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Niederländische Sprache
im Niederländischen die Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Silben, wobei die langen Vokale in offenen Silben einfach, in geschlossenen Silben …
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Überblick und Einordnung
Niederländisch (niederländisch: Nederlandse taal, kurz Nederlands) ist eine westgermanische Sprache. Sie wird weltweit von etwa 30 Millionen Menschen gesprochen und ist für etwa 25 Millionen Menschen Muttersprache. Ihr Sprachraum umfasst vor allem die Niederlande, Belgien, Suriname, Aruba, Sint Maarten und Curaçao. Außerdem gibt es niederländische Dialekte und Minderheitensprachen in Nachbargebieten, etwa in Deutschland und Frankreich.
Niederländisch ist Amtssprache in den Niederlanden, Belgien, Suriname, Aruba, Curaçao und Sint Maarten. In der Europäischen Union ist es die am sechsthäufigsten gesprochene Amts- und Arbeitssprache. Das Afrikaans, das in Südafrika und Namibia von etwa 15 Millionen Menschen gesprochen wird, ist aus dem Niederländischen hervorgegangen und mit ihm gegenseitig verständlich.
Die Standardsprache heißt Standardniederländisch oder Algemeen Nederlands; früher wurde auch Algemeen Beschaafd Nederlands verwendet. Die gemeinsame Rechtschreibung wird von der Nederlandse Taalunie festgelegt, die 1980 von den Niederlanden und Belgien gegründet wurde. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprache und Literatur des Niederländischen heißt Niederlandistik.
Herkunft und Sprachgeschichte
Niederländisch gilt als direkte Fortsetzung des Altfränkischen, genauer der westfränkischen bzw. niederfränkischen Entwicklungslinie. In der historischen Linguistik wird Altfränkisch meist in Westfränkisch und Ostfränkisch unterteilt. Im ostfränkischen Bereich setzte sich ab dem 7. Jahrhundert die zweite Lautverschiebung durch, woraus Vorläufer westmitteldeutscher Mundarten entstanden. Im westfränkischen Bereich wurde ein großer Teil später durch Altfranzösisch verdrängt; Niederländisch gilt daher als einzige überlebende moderne Variante der Sprache der Westfranken.
Die Ausgliederung aus dem Germanischen wird im Artikel als dreistufiger Vorgang beschrieben: vom 4. bis 7. Jahrhundert die Differenzierung vom Spätgemeingermanischen über das Südgermanische zum Rhein-Weser-Germanischen, vom 5. bis 8. Jahrhundert intensive Kontakte zwischen einem Küstendialekt mit nordseegermanischen Merkmalen und altfränkischen Dialekten des Innenraums, und im 8. bis 9. Jahrhundert die Assimilation dieses Küstendialekts durch die Dialekte des Innenraums.
Die Sprachgeschichte wird häufig in drei große Phasen geteilt: Altniederländisch (ca. 400–1150), Mittelniederländisch (ca. 1150–1500) und Neuniederländisch (seit etwa 1500). Altniederländisch ist nur bruchstückhaft überliefert und war keine Standardsprache. Im 8. Jahrhundert entstanden typische Lautentwicklungen, etwa die Veränderung von -ft zu -cht und die Entwicklung von -ol/-al + d/t zu -ou + d/t, wie bei koud gegenüber deutsch kalt und englisch cold.
Das Mittelniederländische war stärker belegt als das Altniederländische und hatte fünf Hauptdialekte: Flämisch, Brabantisch, Holländisch, Limburgisch und Ostniederländisch. Es stand grammatisch zwischen dem stark flektierenden Altniederländischen und dem stärker analytischen Neuniederländischen. Das Neuniederländische seit etwa 1500 bildet die Grundlage der heutigen Standardsprache. Typisch sind Deflexion, also der Abbau vieler Beugungsformen und des Kasussystems, das Verschwinden der doppelten Verneinung aus der Schriftsprache, Lautveränderungen bei Diphthongen und die Entstehung einer überregionalen Schriftsprache auf brabantischer, später auch holländischer Grundlage.
Standardsprache, Rechtschreibung und Aussprache
Die mittelniederländische Schriftsprache hatte noch keine festen Rechtschreibregeln und keine festgelegte Grammatik. Wörter wurden oft phonetisch geschrieben, also nach der Aussprache, und Texte waren stark vom Dialekt des Autors geprägt. Mit dem Buchdruck ab der Mitte des 15. Jahrhunderts nahm die Einheitlichkeit zu. 1550 veröffentlichte Joos Lambrecht die erste bekannte Rechtschreibungsabhandlung, Nederlandsche spellynghe. 1584 formulierte Hendrik Laurenszoon Spiegel mit der Twe-spraack wichtige Regeln zur Vereinheitlichung.
Die erste offizielle Regelung der Rechtschreibung in den Niederlanden stammt von 1804 und geht auf Matthijs Siegenbeek zurück. In Belgien wurde 1844 die Rechtschreibung von Jan Frans Willems eingeführt. Die Rechtschreibung von De Vries und Te Winkel erschien 1863, wurde 1864 in Belgien und 1883 in den Niederlanden eingeführt und gilt als Grundlage der heutigen niederländischen Rechtschreibung.
Standardniederländisch ist keine einfache Wiedergabe eines einzelnen Dialekts, sondern eine über Jahrhunderte entwickelte Mischform, vor allem aus flämischen, brabantischen und holländischen Großdialekten. Es gibt eine gemeinsame offizielle Rechtschreibung, aber keine einheitlich kodifizierte Aussprache wie etwa die historische deutsche Bühnensprache. Aussprache und Wortwahl unterscheiden sich regional und auch zwischen Belgien und den Niederlanden.
Die niederländische Rechtschreibung benutzt das lateinische Alphabet mit 26 Grundbuchstaben. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Silben: lange Vokale werden in offenen Silben einfach und in geschlossenen Silben doppelt geschrieben. Häufige Digraphen, also Buchstabengruppen für Laute, sind zum Beispiel au, ou, ei, ij, ui, oe, ie, ch, ng und nk. Großgeschrieben werden vor allem Satzanfänge, Namen, geografische Bezeichnungen, Sprachen, Völker, Institutionen, Marken und Werktitel.
In der Phonologie, also Lautlehre, unterscheidet das Standardniederländische verschiedene Monophthonge, Diphthonge und Konsonanten. Beispiele für Diphthonge sind ɛɪ̯ in bijt und einde, œʏ̯ in buit und ʌu in jou oder dauw. Auffällig sind unter anderem Laute wie ɣ in gaan und χ in acht. Silben werden häufig miteinander verbunden; der Glottisschlag dient im Niederländischen eher der Betonung als einer regelmäßigen Wortgrenze.
Verbreitung und Status
In Europa ist Niederländisch vor allem in den Niederlanden und in Belgien Amtssprache. In den Niederlanden sprechen etwa 17 Millionen Menschen Niederländisch als Erst- oder Zweitsprache. Das niederländische Grundgesetz enthält keine ausdrückliche Bestimmung zum Niederländischen; gesetzlich bestätigt wurde sein Status als Amtssprache erst 1995 durch eine Änderung des Allgemeinen Verwaltungsgesetzes.
In Belgien ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung niederländischsprachig, über fünf Millionen Menschen. Belgien hat drei offizielle Landessprachen: Niederländisch, Französisch und Deutsch. Die Sprachgesetzgebung regelt, wann staatliche Stellen welche Sprache verwenden müssen. Sie hängt mit dem flämisch-wallonischen Konflikt zusammen und sollte zur Gleichberechtigung von Niederländisch und Französisch beitragen.
In Suriname ist Niederländisch offizielle Sprache. Das Land hat ungefähr 400.000 niederländischsprachige Einwohner; etwa 100.000 weitere Menschen beherrschen Niederländisch als Zweitsprache. Das surinamische Niederländisch ist eine eigene Variante, beeinflusst unter anderem vom Sranan Tongo. Seit dem 12. Dezember 2003 ist Suriname Mitglied der Nederlandse Taalunie.
Auf den karibischen Inseln Bonaire, Sint Eustatius und Saba sowie in Aruba, Curaçao und Sint Maarten ist Niederländisch Amtssprache. Dort ist es aber nur für eine Minderheit Muttersprache. In Aruba, Bonaire und Curaçao dient es vor allem als Verkehrs- und formelle Sprache; auf Saba, Sint Eustatius und Sint Maarten eher als Unterrichts- und Zweitsprache.
Niederländisch war früher auch Amtssprache in Südafrika und Südwestafrika: zwischen 1910 und 1983 in Südafrika und ab 1915 in Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Seit 1994 ist Afrikaans eine der elf Amtssprachen Südafrikas; in Namibia ist seit 1990 Englisch die einzige Amtssprache. In Indonesien wurde Niederländisch nicht allgemein als Kultursprache etabliert, blieb aber bis 1963 Amtssprache in Westpapua. Im indonesischen Recht gelten Niederländischkenntnisse bis heute als wichtig, weil Kommentare zu Gesetzen oft nicht übersetzt wurden.
Dialekte und Varietäten
Eine allgemein anerkannte Gliederung aller niederländischen Dialekte gibt es nicht, und auch ihre genaue Anzahl ist wissenschaftlich umstritten. Nach Verwandtschaft wird Niederländisch mit dem Niederfränkischen gleichgesetzt. Dazu gehören Westniederfränkisch mit Holländisch, Seeländisch, Westflämisch, Ostflämisch, Brabantisch, Nordlimburgisch und Kleverländisch sowie Südniederfränkisch mit Ostlimburgisch.
Nach dem Kriterium der Überdachung gelten auch Varietäten als niederländische Dialekte, wenn sie in einem Gebiet gesprochen werden, in dem Standardniederländisch die Kultursprache ist. Nach dieser Sicht werden auch niedersächsische Dialekte im Nordosten der Niederlande, etwa Gronings und Twents, sowie ripuarische Varietäten um Kerkrade als niederländische Dialekte betrachtet. Diese Definition entspricht weitgehend der üblichen soziolinguistischen Sicht in den Niederlanden und Belgien.
Auf niederländischer Grundlage entstanden auch Kreolsprachen und verwandte Varietäten. Afrikaans entwickelte sich aus dem Niederländischen und bekam 1925 eine eigene Rechtschreibung auf Grundlage einer in Südafrika eingeführten vereinfachten niederländischen Rechtschreibung. Ausgestorbene oder moribunde niederländischbasierte Kreolsprachen sind unter anderem Berbice-Niederländisch, Skepi, Negerholländisch, Petjo, Javindo, Ceylon Dutch, Mohawk Dutch, Jersey Dutch und Albany Dutch.
Wortschatz und Sprachkontakte
Der niederländische Wortschatz ist groß und je nach Zählweise unterschiedlich erfasst. Das Groot woordenboek van de Nederlandse taal enthält über 240.000 Stichwörter. Das historische Woordenboek der Nederlandsche Taal enthält über 400.000 Stichwörter. Die Sprachdatenbank des Instituts für die niederländische Sprache enthält etwa 7.000.000 Lexeme; der Gesamtumfang des niederländischen Wortschatzes wird je nach Quelle und Zählweise auf 900.000 bis 3.000.000 Wörter oder Lexeme geschätzt.
Viele Lehnwörter im Niederländischen stammen aus romanischen Sprachen, vor allem aus dem Französischen, sowie aus dem Latein. In einem etymologischen Wörterbuch mit 22.500 beschriebenen Lehnwörtern hatten 68,8 % romanischen Ursprung, 10,3 % kamen aus dem Englischen und 6,2 % aus dem Deutschen. In einem untersuchten Zeitungstext bestanden etwa 30 % der verschiedenen Wörter aus Lehnwörtern; unter den 100 häufigsten niederländischen Wörtern waren jedoch nur 15 Lehnwörter.
Auch andere Sprachen haben viele Wörter aus dem Niederländischen übernommen. Nicoline van der Sijs nennt 138 Sprachen mit niederländischen Entlehnungen. Besonders viele gibt es unter anderem im Indonesischen (5568), Sranantongo (2438), Papiamentu (2242), Dänischen (2237), Schwedischen (2164), Westfriesischen (1991), Englischen (1692), Französischen (1656), Deutschen (1252) und Javanischen (1264). Im Deutschen stammen viele Lehnwörter aus Bereichen wie Seemannssprache und Meerestieren, zum Beispiel Matrose, Hängematte, Harpune, Kabeljau, Hai und Garnele. Im Englischen sind niederländische Einflüsse besonders in nautischen und wirtschaftlichen Begriffen sowie im amerikanischen Englisch sichtbar, etwa bei cookie, stoop, booze, coleslaw, boss, dollar und Santa Claus.