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Modus (Grammatik)

In der Grammatik des Deutschen finden sich als Modi Indikativ, Konjunktiv und Imperativ, in den romanischen Sprachen auch Subjunktiv und Konditional.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Funktion
  2. 2. Reale und irreale Modi
  3. 3. Modi und ihre Verwendung im Deutschen
  4. 4. Modalverben als zusätzliche Modusmarkierung
  5. 5. Modi in anderen Sprachen

Grundbegriff und Funktion

Der Modus, auf Deutsch auch Aussageweise oder seltener Aussageform, ist ein Konjugationsparameter beziehungsweise eine grammatische Kategorie des Verbs. Er kennzeichnet, wie ein dargestelltes Ereignis oder eine Aussage eingeordnet wird, zum Beispiel als tatsächlich, möglich, erwünscht, befohlen oder von einer Bedingung abhängig.

Ein Modus kann aufgrund rein morphosyntaktischer Regeln auftreten: Bestimmte Verben oder Konjunktionen verlangen dann im Nebensatz einen bestimmten Modus. Beispielsweise regiert die lateinische Konjunktion ut („dass“) den Konjunktiv des folgenden Verbs. Modi können aber auch inhaltlich bestimmt sein. In diesem Fall dienen sie dazu, Modalität auszudrücken, also etwa Wirklichkeit, Möglichkeit, Notwendigkeit oder Wunsch.

Im Deutschen gibt es Indikativ, Konjunktiv und Imperativ. In romanischen Sprachen werden außerdem insbesondere Subjunktiv und Konditionalis unterschieden. Übergeordnet lassen sich grammatische Modi in reale und irreale Modi einteilen.

Reale und irreale Modi

Nach dem britischen Linguisten Frank R. Palmer können grammatische Modi zwischen den Polen Realität und Irrealität angeordnet werden. Entscheidend ist, ob sie sich auf reale Ereignisse oder Fakten beziehen oder auf Ereignisse, die noch nicht stattgefunden haben. Einige Sprachen bilden diese Zweiteilung unmittelbar ab, beispielsweise Caddo und weitere Sprachen indigener Völker Nordamerikas. In anderen Sprachen ist die Trennung weniger eindeutig.

Reale Modi drücken faktische Ereignisse oder allgemeingültige Wahrheiten aus. Dazu gehören der Indikativ als Normalform für solche Aussagen in indogermanischen Sprachen, der Energikus für kategorische Behauptungen und der Admirativ. Letzterer drückt in amerindischen Sprachen und im Albanischen Erstaunen oder ironischen Zweifel aus.

Irreale Modi beziehen sich auf Ereignisse, die sich noch nicht tatsächlich ereignet haben. Ihr Eintritt kann erwünscht, möglich oder von Bedingungen abhängig sein. Dazu zählen:

  • Imperativ: Befehl, besonders an die 2. Person.
  • Jussiv: Befehl an die 3. Person.
  • Adhortativ: Aufforderung an die 1. Person Plural zu einer gemeinsamen Handlung.
  • Optativ: Ausdruck eines Wunsches oder einer abgeschwächten Anweisung.
  • Nezessitativ: Ausdruck einer Notwendigkeit.
  • Potentialis: Kennzeichnung eines Ereignisses, das der Sprecher grundsätzlich für möglich hält.
  • Konditionalis: Kennzeichnung eines Ereignisses, dessen Eintritt von einem anderen Ereignis abhängt.

Modi und ihre Verwendung im Deutschen

Im Deutschen werden drei Verbmodi durch Flexion, also durch die Veränderung der Verbform, gebildet: Indikativ (Wirklichkeitsform), Konjunktiv (Möglichkeitsform) und Imperativ (Befehlsform). Indikativ und Konjunktiv können jeweils mehrere inhaltliche Funktionen übernehmen.

Der Indikativ dient vor allem Aussagen über tatsächlich stattfindende oder bereits stattgefundene Ereignisse: „Der Hund wedelt mit dem Schwanz.“ Er steht auch bei allgemeingültigen Aussagen wie „Hunde wedeln mit dem Schwanz, wenn sie sich freuen“. Teilweise ersetzt er den Imperativ, beispielsweise in der passivischen Aufforderung „Jetzt wird geschlafen!“.

Der Konjunktiv I wird vor allem zur Wiedergabe indirekter Rede verwendet: „Er sagte, dass er müde sei.“ Daneben kann er als Optativ auftreten, etwa im heute nicht mehr produktiven Wunsch „Er ruhe in Frieden“, sowie als Jussiv: „Man nehme zwei Eier.“ Der Adhortativ ist nicht mehr als Konjunktiv I erkennbar, beispielsweise „Gehen wir essen!“.

Der Konjunktiv II steht besonders in irrealen Konditionalgefügen. Diese können völlig unmögliche Bedingungen bezeichnen: „Er wäre früher gekommen, wenn er rechtzeitig aufgestanden wäre.“ Sie können auch prinzipiell mögliche, aber noch nicht eingetretene Fälle ausdrücken: „Führe ich in die Stadt, könnte ich noch einkaufen.“ Außerdem bezeichnet der Konjunktiv II erfüllbare oder unerfüllbare Wünsche. „Ich hätte gerne eine Brezel“ ist ein möglicher Wunsch und zugleich ein höflicher Konjunktiv; „Ich wäre gerne am Meer“ kann je nach Situation einen nicht erfüllbaren Wunsch ausdrücken.

Der Imperativ wird für Befehle, Aufforderungen und Bitten gebraucht, zum Beispiel „Wirf mir den Ball zu!“.

Modalverben als zusätzliche Modusmarkierung

Modalverben, auch modale Hilfsverben genannt, erweitern die Ausdrucksmöglichkeiten des Deutschen. Sie können deontische Modalität ausdrücken, die sich auf Verpflichtung oder Notwendigkeit bezieht: „Ich muss gehen.“ Epistemische Modalität betrifft dagegen die Einschätzung von Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit: „Es mag regnen.“

In Verbindung mit dem Konjunktiv entstehen weitere Ausdrucksmöglichkeiten. Konjunktiv I und mögen können einen Optativ umschreiben: „Er möge in Frieden ruhen.“ Konjunktiv II und können bilden einen Potentialis, also eine grundsätzlich für möglich gehaltene Handlung: „Ich könnte mein Zimmer blau streichen.“

Modi in anderen Sprachen

Die Einteilung und Verwendung der Modi unterscheiden sich zwischen den Sprachen. Der Subjunktiv entspricht grundsätzlich dem deutschen Konjunktiv und wird im Deutschen auch als dessen Synonym verwendet. In anderen Sprachen ist Subjunktiv die Hauptbezeichnung, etwa englisch subjunctive, spanisch modo subjuntivo und französisch mode subjonctif. Seine konkreten Verwendungsweisen müssen jedoch nicht denen des deutschen Konjunktivs entsprechen. In romanischen Sprachen gilt der Konditionalis als eigener Modus und kann eine mögliche Wirklichkeit ausdrücken.

Weitere sprachspezifische Modi sind unter anderem der Jussiv im Persischen, der Energikus im Arabischen und der Optativ im Altgriechischen, Türkischen, Finnischen und Albanischen. Der türkische Suppositiv drückt eine Vermutung aus. Der Renarrativ dient beispielsweise im Bulgarischen der Wiedergabe von Informationen aus zweiter Hand. Der Interrogativ kommt unter anderem in Inuit-Sprachen wie dem Grönländischen vor.

Der Jussiv kann im Deutschen mithilfe der 3. Person Singular oder Plural des Konjunktivs I wiedergegeben werden, etwa „Nehme er sein Buch“; diese Form ist allerdings ungebräuchlich. Auch der Infinitiv erscheint häufig in Verbalkonstruktionen wie „Sie können jetzt gehen“ und kann als Ersatz für den Imperativ dienen: „Nicht aus dem Fenster hinauslehnen!“

In der indogermanischen Grundsprache gibt es mit dem Injunktiv einen ursprünglichen „Basismodus“ ohne formale Kennzeichnung. Er gibt nicht an, ob eine Handlung in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft stattfindet, sondern bezeichnet nur ihre Zeitdauer: Im Aorist ist dies eine punktuelle Handlung mit der Zeitdauer „absolut Null“, im Präsens eine dauernde oder wiederholte Handlung mit der Zeitdauer „potentiell unendlich“.

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