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Syntax

Die Syntax behandelt Sätze nicht nur als eine Aneinanderreihung von Wörtern, sondern arbeitet eine zugrundeliegende Satzstruktur heraus, die neben der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Gegenstand
  2. 2. Syntax innerhalb der Sprachwissenschaft
  3. 3. Bausteine, Funktionen und Tests
  4. 4. Wichtige Modelle der Satzsyntax
  5. 5. Syntax formaler Sprachen

Begriff und Gegenstand

Syntax ist allgemein ein Regelsystem, mit dem elementare Zeichen zu zusammengesetzten Zeichen kombiniert werden. Sie betrifft natürliche ebenso wie künstliche Zeichensysteme. Ihre Zusammenfügungsregeln stehen den Interpretationsregeln der Semantik gegenüber: Syntax regelt vor allem, wie Zeichen zusammengesetzt werden, Semantik ihre Bedeutung.

In natürlichen Sprachen heißt Syntax auch Satzlehre oder Satzbau. Sie ist ein Teilgebiet der Grammatik und untersucht Strukturen oberhalb des einzelnen Wortes, insbesondere Wortgefüge, Satzglieder und Sätze. Ein Satz ist dabei nicht bloß eine Reihe von Wörtern. Die Syntax beschreibt seine zugrundeliegende Struktur: die Reihenfolge, die Einbettung und Hierarchie von Satzteilen sowie die Verwaltung grammatischer Merkmale. Satzstrukturen können entweder durch das Zusammensetzen kleiner Einheiten oder durch das Zerlegen größerer Einheiten untersucht werden.

Syntax innerhalb der Sprachwissenschaft

Die Syntax ist ein Bereich der Linguistik. Zu den weiteren wichtigen Bereichen der theoretischen Linguistik gehören die Semantik, welche Wort- und Satzbedeutungen untersucht, die Morphologie für die innere Wortstruktur und die Phonologie für Laute, Lautfolgen, Rhythmus- und Intonationseinheiten. Die Textlinguistik befasst sich dagegen mit sprachlichen Phänomenen oberhalb des Satzes, also mit Texten. Psycholinguistik, Computerlinguistik und Soziolinguistik werden als Gebiete der angewandten Linguistik genannt.

Für die Abgrenzung von Morphologie und Syntax ist das Wort zentral. Morphologie zerlegt Wörter in minimale Sprachzeichen, Morpheme. Die Wortform „befragst“ besteht zum Beispiel aus dem Wortstamm „frag“, dem Präfix „be“ und dem Flexionsaffix „-st“. In den meisten Modellen beginnt Syntax bei der Kombination ganzer Wörter zu Phrasen sowie einfachen und komplexen Sätzen: „das kleine Kind“, „Das kleine Kind weint“ und „Das kleine Kind weint, weil es Hunger hat“. Manche Modelle lassen jedoch auch Wortteile als syntaktische Einheiten zu.

Die Grenzen sind fließend. So untersucht die Morphologie Kasusflexion wie Nominativ und Akkusativ, während die Festlegung des Kasus von Satzstellung und Satzbedeutung abhängt. Einige Ansätze sprechen deshalb zusätzlich von Wortsyntax oder Wort-Syntax. Besonders generative Ansätze wie die von Elizabeth Selkirk analysieren kombinatorische Regeln innerhalb von Wörtern und verwenden dafür, ähnlich wie bei Sätzen, Baumdiagramme.

„Grammatik“ kann im Alltag Formenlehre und Satzbau oder ein Regel-Lehrwerk meinen. Fachsprachlich bezeichnet sie umfassender das System des inneren Aufbaus sprachlicher Einheiten in Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik, das Wissen der Sprecher darüber sowie die wissenschaftliche Theorie dazu. Syntax ist stets Teil der Grammatik; in neuerer Grammatiktheorie steht die Syntaxtheorie besonders im Vordergrund.

Bausteine, Funktionen und Tests

Syntaktische Analysen bestimmen zunächst Wortarten, etwa Substantiv, Verb und Adjektiv. Sätze werden dann in Konstituenten zerlegt, also Satzbestandteile, die jeweils eine Einheit bilden. Solche Einheiten können Phrasen sein, beispielsweise eine Nominalphrase oder Verbalphrase. Außerdem untersucht die Syntax die Funktion von Konstituenten: Subjekt, Prädikat, Objekt, Adverbial und Attribut.

Um Konstituenten zu erkennen und einzuordnen, gibt es Tests. Beim Permutationstest wird geprüft, ob ein Bestandteil im Satz als Einheit umgestellt werden kann. Der Substitutionstest ersetzt ihn als Einheit, zum Beispiel durch ein Pronomen. Der Eliminierungstest prüft, ob er vollständig weggelassen werden kann. Beim Koordinationstest können Konstituenten durch ein koordinierendes Element wie „und“ verbunden werden.

Auch Satztypen werden klassifiziert. Nach ihrer Bedeutung unterscheidet man etwa Aussagesätze oder Deklarativsätze, Fragesätze oder Interrogativsätze, Aufforderungssätze oder Imperativsätze und Ausrufesätze oder Exklamativsätze. Nebensätze lassen sich semantisch einteilen, zum Beispiel als Kausalsatz oder Temporalsatz, oder nach ihrem formalen Aufbau, zum Beispiel als Relativsatz oder Konjunktionalsatz.

Wichtige Modelle der Satzsyntax

In der allgemeinen Linguistik bestehen verschiedene konkurrierende Syntaxmodelle und Schulen; jedes Modell hat Stärken und Schwächen. Die generative Grammatik beschreibt natürliche Sprachen mit hypothetischen universellen, angeborenen Formprinzipien. Ihr wichtigster Vertreter ist Noam Chomsky. Zu den daraus hervorgegangenen Modellen und Programmen zählen die Rektions- und Bindungstheorie, das Minimalistische Programm und die Head-driven Phrase Structure Grammar von Carl Pollard und Ivan Sag.

Die Funktionale Syntax oder Funktionale Grammatik erklärt Satzbau vom kommunikativen Zweck her. Wichtige Begriffe sind die Thema-Rhema-Gliederung und Relationen zwischen Figur und Grund. Die Optimalitätstheorie erklärt grammatikalische Realisierungen einzelner Sprachen über sprachspezifische Rangfolgen universeller Beschränkungen und behandelt neben Syntax auch Phonologie.

Die Dependenzgrammatik beschreibt Sätze als Hierarchien von Abhängigkeitsbeziehungen zwischen Wörtern; diese Struktur heißt Dependenzstruktur. Das Stellungsfeldermodell geht auf Erich Drach zurück und wird in vielen Grammatiken des Deutschen verwendet, darunter der Dudengrammatik. Phrasenstrukturgrammatiken stellen Teil-Ganzes-Beziehungen von Konstituenten in einem Strukturbaum dar. Die Dependenzgrammatik verwendet dagegen ein Stemma oder Baumdiagramm, das Abhängigkeiten zwischen Wörtern zeigt.

Syntax formaler Sprachen

Die Syntax formaler Sprachen ist ein Teilgebiet von Logik, Mathematik und Informatik. Sie legt Regeln fest, nach denen aus einem grundlegenden Zeichenvorrat, dem Alphabet, wohlgeformte oder syntaktisch korrekte Ausdrücke entstehen: etwa Formeln, Programmtexte oder Texte in Kalkülen. Die Regeln können als Herleitungsregeln einer formalen Grammatik oder in natürlicher Sprache formuliert sein.

Bei der bloßen Wohlgeformtheit kann man von der Bedeutung der Zeichen absehen. Wird eine Semantik für wohlgeformte Ausdrücke definiert, geschieht dies meist induktiv anhand derselben Regeln: Die Bedeutung eines komplexen Ausdrucks ergibt sich aus den Bedeutungen seiner Bestandteile und der Zusammensetzungsregel. Dies ist das Frege-Prinzip. In Programmiersprachen kann die formale Grammatik etwa Operatorprioritäten festlegen: „a+b*c“ wird nach den syntaktischen Regeln nur als Summe, nicht als Produkt gelesen. Für die reine Wohlgeformtheit wäre diese Unterscheidung nicht entscheidend.

Algol 60 war die erste Programmiersprache mit einer formalen Syntaxbeschreibung in Backus-Naur-Form (BNF). BNF-Versionen und -Erweiterungen sowie Syntaxdiagramme sind für Programmiersprachen verbreitet, auch weil sich unter bestimmten Voraussetzungen Parser, also Analyseprogramme, automatisch aus den Regeln erzeugen lassen. Als Syntax einer Programmiersprache gelten daher oft nur Regeln, die sich durch kontextfreie Grammatiken ausdrücken lassen. Die Pflicht, verwendete Namen zu deklarieren, gehört beispielsweise nicht dazu.

XML besitzt eine allgemeine Syntax für alle Dokumente, die je nach Anwendungsbereich durch zusätzliche Syntaxregeln eingeschränkt wird. Die Übereinstimmung mit der allgemeinen Syntax heißt Wohlgeformtheit; die Übereinstimmung zusätzlich mit den weiteren Regeln heißt Validität.

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