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Aristokratie
Aristokratie – veraltet auch Bestherrschaft – bezeichnet in der Politikwissenschaft die Herrschaft einer kleinen Gruppe besonders befähigter Individuen, …
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Begriff und Bedeutung
Aristokratie (veraltet auch Bestherrschaft) bezeichnet in der Politikwissenschaft die Herrschaft einer kleinen Gruppe besonders befähigter Individuen, wobei die Art der Befähigung nicht näher bestimmt ist. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen: aristokratía bedeutet „Herrschaft der Besten“ (aristos = ‚Bester‘, kratein = ‚herrschen‘). In der Praxis wurde „zu den Besten gehören“ oft mit der Zugehörigkeit zu einer adligen Oberschicht gleichgesetzt.
In den Geschichtswissenschaften wird der Begriff oft teilweise synonym zu Adel verwendet. Dabei ist jeder Erbadel eine Aristokratie, aber nicht jede Aristokratie ein Erbadel, denn die Zugehörigkeit zur herrschenden Elite kann auch meritokratisch (durch Leistung) begründet sein (siehe Nobilität). Es gab auch bürgerlich-aristokratische Systeme wie das der Patrizier in mittelalterlichen Städten (Städtearistokratie) oder klerikalistische Priesteraristokratien. Übertragen spricht man etwa von Arbeiteraristokratie oder Geldaristokratie.
Das Wort wurde erstmals im späten 5. Jahrhundert v. Chr. bezeugt und gelangte erst im 16. Jahrhundert in die deutsche Sprache. Seit dem 17. Jahrhundert bezeichnet es auch die Gesamtheit des Adels; das Adjektiv aristokratisch kann seitdem auch „vornehm“ oder „edel“ bedeuten.
Die Bedeutung im Überblick:
- Nach der klassischen Verfassungslehre des Aristoteles: die Herrschaft der Besten, der Tugend oder der Tüchtigkeit. Im Gegensatz dazu steht die Oligarchie (wörtlich ‚Herrschaft Weniger‘), die Machtausübung einer Minderheit, die den eigenen Vorteil sucht. Griechische Aristokraten verbanden ihren Anspruch mit heroischer oder göttlicher Abstammung, römische eher mit politischem Erfolg.
- Als Herrschaftsform: die Herrschaft des Adels (auch als Senatsaristokratie) oder einer anderen Oberschicht wie des Bürgertums (Städtearistokratie) oder von Priestern (Priesteraristokratie); die „Besten“ sind hier meist durch Herkunft oder obrigkeitliche Einsetzung in Ämter berechtigt.
- In der Neuzeit: Bezeichnung für die Angehörigen des Adels, etwa im Zusammenhang mit der Französischen Revolution der zweite Stand, abgegrenzt von Klerus (erster Stand) und Bürgertum (dritter Stand).
Historische Theoriebildung und Verfassungskreislauf
Für Platon (427–347 v. Chr.) ist die Aristokratie die am Gemeinwohl orientierte, idealtypische Herrschaft der Besten. Diese Idee wurde von seinem Schüler Aristoteles (384–324 v. Chr.) und später vom griechischen Historiker Polybios (um 200 v. Chr. bis etwa 118 v. Chr.) weiterentwickelt. Die Aristokratie fällt wie die Oligarchie unter die Herrschaft der wenigen; die Oligarchie ist dabei als am Eigennutz ausgerichtete Herrschaftsform definiert.
Grundidee der antiken Staatstheorie: Jede am Gemeinwohl orientierte Herrschaftsform hat ein entartetes Gegenstück, das nur den Interessen der Herrschenden dient. Aus der Beobachtung griechischer Stadtstaaten abstrahiert ergibt sich ein Verfassungskreislauf, vor allem von Polybios ausgearbeitet. Empirisch fanden die antiken Autoren vor allem Mischformen.
Die sechs Grundformen der Verfassungen nach Polybios:
- Einer Herrscher: Monarchie (Gemeinwohl) – Tyrannis (Eigennutz)
- Einige Herrscher: Aristokratie (Gemeinwohl) – Oligarchie (Eigennutz)
- Alle Herrscher: Demokratie (Gemeinwohl) – Ochlokratie (Eigennutz)
Weil diese sechs Grundformen instabil sind, entwickelte Polybios die Idee, dass sie zueinander in Beziehung stehen und einander abwechseln.
Fast alle heutigen demokratischen Regierungsformen in Europa beruhen auf landesspezifischen aristokratischen Vorläufermodellen, bei denen Adel, wohlhabendes Bürgertum oder Kirchenvertreter ein Mitbestimmungsrecht bei der Steuererhebung, Fragen der Gewaltenteilung oder Herrscherwahl hatten. Der Übergang zur Demokratie vollzog sich meist so, dass zunächst allen Bürgern ein Wahlrecht zugestanden wurde und später Unterschiede in der Stimmengewichtung (Zensuswahlrecht) oder Ausschlüsse von Bürgerrechten für einzelne Gruppen (Sklaven, Frauen, ethnische, sprachliche oder religiöse Minderheiten) aufgehoben wurden.
Aktuelle Anhänger der Aristokratie
Der Philosoph und Wirtschaftsprofessor Jason Brennan vertritt die Ansicht, Aristokratien seien Demokratien überlegen. Er schlägt ein Modell vor, bei dem sich Bürger das Wahlrecht erst verdienen müssen, indem sie in einem Test ausreichende Kenntnis in relevanten Bereichen nachweisen.
Seine Begründung: Demokratie gäbe jedem die Macht, zu einem kleinen Teil über andere zu entscheiden – diese Macht hält er für unbegründet. Wie mehrere Studien gezeigt hätten, sei der durchschnittliche Wähler nur äußerst schlecht informiert, weshalb Brennan gute Entscheidungen für ausgeschlossen hält. Er fordert daher die meisten Personen auf, nicht zu wählen, da er dies für unethisch hält. Er betont aber auch, Demokratien seien besser als die meisten anderen Regierungsformen und träfen durchaus gute Entscheidungen, weil gut informierte Politiker nicht immer auf die Meinung der Bevölkerung hören.