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Substantiv
Das Substantiv, deutsch auch Hauptwort, Nennwort, Namenwort, Dingwort oder Gegenstandwort, ist eine Wortart. · Das Substantiv bildet zusammen mit dem Verb die …
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Grundidee und Merkmale
Ein Substantiv ist eine Wortart; deutsch wird es auch Hauptwort, Nennwort, Namenwort, Dingwort oder Gegenstandwort genannt. „Nomen“ wird oft gleichbedeutend verwendet, kann in der lateinischen Grammatiktradition aber auch ein Oberbegriff für Substantive, Adjektive, Zahlwörter und Pronomen sein.
Zusammen mit dem Verb bildet das Substantiv eine grundlegende Wortartunterscheidung. Vermutet wird, dass eine Unterscheidung zwischen nominaler und verbaler Kategorie in allen Sprachen vorkommt; die Diskussion darüber ist jedoch nicht abgeschlossen. Substantive bezeichnen typischerweise zeitstabile Entitäten, etwa Dinge oder Lebewesen. Ihre zentrale semantische Funktion ist die Referenz: Mit ihnen kann sprachlich auf etwas verwiesen werden. Sie können außerdem Gegenstand einer Prädikation sein, also Ergänzungen zu Verben oder Adjektiven bilden, denen eine Rolle oder Eigenschaft zugeschrieben wird. Auch prädikativer Gebrauch ist möglich.
Substantive sind Inhaltswörter: Sie drücken Begriffe oder Konzepte aus. Pronomen können zwar ähnliche Satzpositionen einnehmen, verweisen aber ohne eine eigene lexikalische Bedeutung auf ein Individuum. Als Inhaltswörter gehören Substantive zu einer offenen Klasse, deren Wortschatz regelmäßig erweitert werden kann. In formalen Grammatiken lautet ihr Kategoriesymbol N.
Substantive bilden mit Ergänzungen wie Artikeln, Adjektiv- und Präpositionalphrasen oder Nebensätzen Nominalphrasen beziehungsweise Substantivgruppen. Solche Gruppen können selbst Ergänzungen eines Substantivs sein und werden in vielen Sprachen dann im Genitiv markiert.
Arten von Substantiven
Substantive lassen sich unabhängig voneinander semantisch, syntaktisch und morphologisch einteilen. Eine rein syntaktische Klassifikation orientiert sich an der Verteilung, etwa daran, ob ein Wort mit dem definiten Artikel kombinierbar ist.
Die traditionelle semantische Einteilung unterscheidet Abstrakta und Konkreta. Ein Abstraktum ist ein Appellativum für etwas Abstraktes, zum Beispiel Kunst, Liebe, Erwähnung oder Freundlichkeit. Typische Abstrakta sind Substantivierungen und haben keinen Plural, etwa Feindlichkeit. Ein Konkretum bezeichnet konkrete Gegenstände.
Eigennamen wie Vanessa, Donau, Berlin oder Alpen beziehen sich spezifisch auf eine einzelne Entität, ohne sie unter einen Begriff einzuordnen; diese Entität kann auch ein Kollektiv sein. Appellativa oder Gattungsnamen fassen Entitäten unter einen Begriff und können spezifisch oder generisch verwendet werden.
Kollektiva bezeichnen Mengen von Individuen als komplexe Einheit, etwa Gebirge oder Polizei. Im Deutschen können sie Massensubstantive oder Individualsubstantive sein. Individualsubstantive bezeichnen abgegrenzte Gegenstände und lassen sich mit ein, Kardinalzahlen und viele verbinden: ein Korn, zwei Körner, viele Körner. Massensubstantive bezeichnen einen kontinuierlichen Gegenstand, dessen Teile wiederum unter denselben Begriff fallen: Ein Teil von Wasser ist wieder Wasser, ein Teil eines Tisches aber kein Tisch. Sie bilden meist keinen Plural (*Blute) oder nur einen Sortenplural, etwa Weine. Sie stehen mit viel, zum Beispiel viel Blut oder viel Wein, aber normalerweise nicht mit *ein Blut oder *zwei Blute.
Morphologisch sind primäre Substantive weder abgeleitet noch zusammengesetzt, etwa Wahn, Freund und Korn. Sekundäre Substantive entstehen durch Ableitung oder Substantivierung, zum Beispiel Erwähnung von erwähnen, Freundlichkeit von freundlich und Träger von tragen.
Das Substantiv im Deutschen
Prototypische deutsche Substantive werden nach drei Strukturmerkmalen bestimmt: Sie flektieren nach Numerus und Kasus, haben ein festes Genus und können gegebenenfalls mit dem definiten Artikel ein Nominalsyntagma bilden, das referiert. Nicht jedes Substantiv erfüllt jedes Merkmal vollständig: Fröhlichkeit etwa folgt nicht dem ersten Kriterium, Joghurt kann ein variables Genus haben.
Das Substantiv ist der semantische Kopf einer Nominalphrase, zum Beispiel in ein schönes Bild oder der Mann, der zu viel wusste. Es bestimmt unter anderem Genusmerkmale der veränderbaren Teile und beeinflusst die Verwendung von Determinantien. Nominalphrasen können im Satz Subjekt, Objekt, adverbiale Bestimmung, Attribut oder Prädikatsnomen sein. Als Prädikatsnomen referiert der nominale Ausdruck nicht.
Das Genus ist im Lexikon eines Substantivs festgelegt und wird vor allem an kongruierenden Artikeln, Pronomen und Adjektiven sichtbar. Man lernt es daher meist mit dem definiten Artikel: der Kümmel. Es gibt Maskulinum mit der, Femininum mit die und Neutrum mit das. Ableitungssuffixe weisen das Genus häufig regelmäßig zu: Auf -chen abgeleitete Wörter wie Herrchen und Frauchen sind Neutra; -anz, -(t)ion, -heit, -keit, -ung und -(i)tät bilden feminine Substantive. Die meisten mit Ge- abgeleiteten Substantive sind Neutra, etwa Geplapper, Gewässer und Gebirge, aber der Gedanke ist eine Ausnahme.
Die vier deutschen Kasus sind Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Die Kasusdeklination ist hochgradig unregelmäßig und synkretistisch, das heißt, verschiedene Formen fallen häufig zusammen. Beim Numerus gibt es Singular und Plural. Viele Abstrakta wie Frieden und Eigennamen wie Kilimandjaro und Iran haben keinen Plural; Eltern hat keinen Singular. Ein Wort nur mit Singular heißt Singularetantum, eines nur mit Plural Pluraletantum.
Wortbildung und Schreibung
Substantive können auf der Grundlage fast jeder Wortart, aber kaum aus Adverbien, abgeleitet werden. Wenn die Basis kein Substantiv ist, heißt dies Substantivierung im engeren Sinn. Dazu gehören deverbale Bildungen wie Lehre und Erwähnung sowie deadjektivische Bildungen wie Freundlichkeit, Klugheit und Kuriosität. Desubstantivische Bildungen sind etwa Schrifttum, Knappschaft, Frauchen und Löwin. Auf syntaktischer Ebene substantiviert auch die Verbindung mit dem definiten Artikel: die Grünen, das Streiten, das Ich.
Bei der Zusammensetzung oder Komposition entstehen Substantivkomposita aus zwei Stämmen, etwa Straßenverkehr, Rotkehlchen, Feingold und Dichterkomponist. Meist ist der zweite Bestandteil ein Substantiv und damit der Kopf: Er legt die Wortart, das Genus und gewöhnlich die Bedeutungskategorie fest; der erste Bestandteil bestimmt diese näher.
Substantive können auch die Grundlage für andere Wortarten sein, etwa für Verben wie hausen und färben, Adjektive wie wolkig und weibisch sowie Adverbien wie morgens und reihenweise. Im Deutschen werden Substantive grundsätzlich großgeschrieben. Ausnahmen betreffen besonders Fälle, in denen ein Substantiv nicht substantivisch verwendet wird.
Substantive im Englischen
Im Englischen sind von den deutschen Kriterien vor allem zwei relevant: Ein Substantiv flektiert nach Numerus und kann, gegebenenfalls mit dem definiten Artikel, ein referierendes Nominalsyntagma bilden. Ein grammatisches Genus der Substantive gibt es nicht. Kasus kommt nur bei Pronomen vor. Die englische Deklination ist insgesamt noch stärker reduziert als die Konjugation.
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