Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Glaube (Religion)

Grundlage des Glaubens ist die Heilige Schrift der Bibel, die als von Gott inspiriert angesehen wird. Biblische Texte sind interpretationsbedürftig.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundidee
  2. 2. Judentum und Christentum
  3. 3. Biblische und konfessionelle Ausprägungen
  4. 4. Islam und weitere monotheistische Religionen
  5. 5. Buddhistisches Vertrauen
  6. 6. Philosophische und wissenschaftliche Deutungen

Begriff und Grundidee

Religiöser Glaube ist eine Grundhaltung des Vertrauens in die Lehre einer Religion und in die mit ihr verbundenen Personen. Anders als Wissen beruht seine Wahrheitsvermutung nach der einleitenden Definition nicht auf Logik und Einsicht, sondern auf den Aussagen von Autoritäten. Bedeutung und Stellenwert des Glaubens unterscheiden sich jedoch stark zwischen den Religionen.

Der griechische Ausdruck pistis bedeutet grundlegend „Treue“ und „Vertrauen“. Glauben meint daher ursprünglich: sich auf jemanden oder etwas verlassen, die eigene Existenz daran binden und treu sein. Das hebräische aman bezeichnet das Sich-Festmachen an etwas; damit hängen „Amen“ und Emuna zusammen. Die Grundbedeutung lautet „fest“ oder „unerschütterlich“. Das arabische Īmān stammt ebenfalls aus der semitischen Wurzel ʾ-m-n und kann sowohl „Glauben“ als auch „beschützen, sichern“ bedeuten.

Judentum und Christentum

Im Judentum ist Glaube kein eigenständiges, verbindlich festgelegtes religiöses Konzept. Im Mittelpunkt stehen die gesamte religiöse Tradition sowie Gerechtigkeit auf der Grundlage universeller Nächstenliebe und der Gleichheit aller Menschen. Die Tora, also die Lehre, enthält Gebote und Verbote für das Verhalten gegenüber Gott und den Mitmenschen. Nach der rabbinischen Überlieferung empfing Mose sie von JHWH am Berg Sinai. Die zunächst mündliche Lehre wurde in der Mischna schriftlich festgehalten; diese bildet die Grundlage des Talmuds.

Als ungefähre Entsprechung zu „Glaube“ gilt Emuna: das Vertrauen auf Gott sowie die fest verankerte Zuversicht auf seine Hilfe und Führung. Gemeint ist nicht nur eine verstandesmäßige Zustimmung, sondern tiefes Vertrauen und eine standhafte Überzeugung. Im rabbinischen Judentum gibt es dennoch kein allgemeingültiges Credo. Unterschiedliche Strömungen gewichten die Überlieferungen verschieden; Rabbiner sind keine Priester, und die Tradition wird überwiegend in örtlichen Gemeinden verwaltet.

Das frühere, am Jerusalemer Tempel ausgerichtete Judentum verband Emuna mit Opfern, Geboten, ritueller Reinheit und Festen wie Pessach und Sukkot. Die Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer entzog diesem System seine Grundlage und leitete den Übergang zu neuen Formen jüdischen Lebens ein.

Im Christentum bedeutet Glaube das Überzeugtsein von konkreten Glaubenslehren. Glaubensbekenntnisse oder Credos fassen diese Lehren zusammen; die Dogmatik stellt sie systematisch dar. Gemeinsam ist fast allen christlichen Strömungen die Überzeugung, dass Gott alles Seiende geschaffen hat und erhält. Der Mensch gilt als durch den Sündenfall von Gott getrennt und wegen der Erbsünde nicht aus eigener Kraft zum Guten fähig. Jesus Christus, der Mensch gewordene Sohn Gottes, habe durch seinen Kreuzestod die Strafe der Sünder auf sich genommen und die Gemeinschaft mit Gott wieder ermöglicht. Wer an Christus glaubt, kann ewiges Leben erlangen. Zum christlichen Gottesverständnis gehört die Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Glaube ist dabei nicht bloßes Für-wahr-Halten, sondern Vertrauen auf Gott und eine Antwort auf seine Selbstmitteilung. Theologisch wird zwischen dem Glaubensakt, fides qua creditur, und dem Glaubensinhalt, fides quae creditur, unterschieden. Eine zentrale biblische Definition lautet: „Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“ (Hebr 11,1). Der Glaube soll zur tätigen Liebe gegenüber den Mitmenschen und sich selbst führen. Die durch ihn geprägte Lebensführung heißt Frömmigkeit.

Biblische und konfessionelle Ausprägungen

Im Alten Testament gilt Abraham im Christentum als Vorbild unerschütterlichen Vertrauens. Er erhält von Gott die Verheißung von Land und Nachkommenschaft und verlässt im Alter von fünfundsiebzig Jahren Haran. Nach der dargestellten Auslegung war damit noch kein Jenseitsglaube verbunden; auch habe Abraham die Existenz anderer Götter vermutlich nicht bestritten. Entscheidend ist sein Vertrauen auf einen Gott, der ihn überall begleitet.

Im Neuen Testament steht der Glaube allen Menschen offen. Gott bewirkt die Rechtfertigung durch den Glauben; Christus habe die Erlösung vollbracht, während kein Mensch Gottes Gesetz vollständig und dauerhaft erfüllen könne. Glaube beginnt mit der Kenntnisnahme der biblischen Offenbarung, führt über deren Anerkennung zu einem persönlichen Willensentschluss und zu Vertrauen. Zugleich gilt er als Werk Gottes im Menschen. Paulus nennt Glaube zusammen mit Hoffnung und Liebe als eine der drei christlichen Tugenden.

In der protestantischen Theologie grenzte Karl Barth den Glauben von Religion ab: Religion sei ein eigenmächtiger menschlicher Weg zu Gott, während Gottes Wille allein im Glauben an Jesus Christus erkannt werde. Dietrich Bonhoeffer fragte nach einem „Christentum ohne Religion“ und betonte Praxis, Ethik sowie die biblische Überlieferung. Gerhard Ebeling sah Religion dagegen als Lebensbedingung des Glaubens, hob aber ebenfalls dessen kritische Kraft gegenüber religiösen Sicherheiten hervor.

Seit der Reformation ist zwischen den Konfessionen besonders umstritten, ob der Mensch allein durch Glauben gerechtfertigt wird, wie Martin Luther betonte, oder ob auch gute Werke nötig sind, weil Glaube ohne Werke tot sei, wie der Katholizismus hervorhebt. Protestantische Richtungen verorten die volle Wirklichkeit des Glaubens überwiegend im Herzen des Einzelnen; nach katholischer Lehre besitzt der Glaube der Kirche mit ihren „Glaubenswahrheiten“ ontologische Priorität.

Islam und weitere monotheistische Religionen

Der Koran unterscheidet zwischen der Annahme des Islams, islām, und der Annahme des Glaubens, īmān. Ein Muslim muss daher nicht automatisch ein „Gläubiger“ (mu'min) sein. Welche Inhalte zu Īmān gehören, ist zwischen islamischen theologischen Schulen umstritten. Nach einer auf ʿUmar ibn al-Chattāb zurückgeführten Fassung des Gabriel-Hadith umfasst der Glaube sechs Punkte: Gott, seine Engel, seine Bücher, seine Gesandten, den Jüngsten Tag und die gute wie schlechte Vorherbestimmung. Eine auf Abū Huraira zurückgeführte Fassung nennt fünf Punkte: Gott, seine Engel, die Begegnung mit Gott, seine Gesandten und die Auferstehung.

Die Schahāda, das islamische Glaubensbekenntnis, lautet: „Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist.“ Sie bekennt den Monotheismus, Mohammeds prophetische Sendung und seine Offenbarung, den Koran.

Der im 15. Jahrhundert in Indien entstandene Sikhismus betont die Einheit der Schöpfung, einen gestaltlosen Schöpfergott ohne männliches oder weibliches Geschlecht und das Gottvertrauen. Sein Ziel ist, religiöse Weisheit im Alltag anzuwenden, nicht starre Dogmen einzuhalten. Im Mittelpunkt stehen drei Grundprinzipien: Rezitation und Meditation (Naam Japo beziehungsweise Naam Simran), harte und ehrliche Arbeit (Kirat Karo) sowie das Teilen mit Benachteiligten (Wand Chakko). Das Mul Mantar im Guru Granth Sahib bekennt den einen, wahren, schöpferischen, furchtlosen, hassfreien und unsterblichen Gott.

Im im 19. Jahrhundert gegründeten Baháʼí-Glauben bedeutet Glaube bewusstes Wissen, gute Taten und die Annahme der göttlichen Autorität der Manifestationen Gottes. Für spirituelles Wachstum sind Glaube und Wissen gemeinsam erforderlich. Persönliche geistige und intellektuelle Entwicklung soll mit einem konstruktiven Wandel der Gesellschaft verbunden werden.

Der Mandaismus ist eine monotheistische Religion mit Gemeinsamkeiten zum Zoroastrismus und Judentum. Er verbindet einen stark dualistisch geprägten Monotheismus mit strengen Reinheitsvorschriften, komplexer Mythologie und der Ablehnung von Askese. Sein synkretistischer Glaube enthält jüdische, christliche und gnostische Elemente.

Buddhistisches Vertrauen

Im Buddhismus bezeichnet Glaube, auf Pali saddhā und auf Sanskrit śraddhā, ein gelassenes Vertrauen in die Lehre und Praxis des Buddha sowie in erleuchtete oder weit entwickelte Wesen wie Buddhas und Bodhisattvas. Die Lehren des Buddha werden zunächst als wahr anerkannt, bevor die eigene Erfahrung ihren Wahrheitsgehalt bestätigt. Dieses Verständnis gehört zu allen buddhistischen Traditionen, ist in den einzelnen Schulen aber unterschiedlich ausgeprägt.

Buddhistischer Glaube soll kein „blinder Glaube“ sein. Vertrauen und Weisheit gelten als gleichermaßen wichtig. Der Buddha forderte seine Schüler nach der Vimaṁsaka Sutra dazu auf, sogar ihn selbst durch lange Beobachtung zu prüfen. Persönliche Überprüfung besitzt daher einen hohen Rang; Überlieferung, heilige Schriften, Vernunft oder die Autorität eines Lehrers gelten allein nicht als ausreichende Grundlage.

Das Vertrauen richtet sich vor allem auf die Drei Kostbarkeiten: Buddha, den erwachten Lehrer; Dharma, seine spirituelle Lehre; und Sangha, die Gemeinschaft der spirituell entwickelten oder nach Erleuchtung strebenden Anhänger. Es soll zu Erleuchtung (bodhi) und Nirwana führen. Im frühen Buddhismus war Glaube ein erster Schritt auf dem Weg zu Weisheit und Erleuchtung; auf der letzten Stufe wurde er überflüssig oder neu bestimmt. Als freiwilliger Akt verbindet er den Entschluss zum Handeln mit dem Vertrauen, das Ziel erreichen zu können.

Philosophische und wissenschaftliche Deutungen

Religionsphilosophisch ist umstritten, wie sich Glaube, Vernunft und Beweise zueinander verhalten. Peter Boghossian vertritt die Auffassung, nur Vernunft und Beweise könnten zeigen, welche Aussagen über die Welt wahrscheinlich wahr sind. Da Religionen einander widersprechende Behauptungen aufstellen, könne Glaube allein diese Konflikte nicht lösen und besitze keinen „eingebauten Korrekturmechanismus“.

Der Fideismus ist die Lehre, dass Glaube und Vernunft einander grundsätzlich ausschließen und der religiöse Glaube dennoch Vorrang erhält. Die katholische Kirche verwarf den Fideismus offiziell; in der evangelischen Tradition spielt er eine wichtige Rolle. Der Rationalismus bildet den Gegenbegriff und betrachtet auch religiöse Erkenntnis als der menschlichen Vernunft zugänglich. Die philosophische Apologetik versucht entsprechend, mit Vernunft und Logik für einen vernünftigen Glauben oder für den Monotheismus zu argumentieren. In Pascals Wette erklärt Blaise Pascal (1623–1662) den Gottesglauben zur günstigeren „Wette“, weil sein möglicher Gewinn einen höheren Erwartungswert habe als der Unglaube.

Zwischen Judentum und Christentum bestehen grundlegende Unterschiede: Das Judentum bewahrt einen strengen Monotheismus und lehnt die Menschwerdung Gottes, die Lehre vom Gottessohn und die Erhebung des Heiligen Geistes zu einer göttlichen Person ab. Im Christentum stehen dagegen Sündenfall, Erlösung durch Christus und die Dreieinigkeit im Zentrum.

Wissenschaftliche Erklärungen untersuchen Glauben als menschliches und evolutionäres Phänomen. Scott Atran betrachtet die Fähigkeit zu Religiosität und Glauben als evolutionär im Bewusstsein verankert, etwa als Nebenprodukt der Evolution oder als möglichen Selektionsvorteil. Justin Barrett deutet Religiosität dagegen als Entwicklungsstadium der menschlichen Psyche und nicht als überlebenswichtige Gemeinschaftsstrategie. Experimente zeigen außerdem, dass auch Tiere Verhaltensweisen entwickeln können, die als Glaube oder Aberglaube gedeutet werden.

Lernvideos zu Glaube (Religion)

Weiterlesen

Religion Geschichte konkreter Religionen · Afrikanische Religionen · Bahaitum · Buddhismus · Christentum · Daoismus · Hinduismus · Islam · Jainismus … Wissen So kann etwa entsprechend dem Beispiel von Collins und Quillian ein wissensbasiertes System konstruiert werden, das Fragen zu Merkmalen von Lebewesen … Logik Jede Aussage hat genau einen von zwei Wahrheitswerten, die meist als wahr und falsch bezeichnet werden. · Der Wahrheitswert einer zusammengesetzten Aussage ist … Judentum Das jüdische Volk entstand ab etwa 1200 v. Chr. und entwickelte den JHWH-Monotheismus, aus dem später die weiteren abrahamitischen Religionen Christentum und … Gott (Christentum) Von der Mehrheit des Christentums und seiner Kirchen wird Gott als dreieiniger Gott, aus drei Personen, Gottvater, dem Sohn (Jesus Christus) und Heiligem Geist … Dogmatik Sie ist neben den Fachgebieten der Christlichen Ethik (Theologische Ethik und Moraltheologie) sowie Christliche Sozialethik (Christliche Soziallehre) und der … Christliche Glaubensbekenntnisse Ein Glaubensbekenntnis, auch als Credo oder Symbolum (latinisiert von griechisch Symbolon) bezeichnet, ist eine kurzgefasste, feststehende Zusammenfassung der … Koran Nach dem Glauben der sunnitischen Muslime ist der Koran die unerschaffene Rede Gottes oder zumindest ein Ausdruck davon. Eine Minderheit von Muslimen ist … Islam Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde. Sikhismus Die Sikh-Religion (Panjabi ਸਿੱਖੀ sikhī) ist eine im 15. Jahrhundert entstandene monotheistische Religion, die auf den Gründer Guru Nanak Dev zurückgeht. Schöpfung Schöpfungsmythen in den Religionen · Alter Orient · Antikes Griechenland · Zoroastrismus · Judentum · Christentum · Islam · Hinduismus · Buddhismus. Buddhismus → Hauptartikel: Vier Edle Wahrheiten und Edler Achtfacher Pfad. Dharma (Sanskrit) bzw. Dhamma (Pali) bezeichnet im Buddhismus im Wesentlichen zweierlei: Die …