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Wortstellung
Die Wortstellung (auch Satzstellung, Topologie, Satzgliedfolge, Wortfolge) ist die Anordnung der Wörter bzw. Satzglieder innerhalb eines Satzes, …
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Grundbegriff und Bedeutung
Wortstellung, auch Satzstellung, Topologie, Satzgliedfolge oder Wortfolge genannt, bezeichnet die Anordnung der Wörter beziehungsweise Satzglieder innerhalb eines Satzes. Besonders wichtig ist die Reihenfolge von Subjekt, Objekt und finiter Verbform. Die finite Verbform ist der Teil des Prädikats, der grammatische Merkmale wie Person und Zeit trägt.
Welche Anordnung möglich oder üblich ist, wird durch die grammatischen Regeln der jeweiligen Einzelsprache bestimmt. Die meisten Sprachen kennen neben einer gewöhnlichen Grundreihenfolge auch Regeln, mit denen diese Reihenfolge verändert werden kann. Wortstellungsregeln werden meist anhand grammatischer Funktionen wie Subjekt und Objekt beschrieben.
Für die syntaktische Typologie, also die vergleichende Einteilung von Sprachen nach ihren Satzbau-Mustern, werden Subjekt (S), Objekt (O) und finite Verbform (V) als Hauptbestandteile betrachtet. Die Grundwortstellung ist ihre gewöhnliche Reihenfolge in einem einfachen Aussagesatz, der nur diese drei Bestandteile enthält. In „Peter schreibt Romane“ steht Peter für das Subjekt, schreibt für das Verb und Romane für das Objekt.
Die sechs Grundwortstellungstypen
Nach den Regeln der Kombinatorik gibt es für drei Bestandteile insgesamt sechs mögliche Reihenfolgen. Diese werden mit den Abkürzungen S, O und V bezeichnet:
- SVO: Subjekt – Verb – Objekt, zum Beispiel „Peter schreibt Romane.“ Dieser Typ kommt unter anderem im Englischen, Französischen, Spanischen, Swahili und in ASL vor.
- SOV: Subjekt – Objekt – Verb, zum Beispiel „Peter Romane schreibt.“ Beispiele sind Japanisch, Koreanisch, Türkisch, Persisch, Baskisch, Kurmandschi und DGS.
- OVS: Objekt – Verb – Subjekt, zum Beispiel „Romane schreibt Peter.“ Dieser Typ ist unter anderem für Apalai, Bacairi, Guarijio und Hixkaryána angegeben.
- OSV: Objekt – Subjekt – Verb, zum Beispiel „Romane Peter schreibt.“ Beispiele sind Warao und Xavante.
- VSO: Verb – Subjekt – Objekt, zum Beispiel „Schreibt Peter Romane.“ Dieser Typ kommt bei inselkeltischen Sprachen, im Hawaiischen und im Klassischen Arabischen vor.
- VOS: Verb – Objekt – Subjekt, zum Beispiel „Schreibt Romane Peter.“ Beispiele sind Fidschi, Malagasy und Javanisch.
In natürlichen Sprachen sind Varianten, bei denen das Subjekt vor dem Objekt steht, zahlreicher. Dennoch kommen alle sechs möglichen Reihenfolgen vor.
Für das Deutsche ergibt sich SVO, wenn man die häufigste Reihenfolge in Sätzen mit Subjekt, Objekt und einem Verb als Kriterium verwendet. Nach einer strukturellen Beschreibung wird Deutsch dagegen als Sprache mit Verbzweitstellung klassifiziert. Damit hängt die Einordnung davon ab, welches Kriterium für „Grundwortstellung“ verwendet wird.
Grenzen der klassischen Einteilung
Die auf Joseph Greenberg zurückgehende Wortstellungstypologie wurde mehrfach kritisiert. Ein grundlegendes Problem besteht darin, dass Subjekt, Verb oder Objekt in manchen Sprachen schwer zu bestimmen sind oder wegfallen können. Das ist beispielsweise bei Pro-Drop-Sprachen der Fall, in denen bestimmte Satzbestandteile, besonders Pronomen, nicht ausdrücklich genannt werden müssen.
Außerdem können sich die möglichen Wortstellungsmuster danach richten, welche Art von Funktionsträger vorliegt. Im Haida hängt die Grundwortstellung beispielsweise von semantischen Eigenschaften der verbalen Argumente ab, etwa davon, ob sie belebt sind.
Bei einigen Sprachen lässt sich keine eindeutige Grundwortstellung feststellen, weil Subjekt, Objekt und Verb weitgehend frei angeordnet werden können. Beispiele sind das Vedische und die australische Sprache Warlpiri. Bei anderen Sprachen ist zumindest unklar, ob die Abfolge Verb–Objekt oder Objekt–Verb grundlegender ist; als Beispiel wird Russisch genannt.
Auch verschiedene linguistische Theorien verwenden den Ausdruck „Grundwortstellung“ nicht unbedingt im gleichen Sinn. In der Sprachtypologie wird der S/V/O-Typ häufig anhand der Häufigkeit der sichtbaren, also oberflächennahen Reihenfolge bestimmt. In abstrakteren Syntaxtheorien kann dagegen eine andere Basisabfolge angenommen werden.
In der generativen Grammatiktheorie nach Chomsky wird davon ausgegangen, dass es mehrere Ebenen syntaktischer Darstellung gibt. Klassischerweise wird eine Tiefenstruktur durch Operationen wie Transformationen oder Bewegung, in minimalistischen Theorien „move α“ genannt, in eine oberflächlich realisierte Form überführt. Deshalb müssen typologische Grundwortstellungen nicht mit den Basisabfolgen übereinstimmen. Für das Deutsche führt die häufigkeitsbasierte, oberflächennahe Betrachtung in manchen Arbeiten zu SVO; als systematische Grundlage grammatischer Ableitungen wird dagegen SOV angenommen.
Veränderungen der Wortstellung
Sprachen erlauben neben der Grundwortstellung in unterschiedlichem Ausmaß Abwandlungen. Im Englischen ist SVO die Normalstellung. Dennoch kann das Objekt durch Voranstellung, auch Topikalisierung genannt, an den Satzanfang gesetzt werden. Dadurch entsteht an der Oberfläche eine OSV-Reihenfolge, etwa in „This part I omitted“ beziehungsweise „Diesen Teil habe ich weggelassen“.
Eine besonders große Variierbarkeit ist häufig bei Sprachen des SOV-Typs zu beobachten, zum Beispiel im Persischen, Hindi, Japanischen und in Turksprachen. Ihre Wortstellungsregeln orientieren sich nicht ausschließlich an grammatischen Funktionen wie Subjekt und Objekt. Sie können auch von Bedeutungsfaktoren abhängen, etwa von semantischen Rollen. Semantische Rollen beschreiben die Bedeutung, die ein Satzbestandteil im Geschehen hat, beispielsweise als Handelnder oder Betroffener.
Häufig spielt außerdem die Informationsstruktur eine Rolle. Sie betrifft die Gliederung in bekannte und neue Information sowie die Thema-Rhema-Gliederung: Das Thema ist, worüber gesprochen wird, während das Rhema die dazu mitgeteilte neue Information umfasst. Auch im Deutschen beeinflussen solche Faktoren die Wortstellung, insbesondere im sogenannten Mittelfeld des Satzes.
Die Grundwortstellung ist daher ein nützliches Vergleichsmittel, beschreibt aber nicht alle tatsächlich möglichen Satzmuster einer Sprache.