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UNESCO
Die UNESCO (von englisch United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), für Österreich und Schweiz Organisation der Vereinten Nationen …
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Wesen und Auftrag
Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) ist eine internationale Organisation und eine der 19 rechtlich selbstständigen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Ihr Hauptsitz befindet sich in Paris. Sie arbeitet in den Bereichen Erziehung beziehungsweise Bildung, Wissenschaft, Kultur sowie Kommunikation und Information. Gegründet wurde sie am 16. November 1945; ihr offizielles Logo zeigt den Athener Parthenon als Symbol für die klassischen Wurzeln von Wissen, Kultur und Wissenschaft.
Der Gründungsgedanke entstand aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Frieden soll nicht nur durch politische und wirtschaftliche Verträge gesichert werden, sondern in der „geistigen und moralischen Solidarität der Menschheit“ verankert sein. Die Präambel der UNESCO-Verfassung fasst dies mit dem Satz zusammen: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“ Die UNESCO versucht daher, durch Bildung, wissenschaftliche Zusammenarbeit, kulturellen Austausch sowie freien Zugang zu Information zur Verständigung zwischen den Völkern beizutragen.
Zentrale Arbeitsfelder
Im Bildungsbereich trägt die UNESCO die Verantwortung für Ziel 4 der Ziele für nachhaltige Entwicklung: inklusive, gerechte und hochwertige Bildung für alle („Education For All“, EFA). Zu ihren Aufgaben gehören außerdem Gesundheitserziehung zur Drogen- und AIDS-Prävention, der Wiederaufbau von Bildungssystemen in Krisen- und Katastrophengebieten sowie demokratische Erziehung auf Grundlage der Menschenrechte. Mit der ISCED (International Standard Classification of Education) entwickelte sie eine internationale Klassifikation zur Beschreibung von Schulsystemen. Sie organisiert internationale und interregionale Bildungskonferenzen, darunter CONFINTEA zur Erwachsenenbildung, und unterstützt UNESCO-Schulen und UNESCO-Lehrstühle. Außerdem koordinierte sie die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung von 2005 bis 2014.
In den Wissenschaften fördert die UNESCO vor allem die zwischenstaatliche Zusammenarbeit in Ozeanographie, Hydrologie, Geologie und Umweltwissenschaften. Hauptziele sind der Erhalt biologischer Arten und der Trinkwasserressourcen. Wegen der Folgen des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts in den Biowissenschaften entwickelte die UNESCO außerdem international abgestimmte bioethische Grundsätze. Die Generalkonferenz verabschiedete einstimmig drei rechtlich nicht bindende Erklärungen: die Allgemeine Erklärung über das menschliche Genom und Menschenrechte (1997), die Internationale Erklärung über humangenetische Daten (2003) und die Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte (2005).
Im Kulturbereich schützt die UNESCO Kulturgüter und kulturelle Ausdrucksformen. Die Haager Konvention von 1954 schützt Kulturgut bei bewaffneten Konflikten, während das Übereinkommen von 1970 gegen die unzulässige Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut sowie gegen Plünderung gerichtet ist. Die Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser von 2001 schloss eine wichtige geografische Lücke. Das Welterbekomitee verwaltet nach der Welterbekonvention von 1972 das Weltkultur- und Weltnaturerbe. Die Eintragung ist eine besondere Auszeichnung, aber auch mit einer Bewahrungspflicht verbunden.
Das Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) besteht seit 1970 und betont die Verbindung von Kultur und Umwelt. Zu ihm gehören Biosphärenreservate als Modellregionen. 1982 wurde bei der Weltkulturkonferenz Mondiacult in Mexiko ein „erweiterter Kulturbegriff“ festgeschrieben, der über einen elitären, europäisch geprägten Blick auf Bauwerke und die bildenden Künste hinausgeht. 2005 verabschiedete die UNESCO das Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen.
Weitere Programme bewahren schriftliche und immaterielle Zeugnisse. Das Programm Memory of the World (MOW) von 1992 widmet sich dem Weltdokumentenerbe, etwa alten Handschriften, Originalurkunden und Bibliotheken. Die Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes wurde im Oktober 2003 verabschiedet und trat am 20. April 2006 in Kraft. Sie umfasst unter anderem Mythen, Epen, Erzählungen, Musik, Tanz, Spiele, Bräuche und handwerkliche Fähigkeiten. Das Vorgängerprogramm „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ bestand von 1997 bis 2006.
Im Bereich Kommunikation und Information setzt sich die UNESCO für Pressefreiheit und Informationszugang ein. In Entwicklungsländern vermittelt sie Medienkompetenz, bildet Journalisten aus und unterstützt den Aufbau von Radiostationen und Nachrichtenagenturen. Unter dem Kürzel EOLSS betreibt sie außerdem eine große wissenschaftliche Online-Enzyklopädie.
Entstehung und Entwicklung
Als Vorgänger der UNESCO gilt das Institut International de Coopération Intellectuelle (IICI), das im Januar 1926 in Paris seine Arbeit aufnahm. Es war das Exekutivorgan der 1922 gegründeten Commission International de Coopération Intellectuelle (CICI). Das IICI beschäftigte sich unter anderem mit Urheberrecht und geistigem Eigentum, Übersetzungen, Kulturstatistik und „moralischer Abrüstung“. Damit sollte es durch erzieherische und kulturelle Maßnahmen die Friedensbereitschaft der Völker stärken und die politische Friedenssicherung des Völkerbundes ergänzen.
Ab 1942 beriet der britische Erziehungsminister Lord Butler in London mit Vertretern von acht europäischen Exilregierungen über den Wiederaufbau von Bildung und Kultur nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Sowjetunion nahm nicht teil. Nachdem die Gründung der Vereinten Nationen beschlossen worden war, entwickelte der Kreis um Butler ab Frühjahr 1944 eine internationale Organisation für Bildung und Kultur unter dem Dach der späteren UNO. Die Vereinigten Staaten beteiligten sich ab diesem Zeitpunkt an den Beratungen.
Am 16. November 1945 unterzeichneten 37 Staaten in London die UNESCO-Verfassung. Eine Vorbereitende Kommission bereitete anschließend die erste Generalkonferenz sowie Programm- und Haushaltsentwürfe vor. Alfred Zimmern wurde am 3. Dezember 1945 zum ersten Generalsekretär gewählt; im März 1946 folgte ihm Julian Huxley. Am 4. November 1946 trat die Verfassung nach der Hinterlegung der 20. Ratifizierungsurkunde durch Griechenland in Kraft. 1946 wurde der Sitz von London nach Paris verlegt. Der Neubau an der Place de Fontenoy wurde 1958 fertiggestellt und ist seitdem Hauptsitz.
Die deutschsprachigen Staaten traten zu unterschiedlichen Zeitpunkten bei: Luxemburg am 27. Oktober 1947, Österreich am 13. August 1948 als 40. Mitglied, die Schweiz am 18. Januar 1949 und die Bundesrepublik Deutschland am 11. Juli 1951. Die Deutsche Demokratische Republik wurde im November 1972 Mitglied. Liechtenstein war 2026 zwar Mitglied der Vereinten Nationen, aber kein UNESCO-Mitgliedstaat.
Durch die Entkolonialisierung wuchs die Mitgliederzahl von 59 Staaten im Jahr 1950 auf 99 (1960), 125 (1970), 153 (1980), 159 (1990), 192 (2000), 195 (2010) und 197 (2020). Südafrika verließ die UNESCO 1955 und trat nach dem Ende der Apartheid 1994 wieder bei. 1971 wurde die Republik China infolge der Resolution 2758 der UN-Generalversammlung aus der UNESCO gedrängt; an ihre Stelle trat die Volksrepublik China. Portugal war von 1972 bis 1974 nicht Mitglied. Nach dem Zerfall der Sowjetunion kamen 1991 zwölf ehemalige Sowjetrepubliken hinzu, während Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion behandelt wurde.
Organe und Entscheidungsabläufe
Die UNESCO besitzt drei zentrale Organe: die Generalkonferenz, den Exekutivrat und das Sekretariat. An der Spitze des Sekretariats steht der Generaldirektor.
Die Generalkonferenz ist das oberste Entscheidungs- und Kontrollorgan. Sie tagt seit 1954 alle zwei Jahre zu einer ordentlichen Sitzung in Paris. Grundsatz ist: Ein Staat hat eine Stimme. Die Konferenz legt Ziele und allgemeine Richtlinien fest, beschließt die vom Exekutivrat vorgelegten Programme und verfügt über das Budget. Sie beruft internationale Staatenkonferenzen ein, verabschiedet Empfehlungen und Übereinkommen und prüft Berichte der Mitgliedstaaten über deren Umsetzung. Außerdem wählt sie die Mitglieder des Exekutivrats für vier Jahre. Unterstützt wird sie durch Komitees und Kommissionen unter anderem für Programm und Budget, Bildung, Naturwissenschaften, Sozial- und Geisteswissenschaften, Kultur, Kommunikation und Information, Personal, Rechtsfragen und Wahlen.
Der Exekutivrat verbindet Generalkonferenz und Sekretariat. Er bereitet die Tagesordnung der Generalkonferenz vor, prüft Arbeitsprogramm und Haushaltsplan und überwacht die Durchführung des beschlossenen Programms. Seit 1995 besteht er aus 58 Mitgliedern und tritt normalerweise zweimal jährlich zusammen. Die Mitglieder werden für vier Jahre gewählt. Ursprünglich galten sie bis 1954 als unabhängige Persönlichkeiten aus dem Geistesleben; später wurden sie zu politischen Vertretern ihrer Staaten. Seit 1976 können Regierungen ihre Vertreter vor Ablauf der Amtszeit und unabhängig von deren Zustimmung abberufen und ersetzen lassen.
Die 58 Sitze verteilen sich auf sechs UNESCO-Regionen beziehungsweise Regionalgruppen: Westeuropa und Nordamerika (9), Osteuropa (7), Lateinamerika und Karibik (10), Asien und Pazifik (12), Afrika (14) sowie arabische Staaten (6). Das Sekretariat hat am Pariser Hauptsitz rund 2100 Mitarbeiter aus etwa 170 Nationen; weitere rund 700 arbeiten in 65 Außenstellen. Der Generaldirektor wird auf Vorschlag des Exekutivrats von der Generalkonferenz für vier Jahre gewählt, nimmt ohne Stimmrecht an Sitzungen teil und erstellt Tätigkeitsberichte. Seit dem 15. November 2025 ist Khaled El-Enany aus Ägypten Generaldirektor; Vorsitzender des Exekutivrats ist seit 2025 Nasser Hamad Hinzab aus Katar.
Die fünf UNESCO-Regionen heißen Afrika, arabische Staaten, Asien und Pazifik, Europa und Nordamerika sowie Lateinamerika und Karibik. Sie sind nicht rein geografisch bestimmt, sondern berücksichtigen auch kulturelle Gesichtspunkte. Israel gehört beispielsweise trotz seiner geografischen Lage in Asien zur Region Europa und Nordamerika. Russland wird einschließlich seines asiatischen Teils vollständig dieser Region zugeordnet. Nationalkommissionen sind keine UNESCO-Organe, aber in der UNESCO-Verfassung vorgesehene Einrichtungen, die Regierungen und einschlägige Institutionen eines Mitgliedstaats mit der Arbeit der Organisation verbinden.
Mitgliedschaft und politische Konflikte
Die Angaben zur aktuellen Mitgliedschaft sind im Artikel nicht vollständig einheitlich: Für April 2025 werden 194 Mitgliedstaaten und zwölf assoziierte Mitglieder genannt. An anderer Stelle heißt es, die UNESCO habe seit der Rückkehr der USA im Sommer 2023 197 Mitgliedstaaten und zwölf assoziierte Mitglieder; zugleich hätten Nicaragua und erneut die USA ihren Austritt zum 31. Dezember 2026 erklärt.
Konflikte zwischen der UNESCO und den Vereinigten Staaten betrafen besonders Finanzierung, politische Ausrichtung und den Nahostkonflikt. 1974 stellte der US-Kongress auf Empfehlung von Präsident Gerald Ford Zahlungen vorübergehend ein, nachdem die UNESCO die Palästinensische Befreiungsorganisation anerkannt und Israel verurteilt hatte. Die USA leiteten 1983 den Austritt ein; zum Jahresende 1984 wurde er wirksam. Als Gründe wurden eine „linksgerichtete Politisierung“, ungeordnete Finanzen und ein angebliches Patronage-System unter Generaldirektor Amadou-Mahtar M'Bow genannt. Das Vereinigte Königreich und Singapur traten 1985 aus ähnlichen Gründen aus. Das Vereinigte Königreich kehrte 1997, Singapur am 8. Oktober 2007 zurück. Die USA traten 2003 nach 19 Jahren Abwesenheit wieder bei.
Am 31. Oktober 2011 nahm die Generalkonferenz Palästina mit 107 Ja-Stimmen, 14 Gegenstimmen und 52 Enthaltungen als Mitglied auf. Deutschland, Israel und die USA stimmten unter anderem dagegen; die Schweiz und das Vereinigte Königreich enthielten sich. Daraufhin reduzierten die USA ihre Beiträge, die ungefähr ein Fünftel des UNESCO-Budgets ausgemacht hatten. Wegen des Zahlungsboykotts verloren die USA und Israel im November 2013 ihr Stimmrecht. Für 2016–2017 betrug der reguläre Haushalt 653 Millionen US-Dollar, tatsächlich stand wegen der ausgesetzten Beiträge nur ein Ausgabenplan von 518 Millionen US-Dollar zur Verfügung.
2016 kritisierte Israel eine UNESCO-Resolution zu Palästinas Kulturerbe und Ost-Jerusalem, weil der Tempelberg ausschließlich mit seinem arabisch-islamischen Namen bezeichnet und jüdische Verbindungen nicht erwähnt wurden. 2017 führte die Erklärung der Altstadt von Hebron zum palästinensischen Weltkulturerbe zu weiteren Protesten. Die USA und Israel erklärten im Oktober 2017 ihren Austritt zum 31. Dezember 2018; Israels Austritt wurde Ende Dezember 2017 formell eingereicht.
Im Juni 2023 kündigte die US-Regierung unter Joe Biden den Wiedereintritt an, der im Juli 2023 erfolgte. Die USA sagten zu, rund 600 Millionen US-Dollar ausstehende Zahlungen zu begleichen. Als Grund wurde unter anderem der Einfluss auf internationale Regeln und Standards für künstliche Intelligenz genannt. Im Juli 2025 kündigten die USA unter Donald Trump erneut den Austritt an, weil die Mitgliedschaft nicht im nationalen Interesse liege; er soll bis Ende 2026 vollzogen werden.
Programme, Partner und Einrichtungen
Zur UNESCO gehören zahlreiche Programme und Einrichtungen, darunter die Zwischenstaatliche Ozeanographische Kommission, das Internationale Hydrologische Programm, MAB mit den Biosphärenreservaten, das Internationale Programm zur Entwicklung der Kommunikation, Programme zu Bioethik und gesellschaftlichem Wandel sowie Gremien zur Rückgabe von Kulturgut und zur Förderung von Sport und Leibeserziehung. Außerdem unterstützt die UNESCO zahlreiche internationale Gedenk- und Aktionstage, etwa den Weltalphabetisierungstag, den Welttag des Buches und des Urheberrechts, den Welttag der Wissenschaft, den Internationalen Tag der Muttersprache, den Internationalen Tag des Jazz und den Internationalen Tag der Mathematik.
Zu den UNESCO-Instituten und -Zentren zählen unter anderem das Internationale Zentrum für Theoretische Physik bei Triest, das UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen in Hamburg, das Internationale Zentrum für Wasserressourcen und Globalen Wandel in Koblenz, das Internationale Zentrum für Berufsbildung in Bonn, das UNESCO-Institut für Statistik in Montreal und das Internationale Institut für Erziehungsplanung in Paris und Buenos Aires. Weitere Einrichtungen befassen sich mit Bildung, Hochschulen, Informationstechnologie und der Leistungsfähigkeit Afrikas. UNESCO-Lehrstühle und UNESCO-Projektschulen ergänzen diese Arbeit.
Partnerorganisationen sind unter anderem das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, Blue Shield International, der Internationale Museumsrat ICOM, ICOMOS und das Internationale Institut für humanitäres Recht. Besonders im Kulturgüterschutz arbeitet die UNESCO mit Blue Shield zusammen, etwa bei der Erfassung schützenswerter Kulturgüter, der Erstellung von „No-strike lists“, der Verbindung ziviler und militärischer Strukturen und der Ausbildung von Militärpersonal. Der Artikel verweist außerdem auf Listen zum Weltkultur- und Weltnaturerbe, Weltdokumentenerbe, immateriellen Kulturerbe, auf UNESCO Global Geoparks und Biosphärenreservate. Ein eigener Abschnitt zu Preisen enthält im vorliegenden Artikel keine näheren Angaben.