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Akkusativ

In vielen deutschen Grammatiken wird eine traditionelle Anordnung der Fälle verwendet, in der der Akkusativ dann als 4. Fall bezeichnet wird. In der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundfunktion
  2. 2. Formen im Deutschen
  3. 3. Regierte Akkusative
  4. 4. Besondere Verwendungen
  5. 5. Akkusativ in anderen Sprachen

Bedeutung und Grundfunktion

Der Akkusativ ist ein Kasus, also eine grammatische Fallform. In vielen deutschen Grammatiken heißt er der 4. Fall; in der Schulgrammatik auch Wen-Fall, weil sich ein Akkusativobjekt oft mit „wen oder was?“ erfragen lässt.

Auf Satzebene markiert der Akkusativ vor allem das direkte Objekt, zum Beispiel in „Er sieht den Mann.“ Er steht im Deutschen außerdem als Ergänzung nach bestimmten Präpositionen und, seltener, Adjektiven sowie in bestimmten adverbialen Angaben. Dem Akkusativ als wichtigstem Objektkasus steht der Nominativ als Subjektkasus gegenüber. Deutsch gehört damit zu den Nominativ-Akkusativ-Systemen beziehungsweise Akkusativsprachen. Auch in solchen Systemen kann die Kasusform des Objekts je nach Bedeutungseigenschaften wechseln; dies heißt differenzielle Objektmarkierung.

Formen im Deutschen

Im Deutschen zeigt sich der Akkusativ häufiger am Artikel als am Substantiv. Bei bestimmten und unbestimmten Artikeln ist nur der Maskulin Singular äußerlich vom Nominativ verschieden: „Ein Lastwagen ist ein Fahrzeug.“ – „Er sieht einen Lastwagen.“ Bei Neutrum Singular, Femininum Singular und Maskulinum Plural sind die Formen in den angeführten Beispielen gleich: „ein Haus“, „die Lehrerin“, „die Äpfel“.

Nur einige belebte und sehr wenige unbelebte maskuline Substantive haben im Akkusativ Singular eine eigene Form. Beispiele sind „ein Rabe“ – „einen Raben“ und „ein Fürst“ – „diesen Fürsten“. Dazu gehören bei belebten Substantiven Bär, Affe, Löwe, Elefant, Fink, Junge und Bube; bei unbelebten Name, Magnet, Diamant, Automat und Hydrant.

Das Fragepronomen hat für belebte Objekte eine eigene Akkusativform. Daher kann die Frageprobe helfen: „Wen (oder was) soll man fragen?“ – „(Den) Maurizio.“ Bei einem unbelebten Objekt lautet die Frage ebenfalls „Wen (oder was)?“, etwa bei „Wiktionary fragen“.

Regierte Akkusative

Rektion bedeutet, dass ein Wort eine bestimmte Kasusform verlangt. Verben, Präpositionen und Adjektive können einen Akkusativ regieren.

Viele Verben verlangen ein Akkusativobjekt und werden auch transitive Verben genannt, zum Beispiel „sehen“ in „Er sieht den Mann“ und „lesen“ in „Susanne liest ein spannendes Buch“. Die Bezeichnung „transitiv“ wird manchmal enger verwendet.

Häufige Präpositionen mit Akkusativ sind durch, für, gegen, ohne und um: „Er rannte gegen den Baum“, „Ich kann nicht ohne meinen Teddy schlafen“ und „Der Weg um den See ist sehr idyllisch“.

Bei in, an, auf, vor, hinter, über, unter, neben und zwischen kann entweder Akkusativ oder Dativ stehen. Der Akkusativ bezeichnet eine Richtung oder ein Ziel, der Dativ einen Aufenthaltsort: „Er geht in die Stadt“ (wohin?) gegenüber „Er wohnt in der Stadt“ (wo?). Auch ohne Bewegung kann eine Blickrichtung als Zielangabe gelten: „Er schaut in den Garten“, aber „Er schaut sich im Garten um.“ Die Präpositionen um und gegen stehen bei Richtungsangaben stets mit Akkusativ. Zielangaben mit zu oder nach regieren dagegen stets den Dativ, etwa „zum Supermarkt“ und „nach (dem) Norden“.

Akkusativrektion durch Adjektive ist selten. Beispiele sind „Das Ergebnis ist diesen Aufwand wert“ und „Er ist den Lärm gewohnt“.

Besondere Verwendungen

Der Gleichsetzungsakkusativ ist ein prädikativer Satzteil, der einem Akkusativobjekt eine zusätzliche Eigenschaft oder einen Namen zuschreibt und mit ihm im Kasus übereinstimmt. Er wird von Verben wie nennen, bezeichnen (als), schelten und taufen verlangt. In „Susanne nannte ihren Kollegen einen Lügner“ ist „ihren Kollegen“ das regierte Akkusativobjekt (Frage: „wen?“); „einen Lügner“ ist der Gleichsetzungsakkusativ (Frage: „wie?“). Auch „Da Robinson seinen Gefährten an einem Freitag getroffen hatte, nannte er ihn Freitag“ enthält einen Namen als Prädikativ.

Der adverbiale Akkusativ bezeichnet eine Zeitdauer oder Strecke. Er wird nicht vom Verb verlangt und kann deshalb auch bei Verben ohne Akkusativergänzung stehen. Beispiele sind „Sie besucht ihn jeden Monat“, „Sie hat den ganzen Tag geschlafen“ und „Er hat den Hund den ganzen Weg getragen“. Bei der Passivbildung bleibt er erhalten: „Der Hund wurde den ganzen Weg getragen.“ Er kann nicht durch ein Personalpronomen ersetzt werden.

Als absoluter Akkusativ gelten Satzglieder im Akkusativ, die ebenfalls nicht vom Prädikat verlangt werden. Der Begriff wird oft enger für meist elliptische Konstruktionen verwendet, die keine adverbialen Akkusative sind. Beispiel: „Er stand hinter der Tür, den Dolch in der Hand, und bewegte sich nicht“; dies kann etwa für „den Dolch in der Hand haltend“ stehen.

Akkusativ in anderen Sprachen

Im Englischen und Niederländischen finden sich Akkusativreste bei Pronomen, etwa him und hem zu he und hij sowie whom zu who. Die Bezeichnungen Dativ und Akkusativ gelten dort heute jedoch als nicht mehr passend: Im Englischen sind Akkusativ- und Dativformen vollständig zusammengefallen, weshalb besser von einem allgemeinen Objektskasus, dem Objektiv, gesprochen wird. Im Altenglischen unterschieden sich noch Dativ him und Akkusativ hine. Im Niederländischen betrifft der Unterschied nur noch die formelle Verwendung von „hen“ oder „hun“.

Im Lateinischen steht der Akkusativ unter anderem nach apud, ad und contra. Er dient außerdem als Richtungskasus, auch Lativ genannt: „Romam ire“ bedeutet „nach Rom gehen“.

Polnisch besitzt keine Artikel. Nominativ- und Akkusativendungen unterscheiden sich stets im Femininum Singular, im Maskulinum Singular aber nur bei belebten Substantiven, also Menschen oder Tieren. Auch dort wird der Akkusativ nach bestimmten Verben und Präpositionen durch Rektion bestimmt.

Im Türkischen gibt es einen unbestimmten und einen bestimmten Akkusativ. Der unbestimmte Akkusativ hat wie der Nominativ keine eigene Endung. Der bestimmte Akkusativ erhält nach der Vokalharmonie das Suffix -i/-ı/-u/-ü; nach einem Vokal wird davor der Bindekonsonant -y- eingefügt. „Hasan bir elma yiyor“ heißt „Hasan isst einen Apfel“ und enthält einen unbestimmten Akkusativ. „Hasan Cem’i görüyor“ heißt „Hasan sieht Cem“ und enthält einen bestimmten Akkusativ.

Lernvideos zu Akkusativ

Weiterlesen

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