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Napoleon Bonaparte
Seit 1796 nannte sich Napoleone Buonaparte selbst französisch Napoléon Bonaparte. · Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. · Günter Müchler: Napoleon.
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Überblick und Bedeutung
Napoleon Bonaparte (als Kaiser Napoleon I.; * 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika; † 5. Mai 1821 in Longwood House auf St. Helena) war General der Ersten Französischen Republik, Erster Konsul Frankreichs und Kaiser der Franzosen. Von 1805 bis 1814 war er König von Italien, von 1806 bis 1813 Protektor des Rheinbundes.
Er stieg während der Französischen Revolution militärisch auf und übernahm durch den Staatsstreich des 18. Brumaire VIII. am 9. November 1799 die Macht. Von 1799 bis 1804 als Erster Konsul, von 1804 bis 1814 sowie erneut 1815 als Kaiser führte er ein diktatorisches Regime mit plebiszitären Elementen, also mit Volksabstimmungen zur Legitimation.
Napoleon prägte Frankreich und Europa dauerhaft: Der Code civil von 1804 modernisierte das Zivilrecht, also das Recht zwischen Privatpersonen, und beeinflusste auch besetzte europäische Staaten. Seine Eroberungen brachten große Teile Kontinentaleuropas zeitweise unter französische Kontrolle. Zugleich förderte und verschärfte seine Herrschaft nationale Bewegungen, besonders in Spanien, Deutschland und Russland. Nach dem Russlandfeldzug von 1812, den Befreiungskriegen und der Niederlage bei Waterloo 1815 endete seine Herrschaft endgültig.
Aufstieg durch Revolution und Feldzüge
Napoleon wurde als Napoleone Buonaparte in eine korsische Kleinadelsfamilie geboren. Seine Eltern waren Carlo Buonaparte und Letizia Ramolino. Nach Schulen in Autun und Brienne besuchte er die École royale militaire in Paris. Wegen seiner mathematischen Kenntnisse wurde er Artillerieoffizier; 1785 erhielt er, kaum 16 Jahre alt, sein Offizierspatent.
Die Französische Revolution begrüßte er 1789, sah sie aber zunächst vor allem als Möglichkeit zur Befreiung Korsikas. Seine politischen Pläne auf der Insel scheiterten 1793; die Familie floh nach Frankreich. Entscheidend für seinen Aufstieg war die Belagerung von Toulon: Sein Plan trug zur Einnahme der von Royalisten und Briten gehaltenen Stadt am 19. Dezember 1793 bei. Mit 24 Jahren wurde er Général de brigade. Am 5. Oktober 1795 schlug er einen royalistischen Aufstand in Paris mit Geschützfeuer nieder und wurde danach Général de division.
Am 9. März 1796 heiratete er Joséphine de Beauharnais. Zwei Tage später übernahm er die schlecht versorgte Italienarmee. Im Italienfeldzug setzte er Kräfte schnell und konzentriert an entscheidenden Punkten ein. Er trennte die österreichischen und sardinisch-piemontesischen Armeen, siegte unter anderem am 10. Mai 1796 bei Lodi und nach der Einnahme Mantuas am 2. Februar 1797. Im Frieden von Campo Formio musste Österreich große Gebietsverluste hinnehmen. In Italien entstanden unter französischem Einfluss die Cisalpinische und die Ligurische Republik.
Der Ägyptenfeldzug von 1798 sollte Großbritanniens Zugang nach Indien stören. Am 21. Juli 1798 gewann Napoleon die Schlacht bei den Pyramiden und besetzte Kairo. Seine Flotte wurde jedoch bei Abukir von Horatio Nelson zerstört. Die Expedition brachte wissenschaftliche Folgen, etwa die Gründung des Institut d’Égypte und den Fund des Steins von Rosette, doch militärisch scheiterte sie: Akkon wurde nicht erobert, Krankheiten schwächten die Armee, und Napoleon verließ Ägypten am 23. August 1799.
Konsulat, Reformen und Kaiserreich
Beim Staatsstreich des 18. Brumaire VIII. setzte Napoleon am 9. und 10. November 1799 mit seinen Grenadieren die Parlamentskammern außer Kraft. Die Verfassung vom 24. Dezember 1799 gab dem Ersten Konsul für zehn Jahre weitreichende Vollmachten: Er hatte die Gesetzesinitiative und ernannte Minister sowie hohe Staatsbeamte. Napoleon drängte die anderen Konsuln politisch zurück und wurde faktisch Alleinherrscher.
Er stabilisierte Frankreich durch Zentralisierung der Verwaltung, Ausbau der Verkehrswege, Sanierung der Staatsfinanzen, eine Währungsreform und die Gründung der Banque de France. Der Code civil von 1804 sicherte wichtige Ergebnisse der Revolution wie die Abschaffung feudaler Privilegien und Rechtsgleichheit. Er blieb in Teilen Deutschlands bis 1900 in Kraft. 1802 stiftete Napoleon die Ehrenlegion. Politische Gegner wurden bekämpft, zugleich versuchte er Jakobiner und Royalisten einzubinden. Das Konkordat von 1801 mit Papst Pius VII. erkannte den Katholizismus als Religion der Mehrheit an; Napoleon ernannte die Bischöfe, der Papst weihte sie.
Im Zweiten Koalitionskrieg siegte Frankreich bei Marengo am 14. Juni 1800 und schloss Frieden mit Österreich in Lunéville am 9. Februar 1801, mit Russland am 8. Oktober 1801 und mit Großbritannien in Amiens am 25. März 1802. In den Kolonien führte die Wiederanwendung des Code Noir zur Fortdauer der Sklaverei; auf Saint-Domingue kam es nach Aufständen am 1. Januar 1804 zur Unabhängigkeit Haitis. 1803 verkaufte Frankreich Louisiana an die Vereinigten Staaten.
Napoleon wurde am 2. Dezember 1804 in Notre-Dame de Paris Kaiser der Franzosen und krönte sich selbst. Der Titel betonte den Anspruch, Kaiser eines Volkes zu sein. Am 26. Mai 1805 wurde er zudem König von Italien. Im Dritten Koalitionskrieg besiegte er Österreich bei Ulm und die österreichisch-russischen Truppen am 2. Dezember 1805 bei Austerlitz. Der Frieden von Pressburg brachte Österreich schwere Verluste, obwohl die französische Flotte am 21. Oktober 1805 bei Trafalgar geschlagen worden war.
Napoleonische Herrschaft in Europa
Napoleon sicherte seine Macht durch Heiratspolitik und die Einsetzung von Verwandten. Sein Bruder Joseph wurde König von Neapel und später von Spanien, Louis König von Holland, Jérôme König von Westphalen. Abhängige Staaten sollten so an Frankreich gebunden werden.
Am 16. Juli 1806 entstand aus zunächst 16 deutschen Staaten der Rheinbund. Seine Mitglieder mussten Frankreich militärisch unterstützen und aus dem Heiligen Römischen Reich austreten; Napoleon war sein Protektor. Franz II. legte daraufhin die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder. In den Rheinbundstaaten wurden Verwaltung, Agrarwesen, Bildung, Wirtschaft, Steuern und Finanzen nach französischem Vorbild reformiert. Grundrechte wie Gleichheit und Eigentumsrechte wurden verbreitet, der Zunftzwang aufgehoben. Die Reformen galten vielen jedoch als von außen aufgezwungen; Rekrutierungen, Steuern, Kontinentalsperre und Repression erzeugten Unmut.
Die Kontinentalsperre war ein europaweiter Handelsboykott gegen Großbritannien. Im Vierten Koalitionskrieg besiegte Napoleon Preußen am 14. Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt sowie Russland am 14. Juni 1807 bei Friedland. Im Frieden von Tilsit verlor Preußen etwa die Hälfte seines bisherigen Territoriums; aus polnischen Gebieten entstand das Herzogtum Warschau.
In Spanien setzte Napoleon 1808 seinen Bruder Joseph als König ein. Dagegen begann eine nationale Erhebung, die von britischen Truppen unter Arthur Wellesley unterstützt wurde. Die französische Armee wurde in einen kostspieligen Guerillakrieg, also einen Kampf kleiner beweglicher Gruppen gegen eine reguläre Armee, verwickelt. 1809 begann Österreich den Fünften Koalitionskrieg. Napoleon erlitt bei Aspern-Essling seine erste Niederlage, gewann aber bei Wagram. Im Frieden von Schönbrunn verlor Österreich große Gebiete und musste der Kontinentalsperre beitreten.
Da Joséphine keine Kinder hatte, ließ sich Napoleon 1809 von ihr scheiden und heiratete 1810 Marie-Louise von Österreich. Ihr Sohn Napoleon II. wurde 1811 geboren, starb aber 1832 kinderlos. Napoleon hatte außerdem zwei gesicherte außereheliche Söhne: Charles Léon Denuelle (1806–1881) und Alexandre Colonna-Walewski (1810–1868).
Russland, Sturz und die Hundert Tage
Russland beteiligte sich Ende 1810 aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr an der Kontinentalsperre. Napoleon begann deshalb den Russlandfeldzug. Die Angaben zur Stärke der Grande Armée sind umstritten: Häufig werden 590.000 Mann genannt, tatsächlich standen beim Einmarsch am 24. Juni 1812 höchstens 450.000 Mann zur Verfügung. Napoleons Plan war eine schnelle Entscheidungsschlacht, doch die russischen Truppen wichen zurück und nutzten die Taktik der verbrannten Erde. Versorgung, Logistik, Krankheiten und Witterung schwächten die Armee stark.
Am 17. August erreichten nur noch 160.000 Mann Smolensk. Napoleon gewann zwar die Schlacht von Borodino, verlor dabei aber etwa 28.000 Mann; auf russischer Seite gab es etwa 45.000 Tote oder Verwundete. Nach der Einnahme des brennenden Moskaus verweigerte Zar Alexander I. Verhandlungen. Beim Rückzug ab 18. Oktober litten die Soldaten unter Hunger, Kälte, Schnee, Krankheiten und Angriffen. Nach der Beresina war die Grande Armée zerschlagen; im Dezember 1812 überschritten nur 18.000 napoleonische Soldaten die Memel.
Die Niederlage löste die Befreiungskriege aus. Napoleon gewann 1813 noch bei Großgörschen und Bautzen, doch Preußen, Russland, Österreich und Schweden vereinigten sich gegen ihn. In der Völkerschlacht bei Leipzig wurde er 1813 endgültig geschlagen und zog sich hinter den Rhein zurück. Nach der Einnahme von Paris am 31. März 1814 verlor er seine Unterstützung und dankte am 12. April bedingungslos ab. Er erhielt Elba als Exil und durfte den Kaisertitel behalten.
Am 1. März 1815 kehrte Napoleon nach Frankreich zurück. Seine Gegner bildeten die Siebte Koalition. Nach ersten Erfolgen bei Ligny griff er am 18. Juni 1815 bei Waterloo Wellingtons Armee an. Das rechtzeitige Eingreifen preußischer Truppen unter Blücher entschied die Schlacht gegen ihn. Napoleon trat am 22. Juni 1815 erneut zurück und wurde auf die britisch kontrollierte Insel St. Helena verbannt.
Letzte Jahre und Einordnung
Auf St. Helena lebte Napoleon mit wenigen Begleitern in Longwood House und schrieb Memoiren. Er starb dort am 5. Mai 1821 um 17:49 Uhr Ortszeit. In der medizinischen Fachliteratur gilt fortgeschrittener Magenkrebs mit Lymphknotenbefall als überzeugend belegte Todesursache; wahrscheinlich führte eine starke Magenblutung zum Tod. Der Tumor entstand nach neueren Forschungsergebnissen vermutlich auf Grundlage einer chronischen Typ-B-Gastritis bei HP-Infektion. Eine absichtliche Arsenvergiftung gilt aufgrund von Haaranalysen als weitgehend widerlegt, vollständig klären lassen sich die Ursachen jedoch nicht.
Am 15. Oktober 1840 wurde sein Leichnam exhumiert und nach Frankreich überführt. Seit dem 15. Dezember 1840 liegt er im Sarkophag im Pariser Invalidendom.
Die Behauptung, Napoleon sei außergewöhnlich klein gewesen, wurde besonders durch englische Karikaturen verbreitet. Seine überlieferte Größe von cinq pieds deux pouces trois lignes entspricht gut 1,68 m und damit einer für Männer seiner Zeit durchschnittlichen Größe. Angaben nach seinem Tod widersprechen sich: genannt werden 1,686 m und 1,57 m. Die auf Porträts häufig dargestellte Hand in der Weste war keine Folge einer Verletzung oder von Bauchschmerzen, sondern eine damals als vornehm geltende Pose.
Die Beurteilung Napoleons blieb ambivalent. In deutschen Ländern verbanden sich mit seiner Herrschaft einerseits Reformen und zeitweise Begeisterung, andererseits Fremdherrschaft, Belastungen und nach 1813 ausgeprägter Napoleon- und Franzosenhass. Seine rechtlichen und administrativen Reformen sowie die politische Neuordnung Europas machten ihn zu einer zentralen Figur der europäischen Geschichte des 19. Jahrhunderts.