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Kreuz (Christentum)
Verwendung · Viele Christen tragen das Kreuz als Schmuck an einer Halskette. · Katholiken, Orthodoxe, teilweise auch Protestanten machen das Kreuzzeichen, indem …
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Grundidee und Bedeutung
Das Kreuz ist eines der Hauptsinnzeichen des Christentums. Nach dem Neuen Testament wurde Jesus Christus an einem Kreuz hingerichtet. Darum verweist es im christlichen Glauben vor allem auf den Opfertod Jesu Christi und auf die Versöhnung zwischen Gott und Mensch.
Das ursprüngliche Symbol des frühen Christentums war nicht das Kreuz, sondern das Staurogramm und das Christusmonogramm ΧΡ, gebildet aus Chi und Rho, den ersten Buchstaben der griechischen Schreibung ΧΡΙΣΤΟΣ („Christus“). Das Kreuz setzte sich erst später als zentrales Zeichen durch. Die heute übliche Form, die Crux immissa, also das lateinische Kreuz oder Hochkreuz, ist ab dem 4. Jahrhundert in der Zeit Kaiser Konstantins des Großen (324–337 n. Chr.) als Symbol nachweisbar.
Biblische und theologische Deutung
Im griechischen Neuen Testament werden zwei Wörter häufig mit „Kreuz“ übersetzt. ξύλον (xýlon) bedeutet ursprünglich „Holz“ im Sinn von Baum, Pfahl oder Balken, wird aber seit dem 1. Jahrhundert auch als „Kreuz“ verstanden. σταυρός (staurós) kann „Balken“ und „Kreuz“ bedeuten. In der lateinischen Übersetzung wurde die Bedeutung stärker auf crux, also „Kreuz“, eingeengt.
Theologisch steht das Kreuz für die Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen: Die waagerechte Achse verweist auf Erde, Mitmenschen und menschliches Leben, die senkrechte Achse auf Himmel und Gott. Der Artikel beschreibt außerdem die Deutung, dass durch Sünde die Verbindung zwischen Mensch und Gott zerbrochen sei und Jesus Christus durch seinen Tod am Kreuz diese Verbindung wiederhergestellt habe. Das Kreuz wird deshalb vom Zeichen des Fluches zum Zeichen der Versöhnung, der Hoffnung und des Bundes.
In westlichen Kulturen ist das Kreuz auch ein Zeichen für Tod, besonders auf Gräbern. Seit dem 13. Jahrhundert betont die Westkirche stärker die Qualen Jesu bei der Kreuzigung. Die Inschrift am Kreuz Jesu wird in Darstellungen oft mit INRI abgekürzt; sie bezieht sich auf die Angabe, dass Jesus der König der Juden sei. Ein Kreuz mit dem Leib des Gekreuzigten heißt Kruzifix. In der Sakramentenlehre wird das Kreuz auch mit Eucharistie und Taufe verbunden, weil Blut und Wasser aus der geöffneten Seite des Gekreuzigten (Joh 19,34) zeichenhaft auf diese beiden Hauptsakramente hinweisen.
Geschichtliche Entwicklung
In frühchristlicher Zeit war das Kreuz als christliches Symbol zunächst unbekannt oder kaum sichtbar. Die altchristliche Kunst stellte die Leidensgeschichte und besonders die Kreuzigung nur selten dar. Als möglicherweise älteste Einzeldarstellung der Kreuzigung gilt ein Jaspis ägyptisch-magischen Ursprungs aus dem späten zweiten bis frühen dritten Jahrhundert. In der offiziellen christlichen Kunst setzte sich das Kreuz erst langsam durch, besonders nach der Abschaffung der Kreuzigungsstrafe im Jahr 320.
Nach der Tradition fand Kaisermutter Helena im Jahr 325 das Kreuz Christi und seine Grabeshöhle. Kaiser Konstantin der Große hatte 312 vor der Schlacht bei der Milvischen Brücke eine Vision, die unterschiedlich gedeutet wurde; danach ließ er ein Feldzeichen, das labarum, mit einem als Staurogramm gedeuteten Himmelszeichen anfertigen. Die Anerkennung des Christentums als Staatsreligion 391 unter Theodosius und das Ende der Kreuzigungsstrafe erleichterten es, das Kreuz öffentlich als Glaubenszeichen zu verwenden.
Als allgemeines christliches Symbol ist das Kreuz erst seit der Zeit der Völkerwanderung (375–568 n. Chr.) sicher nachweisbar. Häufig wird das Konzil von Ephesos 431 als „offizielle Einführung“ des Kreuzes als christliches Zeichen genannt. Im Mittelalter wuchs seine Bedeutung stark, unter anderem durch Kruzifixe und Triumphkreuze in Kirchen und Kathedralen.
Formen des Kreuzes
Es gibt viele christliche Kreuzformen. Grundlegend unterscheidet man nach der Länge der Kreuzarme zwischen dem griechischen oder gleicharmigen Kreuz und dem lateinischen oder Hochkreuz. Das griechische Kreuz hat vier gleich lange Arme. Das lateinische Kreuz hat einen längeren Längsbalken und ist besonders in den westlichen lateinischen Kirchen verbreitet.
Weitere wichtige Formen sind das Antoniuskreuz oder Taukreuz in T-Form, das Andreaskreuz mit schräg gekreuzten Balken, das keltische Kreuz mit Ring, das koptische Kreuz mit Bezug zum altägyptischen Anch-Symbol, das Patriarchenkreuz mit zwei Querbalken und das russische Kreuz mit zwei waagerechten Balken sowie einem schrägen Fußbalken. Das Papstkreuz besitzt drei Querbalken, die drei päpstliche Gewalten symbolisieren: Priester-, Hirten- und Lehrgewalt.
Auch Kreuze von Orden und Wappen spielen eine große Rolle. Dazu gehören das Malteserkreuz mit acht Spitzen, das Tatzenkreuz mit verbreiterten Balkenenden, das Jerusalemkreuz mit einem großen und vier kleineren griechischen Kreuzen sowie das Santiagokreuz, Calatravakreuz und Avis-Kreuz aus Ritterorden. Manche Formen haben besondere Bedeutungen: Das Astkreuz erinnert mit baumartigen Balken an den „Baum des Lebens“, das Weihekreuz erscheint auf Altären, liturgischen Geräten und Kirchenwänden.
Kunst und Darstellung
Frühe Kreuze in der Kunst zeigen Christus oft noch nicht als Figur am Kreuz. Sie erscheinen etwa als glänzende, mit Edelsteinen besetzte crux gemmata, also Gemmenkreuz. Später entstanden Kruzifixe, also Kreuze mit einer plastischen Figur Jesu. Zu den ältesten erhaltenen monumentalen Kruzifixen gehört neben dem Enghausener Kreuz das Gerokreuz im Kölner Dom aus der Zeit um 980.
In der Romanik erscheint Christus am Kreuz häufig als erhabener Gott, der den Tod überwunden hat. Um 1200 verstärkte sich der Ausdruck des Leidens. Gabelkreuze wie das um 1300 entstandene Kreuz von St. Maria im Kapitol in Köln zeigen die Schmerzen besonders stark; solche Darstellungen werden crucifixus dolorosus, also schmerzensreiches Kruzifix, genannt. In dieser Entwicklung wird die Königskrone romanischer Darstellungen zunehmend durch die Dornenkrone ersetzt.
Auch die Nagelung änderte sich in der Darstellung. Bis ins Hochmittelalter wurden die Füße Jesu meist nebeneinander und einzeln angenagelt, das nennt man Viernagelkruzifix. Später setzte sich das Dreinagelkreuz durch, bei dem die Haltung stärker gedreht wirkt und die Qual betont. Kreuzigungsbilder mit weiteren Figuren heißen Kreuzigungsgruppen. Maria steht traditionell auf der linken Seite, Johannes auf der rechten; Maria Magdalena kann hinzutreten. Darstellungen mit den Kreuzen der beiden mit Jesus gekreuzigten Schächer heißen Kalvarienberge.
Gebrauch, Flaggen und andere Religionen
Das Kreuz erscheint an vielen Orten als Bekenntnis zum Christentum. Viele Christen tragen es als Schmuck. Katholiken, Orthodoxe und teilweise auch Protestanten machen das Kreuzzeichen, indem sie mit zwei Handbewegungen ein Kreuz schlagen. In Kirchen steht oder hängt das Kreuz oft über oder auf dem Altar; viele Kirchtürme tragen ein Kreuz, und zahlreiche Kirchen haben einen kreuzförmigen Grundriss. Bei Prozessionen und Wallfahrten wird häufig ein Vortragekreuz oder Prozessionskreuz vorangetragen.
Kreuze finden sich auch auf Bibeln, Gesangbüchern, christlichen Gräbern, öffentlichen Plätzen, in Amtsstuben oder Schulen. In Bayern hing bis zum Kruzifix-Beschluss von 1995 in jedem Klassenzimmer ein Kreuz. Außerdem erscheint das Kreuz in Hilfsorganisationen und medizinischen Zeichen, etwa beim Roten Kreuz, sowie in militärischen Hoheitszeichen, Flaggen und Auszeichnungen. Viele europäische Wappen und Flaggen enthalten Kreuze, weil das Christentum in fast allen europäischen Staaten eine staatsgründende oder staatstragende Rolle hatte. Beispiele sind das skandinavische Kreuz in den Flaggen Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens, das griechische Kreuz in der Flagge der Schweiz und der Union Jack mit Georgskreuz, Andreaskreuz und Patrickskreuz.
Im Islam wurde das Kreuz als Symbol des Christentums früh abgelehnt. Ein Hadith berichtet, Jesus werde am Ende der Zeiten alle Kreuze zerbrechen. Überlieferungen über Mohammed erzählen, dass er Gegenstände mit Kreuzsymbolen aus seiner Wohnstätte entfernen oder Kreuzsymbole aus Kleidungsstücken herausschneiden ließ. In eroberten Gebieten des Vorderen Orients wurde die öffentliche Zurschaustellung von Kreuzen teils eingeschränkt.
Im Unicode-System hat das lateinische Kreuz die Codenummern U+271D LATIN CROSS (dezimal 10013, †) sowie U+2020 DAGGER cross, long (dezimal 8224, †). Für das Kruckenkreuz gibt es ☩ U+2629 (9769) CROSS OF JERUSALEM.
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