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Wortart

Aber bereits Wortarten wie Adjektiv (Eigenschaftswort) oder Präposition (Verhältniswort) werden nicht für alle Sprachen angesetzt bzw. sind nicht in allen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Kriterien der Einteilung
  3. 3. Flektierbarkeit und Klassenumfang
  4. 4. Unterschiedliche Wortartensysteme
  5. 5. Entwicklung und Kritik
  6. 6. Wortarten im Sprachvergleich

Begriff und Bedeutung

Eine Wortart, auch Redeteil oder lexikalische Kategorie, ist eine Klasse von Wörtern einer bestimmten Sprache, die gemeinsame Merkmale besitzen. Entscheidend sind lexikalische Merkmale, die fest mit einem Wort verbunden sind. Davon zu unterscheiden ist die grammatische Funktion, die ein Ausdruck erst in einem konkreten Satz übernimmt, etwa Subjekt, Objekt, Adverbial oder Attribut.

Das Wort „oben“ gehört beispielsweise zur Wortart Adverb. Im Satz kann es jedoch unterschiedliche Funktionen erfüllen: In „Oben wohnen jetzt Müllers“ ist es eine Ortsangabe beziehungsweise ein Lokaladverbial; in „die Wohnung oben“ ist es ein Attribut zum Substantiv.

Wortarten sind für Schulgrammatik, wissenschaftliche Grammatik und Grammatiktheorie grundlegend. Sie erfassen oder erklären, welche Eigenschaften Wörter und größere Einheiten, sogenannte Phrasen, im Satz haben können. Auch die Flexion, also die Veränderung von Wortformen, ist besonders in europäischen Sprachen an Wortarten gebunden, etwa als Konjugation der Verben oder Deklination der Substantive. In der Computerlinguistik werden Wörter eines Textes automatisch Wortarten zugeordnet; dieses Verfahren heißt Part-of-speech-Tagging.

Kriterien der Einteilung

Wortarten werden gewöhnlich anhand mehrerer Arten von Merkmalen bestimmt:

• Semantische Kriterien betreffen die Bedeutung eines Wortes.

• Morphologische Kriterien betreffen seine Formenbildung, insbesondere die Flexion.

• Syntaktische Kriterien betreffen die möglichen Verwendungen und Positionen eines Wortes im Satz.

In der Regel reicht ein einzelnes Kriterium nicht aus. Deutsche Adjektive können beispielsweise zwischen Artikel und Substantiv stehen, zeigen dort Flexionsformen und bezeichnen typischerweise eine Eigenschaft. Deutsche Verben werden konjugiert, besitzen also unter anderem verschiedene Zeit- und Personalformen. Sie verlangen bestimmte Ergänzungen wie Subjekt oder Objekt und bezeichnen typischerweise Ereignisse oder Zustände.

Die Einteilung bleibt dennoch umstritten. Es ist nicht eindeutig festgelegt, welche Unterschiede zwischen Wörtern für die Abgrenzung entscheidend sind und welchem Zweck die Klassifikation dienen soll. Außerdem müssen sehr viele Wörter in eine kleine Zahl von Klassen eingeordnet werden. Besonders bei uneindeutigen Fällen, kleinen Restklassen und einzelnen Wörtern, die sich keiner Gruppe klar zuordnen lassen, unterscheiden sich Wortartensysteme voneinander.

Flektierbarkeit und Klassenumfang

Für das Deutsche ist die Flektierbarkeit ein wichtiges Einteilungskriterium. Flexion oder Beugung erscheint hier in zwei Hauptformen: Deklination und Konjugation. Zu den flektierbaren Wortarten gehören Substantiv, Adjektiv, Artikel, Pronomen und Verb. Vor allem Adverb, Konjunktion und Präposition sind nicht flektierbar.

Daneben unterscheidet die Sprachwissenschaft offene und geschlossene Wortarten. Eine offene Klasse kann durch produktive Verfahren wie Wortbildung oder Entlehnung jederzeit erweitert werden und besitzt entsprechend viele Mitglieder. Sie wird auch lexikalische Klasse genannt. Vor allem Substantive und Verben gehören zu den offenen Klassen; je nach Sprache gilt dies auch für Adjektive und Adverbien. Im Deutschen sind zumindest die Adjektive eine offene Klasse.

Eine geschlossene Klasse lässt sich nicht regelhaft erweitern, sondern nur durch einzelne, nicht zuverlässig voraussagbare Prozesse wie die Grammatikalisierung. Ihre Mitglieder sind meist Funktionswörter, die überwiegend grammatische statt inhaltliche Aufgaben erfüllen. Solche Klassen sind relativ klein. Präpositionen, Partikeln, Konjunktionen und Artikel gelten als geschlossene Wortklassen. In manchen Sprachen bilden auch Adjektive eine geschlossene Klasse.

Unterschiedliche Wortartensysteme

Es gibt keine allgemein verbindliche Anzahl von Wortarten. Selbst für das Deutsche bestehen mehrere konkurrierende Systeme. Eine Liste für die Kultusministerkonferenz von 1982 unterschied 9 Wortarten: Nomen beziehungsweise Substantiv, Artikel, Pronomen, Numerale, Adjektiv, Verb, Adverb, Präposition und Konjunktion.

Eine von einer Expertenkommission überarbeitete KMK-Fassung von 2019 nennt 15 Wortarten: Verb, Nomen/Substantiv, Verbaladjektiv beziehungsweise Partizip, Adjektiv, Artikel, Pronomen, Konjunktionaladverb, Adverb, Kommentaradverb, Präposition, Adjunktor, Subjunktion, Konjunktion, Partikel und Interjektion. Beide schulischen Einteilungen wurden in der Fachliteratur kritisiert.

Die Dudengrammatik von 2022 arbeitet mit 10 Wortarten. Sie unterscheidet Verb, Nomen/Substantiv, Artikelwort und Pronomen sowie Adjektiv; auf einer gemeinsamen Zwischenebene stehen die sechs unflektierbaren Wortarten Adverb, Präposition, Adjunktor, Subjunktion, Konjunktion und Partikel. Das „Handbuch der Deutschen Wortarten“ behandelt einzelne Wortarten in 24 Kapiteln, bezieht dabei aber auch Funktionen wie die Anapher ein, die anderswo nicht als eigene Wortart gelten, und nennt keine endgültige Gesamtzahl.

Auch zwischen Sprachen unterscheiden sich die Systeme. Die englische Grammatik von Huddleston und Pullum aus dem Jahr 2002 setzt 9 Wortarten an. Gegenüber vielen deutschen Grammatiken fehlen Partikel und Adjunktor. Partikeln spielen im Deutschen eine besonders auffällige Rolle; die Unterscheidung zwischen Präposition und Adjunktor beruht auf der Kasuszuweisung, die im Englischen nicht relevant ist.

Entwicklung und Kritik

Bereits der Sanskrit-Grammatiker Yāska unterschied in der im 5. oder 6. Jahrhundert v. Chr. verfassten Nirukta vier Wortarten: nāma (Nomen), ākhyāta (Verben), upasarga (Präverbien oder Präfixe) und nipāta (Partikeln, möglicherweise auch Präpositionen). Nomen und Verben galten als flektierbar, Präverbien und Partikeln als unbeugbar.

In der griechischen Tradition beschrieb Platon den Satz als Verbindung von Verb und Nomen. Aristoteles ergänzte das „Verbindungswort“. Am Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. unterschied die Téchnē Grammatikḗ des Dionysios Thrax acht Kategorien: Nomen, Verb, Partizip, Artikel, Pronomen, Präposition, Adverb und Konjunktion. Die lateinischen Grammatiker übernahmen die griechischen Fachbegriffe als Lehnübersetzungen. Da das Lateinische keinen Artikel benötigte, ersetzten sie diese Klasse durch die Interjektion. Diese Neuerung wird Quintus Remmius Palaemon im ersten Jahrhundert n. Chr. zugeschrieben.

An der traditionellen Wortartlehre wird kritisiert, dass oft unklar bleibe, was genau klassifiziert wird: Lexeme, syntaktische Wörter oder konkrete Wortformen. Außerdem würden semantische, morphologische und syntaktische Kriterien uneinheitlich verwendet, sodass sie sich überschneiden oder widersprechen können. Besonders die Einteilung nach Flexion ist sprachvergleichend begrenzt: Sie eignet sich für synthetische Sprachen wie Deutsch, Sanskrit, Latein oder Türkisch, ist im Englischen bereits problematisch und auf das flexionslose Chinesische nicht anwendbar.

Wortarten im Sprachvergleich

Welche und wie viele Wortarten angenommen werden, hängt von der jeweiligen Sprache und vom verwendeten Grammatikmodell ab. Die Unterscheidung von Verben und Substantiven wird häufig als universal betrachtet. Adjektive oder Präpositionen werden dagegen nicht für alle Sprachen angesetzt oder besitzen nicht überall dieselbe Bedeutung. Besonders die Abgrenzung des Adverbs ist umstritten.

Das verbreitete Wortartensystem ist wesentlich durch die griechisch-lateinische Grammatik und deren Aufnahme in der westlichen Kultur geprägt. Deshalb ist strittig, ob Wortarten über die Grenzen einzelner Sprachen und Sprachfamilien hinweg sinnvoll als dieselben Kategorien behandelt werden können und ob es überhaupt universale Wortarten gibt. Teilweise gilt nur die Unterscheidung zwischen nominal und verbal als wesentlich.

Für mehrere Sprachen wurde sogar behauptet, dass sie Substantive und Verben gar nicht oder nur sehr schwach unterscheiden. Genannt werden Grönländisch, Riau-Indonesisch, Tagalog, Tonganisch, Mundari und Salish-Sprachen. Diese Behauptungen zeigen, dass Wortarten nicht ohne Weiteres von einer Sprache auf eine andere übertragen werden können.

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