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Caritas

Die wertschätzende, helfende Liebe gilt seit den Anfängen des Christentums als christliche Tugend. Die Caritas ist eine Haltung, die sich im kirchlichen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Haltung und praktische Hilfe
  3. 3. Entwicklung der Caritas
  4. 4. Organisationen und Einrichtungen

Begriff und Bedeutung

Caritas oder eingedeutscht Karitas bezeichnet im Christentum die tätige Nächstenliebe und Wohltätigkeit. Gemeint ist eine wertschätzende, helfende und uneigennützige Liebe, die seit den Anfängen des Christentums als wichtige christliche Tugend gilt. Als innere Haltung zeigt sie sich praktisch im kirchlichen Grundauftrag der Diakonie, also im Dienst an Menschen, die Unterstützung benötigen.

Im Christentum ist caritas die lateinische Übersetzung des altgriechischen Begriffs ἀγάπη (agápē). Im Neuen Testament bezeichnet Agape sowohl die in Jesus Christus offenbarte Liebe Gottes zum Menschen als auch die Liebe des Menschen zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen. Im „Hohenlied der Liebe“ des Apostels Paulus wird sie neben Glaube und Hoffnung als höchste der drei christlichen Tugenden bezeichnet: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1 Kor 13,13 EU). Der 1. Brief des Johannes verbindet Gott unmittelbar mit der Liebe: „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“ (1 Joh 4,16 EU). Papst Benedikt XVI. wählte diesen Vers 2005 als Titel seiner Enzyklika „Deus caritas est“.

Haltung und praktische Hilfe

Im weiteren Sinn bezeichnet Caritas nicht nur eine religiöse Haltung, sondern auch die daraus entstehende konkrete Hilfe. Sie wird besonders von Barmherzigkeit, Geduld und Wohltätigkeit getragen.

Zu den wichtigsten Tätigkeitsbereichen gehören:

  • die Pflege kranker und alter Menschen,
  • die Unterstützung von Familien in Not,
  • der Besuch von Gefangenen,
  • die Solidarität mit ausgegrenzten Menschen.

Caritas verbindet damit eine grundlegende Einstellung gegenüber Mitmenschen mit praktischem Handeln. Hilfe soll nicht nur als einzelne gute Tat verstanden werden, sondern als dauerhafte Bereitschaft, Menschen in schwierigen Lebenslagen beizustehen.

Entwicklung der Caritas

Eine ältere Darstellung helfender Liebe ist die Legende der „Caritas Romana“. Der römische Schriftsteller Valerius Maximus berichtete im 1. Jahrhundert von einer jungen Frau, die ihren zum Hungertod verurteilten Vater rettete, indem sie ihn an ihrer Brust trinken ließ. Dieses Motiv wurde später häufig in der bildenden Kunst dargestellt.

Der Kirchenvater Augustinus von Hippo (354–430) stellte die Caritas der Begierde, lateinisch cupiditas, gegenüber. Für ihn war die Begierde die „Wurzel allen Übels“, die Liebe dagegen die „Wurzel alles Guten“.

In der frühen Kirche waren vor allem Diakone für den karitativen Dienst zuständig. Die christliche Fürsorge für Kranke und andere Hilfebedürftige beeindruckte die nichtchristliche Umgebung und trug zur schnellen Verbreitung des Christentums im Römischen Reich bei. In späteren Jahrhunderten duldeten oder unterstützten manche nichtchristlichen Herrscher deshalb christliche Missionare. Besonders im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche Ordensgemeinschaften, Organisationen und Vereine, deren Tätigkeit wesentlich durch den karitativen Dienst geprägt war.

Organisationen und Einrichtungen

Karitative Organisationen sind meist kirchliche Wohlfahrtsverbände oder Hilfswerke. Sie übernehmen humanitäre und soziale Aufgaben und betreiben oder unterstützen unter anderem Spitäler, Altenheime, Pflegeheime, Waisenhäuser und Schulen. Außerdem leisten sie Katastrophen- und Entwicklungshilfe.

Zu den genannten christlich geprägten Organisationen gehören der Deutsche Caritasverband und weitere Caritas-Verbände, das Diakonische Werk, der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter und die Heilsarmee. Daneben gibt es nicht konfessionsgebundene Organisationen mit vergleichbaren Aufgaben, darunter das Rote Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt, die Volkssolidarität und der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Karitative Ordensgemeinschaften widmen sich besonders der praktischen Nächstenliebe. Darin unterscheiden sie sich von Orden, deren Schwerpunkt eher auf einem beschaulichen, also vor allem kontemplativen, Leben oder auf der Seelsorge liegt. Beispiele sind die Barmherzigen Brüder, die Barmherzigen Schwestern und die Missionarinnen der Nächstenliebe. Der Gedanke organisierter Wohltätigkeit ist nicht auf das Christentum beschränkt, sondern auch im Islam verankert.

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