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Metonymie

Die Metonymie (von altgriechisch μετωνυμία metonymía, deutsch ‚Vertauschung des Namens, das Setzen eines Wortes für ein anderes'; im Lateinischen als …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Definition und Grundprinzip
  2. 2. Arten der metonymischen Beziehung
  3. 3. Abgrenzung von Metapher und Synekdoche
  4. 4. Grenzfälle und kombinierte Übertragungen

Definition und Grundprinzip

Die Metonymie ist eine rhetorische Stilfigur und gehört zu den Tropen. Bei Tropen wird ein sprachlicher Ausdruck nicht in seiner wörtlichen Bedeutung, sondern in einem übertragenen Sinn gebraucht. Bei der Metonymie beruht die Verschiebung auf Kontiguität, also auf einer realen sachlichen, räumlichen oder zeitlichen Nachbarschaft beziehungsweise Zusammengehörigkeit zwischen dem wörtlich bezeichneten und dem eigentlich Gemeinten.

Die beteiligten Begriffe stammen aus demselben Wirklichkeitsbereich. Sie können räumlich benachbart sein, zeitlich aufeinander folgen oder gleichzeitig miteinander verbunden sein. Ein typischer Fall ist das Gefäß für seinen Inhalt, etwa „ein Glas“ für „ein Glas Wein“. Anders als bei der Metapher werden keine Begriffe aus verschiedenen Wirklichkeitsbereichen aufgrund ihrer Ähnlichkeit verbunden. Anders als bei der Synekdoche findet außerdem kein Wechsel zwischen Ober- und Unterbegriff statt; die Ersetzung bleibt auf derselben begrifflichen Ebene.

Arten der metonymischen Beziehung

Je nach Art der Kontiguitätsbeziehung werden verschiedene Unterarten unterschieden. Häufig wird eine Ursache durch ihre Wirkung oder eine Wirkung durch ihre Ursache ersetzt. So kann „Krach“ für einen Streit stehen. Ebenso kann der Erzeuger für das Erzeugnis genannt werden: „ein BMW“ bezeichnet ein Kraftfahrzeug dieses Herstellers. Der Name eines Autors kann für dessen Werk stehen, wie in „Schiller lesen“.

Auch ein Rohstoff kann für das daraus hergestellte Erzeugnis stehen. In „das Eisen“ kann beispielsweise ein Schwert gemeint sein, das aus Eisen geschmiedet wurde. Das Gefäß kann für den Inhalt stehen, etwa wenn „ein Glas“ ein Getränk bezeichnet.

Eine weitere Gruppe verwendet einen Ort, eine Zeit, ein Geschehen oder eine Veranstaltung für die dort befindlichen oder daran beteiligten Menschen. „Afrika hungert“ meint viele Einwohner einiger Staaten Afrikas. „Brüssel entscheidet“ kann für die Regierung der Europäischen Union stehen. „Der Kreml lässt verlautbaren“ bezeichnet die Regierung Russlands, früher der Sowjetunion. In „Der Saal applaudiert“ steht der Raum für das Publikum. Die „ablehnende Haltung des Vatikans“ kann die römische Kurie meinen. Auch eine Epoche kann für ihre Menschen oder deren Vorstellungen stehen, etwa „das Mittelalter glaubte“. Bei „Der Kongress tanzt“ wird die Veranstaltung für ihre Teilnehmer verwendet.

Schließlich kann der Besitzer für sein Besitztum stehen. Auch der Befehlshaber kann für die von ihm befehligten Ausführenden genannt werden, wie in „Hannibal erobert Rom“.

Abgrenzung von Metapher und Synekdoche

Die Metapher beruht auf Ähnlichkeit oder Analogie bei gleichzeitiger teilweiser Unähnlichkeit. Die verbundenen Begriffe gehören verschiedenen Wirklichkeitsbereichen an. Das Geräusch des Windes kann deshalb, weil es der Lautäußerung eines Lebewesens ähnelt, als „Flüstern“ oder „Heulen“ des Windes bezeichnet werden.

Die Synekdoche beruht dagegen auf einer Beziehung zwischen Besonderem und Allgemeinem, also zwischen Unter- und Oberbegriff. Dabei kann beispielsweise der Singular für den Plural, eine Art für eine Gattung oder jeweils die umgekehrte Richtung verwendet werden. In „sein Brot verdienen“ steht „Brot“ als Nahrungsmittel allgemein für den Lebensunterhalt. In „Der Mensch entwickelte sich über Jahrtausende“ bezeichnet „Mensch“ die gesamte Menschheit.

Die Metonymie verbindet dagegen Begriffe desselben Wirklichkeitsbereichs durch reale Kontiguität. Bei der Synekdoche besteht eine abstrakte kategoriale Beziehung zwischen einer Kategorie und einer Subkategorie; bei der Metonymie liegt ein real existierender Zusammenhang zwischen Gegenständen oder Sachverhalten vor.

Grenzfälle und kombinierte Übertragungen

Besonders die Unterscheidung zwischen Metonymie und Synekdoche ist beim Verhältnis von Teil und Ganzem umstritten. Bei der Synekdoche kann „Glas“ als Teil des allgemeineren Begriffs „Trinkgefäß“ verstanden werden. Wird ein Glas dagegen als typischer Behälter eines Getränks betrachtet, bezeichnet „ein Glas Wein“ zwei real miteinander verbundene Einheiten: das Getränk und den Behälter. In diesem Fall liegt eine metonymische Ersetzung vor.

Bei einer engen Auffassung wird die Synekdoche daher auf kategoriale Beziehungen zwischen Kategorie und Subkategorie beschränkt. Der entsprechende pars-pro-toto-Typ der Metonymie bezeichnet Gegenstände, die gemeinsam ein Ganzes bilden. Wenn dieser Unterschied nicht berücksichtigt wird, wird die Synekdoche teilweise mit diesem Metonymietyp zusammengefasst und zuweilen als Unterart der Metonymie angesehen.

Auch die Beziehung zwischen Rohstoff und Erzeugnis wird unterschiedlich eingeordnet. „Eisen“ für eine aus Eisen hergestellte Waffe gilt als Metonymie, weil ein Ganzes durch seine stoffliche Beschaffenheit bezeichnet wird. Zugleich kann „Eisen“ als allgemeinerer Begriff für alle Erzeugnisse gleicher stofflicher Qualität verstanden werden; deshalb wird dieser Typus zuweilen auch der Synekdoche zugerechnet.

In einem Ausdruck können mehrere tropische Übertragungen zusammenwirken. Das Begriffspaar „Krone und Tiara“ kann metonymisch für „Kaiser und Papst“ als Träger dieser Attribute stehen. Diese Personen können ihrerseits metaphorisch für die Abstrakta „Kaisertum und Kirche“ beziehungsweise „weltliche und kirchliche Gewalt“ stehen. Das Zusammenspiel von Metonymie und Metapher wird in der Sprachwissenschaft zuweilen als Metaphtonymie bezeichnet; der Begriff geht auf Louis Goossens zurück. Solche Übertragungen treten nicht nur in sprachlichen Ausdrücken, sondern auch in der bildenden Kunst auf, wo Attribute wie Krone und Tiara für ihre Träger und verbunden mit metaphorischer Übertragung für entsprechende Abstrakta stehen können.

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