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Das Abendmahl (Leonardo da Vinci)

Das Abendmahl, auch Das letzte Abendmahl bezeichnet ein Wandgemälde von Leonardo da Vinci im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Werk und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Arbeitsweise
  3. 3. Technik, Darstellung und Figuren
  4. 4. Perspektive und Raumwirkung
  5. 5. Schäden, Geschichte und Restaurierung
  6. 6. Rezeption und Weiterwirken

Werk und Bedeutung

Das Abendmahl, auch Das letzte Abendmahl genannt, ist ein Wandgemälde von Leonardo da Vinci im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand. Es entstand 1495–1497, ist 4,60 m × 8,80 m groß und wurde vorwiegend in Tempera grassa auf Putz ausgeführt. Dargestellt ist das letzte Abendmahl Jesu mit den zwölf Aposteln. Das Werk ist besonders bedeutend wegen seiner neuartigen Komposition, der starken emotionalen Bewegtheit der Figuren und der zentralperspektivischen Raumwirkung. Zugleich zählt es wegen der ungeeigneten Maltechnik zu den am stärksten gefährdeten berühmten Wandgemälden.

Entstehung und Arbeitsweise

Leonardo da Vinci stand seit den 1480er Jahren im Dienst des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza. Nachdem ein monumentales Reiterdenkmal nicht vollendet werden konnte, weil die dafür bestimmte Bronze für Kanonen benötigt wurde, wandte er sich dem Abendmahl zu. Wahrscheinlich war Ludovico Sforza auch der Auftraggeber. Er ließ Santa Maria delle Grazie als Grablege für seine Familie umbauen und ausstatten.

Leonardo kannte ältere Abendmahlsdarstellungen, unter anderem Fresken von Domenico Ghirlandaio und Andrea del Castagno. In einer frühen Studie ordnete er die Jünger noch in Zweiergruppen an; Judas saß dabei von den übrigen Aposteln getrennt. Ab Mitte der 1490er Jahre fertigte Leonardo zahlreiche Einzelstudien an, darunter Apostelköpfe sowie Studien für Judas und Jesus. Nach diesen Vorarbeiten bemalte er die nördliche Stirnwand des Refektoriums. Matteo Bandello beobachtete, dass Leonardo manchmal lange und intensiv arbeitete, das Bild zu anderen Zeiten aber mehrere Tage nur betrachtete, ohne es zu berühren.

Technik, Darstellung und Figuren

Leonardo malte als Seccomaler, also auf trockenem Putz, und versuchte, Wirkungen der Ölmalerei auf eine Wandmalerei zu übertragen. Auf einer Kreidegrundierung verwendete er eine fette Ei-Tempera. Zuerst legte er eine grobe Kompositionsstruktur in Rot an, danach die Umrisse der Figuren in Schwarz. Teile der Perspektivlinien wurden in den Putz geritzt. Diese experimentelle Technik erwies sich als dauerhaft ungeeignet.

Jesus und die zwölf Apostel sitzen an einer langen, quer zum Betrachter verlaufenden Tafel. Die Jünger reagieren aufgeregt und gestenreich, während Jesus in der Mitte auf Brot und Wein auf dem Tisch herabblickt. Nach überwiegender Meinung verbindet das Bild zwei Momente: die Ankündigung Jesu „Einer von euch wird mich verraten“ (Mt 26,21 EU) und die Einsetzung des Sakraments der Eucharistie in Brot und Wein. Anders als in vielen älteren Darstellungen fehlen Kelch, Hostie und Heiligenscheine. Judas ist nicht räumlich von den anderen Aposteln getrennt; ein Geldsäckchen weist ihn als Verräter aus.

Die Apostel sind in vier Dreiergruppen geordnet. Von links nach rechts werden sie meist als Bartholomäus, Jakobus der Jüngere und Andreas; Simon Petrus, Johannes und Judas Iskariot; Jakobus der Ältere, Thomas und Philippus; sowie Matthäus, Thaddäus und Simon Zelotes identifiziert. Diese Zuordnungen entsprechen der verbreiteten Auffassung. Spekulativ ist dagegen die Interpretation, Johannes könne Maria Magdalena darstellen. Jesus trägt ein rotes Gewand und einen blauen Überwurf. Durch seine zentrale Stellung, die Perspektive und den Lichteinfall wird seine Bedeutung hervorgehoben. Die rechte Hand wirkt tätig-schöpferisch, die linke nach oben geöffnet empfangend-darbringend.

Perspektive und Raumwirkung

Das Abendmahl ist zentralperspektivisch konstruiert. Der Augpunkt liegt in der Schläfe der Christusfigur. Bei der Restaurierung wurde das Loch eines Nagels gefunden, von dem aus die Perspektivlinien gespannt worden waren. Michael Ladwein vertritt die These, dass die Linien der Zentralachse einen kreuzförmigen Heiligenschein um Jesu Haupt andeuten. Leonardo hielt im Codex Madrid ausführliche Überlegungen zur Perspektive und ihrer Anwendung auf das Abendmahl fest.

Das Bild befindet sich an der nördlichen Stirnseite des Refektoriums und füllt sie beinahe vollständig aus. Die gemalte Architektur setzt den realen Raum scheinbar fort: Hinter den Figuren öffnet sich ein perspektivischer Raum mit zwei Fenstern und einer Türöffnung zur Landschaft. Das Licht der Szene kommt jedoch nicht aus dieser Landschaft, sondern schräg von links, entsprechend dem tatsächlichen Lichteinfall durch Fenster in der linken Wand des Refektoriums. Der ideale Betrachterstandpunkt wurde etwa 4 bis 4,5 m über dem Boden und 8,80 m bis 10,29 m vor dem Gemälde angesetzt. Über dem Bild befinden sich drei von Leonardo ausgemalte Lünetten; die mittlere zeigt die Wappen von Ludovico Sforza und Beatrice d’Este. Gegenüber befindet sich Giovanni Donato Montorfanos Fresko Kreuzigung Christi mit Stiftern von 1495.

Schäden, Geschichte und Restaurierung

Wegen der feuchten Mauer und der organischen Farben entstanden bereits zu Leonardos Lebzeiten feine Risse. Später blätterte die Farbe auf großen Flächen ab. Eine nachträglich in die Wand eingelassene Tür zerstörte die Darstellung der Füße Jesu. Das Werk wurde mehrfach restauriert: durch Bellotti 1726, Mazza 1770 und Berezzi 1819 sowie in den Zeiträumen 1903–1908, 1924, 1947–1952 und 1977–1999. Während der Besatzung Mailands durch Napoleon Bonaparte wurde das Refektorium als Pferdestall genutzt.

1943 überstand das Gemälde einen Bombenangriff, bei dem die Südwand des Refektoriums einstürzte. Die Brüder des Klosters hatten es vollständig mit Sandsäcken geschützt. 1980 wurden die Kirche und das Gemälde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die von Giuseppina Barcilon Brambilla geleitete Restaurierung dauerte zwanzig Jahre und wurde 1999 abgeschlossen. Dabei wurden die auf Leonardo zurückzuführenden Partien konserviert und spätere Übermalungen entfernt. Heute ist der Verfall durch moderne Techniken aufgehalten; aus konservatorischen Gründen sind nur Besichtigungen in kleinen Gruppen möglich, während Klimatechnik die Raumluft stabil hält.

Rezeption und Weiterwirken

Das Abendmahl erregte bereits zu Leonardos Lebzeiten Aufmerksamkeit. Matteo Bandello, Giovanbattista Giraldi und Giorgio Vasari würdigten es schriftlich. In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche Kopien, darunter zwei Versionen von Gianpetro und eine vermutlich von Andrea Solari in der Abtei Tongerlo. Sie geben Hinweise auf das ursprüngliche Aussehen. Franz I. von Frankreich wollte das Bild von der Wand ablösen lassen; 1533 ließ er für Heinrich II. eine Kopie als Gobelin anfertigen.

Über Jahrhunderte wurde das Werk vielfach interpretiert, nachgebildet und verändert. Beispiele sind ein von Napoleon in Auftrag gegebenes Mosaik, eine Nachbildung in Originalgröße von Friedrich Schüz, Salvador Dalís Adaption von 1955, Mary Beth Edelsons Collage Some Living American Women Artists / Last Supper von 1972 und Andy Warhols umfangreicher Gemäldezyklus. Edelson ersetzte die Apostel durch 82 Künstlerinnen und thematisierte unter anderem männliche Exklusivität und die Rolle religiöser und kunsthistorischer Bildsprache bei der Unterdrückung von Frauen.

Auch Filme, Werbung und Popkultur greifen die Komposition auf, etwa Viridiana, MAS*H, Mel Brooks – Die verrückte Geschichte der Welt, The Da Vinci Code – Sakrileg und Mord im Orient-Express. Werbekampagnen von Otto Kern und Girbaud führten wegen religiöser bzw. blasphemischer Anspielungen zu öffentlicher Kritik und rechtlichen Folgen. Das Motiv wurde außerdem in Romanen, kunsthistorischer Literatur sowie Dokumentationen behandelt. Eine verbreitete, aber spekulative Deutung des Films The Da Vinci Code – Sakrileg, Maria Magdalena sei anstelle des Apostels Johannes dargestellt, wird im Artikel nicht als gesicherte Identifikation gewertet.

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