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Kelch (Liturgie)

Der Kelch wird in den christlichen Liturgien zur Aufnahme des Messweins verwendet, in der katholischen Heiligen Messe, in der orthodoxen Göttlichen Liturgie …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Verwendung
  2. 2. Aufbau und Gestaltung
  3. 3. Vorbereitung im römischen Ritus
  4. 4. Kelche im Protestantismus
  5. 5. Gemeinschafts- und Einzelkelche
  6. 6. Beispiele der Formgeschichte

Bedeutung und Verwendung

Der Kelch ist ein liturgisches Gefäß für Messwein. Er wird in der katholischen Heiligen Messe, in der orthodoxen Göttlichen Liturgie und im evangelischen Abendmahlsgottesdienst verwendet. In der römisch-katholischen und in der lutherischen Kirche wird der Wein während der Wandlung im Kelch konsekriert, also für die Eucharistie beziehungsweise das Abendmahl geheiligt.

Eine ähnliche Kelchform besitzt das Ziborium, auch Speisekelch genannt. Es dient in der katholischen und orthodoxen Liturgie dazu, konsekrierte Hostien auszuteilen und aufzubewahren.

Kelche aus dem 1. Jahrtausend besitzen gelegentlich zwei Henkel. Seit dem 9. Jahrhundert werden für liturgische Kelche fast ausschließlich Edelmetalle verwendet. Viele frühmittelalterliche Exemplare sind jedoch kleine, schmucklose Grabbeigaben für Kleriker.

Aufbau und Gestaltung

Der hohe Fuß macht den Kelch wie den Pokal zu einer sogenannten Würdeform, also zu einem Gefäß, dessen Gestalt seine besondere Bedeutung hervorhebt. Bereits karolingische Kelche weisen einen dreiteiligen Aufbau auf:

• Der breit ausladende Fuß gibt dem Gefäß Halt.

• Aus ihm wächst ein schlanker Schaft. Etwa in dessen Mitte befindet sich meist eine Verdickung, der Knauf oder Nodus, an dem sich der Kelch sicher halten lässt.

• Den oberen Teil bildet die Kuppa, das eigentliche hohle Trinkgefäß. Sie ist kugelig oder erweitert sich leicht kegelförmig nach oben.

Im Spätmittelalter sind Fuß und Nodus meist sechsfach gegliedert. Der Fuß hat häufig die Form eines Sechspasses. Der Nodus trägt sechs runde oder rautenförmige Rotuli, also kleine Schmuckfelder. Auf ihnen können Symbole oder die Buchstabenfolgen „ihesus“ und „maria+“ stehen.

Die Kuppa bleibt gewöhnlich unverziert und besitzt mindestens einen breiten, glatten Lippenrand. Ihre Innenseite ist üblicherweise vergoldet. Häufig ist sie auch außen vergoldet; in diesem Fall können ebenso Nodus und Fuß eine äußere Vergoldung tragen.

Vorbereitung im römischen Ritus

Vor Beginn der heiligen Messe wird der Messkelch auf einer Kredenz, einem seitlichen Tisch für liturgische Geräte, oder unmittelbar auf dem Altar bereitgestellt. Zu ihm gehören mehrere Gegenstände:

• Die Patene ist ein flacher, zum Kelch passender Teller, auf den die Zelebrationshostie gelegt wird.

• Das Kelchtuch dient beim Umgang mit dem Kelch.

• Optional gehört ein Löffelchen dazu, mit dem während der Gabenbereitung Wasser zum Wein gegeben wird.

• Die Palla wird als Abdeckung auf den Kelch gelegt.

• Darüber liegt das gefaltete Korporale. Dieses Leinentuch wird für die Eucharistiefeier ausgebreitet; Kelch und Hostienschale werden daraufgestellt.

Zum Schutz des gesamten Aufbaus vor äußeren Einwirkungen kann ein Kelchvelum verwendet werden. Es entspricht normalerweise der jeweiligen liturgischen Farbe, darf aber auch stets schlicht weiß sein. Wird ein Kelchvelum benutzt, befindet sich das Korporale häufig in einer Bursa, einer passenden Hülle in derselben Farbe, auf dem Velum.

Kelche im Protestantismus

Viele Gemeinden, die infolge der Reformation evangelisch wurden, verwendeten ihre vorreformatorischen Messkelche weiter. Da deren Kuppa häufig klein war, ersetzte man sie nicht selten durch eine größere, damit der Kelch leichter als Speisekelch dienen konnte. Neu angefertigte Kelche reformierter Kirchen waren möglichst schlicht und unverziert. Teilweise verzichtete man sogar auf die traditionelle Würdeform und verwendete einen einfachen Becher. Zahlreiche protestantische Abendmahlskelche wurden von wohlhabenden Bürgern gestiftet.

Gemeinschafts- und Einzelkelche

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in der evangelischen Kirche eine maßgeblich von Friedrich Spitta geförderte Kelchbewegung. Sie setzte sich dafür ein, beim Abendmahl Einzelkelche anstelle eines gemeinsamen Kelches einzuführen. Die Kirchenleitungen lehnten dies zunächst meistens ab. Die Befürworter nannten vor allem hygienische Gründe. Kritiker deuteten die Bewegung dagegen als Ausdruck einer bürgerlich-individualistischen Verengung des Abendmahls.

Werden die Einzelkelche nicht schon vor der Feier gefüllt, benötigt man für die Verteilung des Weins einen besonders gestalteten Gießkelch. Einzelkelche bestehen meist aus Edelstahl, Keramik oder Glas. Am Ende des 20. Jahrhunderts wurden außerdem Plastikbecher zur einmaligen Verwendung eingesetzt. Eine Weiterentwicklung sind bereits gefüllte „Prefilled Communion Cups“.

Während der Coronapandemie verwendeten seit 2020 erneut viele Gemeinden Einzelkelche. Auch dabei gab es Kritik von Menschen, die nicht vom gewohnten Gemeinschaftskelch abweichen wollten.

Beispiele der Formgeschichte

Die abgebildeten Beispiele zeigen liturgische Kelche aus unterschiedlichen Zeiten und Stilrichtungen. Dazu gehören der Kelch mit Patene aus dem Schatz von Gourdon aus dem 6. Jahrhundert, der Tassilokelch um 780, der sogenannte „Liudgerikelch“ aus der Abteikirche Essen-Werden aus dem 11. Jahrhundert und ein romanischer Kelch aus dem St.-Patrokli-Dom in Soest.

Spätere Beispiele sind ein Kelch aus Klosterneuburg von 1337, ein spätgotischer Kelch aus der Zeit vor 1513, ein barocker Messkelch aus Rapperswil um 1690, ein evangelischer Abendmahlskelch von 1831 und ein neugotischer Messkelch aus der Kirche Zum Guten Hirten in Berlin-Friedrichsfelde von 1920. Ein moderner Kelch mit Hostienschale sowie ein Tablett mit Einzelkelchen veranschaulichen neuere Formen und Verwendungsweisen.

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