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Deutsche Grammatik
Ebenfalls kann in einzelnen Fällen mit der Endung -ig aus einem Adverb ein Adjektiv abgeleitet werden: allein – alleinig, ehemals – ehemalig. Abgeleitete …
Inhalt6 Abschnitte
Gegenstand und Zugänge
Die deutsche Grammatik beschreibt die Struktur der hochdeutschen Standardsprache, nicht die Dialekte des (Hoch-)Deutschen oder Nieder- bzw. Plattdeutsch. Sie behandelt vor allem Wortarten, Wortbildung, Wortformen und Satzbau. Hochdeutsch ist eine kontinentalwestgermanische Sprache; besonders kennzeichnend sind komplexe Regeln der Wortstellung und der Unterschied zwischen Haupt- und Nebensätzen. Deutsch ist eine seltene Verbzweit-Sprache: Im Aussagesatz steht das finite, also nach Person, Tempus und Modus gebeugte Verb gewöhnlich an zweiter Stelle.
Grammatik umfasst mindestens Phonologie, Morphologie (Formenlehre und Wortbildung) und Syntax. Rechtschreibung und Zeichensetzung können auf Grammatik beruhen, sind aber veränderbare Konventionen und gehören nicht unmittelbar dazu.
Grammatiken können synchronisch das gegenwärtige Sprachsystem oder historisch dessen Entwicklung beschreiben. Normative Grammatiken lehren eine verbindliche Standardform; deskriptive Grammatiken dokumentieren, wie kompetente Muttersprachler systematisch sprechen. Das Deutsche ist plurizentrisch: Auch die Standardsprache hat regionale Varianten. Wissenschaftliche Grammatiken streben Systematik und Widerspruchsfreiheit an; Gebrauchs- und didaktische Grammatiken richten Regeln stärker an Lernzielen und kommunikativen Fähigkeiten aus.
Wortarten und Wortbildung
Zu den wichtigsten offenen, also regelmäßig erweiterbaren und flektierbaren Wortarten gehören Substantiv, Verb und Adjektiv. Substantive werden nach Kasus und Numerus flektiert, Adjektive nach Kasus, Numerus, Genus sowie stark/schwach, Verben nach Tempus, Modus und der Kongruenz mit dem Subjekt. Artikel und Pronomina sind in ihrer Abgrenzung umstritten. Artikel leiten Substantivgruppen ein und stimmen mit ihnen in ihren Flexionsmerkmalen überein. Pronomina können etwa Personal-, Possessiv-, Relativ-, Reflexiv- oder Demonstrativpronomen sein.
Unflektierbare Wortarten sind unter anderem Adverbien, Präpositionen und Konjunktionen. Präpositionen verbinden sich mit genau einer Ergänzung, meist einer Substantivgruppe, und weisen ihr einen Kasus zu. Nebenordnende Konjunktionen verbinden gleichartige Satzteile, unterordnende Konjunktionen leiten Nebensätze ein. Partikeln und Interjektionen bilden keine Wortformen; Partikeln sind im Unterschied zu Adverbien nicht vorfeldfähig.
Derivation bedeutet, aus einem Stamm mit einem Affix ein neues Wort zu bilden: frei → Freiheit, Freiheit → freiheitlich, trennen → Trennung, Computer → computerisieren, machen → machbar. Adverbien können beispielsweise mit -weise entstehen: Glücklicherweise, Ungeschickterweise. Charakteristisch sind auch Verbpräfixe und Verbpartikeln. Partikeln sind abtrennbar: umsteigen – Wir steigen um. Präfixe sind nicht abtrennbar: umfahren – Wir umfahren den Stau. Sie können unter anderem die Transitivität verändern: arbeiten ist intransitiv, etwas bearbeiten transitiv.
Komposition verbindet vollständige Wortstämme. Das rechte Glied bestimmt die Merkmale des Kompositums, es ist dessen Kopf: Sonnenbrille (N + N), Rotwein (A + N), Rührgerät (V + N), seekrank (N + A). Die deutsche Rechtschreibung schreibt Komposita zusammen.
Deklination von Nomen, Artikeln und Adjektiven
Deklination ist die Flexion von Substantiven, Adjektiven, Pronomina und Artikeln. Entscheidend sind Numerus, Kasus und Genus; Adjektive haben zusätzlich stark, gemischt oder schwach als variables Merkmal. Deutsch besitzt Singular und Plural sowie drei Genera: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Im Plural entfällt die Genusunterscheidung.
Der Plural kann durch Suffix, Umlaut, beides oder gar keine Veränderung entstehen: Rohr – Rohre, Mutter – Mütter, Baum – Bäume, Lehrer – Lehrer. Für etwa 70 % der Substantive gelten Grundregeln: Maskulina und Neutra erhalten oft -e, Feminina -(e)n, viele Eigennamen, Abkürzungen und Fremdwörter -s. Es gibt Ausnahmen und teils mehrere Pluralformen mit unterschiedlicher Bedeutung, etwa Worte und Wörter. Genus und natürliches Geschlecht müssen nicht übereinstimmen, zum Beispiel das Mädchen. Wortendungen geben nur Regelmäßigkeiten, keine sicheren Regeln an; -heit, -keit, -schaft und -ung sind beispielsweise typisch feminin, -chen und -lein stets neutrum.
Die vier Kasus sind Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Besonders deutlich markiert sind häufig der Genitiv Singular von Maskulina und Neutra mit -(e)s sowie der Dativ Plural mit -n. Stark deklinierte Substantive haben Genitiv -(e)s und/oder Umlaut im Plural; schwach deklinierte tragen besonders häufig -(e)n. Mischformen verbinden starken Singular und schwachen Plural, etwa Staat – des Staates – Staaten.
Bestimmter Artikel ist der/die/das, unbestimmter Artikel ein/eine/ein. Sie zeigen Kasus, Numerus und Genus oft deutlicher als das Substantiv: der – des – dem – den; ein – eines – einem – einen im Maskulinum Singular. Der unbestimmte Artikel hat keine Pluralform.
Attribute Adjektive stimmen mit ihrem Substantiv in Kasus, Genus und Numerus überein. Ohne Artikel steht starke Deklination: schwarzer Kaffee. Nach bestimmtem Artikel steht schwache Deklination: der große Felsen. Nach unbestimmtem Artikel oder Possessivpronomen steht gemischte Deklination: mein neues Fahrrad. Adjektive können Positiv, Komparativ und Superlativ bilden: schön – schöner – der schönste; unregelmäßig etwa gut – besser – am besten. Der unflektierte prädikative oder adverbielle Superlativ lautet mit am: Er singt am schönsten.
Verben, Tempus, Passiv und Modus
Verbformen sind finit oder infinit. Finite Formen markieren Tempus, Modus und Person, etwa gingst = 2. Person Singular, Indikativ, Präteritum. Infinite Formen markieren diese Merkmale nicht. Morphologisch besitzt Deutsch nur Präsens und Präteritum. Schwache Verben bilden das Präteritum mit -(e)te, starke und unregelmäßige Verben durch Stammveränderung, etwa finden – fand. Typische Präsensendungen sind -e, -(e)st, -t, -(e)n, -(e)t, -(e)n. In der 1. und 3. Person Plural sind die Formen stets identisch.
Partizip I entsteht mit -end und verhält sich als Adjektiv: der die Touristen begleitende Führer. Das Partizip II hat meist -t oder -en, oft zusätzlich ge-. Es kann adjektivisch sein, etwa das geputzte Bad, oder als Bestandteil von Hilfsverbkonstruktionen auftreten. Der einfache Infinitiv endet auf -(e)n; der zu-Infinitiv ist eine weitere Form. In Hilfsverbkonstruktionen wird das Partizip II als „3. Status des Infinitivs“ beschrieben.
Perfekt und Plusquamperfekt bestehen aus haben oder sein und Partizip II: ich habe gesucht, ich hatte gesucht; er ist gefahren, er war gefahren. Sein erscheint bei einer bestimmten Gruppe intransitiver Verben und bei einigen Bewegungsverben. Futur I lautet werden + Infinitiv, etwa ich werde spielen. Futur II lautet werden + Partizip II + haben/sein im Infinitiv, etwa ich werde gefahren sein.
Aktiv stellt den Täter in den Vordergrund; Passiv ist täterabgewandt. Das Vorgangspassiv wird meist mit werden gebildet: Ich werde gesehen. Das Zustandspassiv bezeichnet meist ein Ergebnis: Die Tür ist geöffnet. Das Rezipientenpassiv verwendet bekommen, umgangssprachlich auch kriegen: Er bekommt das Buch weggenommen.
Die Modi sind Indikativ, Imperativ und Konjunktiv. Der Imperativ lautet zum Beispiel Lern! oder Lernt!; bei starken Verben entfällt im Singular der Vokalwechsel: du läufst – Lauf! Konjunktiv I wird vom Infinitivstamm gebildet und dient besonders der indirekten Rede: er komme, er sei gekommen. Konjunktiv II wird vom Präteritum abgeleitet und drückt Unwirkliches, Bedingtes oder Spekulatives aus: ich käme, ich wäre gekommen. Wenn Konjunktivformen mit dem Indikativ gleich klingen, wird oft die Würde-Form verwendet: ich würde kommen. Ihr sprachwissenschaftlicher Status ist umstritten.
Kasus und Wortstellung im Satz
Kasus können von Verben, Präpositionen, Adjektiven und Nomina regiert werden. Präpositionen verlangen beispielsweise Genitiv, Dativ oder Akkusativ: trotz des schlechten Wetters, mit dem Regenschirm, für den Nachbarn. Bei in, an, unter, hinter und ähnlichen Präpositionen steht Dativ für Ort und Akkusativ für Richtung: in diesem Haus, aber in dieses Haus. Nur ein Nominativsatzglied ist im Deutschen Subjekt und löst die Kongruenz der finiten Verbform aus.
Die vom Verb verlangten Ergänzungen heißen seine Valenz; sie entsprechen den Mitspielern der beschriebenen Szene und bilden den Satzbauplan. Kasus und semantische Rolle legen die Stellung der Satzglieder jedoch nur begrenzt fest.
Im Hauptsatz steht das finite Verb typischerweise in der linken Klammer, andere Prädikatsteile in der rechten Klammer: Das Fenster ist leider nicht zugemacht worden. Vor dem finiten Verb liegt das Vorfeld; es kann nur einen Satzteil enthalten, etwa Leider ist das Fenster nicht zugemacht worden. W-Fragen haben das Fragewort im Vorfeld: Wem hast du den Brief gegeben? Ja/Nein-Fragen und Imperative haben Verb-Erst-Stellung: Hat jemand meine Brille gesehen? Nimm die Ente aus der Badewanne!
Nebensätze werden häufig durch unterordnende Konjunktionen wie dass, falls, ob oder obwohl eingeleitet; alle Verben stehen dann am Ende: dass er leider die Fenster offengelassen hat. Relativ- und Fragepronomen stehen im Vorfeld eines Nebensatzes: was er nun wieder vergessen hat. Auch uneingeleitete Verbzweit- oder Verberst-Nebensätze kommen vor. Bestimmte zu-Infinitivkonstruktionen haben den Status von Nebensätzen: Er vergaß, im Obergeschoss die Fenster zu schließen; Er ging zurück, um schnell die Fenster zu schließen.
Im Mittelfeld, also zwischen linker und rechter Klammer, ist die Reihenfolge relativ frei. Sie hängt stark von Informationsstruktur ab: Bekannte Information steht oft vor neuer, unbetonte Pronomina vor vollen Substantivgruppen und definite vor indefiniten Substantivgruppen. Eine oft neutrale Reihenfolge ist Subjekt – Dativobjekt – Akkusativobjekt – Richtungsadverbial, doch manche Verben begünstigen andere Reihenfolgen.
Phrasen und komplexe Sätze
Das Prädikat enthält immer ein Verb, im Hauptsatz ein finites Verb. Es kann aus mehreren Verben oder auch festen Verbindungen bestehen, etwa Rechnung tragen oder Rücksicht nehmen. Bei Kopulaverben kann ein Adjektiv oder eine Adjektivgruppe dazugehören, etwa mit dem Ergebnis zufrieden sein. Mehrteilige Prädikate und eigenständige Infinitivnebensätze müssen unterschieden werden: dass er die Fenster zu schließen versprochen hat kann ein mehrteiliges Prädikat enthalten; in dass er die Fenster zu schließen ja doch versprochen hat ist die Infinitivgruppe ein Objekt.
Bei Verbendstellung steht der abhängige Infinitiv direkt vor dem regierenden Verb: dass der Hund schlafen will; dass der Hund zu schlafen scheint; dass der Hund geschlafen hat. Bei längeren Verbkomplexen kann das hierarchisch höchste Verb im Oberfeld stehen: dass das Kind nicht schlafen wollen wird oder dass er sie nicht hat fragen können. Beim Perfekt mit Modalverb erscheint dabei der Ersatzinfinitiv, nicht etwa gekonnt.
Attribute ergänzen ein Nomen und bilden mit ihm ein Satzglied. Dazu zählen Adjektivattribute, Genitivattribute, präpositionale Attribute, Relativsätze und Appositionen. Eine Nominalphrase hat ein Nomen als Kopf, eine Adjektivphrase ein Adjektiv und eine Präpositionalphrase eine Präposition.
Eine Hauptsatzreihe verbindet gleichwertige, selbstständig mögliche Hauptsätze; dies heißt Nebenordnung oder Parataxe. Ein Satzgefüge besteht aus mindestens einem Hauptsatz und einem oder mehreren Nebensätzen. Sind Nebensätze dem Hauptsatz direkt untergeordnet, heißt dies Hypotaxe; der Nebensatz ist dann ein Gliedsatz.
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