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Hostie
Der Ausdruck Hostie (lateinisch hostia ‚Vergeltung', ‚Opfer', ‚Opferlamm', ‚Opfertier' oder ‚Opfergabe') bezeichnet in den Kirchen der katholischen …
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Grundbedeutung und Verwendung
Die Hostie ist das Brot, das in Kirchen der katholischen Tradition des Westens, in der Neuapostolischen Kirche, in der armenisch-orthodoxen Kirche sowie in einigen evangelischen Kirchen bei der Eucharistie beziehungsweise beim Abendmahl verwendet wird. In den Ostkirchen wird die Hostie traditionell „Lamm“ genannt. Dort wird sie aus Weizenmehl und Wasser hergestellt, dem Sauerteig beigemengt wird.
In der lateinischen Kirche besteht die Hostie für die Eucharistiefeier aus reinem Weizenmehl und Wasser. Das Brot muss „frisch und nach dem alten Brauch der lateinischen Kirche ungesäuert sein“. In der römisch-katholischen Kirche müssen Hostien Weizenmehl und damit Gluten enthalten; der Glutenanteil darf jedoch sehr gering sein.
Glaube an die Gegenwart Christi
Nach dem Glauben der römisch-katholischen Kirche ist die in der Wandlung der heiligen Messe konsekrierte Hostie der Leib Christi. „Konsekriert“ bedeutet: In der liturgischen Feier ist sie geweiht beziehungsweise gewandelt worden.
Auch in den meisten anderen Liturgien wird die Hostie bei der Austeilung des heiligen Mahles als „Leib Christi“ gereicht. Zwischen den Konfessionen besteht jedoch Uneinigkeit über Art und Dauer der Realpräsenz. Mit „Realpräsenz“ ist die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie oder im Abendmahl gemeint.
Entwicklung der Hostienform
Ursprünglich war das eucharistische Brot Alltagsbrot, das die Gläubigen zur Feier des Herrenmahles mitbrachten. Besonders verbreitet war ein rundliches Brot mit Kreuzkerbe, das dadurch teilbar war. Es wurde panis quadratus oder panis decussatus genannt. Die Kreuzkerbe wurde bald als christliches Symbol verstanden und als Verzierung gefordert.
Seit karolingischer Zeit, also im 8. und 9. Jahrhundert, entwickelte sich in der westlichen Kirche der Brauch, bei der Eucharistiefeier Oblaten aus Weizenmehl und Wasser zu verwenden. Dieser Brauch wurde unter anderem mit dem ungesäuerten Brot, der Matze, des jüdischen Seders begründet. Außerdem wollte man verhindern, dass bei gesäuertem Brot, das leichter bröselt, während der Verteilung Partikel verloren gehen und dadurch die Eucharistie verunehrt wird.
Diese Verwendung ungesäuerten Brotes führte zum Azymenstreit mit der byzantinischen Kirche, die gesäuertes Brot verwendete. Ein wichtiger Bezugspunkt war dabei das biblische Gleichnis vom Sauerteig in Mt 13,33–35. Der Streit wurde zu einem der Vorwände für das Große morgenländische Schisma von 1054.
Herstellung und Vorschriften
In der lateinischen Kirche begann man allmählich, dünne Oblaten zum Austeilen an die Gläubigen zu backen. Dadurch musste das Brot nicht vielfach gebrochen werden. Gebacken wurden diese Oblaten in einer Metallform, dem Hostieneisen.
Auf den etwas größeren Hostien für den Priester brachte man schmückende Prägungen an. Bevorzugt waren Darstellungen Christi oder des Gekreuzigten; später kamen auch andere Darstellungen sowie In- und Umschriften hinzu. Solche Prägungen wurden als imago Domini cum litteris bezeichnet, also als „Bildnis des Herrn mit Text“. Auch Franz von Assisi sorgte sich um schöne Hostieneisen in den Kirchen.
Das Backen der Hostien unterlag strengen Vorschriften. Zeitweise durften sie nur von Klerikern gebacken werden, die liturgische Gewänder trugen. Das Backen hatte unter Stillschweigen oder begleitet von Psalmengesang zu geschehen. In der Neuzeit führte die Sorge um die Einhaltung kirchlicher Vorschriften dazu, dass Hostien meist in Frauenklöstern hergestellt werden. Die größte Hostienbäckerei Österreichs befindet sich im Missionshaus St. Gabriel in Maria Enzersdorf und besteht seit 1926.
Für die Eucharistiefeier soll die Materie der Hostie tatsächlich als Speise erkennbar sein. Deshalb soll sie so beschaffen sein, dass der Priester bei einer Gemeindemesse die Zelebrationshostie wirklich in mehrere Teile brechen und diese wenigstens einigen Gläubigen reichen kann.
Aufbewahrung und Verehrung
In der römisch-katholischen und der alt-katholischen Kirche wird das Allerheiligste streng von unkonsekrierten Hostien unterschieden. Mit „Allerheiligstes“ ist die konsekrierte Hostie gemeint. Sie wird im Tabernakel verwahrt, vor allem für die Kommunion von Kranken und Sterbenden als Wegzehrung, aber auch zur stillen Anbetung durch die Gläubigen.
Diese Aufbewahrung ist Ausdruck des Glaubens an die Transsubstantiation. Damit ist die Lehre gemeint, dass die gewandelte Hostie der wahre Leib Christi ist. Deshalb soll ihr höchste Ehrfurcht entgegengebracht werden. Besonders sichtbar wird diese Verehrung bei der Fronleichnamsprozession: Dabei wird das Allerheiligste in einer Monstranz von einem Priester oder Diakon zu Außenaltären getragen.
Martin Luther unterschied entsprechend seiner Eucharistielehre ebenfalls zwischen konsekrierten und unkonsekrierten Hostien. Er verwarf jedoch die Verwendung der konsekrierten Hostien zu anderen Zwecken als dem unmittelbaren Empfang. In manchen Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche werden übriggebliebene Hostien vom Pfarrer am Altar oder in der Sakristei sofort zu sich genommen.
Früher wurden unkonsekrierte Hostien auch als Arzneimittel verwendet, weil man annahm, sie hätten bei Krankheiten eine wirksame Heilkraft.