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Alte Kirche
Der Ausdruck alte Kirche, auch frühe Kirche und Frühchristentum, bezeichnet die ersten Jahrhunderte der Kirchengeschichte bis ungefähr 500; mit dieser …
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Einordnung der Alten Kirche
Als alte Kirche, frühe Kirche oder Frühchristentum werden meist die ersten Jahrhunderte der Kirchengeschichte bis ungefähr 500 bezeichnet. Die Grenze hängt auch mit der Aufteilung der Alten Kirchengeschichte gegenüber der Mittleren und Neueren Kirchengeschichte an Hochschulen zusammen.
Der Begriff „Kirche“ ist für die frühe Zeit nur eingeschränkt passend: Die frühen Christen waren zunächst eine sehr heterogene Bewegung. Entsprechende feste Organisationsformen entstanden erst in der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr.
Zeitraum und wichtige Begriffe
Die Alte Kirche umfasst gewöhnlich die Zeit vor der Abspaltung der altorientalischen Kirchen und vor der theologischen Auseinanderentwicklung von orthodoxer und römisch-katholischer Kirche. Theologische Entwicklungen, ökumenische Konzile, Heilige und Kirchenväter dieser Zeit werden deshalb von allen großen Konfessionen anerkannt.
Zu ihr zählen Urchristentum, apostolische Väter, Apologeten (Verteidiger des christlichen Glaubens), frühchristliche Märtyrer, Kirchenväter, die spätantike Reichskirche nach der konstantinischen Wende sowie die ersten vier ökumenischen Konzile bis Chalcedon 451. Im Westen wird ihr Ende häufig mit dem Untergang des Weströmischen Reichs angesetzt, nach manchen Autoren erst mit Gregor dem Großen (540–604), dem letzten Kirchenvater des Westens.
Bezeichnungen und Abgrenzungen
Die Jerusalemer Urgemeinde war die erste christliche Gemeinde; sie versammelte sich nach Pfingsten ungefähr von 30 bis 70 in Jerusalem. Urchristentum meint die Entstehungszeit nach dem Tod Jesu von Nazaret um 30 oder 33. Sein Ende wird unterschiedlich bestimmt: entweder mit der Verschriftung der synoptischen Evangelien um 90 oder erst mit dem Auftreten der Apologeten in der Mitte des 2. Jahrhunderts.
Apostolische Väter sind Kirchenväter der zweiten und dritten Generation im späten 1. und der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts, die vermutlich persönliche Beziehungen zu Aposteln hatten oder stark von ihnen beeinflusst waren. „Frühes Christentum“ beziehungsweise „Frühchristentum“ kann die gesamte Alte Kirche, nur die vorkonstantinische Zeit bis 313 oder nur das Urchristentum meinen.
Christenverfolgungen im Römischen Reich begannen mit der Neronischen Verfolgung; sie waren zunächst sporadisch, ab etwa 100 auch systematisch, zuerst lokal und später reichsweit. Sie endeten mit dem Mailänder Toleranzedikt von 313, endgültig mit der Anerkennung des Christentums als einziger Staatsreligion 391. Patristik bezeichnet die Wissenschaft über die Kirchenväter vom 2. bis zum 8. Jahrhundert.
Organisation und Reichskirche
Die Entwicklung führte vom Urchristentum zur Bischofskirche und zu fünf Patriarchaten: Alexandrien, Antiochien, Jerusalem, Konstantinopel und dem Abendland. Vor dem Beginn des 4. Jahrhunderts verständigten sich Bischöfe vor allem durch Briefe. Nach der konstantinischen Wende nahm die Zahl der Synoden stark zu, weil Bischöfe den Cursus publicus, die kaiserliche Post, nutzen konnten.
Wichtige Schritte zur Reichskirche waren das Dreikaiseredikt von 380, das den römisch-alexandrinischen trinitarischen Glauben zur offiziellen Religion des Römischen Reiches erklärte, und das Edikt von 391, durch das Theodosius I. heidnische Kulte verbot. Nach heutiger Sicht vieler Forscher setzte jedoch erst Justinian I. das Christentum Mitte des 6. Jahrhunderts tatsächlich gegen das Heidentum durch. Die Reichskirche besaß gegenüber dem Staat nie die mittelalterliche Macht der römisch-katholischen Kirche und stand besonders im Osten in einem prekären Gleichgewicht mit dem Kaiser.
Zur Zeit gehören auch die Anfänge des Mönchtums, erste Klöster in Ägypten sowie die Ordensregeln der Heiligen Basilius und Benedikt.
Glaube, Konzile und zentrale Daten
In der Alten Kirche entstanden der Kanon des Neuen Testaments und allgemein anerkannte Glaubensbekenntnisse. Die Epoche entspricht theologisch und philosophisch der Patristik. Wichtige Auseinandersetzungen betrafen Gnosis, Marcionismus und „Hellenismus“; weitere Konflikte waren christologisch, also über die Person Christi, der arianische und der nestorianische Streit. Der Donatismus betraf die Ekklesiologie, die Lehre von der Kirche.
Als Zeit der ökumenischen Konzile gelten die sieben Konzile vom ersten Konzil von Nizäa 325 bis zum zweiten Konzil von Nizäa 787. Die Pentarchie, das System der fünf ökumenischen Patriarchate, bestand de facto seit dem ersten Konzil von Konstantinopel 381 und wurde 451 in Chalcedon endgültig definiert; sie endete mit dem Morgenländischen Schisma etwa um die Jahrtausendwende.
Wichtige Daten sind: um 30 die Kreuzigung Christi, 313 die durch Kaiser Konstantin zugesicherte Religionsfreiheit, 325 das Konzil von Nicäa, 330 die Umbenennung von Byzanz in „Nova Roma“, der 28. Februar 380 als Datum des Dreikaiseredikts und 391 das Verbot aller heidnischen Kulthandlungen durch Theodosius I. Die Angaben zur Hinrichtung von Paulus und Petrus um 65 sowie zur Niederschrift der Evangelien von 60 bis 95 sind unsicher.