schneller, eine schnelle, ein schnelles; nach Kasus: ein schneller, eines schnellen, einem schnellen, einen schnellen; nach Numerus: ein schneller, zwei schnelle; nach Komparation: ein schneller, ein schnellerer.

Bei Adjektiven gibt es drei Arten der Deklination. Die schwache Deklination steht bei einem vorangestellten bestimmten Artikelwort, zum Beispiel in der großen Runde oder der alte Mann. Die starke oder pronominale Deklination steht, wenn ein Artikelwort fehlt oder keine Flexionsendung trägt, zum Beispiel in großer Runde oder alter Mann. Die gemischte Deklination steht bei einem vorangestellten unbestimmten Artikelwort, zum Beispiel in einer großen Runde oder ein alter Mann.

Konjugation der Verben

Verben werden konjugiert. Dabei werden sie nach Person, Numerus, Aspekt, Tempus und Modus verändert. Auch bei Verben unterscheidet der Artikel drei Arten der Flexion.

Schwache oder äußere Flexion arbeitet mit Affixen, also Präfixen, Suffixen, Infixen oder Zirkumfixen. Ein Beispiel ist die Tempusflexion im Präteritum durch Anhängen von -{t}- an den Wortstamm: (ich) spiele – spielte, (ich) sage – sagte.

Starke oder innere Flexion verändert den Stammvokal. Das geschieht etwa durch Ablaut wie bei (ich) singe – sang zur Tempusflexion, durch Umlaut wie bei (ich) fechte – (du) fichtst zur Flexion nach der Person oder bei (ich) sang – sänge zur Flexion des Modus.

Unregelmäßige oder gemischte Flexion verändert den Wortstamm weitergehend, zum Beispiel durch Ablaut und Konsonantenwechsel: (ich) ziehe – zog. Manchmal kommt zusätzlich ein Tempusaffix hinzu, wie bei (ich) bringe – brachte, wo Vokalwechsel, Konsonantenwechsel und das Präteritumsuffix -{t}- zusammen auftreten. Bei Suppletivformen enthält ein Flexionsparadigma verschiedene Stämme, etwa (ich) bin – (du) bist – (er) ist, (ihr) seid, (wir, sie) sind.

Kongruenz und Gruppenflexion

Kongruenz bedeutet, dass zusammengehörige Wörter oder Wortgruppen im Satz durch übereinstimmende grammatische Merkmale verbunden werden. Im Deutschen betrifft das vor allem Kasus-, Numerus- und Genuskongruenz innerhalb eines Satzgliedes, Numeruskongruenz zwischen Subjekt und Prädikat sowie Numerus- und Genuskongruenz zwischen Bezugsnomen und Relativpronomen.

Im Satz Wir sehen den kleinen Jungen gibt es Numeruskongruenz zwischen Subjekt und Prädikat. Außerdem stimmen die Wörter im Objekt in Kasus, Numerus und Genus überein.

Agglutinierende Sprachen wie die Turksprachen zeigen Zusammengehörigkeit von Attributen, Zahlwörtern und Demonstrativpronomen nicht durch Kongruenz, sondern durch Gruppenflexion. Dabei stehen untergeordnete Attribute in unflektierter Grundform vor dem Nomen. Die ganze Gruppe wird dann flektiert, indem nur das Nomen mit seinen Attributen Numerus- und Kasusmarker trägt. Kasusmarker sind Morpheme, also bedeutungstragende Formbestandteile, die den Kasus markieren.

Agglutination und Fusion

Der Ausdruck Flexion wird nicht nur für Flexion im engeren Sinn, also Fusion, verwendet, sondern oft auch für Agglutination. Agglutination bedeutet eine grobe und leicht zerlegbare Anfügung von Affixen. Deshalb ist „flektierende Sprache“ in vielen Fällen ein Synonym für eine synthetische Sprache.

Fusion liegt vor, wenn Wortstämme verändert werden, um grammatische Kategorien auszudrücken. Agglutination verzichtet weitgehend auf dieses Mittel. Eine Flexionsform kann grammatische Kategorien also durch Agglutination oder durch Fusion, also Verschmelzung von Morphemen, ausdrücken.

Bei Agglutination stellt eine Flexionsendung im Idealfall nur eine einzige Flexionskategorie dar, wird einfach an das Wort angehängt und ist leicht zerlegbar. Ein deutsches Beispiel ist Kind-er-n: Kind steht für das Lexem, -{er} für den Plural und -{n} für den Dativ. Die Bestandteile beeinflussen sich in ihrer Form nicht gegenseitig.

Fusion zeigt sich, wenn mehrere Merkmale in einer Form zusammenkommen oder der Stamm verändert wird. Bei Vätern werden zwar ähnliche Endungen wie bei Kindern verwendet, zugleich verändert sich aber der Vokal des Wortstamms. Bei gäbe, der 3. Person Singular Konjunktiv im Präteritum, steht -{e} für die 3. Person Singular; der Wechsel von -e- in geb-en zu -a- steht für Präteritum, und der Wechsel von -a- zu -ä- für den Konjunktiv. In -ä- werden also Präteritum und Konjunktiv zugleich ausgedrückt.

Fusion bedeutet außerdem, dass die Wahl zwischen Allomorphen nicht nur durch die lautliche Umgebung bestimmt ist. Bei Hund – Hunde und Mund – Münder sind die Wortstämme lautlich sehr ähnlich, die Plurale werden aber verschieden gebildet. Insgesamt ist Deutsch, wie fast alle Sprachen, eine Mischsprache, wenn man betrachtet, mit welchen Mitteln grammatische Kategorien gebildet werden.

Sprachtypen und Beispiele

Sprachen unterscheiden sich stark darin, wie viele grammatische Merkmale sie durch Flexionsformen anzeigen. Eine flektierende Sprache oder ein flektierender Sprachbau bildet in hohem Maß verschiedene Flexionsformen an Wörtern. Typisch ist dabei Fusion: Mehrere Merkmale können durch ein einziges Affix und eventuell durch Veränderung des Stammes ausgedrückt werden, statt durch eine längere Kette von Affixen.

Gegenbegriffe sind isolierender Sprachbau, bei dem Flexionsmerkmale nicht oder höchstens durch eigene Wörter angezeigt werden, und agglutinierender Sprachbau, bei dem längere Affixketten statt einer einzigen Formabwandlung vorkommen können. In Sprachen wie dem Deutschen sind Flexionsformen eng an Wortarten gebunden, zum Beispiel Tempus beim Verb oder Kasus beim Substantiv. Andere Sprachen haben einen lockereren Zusammenhang zwischen Wortart des Stamms und möglichen Flexionsformen; als klassisches Beispiel nennt der Artikel Tagalog, wo Prädikate durch verbale Endungen an substantivischen oder kategorielosen Stämmen gebildet werden können.

Viele indogermanische Sprachen, darunter Deutsch, Latein, Spanisch, slawische Sprachen und Hindi, haben einen flektierenden beziehungsweise synthetischen Sprachbau. In den semitischen Sprachen sind besonders in der klassischen arabischen Sprache viele Flexionsformen erhalten geblieben.

Das gesprochene Französisch hat im Laufe der Jahrhunderte viele Flexionsformen verloren. In der Schrift bleiben sie zwar erhalten, sind aber beim Hören oft nicht unterscheidbar, zum Beispiel il donne und ils donnent oder don und dons. Auch Englisch hat in den letzten Jahrhunderten nahezu alle Flexionsformen aufgegeben und zeigt daher einen analytischen Sprachaufbau. Der Artikel vergleicht dazu die Formen des Verbs make vom Mittelenglischen über das Frühneuenglische bis zum Neuenglischen, wo viele frühere Personen- und Numerusunterscheidungen verschwunden sind.

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