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Franz II. (HRR)

Um dem Hegemoniestreben des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte in Mitteleuropa zu begegnen und einem Statusverlust vorzubeugen, nahm er 1804 den Titel …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Herrschaft
  2. 2. Weg zur Kaiserwürde und Ende des Reiches
  3. 3. Kriege gegen Napoleon und Neuordnung Europas
  4. 4. Innenpolitik, Persönlichkeit und Tod
  5. 5. Familie, Titel und Erinnerung

Bedeutung und Herrschaft

Franz Joseph Karl aus dem Haus Habsburg-Lothringen (* 12. Februar 1768 in Florenz; † 2. März 1835 in Wien) war von 1792 bis 1806 als Franz II. der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Seit 1804 regierte er außerdem als Franz I. das von ihm begründete Kaisertum Österreich. Deshalb wird er oft Franz II./I. genannt.

Er wollte mit dem erblichen österreichischen Kaisertitel dem Machtanspruch Napoleons in Mitteleuropa begegnen und den Rang seines Hauses sichern. Bis 1806 trug er zugleich den Titel eines Erwählten Römischen Kaisers. Er blieb bis zu seinem Tod auch König von Böhmen, Kroatien und Ungarn; die habsburgischen Erblande bildeten seine wichtigste Machtbasis.

Weg zur Kaiserwürde und Ende des Reiches

Franz war der älteste Sohn des späteren Kaisers Leopold II. und Maria Ludovica von Spanien. Sein Onkel Joseph II. holte den 16-Jährigen aus der Toskana nach Wien, damit er für die Herrschaft in der Habsburgermonarchie ausgebildet wurde. Im Achten Österreichischen Türkenkrieg (1788–1790) war Franz an der Front.

Nach dem Tod Leopolds II. am 1. März 1792 wurde Franz König von Ungarn und Böhmen, Erzherzog von Österreich und Herr der übrigen habsburgischen Länder. Am 6. Juni 1792 wurde er in Ofen (Buda) zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt, am 5. Juli zum König des Römisch-Deutschen Reiches gewählt und am 14. Juli 1792 im Frankfurter Dom zum Erwählten Kaiser proklamiert. Dies war die letzte Kaiserkrönung in Mitteleuropa.

Am 11. August 1804 erklärte er sich zum erblichen Kaiser von Österreich. Gründe waren unter anderem Napoleons Kaisertum und die Veränderung des Kurkollegiums durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803, die eine spätere Wahl eines Habsburgers unsicher machte. Am 6. August 1806 legte Franz die römische Kaiserkrone nieder. Er befürchtete, dass die Reichskrone französisch werden und österreichische Länder im Reich unter napoleonische Herrschaft geraten könnten. Der von Napoleon betriebene Rheinbund hatte das ohnehin lockere Reich bereits faktisch gesprengt. Die Abdankung bestätigte die Auflösung, war aber kein entsprechender Rechtsakt.

Kriege gegen Napoleon und Neuordnung Europas

Die Französische Kriegserklärung vom 20. April 1792 eröffnete den Ersten Koalitionskrieg bis 1797. Österreich verlor endgültig die Niederlande, gewann jedoch Lombardo-Venetien. Der Zweite Koalitionskrieg (1799–1801) verlief ebenfalls ungünstig. Nach dem Dritten Koalitionskrieg musste Franz im Frieden von Preßburg vom 26. Dezember 1805 schwere Gebietsverluste hinnehmen: Lombardo-Venetien ging an Frankreich, Venedig, Istrien und Dalmatien an das napoleonische Königreich Italien, Tirol und Vorarlberg an Bayern sowie vorderösterreichische Besitzungen in Schwaben an Württemberg und Baden.

Im Fünften Koalitionskrieg ab 9. April 1809 unterstützte Österreich den Tiroler Volksaufstand unter Andreas Hofer. Erzherzog Karl besiegte Napoleon bei Aspern an der Donau; dies gilt als Napoleons erste Niederlage überhaupt. Nach der Niederlage Österreichs bei Wagram am 5. und 6. Juli 1809 wurde der Frieden von Schönbrunn geschlossen. Franz ersetzte Johann Philipp von Stadion durch Klemens Wenzel Lothar von Metternich; anschließend heiratete Franz’ Tochter Marie-Louise Napoleon.

Der ab 1812 erfolgreiche Sechste Koalitionskrieg ermöglichte Franz 1814/15 die Gastgeberrolle beim Wiener Kongress. Unter Metternichs Leitung wurde Europa neu geordnet. Österreich gehörte 1815 zu den konservativen Mächten der in Paris gegründeten Heiligen Allianz, die die monarchische Ordnung bewahren sollte.

Innenpolitik, Persönlichkeit und Tod

Metternich prägte ab 1809 als führender Minister und ab 1821 als Haus-, Hof- und Staatskanzler die Politik Österreichs, jedoch im Einvernehmen mit Franz, der ihn jederzeit hätte entlassen können. Franz war vom Gottesgnadentum überzeugt und lehnte Volksrechte ab. Nach der Julirevolution von 1830 reagierten Kaiser und Regierung mit strengem Konservatismus; Reformen erschienen verdächtig. Dies erschwerte auch das wirtschaftliche und technische Fortschreiten Österreichs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In seiner öffentlichen Darstellung wirkte Franz dagegen biedermeierlich schlicht und bürgernah.

Er interessierte sich besonders für Gärtnerei und Botanik, weshalb er „Blumenkaiser“ genannt wurde. Seine Herbarien wurden Grundstock des Botanischen Hof-Cabinett; im Wiener Naturhistorischen Museum lagern inzwischen vier Millionen Bögen getrockneter Pflanzen. Er spielte Violine, sammelte Porträts und besaß eine Privatbibliothek von 40.000 Bänden, die heute zur Österreichischen Nationalbibliothek gehört.

Franz erkrankte am 24. Februar 1835 an einem entzündlichen Fieber und starb kurz vor ein Uhr morgens am 2. März 1835 in der Wiener Hofburg. Sein Herz wurde in der Loretokapelle der Augustiner bestattet, sein Leichnam am 7. März in der Kaisergruft der Kapuziner in Wien. Nachfolger wurde sein ältester Sohn Ferdinand, obwohl dieser körperlich und geistig beeinträchtigt war. Bis zur Revolution 1848 führte die Staatskonferenz aus Erzherzog Ludwig, Metternich und Graf Kolowrat das Tagesgeschäft.

Familie, Titel und Erinnerung

Franz heiratete viermal. Seine erste Ehe mit Elisabeth Wilhelmina von Württemberg (1788–1790) brachte die Tochter Louise Elisabeth hervor. Die zweite Ehe mit seiner Cousine Maria Theresia von Neapel-Sizilien (1790–1807) hatte zahlreiche Kinder, darunter Marie-Louise, die 1810 Napoleon I. heiratete, Ferdinand I. als späteren österreichischen Kaiser, Maria Leopoldine als spätere Kaiserin von Brasilien und Franz Karl, den Vater Franz Josephs I. Die dritte Ehe mit Maria Ludovika Beatrix von Modena (1808–1816) und die vierte mit Karoline Auguste von Bayern (ab 1816) blieben kinderlos. Der Artikel nennt die enge Verwandtschaft der Ehepartner als Ursache für Behinderungen und frühe Todesfälle von Kindern.

Sein Wahlspruch lautete bis 1806 „LEGE ET FIDE“ („Durch Gesetz und Glauben“), danach „IVSTITIA REGNORVM FVNDAMENTVM“ („Die Gerechtigkeit ist das Fundament der Herrschaft“). Nach 1806 führte er den Titel „Franz der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich“ mit zahlreichen weiteren König-, Erzherzog- und Herzogstiteln. Das Wappen wurde 1804 neu geregelt; zentral war der österreichische Doppeladler mit dem rot-weiß-roten Bindenschild.

Nach Franz wurden unter anderem Ferencváros (1792), Franzensbad (1793), die Feste Kaiser Franz, die Franzensburg, Franzensfeste und die Franzensbrücke benannt. Die Pflanzengattung Franciscea aus den Nachtschattengewächsen trägt ebenfalls seinen Namen.

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