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Starkes Verb

Ablaut (Partizip Perfekt). I. Reihe: treiben, trieb, getrieben. II. Reihe: fliegen, flog, geflogen. III. Reihe: trinken, trank, getrunken. IV. Reihe: stehlen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee starker Verben
  2. 2. Ablaut und Ablautreihen
  3. 3. Starke Verben im Deutschen
  4. 4. Weitere Merkmale
  5. 5. Vergleich und Umgangssprache

Grundidee starker Verben

Starke Verben bilden in allen germanischen Sprachen eine eigene Verbgruppe. Sie unterscheiden sich von schwachen Verben vor allem durch den Ablaut: Der Stammvokal wechselt zwischen Präsens, Präteritum und Partizip Perfekt. Beispiele im Deutschen sind singen – sang – gesungen und treffen – traf – getroffen.

In der deutschen Grammatik werden starke Verben im Unterricht oft zu den unregelmäßigen Verben gerechnet. Das ist vereinfacht: Ursprünglich war das System der starken Verben regelmäßig, ähnlich wie das der schwachen Verben. Durch viele Ausnahmen und die Aufspaltung der Klassen wirkt es heute aber weniger durchschaubar.

Ablaut und Ablautreihen

Das wichtigste Kriterium eines starken Verbs ist der Ablaut, also der Wechsel des Stammvokals. Dieses Phänomen ist sehr alt und wird bereits für die indogermanische Ursprache angenommen. Nur in den germanischen Sprachen entwickelte sich daraus ein System, mit dem Vergangenheit regelmäßig ausgedrückt werden konnte.

Ursprünglich gab es sechs Ablautreihen, die davon abhingen, welche Konsonanten nach dem Stammvokal standen. Im Neuhochdeutschen kommen einige Verben diesen sechs Reihen noch nahe; zusätzlich gibt es eine siebte Reihe, die nicht auf historischem Ablaut beruht, sondern unter anderem ehemals reduplizierende Verben enthält.

Beispiele für die sieben Reihen sind: treiben – trieb – getrieben; fliegen – flog – geflogen; trinken – trank – getrunken; stehlen – stahl – gestohlen; geben – gab – gegeben; graben – grub – gegraben; fangen – fing – gefangen. Laut Duden-Grammatik gibt es heute 173 starke Verben in rund 40 Ablautreihen im Deutschen. Viele dieser Reihen enthalten nur ein einzelnes Verb, weshalb das System nicht mehr als regelmäßig wahrgenommen wird.

Starke Verben im Deutschen

Im Deutschen sind starke Verben durch den Wechsel des Stammvokals gekennzeichnet. Die Vokaländerungen sind nicht beliebig, sondern historisch erklärbar. Obwohl das System heute viele Sonderfälle enthält, haben die sieben starken Verbklassen im Neuhochdeutschen noch genug Gemeinsamkeiten, dass man viele Formen mit Sprachgefühl vorhersagen kann.

Ein Beispiel ist ein starkes Verb der Form K₁eiK₂en, etwa bleiben oder reiten. Wenn man weiß, dass ein solches Verb stark ist, kann man aus dem Stammvokal die Klasse 1 erschließen. Dann lautet das Präteritum bei stimmhaftem K₂ meist K₁ieK₂, also blieb. Bei stimmlosem K₂ lautet es K₁iK₂K₂, also ritt. Ausnahmen sind leiden und schneiden.

Der Artikel weist darauf hin, dass eine Stelle überarbeitet werden sollte: Es gebe auch die Präteritumsform schnie statt schneite oder älter schneyete; der Wechsel von schwach zu stark sei daher nicht nur auf Partizipformen beschränkt.

Weitere Merkmale

Neben dem Ablaut haben deutsche starke Verben weitere typische Merkmale. Einige zeigen im Präsens Indikativ der 2. und 3. Person Singular einen i-Umlaut: ich fahre – du fährst – er fährt – wir fahren – ihr fahrt – sie fahren. Das betrifft nur Verben mit dunklem Stammvokal, vor allem a/ä, außerdem au/äu in laufen und saufen sowie o/ö in stoßen. Ohne Umlaut bleiben zum Beispiel kommen, hauen und rufen sowie sogenannte halbstarke Verben wie mahlen und salzen. Saugen wird ebenfalls nicht umgelautet, weil die Formen sonst mit säugen zusammenfielen.

Starke Verben mit Stammvokal e oder ä zeigen an derselben Stelle oft i oder ie: ich gebe – du gibst – er gibt – wir geben – ihr gebt – sie geben. Dieser Wechsel erscheint auch im Imperativ Singular, zum Beispiel gib!, aber nicht in der Pluralform gebt!. Es gibt Ausnahmen, etwa scheren sowie die völlig unregelmäßigen Verben gehen und stehen.

Das Partizip Perfekt wird wie bei schwachen Verben mit ge- gebildet. Der Unterschied liegt im Suffix: Schwache Verben haben meist -t, zum Beispiel geliebt; starke Verben haben -en, zum Beispiel getrieben.

Vergleich und Umgangssprache

Das starke Verb trinken zeigt, dass ähnliche Formen in mehreren germanischen Standardsprachen vorkommen. Beispiele sind Deutsch trinken – trank – getrunken, Englisch drink – drank – drunk, Niederländisch drinken – dronk – gedronken, Schwedisch dricka – drack – druckit, Isländisch drekka – drakk – drukkið und Färöisch drekka – drakk – drukkið.

In der Umgangssprache entstehen manchmal starke Formen zu eigentlich schwachen Verben. Im süddeutschen Sprachgebrauch kommen etwa gewunschen statt gewünscht, geschalten statt geschaltet oder teilweise geschnien/geschnieben statt geschneit vor. Umgekehrt gelten manche regelmäßige Präsensformen als umgangssprachlich, zum Beispiel er haltet oder er ladet statt er hält oder er lädt.

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