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Eucharistie

Sie wird bezogen auf das Abendmahl, das Jesus nach der Darstellung der Evangelien und des 1. Korintherbriefes mit seinen Jüngern kurz vor seinem Leiden und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Ursprung
  2. 2. Liturgie, Brot und Wein
  3. 3. Darreichung und Teilnahme
  4. 4. Katholische, orthodoxe und anglikanische Lehren
  5. 5. Evangelische und freikirchliche Lehren
  6. 6. Weitere kirchliche Formen

Kern und Ursprung

Die Eucharistie, auch Abendmahl, Herrenmahl, heilige Kommunion oder Altarsakrament genannt, ist ein christliches Sakrament. Sie geht auf das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern vor seinem Leiden und Sterben zurück. Brot und Wein stehen dabei für seine bleibende Gegenwart. In der Feier werden Tod und Auferstehung Jesu Christi als Heilsereignis verkündigt. Je nach Konfession gilt sie als unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers oder als Feier, die Jesu Tod erinnernd gegenwärtig macht. Umstritten ist vor allem, wie Christus gegenwärtig ist: in seinem Wort, im Glauben der Gemeinde oder in Brot und Wein.

Das historische Umfeld bildet das jüdische Pessach, das an Israels Auszug aus Ägypten erinnert. Jesus feierte sein letztes Mahl noch vor der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr.; deshalb war es kein später entwickeltes Sedermahl. Im frühen Christentum folgten die Segensworte über Brot und Wein zunächst auf ein sättigendes Gemeinschaftsmahl. Später wurde dieses als Agape eigenständig, während die eucharistische Feier mit dem sonntäglichen Wort- und Gebetsgottesdienst verbunden wurde. Justin der Märtyrer († 165) beschreibt bereits Lesungen, Predigt, Fürbitten, Friedenskuss und Mahlfeier. Die Entwicklung der ersten Jahrhunderte bleibt dennoch teilweise unklar.

Ritualtheoretisch stärken das gemeinsame Zusammenkommen, Brotbrechen, Gebete und Friedensgruß die Gruppenidentität. Brot und Wein waren alltägliche Lebensmittel, erhielten aber als Leib und Blut Christi eine besondere Bedeutung. Anfangs waren Ort, Zeit und Leitung noch nicht überall festgelegt. Didache und Traditio Apostolica machten später die Taufe zur Voraussetzung der Teilnahme.

Liturgie, Brot und Wein

Viele Liturgien enthalten trotz konfessioneller Unterschiede ähnliche Bestandteile: Schuldbekenntnis und Absolution, Präfation als großes Dankgebet, Sanctus, Anamnese als vergegenwärtigende Erinnerung, Einsetzungsbericht, Konsekration, Epiklese als Anrufung des Heiligen Geistes, Vaterunser, Friedensgruß, Agnus Dei, Kommunion, Schlussgebet, Segen und Entlassung. In orthodoxen, katholischen und anglikanischen Kirchen bilden Wortgottesdienst und eucharistische Liturgie stets eine Einheit; im evangelischen Bereich wird das Abendmahl teilweise nur an bestimmten Sonntagen gefeiert.

Brot und Wein sind die grundlegenden eucharistischen Gaben. Ursprünglich wurde gewöhnliches gesäuertes Weizenbrot verwendet. In der lateinischen Westkirche ist ungesäuertes Brot erst seit dem späten 8. Jahrhundert belegt und setzte sich etwa 300 Jahre später durch. Heute schreibt die römisch-katholische Kirche ungesäuerte Hostien vor. Die meisten orthodoxen Kirchen verwenden gesäuertes Brot; eine Ausnahme ist die Armenische Apostolische Kirche. Lutherische und neuapostolische Kirchen nutzen ebenfalls Hostien, reformierte Kirchen und Freikirchen meist gewöhnliches Weißbrot.

Im byzantinischen Ritus wird aus einer Prosphore, einem geprägten gesäuerten Brotlaib, das „Lamm“ herausgeschnitten und zusammen mit dem Wein konsekriert. Beides wird im Kelch vermischt und mit einem Löffel gereicht. Nicht konsekriertes, aber gesegnetes Brot heißt Antidoron und kann auch an Nichtorthodoxe verteilt werden.

Wein war bis ins 19. Jahrhundert nahezu überall üblich. Orthodoxe und altkatholische Kirchen verwenden weiterhin ausschließlich Wein; in der römisch-katholischen Kirche ist Traubenmost nur in eng begrenzten Ausnahmefällen erlaubt. Viele evangelische Kirchen reichen auch oder ausschließlich Traubensaft, besonders mit Rücksicht auf Kinder, Alkoholkranke und kranke oder ältere Menschen. In den östlichen Kirchen wird der meist rote Wein mit etwas kochendem Wasser, dem Zeon, ungefähr auf Körpertemperatur gebracht.

Darreichung und Teilnahme

Die Kommunion wird meist jedem Einzelnen durch Priester, Diakone oder andere Beauftragte gereicht. In reformierten Gemeinden können die Gläubigen Brot und Kelch auch einander weitergeben. Übliche Formen sind das Trinken aus einem gemeinsamen Kelch oder aus Einzelkelchen, die Intinctio, bei der die Hostie in Wein getaucht wird, sowie im orthodoxen Ritus die Austeilung vermischter Gaben mit einem Löffel. Die Neuapostolische Kirche verwendet Hostien, die mit drei Tropfen Rotwein versehen sind.

Die meisten Kirchen reichen Brot und Wein. In der römisch-katholischen Kirche ist der Empfang allein unter der Gestalt des Brotes jedoch der Regelfall, weil nach ihrer Lehre der ganze Christus in jeder der beiden Gestalten gegenwärtig ist. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist die Kelchkommunion für Gläubige wieder erlaubt und empfohlen.

Die Zulassung wird unterschiedlich geregelt. In der frühen Kirche war die Eucharistie den Getauften vorbehalten. Orthodox getaufte Kinder dürfen unabhängig vom Alter kommunizieren. In vielen evangelischen Kirchen können getaufte und unterrichtete Kinder teilnehmen; in der katholischen Kirche liegt die Erstkommunion gewöhnlich zwischen sechs und zwölf Jahren. Methodistische und einige weitere Kirchen praktizieren ein offenes Abendmahl, teils auch für Ungetaufte, die im Glauben teilnehmen wollen. Evangelische Landeskirchen laden grundsätzlich getaufte Christen ein.

Bei geschlossener Kommunion dürfen in der Regel nur Mitglieder der eigenen Kirche oder kirchlich verbundener Gemeinschaften teilnehmen. Dies gilt unter anderem für orthodoxe Kirchen, altkonfessionelle lutherische Kirchen und grundsätzlich für die römisch-katholische Kirche. Dort können orthodoxe und orientalische Christen auf eigene Bitte kommunizieren; für andere Christen gelten engere Ausnahmebedingungen. Interkommunion bedeutet die gegenseitige Zulassung, Interzelebration eine gemeinsame Feier. Vereinbarte Abendmahlsgemeinschaft besteht beispielsweise zwischen den Kirchen der Leuenberger Konkordie sowie seit dem Bonn Agreement von 1931 zwischen der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen und der Anglikanischen Gemeinschaft. Eine allgemeine „eucharistische Gastfreundschaft“ zwischen katholischen und evangelischen Christen bleibt wegen verschiedener Sakraments-, Amts- und Kirchenverständnisse umstritten.

Katholische, orthodoxe und anglikanische Lehren

Die frühe Kirche verstand die Eucharistie bereits als besondere, gemeinschaftsstiftende und heilige Speise. Ignatius von Antiochien († 107–110) nannte sie „Arznei der Unsterblichkeit“, betonte die Gegenwart von Christi Fleisch und die Leitung durch den Bischof. Justin der Märtyrer (ca. 110–165) bezeichnete die gesegnete Speise als Fleisch und Blut Jesu; ob er bereits den späteren katholischen Opferbegriff vertrat, ist umstritten. Augustinus unterschied die sichtbare leibliche Gestalt von Brot und Wein von ihrem geistigen Gehalt.

Die römisch-katholische Kirche lehrt die Realpräsenz: Christus ist wirklich, tatsächlich und substantiell mit Leib, Blut, Seele und Gottheit gegenwärtig. Bei der Transsubstantiation wird die Substanz von Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt. Die konsekrierten Hostien bleiben deshalb heilig, werden im Tabernakel aufbewahrt, Kranken und Sterbenden als „Wegzehrung“ gereicht und verehrt. Nach dem Konzil von Trient sind Messopfer und Kreuzesopfer identisch; verschieden ist nur die Weise des Opfers. Die Messe ist Vergegenwärtigung, Gedächtnis und Zuwendung des einmaligen Kreuzesopfers, keine bloße Erinnerung. Gültig konsekrieren können nur geweihte Priester. Für den Empfang werden Glaube an die Realpräsenz, Freiheit von schwerer Sünde und gewöhnlich eine Stunde eucharistische Nüchternheit verlangt.

Orthodoxe und altorientalische Kirchen lehren die Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi, legen deren Art aber weniger begrifflich fest. Die Epiklese besitzt große Bedeutung. Die Göttliche Liturgie wird durch Bischof oder Priester mit dem Volk gefeiert; üblich ist ein wöchentlicher Rhythmus, besonders am Sonntag. Die Eucharistie gilt als unblutiges Opfer und Abbild des Kreuzesopfers. Brot und Wein werden für die Krankenkommunion aufbewahrt, aber außerhalb der Liturgie gewöhnlich nicht kultisch verehrt.

In der anglikanischen Gemeinschaft besteht ein breites Lehrspektrum. Die reformatorische Grundlinie unterscheidet die äußeren Zeichen Brot und Wein von der inneren geistlichen Gnade: Christi Leib wird im Glauben geistlich empfangen. Seit der Oxford-Bewegung des 19. Jahrhunderts wird die Realpräsenz in Teilen des Anglikanismus stärker, teils nahe am katholischen Verständnis, betont.

Evangelische und freikirchliche Lehren

Lutherische Kirchen lehnen Transsubstantiation und Messopfer als philosophisch beziehungsweise als vermeintliche Wiederholung des einmaligen Kreuzesopfers ab, halten aber an der wirklichen Gegenwart von Christi Leib und Blut „in und unter“ Brot und Wein fest. Durch die Konsekration entstehen sakramentale Einheiten von Brot und Leib sowie Wein und Blut. Diese Realpräsenz hängt nicht vom Glauben der Empfangenden ab; auch Ungläubige empfangen nach lutherischer Lehre Leib und Blut, jedoch zum Gericht. Das Sakrament soll Glauben wecken und stärken sowie Heilsgewissheit geben.

In reformierten Kirchen stehen zwei Linien nebeneinander. Für Huldrych Zwingli sind Brot und Wein Zeichen; das Abendmahl ist vor allem Gedächtnis des Opfertodes Christi. Johannes Calvin lehrt dagegen eine durch den Heiligen Geist vermittelte reale, persönliche Gegenwart Christi in der gesamten Mahlfeier, ohne stoffliche Verwandlung der Gaben. Alle empfangen Brot und Wein. Abendmahlstisch und gegenseitiges Weiterreichen betonen Gemeinschaft und das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen.

Täuferische Gruppen wie Mennoniten, Amische und Hutterer verstehen das Brotbrechen als Gedächtnis- und Bundeszeichen, nicht als Sakrament. Baptisten betonen ebenfalls Erinnerung und gleichberechtigte Gemeinschaft am „Tisch des Herrn“. Methodisten glauben an die wirkliche persönliche Gegenwart Christi, ohne sie näher erklären zu wollen; das Abendmahl ist Sakrament, Danksagung, Erinnerung, Gemeinschaft und Gnadenmittel. Sie laden grundsätzlich alle ein und verwenden häufig Traubensaft.

Brüdergemeinden feiern meist sonntäglich ohne festgeschriebene Liturgie; Bibeltexte, Gebete, Lieder und kurze Beiträge entstehen in freier Reihenfolge. Die Herrnhuter Brüdergemeine lässt symbolisch einen Platz für Christus frei. Siebenten-Tags-Adventisten feiern meist vierteljährlich ein offenes Abendmahl mit ungesäuertem Brot, Traubensaft und vorheriger Fußwaschung.

Weitere kirchliche Formen

Die Altkatholische Kirche lehrt, dass die Kommunizierenden unter Brot und Wein Leib und Blut Christi empfangen. Die Eucharistie wiederholt das Kreuzesopfer nicht, sondern vergegenwärtigt es als bleibendes Gedächtnis. Wie Christus in den Gaben anwesend ist, bleibt ein Mysterium; Transsubstantiation und Konsubstantiation werden überwiegend abgelehnt.

Die Neuapostolische Kirche feiert das Abendmahl in jedem von einem Apostel oder priesterlichen Amtsträger geleiteten Gottesdienst. Es ist Gedächtnis des einmaligen Opfers und engste Lebensgemeinschaft mit Christus. Brot und Wein werden gemeinsam in einer mit drei Weintropfen versehenen Hostie empfangen. Glaube, Bußfertigkeit und das Verlangen nach Heil gelten als Voraussetzungen für eine heilsame Wirkung. In bestimmten Gottesdiensten wird außerdem symbolisch ein „Abendmahl für Entschlafene“ gefeiert.

Zeugen Jehovas begehen ihr „Gedächtnismahl“ einmal jährlich am 14. Nisan. Brot und Wein gelten als Symbole. Nur die kleine Gruppe, die sich als irdischen Überrest der „144.000“ versteht, nimmt davon; die übrigen Anwesenden beobachten die Feier.

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage feiert wöchentlich mit Brot und Wasser, da ihre Mitglieder keinen Alkohol trinken. Beides erinnert an Leib und Blut sowie das Sühnopfer Christi. Die Teilnehmenden versprechen, Christi Namen auf sich zu nehmen, an ihn zu denken und seine Gebote zu halten. Damit wird an das Taufbündnis erinnert, ohne die Taufe zu erneuern oder im Abendmahl selbst Vergebung der Sünden darzustellen.

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