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Indikativ
Der Indikativ ist die unmarkierte, also neutrale oder merkmallose Ausprägung des Modus, wogegen für das Erscheinen von Konjunktiv und Imperativ spezielle …
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Grundbedeutung
Der Indikativ ist im Deutschen neben Imperativ und Konjunktiv einer der drei grammatischen Modi des Verbs. Ein Modus ist eine grammatische Form, mit der ein Verb unter anderem als Aussage, Aufforderung oder hypothetische Möglichkeit eingeordnet werden kann. Der Indikativ wird traditionell auch „Wirklichkeitsform“ genannt.
Wichtig ist aber: Der Indikativ bedeutet nicht automatisch, dass etwas wirklich ist. Er ist die unmarkierte, neutrale oder merkmallose Form des Modus. Das heißt: Für den Indikativ braucht es keine besondere Bedingung oder Sonderbedeutung. Konjunktiv und Imperativ erscheinen dagegen unter spezielleren Bedingungen. Deshalb ist der Indikativ auch die häufigste Modusform.
Wirklichkeit und Möglichkeit
Die traditionelle Gegenüberstellung lautet: Indikativ als „Wirklichkeitsform“ und Konjunktiv als „Möglichkeitsform“. Diese Bezeichnungen darf man nicht wörtlich verstehen. Der Konjunktiv bedeutet nicht einfach „möglich“, und der Indikativ bedeutet nicht einfach „wirklich“.
Auch Aussagen über Möglichkeiten können grammatisch im Indikativ stehen. Beispiel: „Ich kann dir Geld leihen.“ Das Modalverb „können“ steht hier im Indikativ, obwohl der Satz eine Möglichkeit ausdrückt. Der Vergleichssatz „Ich könnte dir Geld leihen“ steht im Konjunktiv. Beide Sätze handeln von einer Möglichkeit; der Unterschied liegt darin, wie naheliegend oder fernliegend diese Möglichkeit dargestellt wird.
Weitere Beispiele zeigen, dass Möglichkeit nicht zwingend durch den Verbmodus ausgedrückt wird: In „Falls er einen Job findet, werde ich mein Geld sicherlich zurückbekommen“ steht „findet“ im Indikativ, obwohl der Bedingungssatz hypothetisch ist. In „Vielleicht leiht ihm noch jemand was“ zeigt das Adverb „vielleicht“ die Möglichkeit an. In „Niemand läuft von Andechs nach Aufhausen in 10 Minuten“ wird ausgedrückt, dass dies für niemanden möglich ist, ohne dass eine besondere modale Form sichtbar wäre.
Abgrenzung zum Konjunktiv
Der entscheidende Unterschied ist: Der Konjunktiv ist eine markierte Form für Nicht-Reales oder Hypothetisches. Er kann sich nicht einfach auf wirkliche Sachverhalte beziehen. Im Beispiel „Es hat nicht geregnet. Das Wasser wäre wieder gestiegen“ beschreibt der zweite Satz mit „wäre“ keinen wirklichen Ablauf, sondern einen hypothetischen Fall.
Daraus folgt: Der Indikativ bezeichnet nicht grundsätzlich Wirklichkeit. Wenn man aber über Wirkliches spricht, bleibt im Deutschen keine andere Form als der Indikativ. Er ist also neutral, während der Konjunktiv besonders für nicht-reale oder hypothetische Zusammenhänge markiert ist.
Aussage und Aufforderung
Auch gegenüber dem Imperativ ist der Indikativ neutral. Der Imperativ ist der Modus der Aufforderung, kann also nur Aufforderungen ausdrücken. Der Indikativ kann dagegen auch in Aufforderungen vorkommen.
Ein wichtiger Fall ist der Adhortativ. Damit ist eine Aufforderung an eine Gruppe gemeint, zu der der Sprecher selbst gehört, etwa im Sinn von „wir sollen ...“. Einen eigenen Imperativ der 1. Person Plural gibt es nicht. Möglich ist nur der Imperativ von „lassen“, zum Beispiel: „Lass / Lasst uns eine Pizza essen gehen.“
Standardsprachlich kann der Adhortativ sonst mit dem Konjunktiv I gebildet werden. In der Umgangssprache kann aber auch der Indikativ diese Funktion übernehmen. Beispiele sind: „Seien / Sind wir doch mal ehrlich!“ und „Versuchen wir es doch später nochmal!“ Beim ersten Beispiel sind je nach Stilebene beide Varianten möglich. Beim zweiten Beispiel sind Konjunktiv I und Indikativ äußerlich nicht unterscheidbar. Nur beim Verb „sein“ zeigt sich ein sichtbarer Unterschied zwischen den Formen.
Vergleich mit anderen Sprachen
Als neutraler Modus kann der Indikativ mit allen anderen grammatischen Kategorien des Verbs kombiniert werden, zum Beispiel mit Aktiv und Passiv sowie mit Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Der Konjunktiv ist demgegenüber oft stärker eingeschränkt. Im Lateinischen fehlt zum Beispiel die Unterscheidung zwischen Indikativ und Konjunktiv im Futur; Futurformen zählen dort daher als Indikativ.
Sprachen unterscheiden sich darin, welche Modus-Gegensätze sie haben. Statt des Gegensatzes Indikativ/Konjunktiv gibt es zum Beispiel in den romanischen Sprachen ein System mit Indikativ, Subjunktiv und Konditionalis. In Sprachen, die einen Modus „Irrealis“ haben, wird der gegenüberstehende indikativische Modus meist „Realis“ genannt.
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