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Mailand
Die Metropolregion Mailand ist Teil der südlichen Spitze der Megaregion Blaue Banane. Angrenzende Gemeinden sind Arese, Assago, Baranzate, Bollate, Corsico …
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Überblick, Lage und Bevölkerung
Mailand (italienisch Milano, lombardisch Milan, lateinisch Mediolanum) ist die Hauptstadt der Lombardei und der Metropolitanstadt Mailand. Mit 1.362.863 Einwohnern am 31. Dezember 2025 ist es nach Rom die zweitgrößte Stadt Italiens. Das 182 km² große Stadtgebiet liegt auf etwa 120 m Höhe in der nordwestlichen Po-Ebene, ungefähr zwischen dem Po im Süden und den Alpenausläufern im Norden. Die Metropolregion zählt über 7,6 Millionen Menschen und gehört zur südlichen Spitze der dicht besiedelten europäischen Megaregion „Blaue Banane“.
Die weitgehend flache Stadt wird im Westen vom Olona und im Osten vom Lambro durchquert. Die mittelalterlichen Kanäle, die Navigli, verbinden Mailand mit oberitalienischen Seen und lombardischen Flüssen; bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren sie für die örtliche Wirtschaft besonders wichtig. Das Stadtgebiet ist in neun Municipi, also Stadtbezirke, gegliedert. Municipio 1 umfasst den historischen Kern, die übrigen acht liegen kreisförmig darum. Bezirksräte und Bezirkspräsidenten besitzen unter anderem in der Finanzverwaltung begrenzte eigene Zuständigkeiten.
Mailand hat ein subkontinental geprägtes Übergangsklima. Alpen und Apennin behindern den Luftaustausch, weshalb hohe Luftfeuchtigkeit und große Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter typisch sind. Die Sommer sind heiß bis sehr heiß, oft schwül und gewitterreich. Die Winter sind kühl bis mäßig kalt, häufig neblig und bringen regelmäßig Schnee. Besonders viel Niederschlag fällt im Frühjahr und Herbst; im Jahresmittel sind es 920,1 mm. Die gemessenen Temperaturrekorde reichen von −17,3 °C bis 40,4 °C. Der Alpenföhn kann zeitweise trockene und deutlich mildere Luft bringen.
Historische Entwicklung
Die Gegend wurde bald nach 400 v. Chr. von den keltischen Insubrern besiedelt. 222 v. Chr. eroberten die Römer den Ort Mediolanum. Kaiser Diokletian machte ihn 286 zu einer Residenzstadt des Römischen Reiches. Im Jahr 313 verkündeten Konstantin und Licinius hier die Mailänder Konvention, die Christen Glaubensfreiheit zusicherte. Danach erlitt die Stadt wiederholt schwere Angriffe: 402 belagerten sie die Westgoten, 452 plünderten sie die Hunnen und 539 zerstörten sie die Ostgoten.
569 kam Mailand unter langobardische, 774 unter fränkische Herrschaft. Kaiser Friedrich I. Barbarossa ließ die Stadt 1162 weitgehend zerstören. Mailand wurde jedoch 1167 zur führenden Kraft des Lombardischen Städtebundes; der Konstanzer Frieden bestätigte 1183 die Unabhängigkeit der lombardischen Städte. Zunächst herrschten die della Torre, seit 1277 die Visconti. Gian Galeazzo Visconti wurde 1395 erster Herzog von Mailand. Ab 1450 machten die Sforza die Stadt zu einem wichtigen Zentrum der Renaissance.
In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Herrschaft mehrfach. Nach französischen Ansprüchen gelangte Mailand 1525 an die Habsburger, zunächst an deren spanische Linie. 1714 wurden die Lombardei und Mailand im Frieden von Rastatt den österreichischen Habsburgern zugesprochen. Napoleon eroberte die Lombardei 1796 und machte Mailand zur Hauptstadt der Cisalpinischen Republik. Der Wiener Kongress gab die Stadt 1815 wieder an Österreich. Beim Fünf-Tage-Aufstand von 1848 vertrieb die Bevölkerung die österreichischen Truppen vorübergehend. 1859 fiel die Lombardei an Sardinien-Piemont, die Keimzelle des entstehenden Königreichs Italien.
Durch die Industrialisierung und starke Zuwanderung wurde Mailand zur größten Industriestadt Italiens und zu einem Zentrum der Arbeiterbewegung. 1919 entstand hier der faschistische Fascio di Combattimento; 1922 begann Benito Mussolini von Mailand aus den Marsch auf Rom. Zugleich war die Stadt später ein wichtiges Zentrum der Resistenza gegen Faschismus und deutsche Besatzung. Luftangriffe zerstörten oder beschädigten im Zweiten Weltkrieg große Teile der Stadt und forderten rund 2.200 Todesopfer. Bei der Bombardierung einer Grundschule in Gorla starben 1944 insgesamt 186 Schüler und Lehrer.
Nach 1945 erlebte Mailand während des italienischen Wirtschaftswunders einen starken Aufschwung. In den politisch unruhigen 1960er- und 1970er-Jahren kam es zu heftigen Konflikten; der vermutlich rechtsterroristische Anschlag auf der Piazza Fontana von 1969 wurde nie vollständig aufgeklärt. Die Bevölkerung der Kernstadt sank von etwa 1.732.000 im Jahr 1971 auf 1.256.000 im Jahr 2001, vor allem durch Umzüge in das Umland und hohe Immobilienpreise. Seit 2001 wächst sie wieder leicht.
Stadtbild, Bauwerke und Kultur
Mailand besitzt Bauwerke aus fast allen wichtigen Epochen seiner Geschichte. Zu den wenigen römischen Resten gehören die Colonne di San Lorenzo aus dem 2. Jahrhundert. Sant’Ambrogio geht auf das 4. Jahrhundert zurück und gilt trotz späterer Umbauten als Beispiel einer frühchristlichen Kirche. Der Bau des gotischen Mailänder Doms begann 1386; er wurde 1572 eingeweiht, aber erst 1965 endgültig fertiggestellt. Nach seiner Fläche gilt er als drittgrößte Kirche der Welt.
Das Castello Sforzesco entstand im 15. Jahrhundert als Residenz der Herzöge. Das Kloster Santa Maria delle Grazie, seit 1980 UNESCO-Welterbe, bewahrt Leonardo da Vincis Wandgemälde „Das Abendmahl“. Weitere wichtige Bauten sind die Biblioteca Ambrosiana, das 1778 eröffnete Teatro alla Scala, der zwischen 1807 und 1838 errichtete Arco della Pace und die Galleria Vittorio Emanuele II von 1865 bis 1877, die als älteste überdachte Einkaufspassage der Welt bezeichnet wird. Der monumentale Bahnhof Milano Centrale wurde 1931 fertiggestellt. Das Memoriale della Shoah am Hauptbahnhof erinnert seit 2013 an die von dort deportierten Mailänder Juden.
Das moderne Stadtbild prägen Hochhäuser wie Torre Velasca, Pirelli-Hochhaus, Torre Unicredit und die bepflanzten Zwillingstürme Bosco Verticale. Auf dem ehemaligen Messegelände entstand das autofreie, von Grünflächen geprägte Viertel CityLife mit den Türmen von Arata Isozaki, Zaha Hadid und Daniel Libeskind.
Mailand ist eines der wichtigsten italienischen Kunst- und Kulturzentren. Die Visconti förderten im Mittelalter gotische Kunst; im frühen 20. Jahrhundert wurde die Stadt zum Ausgangspunkt des Futurismus. Bedeutende Sammlungen zeigen die Pinacoteca di Brera, die Pinacoteca Ambrosiana und der aus neun Museen und Galerien bestehende Komplex im Castello Sforzesco. Dort befinden sich unter anderem Michelangelos letzte Skulptur „Pietà Rondanini“ und Leonardo da Vincis „Codex Trivulzianus“. Die Biblioteca Ambrosiana besitzt mehr als eine Million gedruckte Bände, etwa 40.000 Manuskripte, 12.000 Zeichnungen und 22.000 Kupferstiche, darunter den „Codex Atlanticus“. Das Nationalmuseum für Naturwissenschaft und Technik „Leonardo da Vinci“ ist mit 25.000 m² Ausstellungsfläche das größte Technikmuseum Italiens.
Die Scala zählt zu den weltweit bekanntesten Opernhäusern; dort wurden unter anderem Verdis „Nabucco“ sowie Puccinis „Madama Butterfly“ und „Turandot“ uraufgeführt. Auch das Piccolo Teatro, bei seiner Gründung Italiens erstes ständiges Theater mit festem Ensemble, ist bedeutend. Zudem gehört Mailand neben Paris, New York und London zu den führenden Modemetropolen. Internationale Marken wie Armani, Dolce & Gabbana, Gucci, Prada, Valentino und Versace sind dort beheimatet; zweimal jährlich findet die Mailänder Modewoche statt.
Wirtschaft, Bildung und Politik
Mailand ist Italiens führendes Wirtschafts-, Industrie- und Finanzzentrum. Die Metropolregion trägt etwa 20 % zum italienischen Bruttoinlandsprodukt bei und gilt als viertreichste Metropolregion der EU. Einer Studie zufolge erwirtschaftete der Großraum 2014 ein kaufkraftbereinigtes Bruttoinlandsprodukt von 312,1 Milliarden US-Dollar; das entsprach weltweit Rang 34 und 41.147 US-Dollar je Einwohner. Rund die Hälfte der 200 größten italienischen Unternehmen hat ihren Sitz in Mailand.
Wichtige Branchen sind Automobilbau, Mode und Bekleidung, Chemie, Medizintechnik, Biotechnologie, Maschinenbau, Medien und Finanzwirtschaft. Mit der Borsa Italiana, zahlreichen Banken und neuen Finanztechnologie-Unternehmen ist Mailand das Finanzzentrum Italiens. Große Messen sind die Computermesse SMAU, die Motorradmesse EICMA und die Mailänder Möbelmesse. Auch der Tourismus ist wichtig; 2010 kamen mehr als 2,3 Millionen internationale Besucher.
Mailand ist zugleich eine bedeutende Hochschulstadt. 2011 waren an sieben Universitäten mit 48 Fakultäten rund 185.000 Studierende eingeschrieben, etwa 11 % aller Studierenden Italiens. Das 1863 gegründete Politecnico di Milano ist mit ungefähr 38.000 Studierenden die größte technische Universität Italiens. Die 1923 gegründete Universität Mailand hatte 60.000 Studierende und 2.500 Professoren. Hinzu kommen unter anderem die Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi und die Katholische Universität vom Heiligen Herzen. Letztere ist mit etwa 42.000 Studierenden an fünf Standorten die größte private Universität Europas und die größte katholische Universität weltweit.
Die kommunale Legislative ist ein Stadtrat mit 48 Abgeordneten, die alle fünf Jahre gewählt werden. Die Exekutive bildet die Giunta Comunale; ihre 16 Beigeordneten bestimmt der direkt gewählte Bürgermeister. Giuseppe Sala wurde 2016 gewählt und 2021 mit knapp 58 % bereits im ersten Wahlgang bestätigt. Als Hauptstadt der Lombardei ist Mailand außerdem Sitz regionaler Institutionen: Der Regionalrat tagt im Pirelli-Hochhaus, die Regionalverwaltung sitzt seit 2011 im Palazzo Lombardia.
Verkehr und Mobilität
Mailand ist Italiens größter Verkehrsknotenpunkt. Dort treffen die Autobahnen A1 nach Rom und Neapel, A4 zwischen Turin und Triest, A7 nach Genua sowie A8 und A9 in Richtung Schweiz aufeinander. Die Ringautobahn besteht aus A50, A51 und A52. Wegen Staus und Luftverschmutzung führte die Stadt 2008 werktags eine City-Maut für Pkw, Lkw und Reisebusse ein.
Milano Centrale ist der wichtigste Fernbahnhof. Weitere bedeutende Bahnhöfe sind Porta Garibaldi, Rogoredo und Lambrate. Mailand liegt am Schnittpunkt der italienischen Hochgeschwindigkeitsachsen Turin–Mailand–Venedig und Mailand–Bologna–Florenz–Rom–Neapel. Internationale Züge verbinden die Stadt über die Simplon- und Gotthardroute mit der Schweiz und Deutschland sowie mit Frankreich.
Drei Flughäfen bedienen die Metropole: Malpensa ist ein interkontinentales Drehkreuz, der innenstadtnahe Flughafen Linate dient überwiegend dem italienischen und europäischen Verkehr, und das 45 km entfernte Bergamo wird vor allem von Billigfluggesellschaften genutzt.
Den Nahverkehr betreiben unter anderem ATM Milano mit der Metropolitana di Milano und Trenord mit dem S-Bahn-System Servizio ferroviario suburbano di Milano. Die Stadt besitzt eines der größten Straßenbahnnetze Europas; noch immer verkehren Wagen des zwischen 1928 und 1930 gebauten Typs 1928. Oberleitungsbusse ergänzen das Netz. Seit 2008 werden zur Verringerung von Staus und Luftverschmutzung mehr Radwege gebaut. 2020 kamen während der COVID-Pandemie kurzfristig 35 km Pop-up-Radwege hinzu. Am Corso Buenos Aires stieg die tägliche Zahl der Radfahrer dadurch beispielsweise von 3.000 auf 10.000.
Sport und internationale Bedeutung
Die Fußballvereine AC Mailand und Inter Mailand gehören zu den erfolgreichsten der Welt. Ihr Derby heißt Derby della Madonnina. Beide tragen ihre Heimspiele im Giuseppe-Meazza-Stadion in San Siro aus, das mehr als 80.000 Zuschauer fasst. Bis zum Endspiel der UEFA Champions League 2022/23 war Mailand die einzige Stadt mit zwei Siegern dieses Wettbewerbs. Erfolgreiche Mailänder Mannschaften gibt es außerdem im Rugby, Basketball und Eishockey. Olimpia Milano gewann 26 nationale Basketballtitel und dreimal den Europapokal der Landesmeister.
Mailand spielt auch im Radsport eine wichtige Rolle: Der Giro d’Italia endet traditionell mit wenigen Ausnahmen dort. Das rund 300 km lange Eintagesrennen Mailand–Sanremo startet im Stadtzentrum. Die Formel-1-Rennstrecke von Monza liegt nördlich der Stadt.
Gemeinsam mit Cortina d’Ampezzo war Mailand Austragungsort der XXV. Olympischen Winterspiele 2026. Im Mailänder Cluster fanden die Eröffnungsfeier im Giuseppe-Meazza-Stadion, die Eishockey-Wettbewerbe in Arena Milano und Fiera Milano, Eiskunstlauf und Shorttrack im Forum di Milano sowie Eisschnelllauf in der Fiera Milano statt. Bei den Winter-Paralympics 2026 wurde in Mailand nur das Eishockey ausgetragen.
Die internationale Stellung der Stadt zeigt sich außerdem in Großveranstaltungen wie der Expo 2015, die vom 1. Mai bis zum 31. Oktober 2015 auf einem Gelände bei Rho und Pero stattfand. Mailand verbindet damit seine Rollen als Wirtschafts-, Messe-, Kultur-, Mode-, Bildungs- und Verkehrszentrum von nationaler und internationaler Bedeutung.