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Artikel (Wortart)

Als Artikel (von lateinisch articulus ‚Gelenk'), in der traditionellen Grammatik auch Geschlechtswort oder Begleiter, wird ein Wort bezeichnet, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Funktion
  2. 2. Artikel, Determinative und Satzbau
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Artikel in verschiedenen Sprachen
  5. 5. Sprachen ohne Artikel und besondere Artikeltypen
  6. 6. Formen und Gebrauch im Deutschen

Grundbegriff und Funktion

Ein Artikel ist ein Wort, das regelmäßig zusammen mit einem Substantiv oder einer Substantivierung gebraucht wird. Er kennzeichnet vor allem die Definitheit, also ob ein gemeintes Ding, eine Person oder ein Sachverhalt als bestimmt, unbestimmt, erschließbar oder allgemein gemeint verstanden wird. In der traditionellen Grammatik heißt der Artikel auch Geschlechtswort oder Begleiter.

Im Deutschen stimmt der Artikel mit dem Substantiv in Genus (grammatisches Geschlecht), Numerus (Zahl) und Kasus (Fall) überein. Diese Übereinstimmung heißt Kongruenz. Oft erkennt man im Deutschen das Genus eines Substantivs direkt am Artikel, etwa der, die oder das. Für den Begriff Artikel ist es aber nicht notwendig, dass ein Artikel solche Merkmale ausdrückt; deshalb ist die Bezeichnung Geschlechtswort nicht allgemein passend.

Ein Artikel hat keine eigene inhaltliche Bedeutung wie ein Substantiv oder Verb. Er setzt die Beschreibung des Substantivs zu konkreten Individuen oder zu einer Klasse in Beziehung. Beispiele sind: ein Säugling führt ein neues, noch nicht bestimmtes Individuum ein; den Säugling greift ein bereits erwähntes und eindeutig bestimmbares Individuum wieder auf; das Baby kann etwas bezeichnen, dessen Existenz aus der Situation erschließbar ist; ein Säugling kann in einer allgemeinen Aussage für die ganze Art stehen. Solche Bedeutungsmerkmale heißen indefinit, definit, spezifisch und generisch. Zusammen gehören sie zur grammatischen Kategorie Determination.

Artikel, Determinative und Satzbau

In der neueren Linguistik werden Artikel wegen ihrer Funktion als Begleiter von Nomina zu den Determinativen gezählt. Determinative sind Wörter, die ein Substantiv näher bestimmen können. Dazu gehören neben Artikeln im engeren Sinn auch Formen wie kein, dieses, jenes, manches oder jedes, wenn sie ein Substantiv begleiten und an die Stelle eines Artikels treten können. Wenn solche Wörter nicht bei einem Hauptwort stehen, gelten sie gewöhnlich als Pronomen.

Durch einen Artikel entsteht mit dem Substantiv eine abgeschlossene syntaktische Phrase. Umstritten ist, ob dabei der Artikel oder das Substantiv der syntaktische Kopf ist. Je nach Auffassung spricht man deshalb von einer Determinansphrase oder von einer Nominalphrase.

Es gibt zwei wichtige semantische Artikeltypen: den definiten, also bestimmten Artikel, und den indefiniten, also unbestimmten Artikel. Das Deutsche hat beide: der als bestimmter Artikel und ein als unbestimmter Artikel. Manche Sprachen haben nur einen bestimmten Artikel, zum Beispiel Altgriechisch, andere nur einen unbestimmten Artikel, zum Beispiel Türkisch; die meisten Sprachen besitzen gar keinen Artikel. Neben selbständigen Artikelwörtern können Bedeutungen wie Definitheit auch durch Affixe ausgedrückt werden, also durch gebundene Formen am Wort, etwa in skandinavischen oder Balkansprachen.

Historische Entwicklung

Die indogermanische Ursprache, aus der sich in den letzten 5000 Jahren viele Sprachen Europas entwickelten, hatte nach heutigem Wissen noch keinen Artikel. Artikel entstanden erst später in einzelnen Tochtersprachen.

Der unbestimmte Artikel entwickelte sich in vielen Sprachen aus dem Numerale, also dem Zahlwort, für 1. Darum sind Zahlwort und unbestimmter Artikel oft formal ähnlich oder gleich, etwa lateinisch ūnus/ūna/ūnum zu italienisch uno/una, französisch un/une, katalanisch un/una, spanisch un/una und portugiesisch um/uma. Trotzdem unterscheiden sich Zahlwort und Artikel in der Funktion: Das Zahlwort bedeutet genau eins und ist betont; der unbestimmte Artikel bezeichnet ein beliebiges Exemplar und trägt normalerweise nicht den Satzakzent. Im Deutschen kann der unbestimmte Artikel in der Umgangssprache sogar zu Formen wie ’nen oder ’n reduziert werden.

Der bestimmte Artikel geht historisch häufig auf Demonstrativpronomen zurück, also auf Wörter wie dieser. Die älteste Sprache, für die sich ein bestimmter Artikel nachweisen lässt, ist das Griechische. Im Deutschen entwickelte sich der bestimmte Artikel aus Demonstrativpronomen wie dër, diu, daz. Im Mittelhochdeutschen wurde der Gebrauch von bestimmtem und unbestimmtem Artikel immer mehr zur Regel. Die Ausbreitung des Artikelgebrauchs hängt auch mit Lautwandel und dem Abbau von Endungen zusammen: Wenn Kasusendungen weniger unterscheidbar werden, kann der Artikel stärker dazu dienen, Kasus und andere grammatische Merkmale anzuzeigen. Es wird aber auch diskutiert, ob die Abschwächung der Nebensilben teilweise eine Folge des entstehenden bestimmten Artikels war.

Artikel in verschiedenen Sprachen

Die europäischen Sprachen zeigen sehr unterschiedliche Artikelsysteme. In den westgermanischen Sprachen, darunter Englisch, Niederländisch, Afrikaans, Luxemburgisch und Deutsch, stehen bestimmter und unbestimmter Artikel als selbständige Wörter vor dem Substantiv. Der Beispielsatz Die Sonne ist ein Stern zeigt zwei Funktionen: Die Sonne wird als kontextuelles Unikum markiert, während ein Stern die Sonne einer allgemeinen Klasse zuordnet.

In den nordgermanischen Sprachen steht der unbestimmte Artikel meist vor dem Substantiv, Definitheit wird aber oft durch ein Suffix am Nomen ausgedrückt, zum Beispiel in Formen, die wörtlich etwa Sonne=die entsprechen. Wenn ein Adjektiv vorangestellt ist, kann zusätzlich ein selbständiger Artikel auftreten; im Schwedischen und Norwegischen gibt es dabei die sogenannte doppelte Bestimmtheit.

Die romanischen Sprachen haben bestimmte und unbestimmte Artikel entwickelt, obwohl das klassische Latein keine Artikel hatte. Im Vulgärlatein setzte sich das Demonstrativpronomen ille allmählich als Grundlage des bestimmten Artikels durch; im Sardischen geht der bestimmte Artikel dagegen auf ipse zurück. In den westromanischen Sprachen ist der bestimmte Artikel ein selbständiges Wort, in balkanromanischen Sprachen kann er als Suffix erscheinen.

Auch die Balkansprachen zeigen gemeinsame Entwicklungen: Der unbestimmte Artikel stammt vom Zahlwort für 1 und ist ein eigenständiges Wort, während der bestimmte Artikel häufig als Suffix mit dem Nomen verschmilzt. Beispiele nennt der Artikel für Albanisch, Bulgarisch, Makedonisch und Rumänisch. In der slowenischen Umgangssprache gibt es außerdem Formen wie en aus dem Zahlwort für ein und die Partikel ta, die Bestimmtheit ausdrücken kann; in der Schriftsprache müssen sie in den genannten Beispielen weggelassen werden.

Nichtindogermanische Sprachen können ebenfalls Artikel oder vergleichbare Mittel besitzen, etwa Ungarisch, Baskisch, westsemitische Sprachen wie Arabisch, Aramäisch, Hebräisch und Amharisch, außerdem Nahuatl und Nuu-chah-nulth. Baskisch stellt sowohl bestimmten als auch unbestimmten Artikel nach das Nomen; der unbestimmte Artikel ist identisch mit dem Zahlwort für 1. Semitische Sprachen wie Arabisch und Hebräisch kennen einen bestimmten, aber keinen unbestimmten Artikel. Im Arabischen verschmilzt der bestimmte Artikel al- graphisch und lautlich mit dem Substantiv, besonders stark vor den sogenannten Sonnenbuchstaben.

Sprachen ohne Artikel und besondere Artikeltypen

Viele Sprachen haben keine Artikel, besitzen aber andere Mittel, um Bestimmtheit oder Unbestimmtheit auszudrücken. Die meisten modernen baltischen und alle slawischen Sprachen außer Bulgarisch und Makedonisch kennen weder bestimmte noch unbestimmte Artikel. In Beispielsätzen übernehmen dort unter anderem Wortstellung und Thema-Rhema-Gliederung semantische Funktionen, die im Deutschen durch Artikel mitgetragen werden. Außerdem können Demonstrativpronomen Definitheit markieren, ohne dadurch schon Artikel im grammatischen Sinn zu sein.

Die Turksprachen kennen die Wortart Artikel nicht. Das Nomen ist grundsätzlich gegenüber Bestimmtheit oder Unbestimmtheit sowie gegenüber Singular oder Plural indifferent. Im Türkischen können etwa Possessivsuffixe, Akkusativendungen und das Zahlwort bir Bedeutungsunterschiede ausdrücken. Bir ähnelt zwar manchmal dem deutschen unbestimmten Artikel, bleibt aber vor allem ein Zahlwort und markiert ein individualisiertes, nicht weiter bestimmtes Einzelexemplar.

In den ostseefinnischen Sprachen gibt es keinen bestimmten oder unbestimmten Artikel; im Ungarischen dagegen schon. Einen besonderen Typ bildet der Teilungsartikel, zum Beispiel im Französischen de und im Italienischen di in Verbindung mit dem definiten Artikel. Er wird bei unzählbaren Mengen gebraucht; im Französischen ist er obligatorisch, im Italienischen fakultativ, etwa Je mange du pain und Mangio (del) pane.

Ein weiterer Sonderfall ist der propriale Artikel bei Eigennamen. Er steht bei Nomina propria, obwohl Eigennamen normalerweise bereits eindeutig auf ein Individuum verweisen. In der süddeutschen Umgangssprache heißt es zum Beispiel Die Monika hat dem Peter geholfen. Dieser Artikel ist semantisch expletiv, verändert also die Bedeutung nicht. Propriale Artikel kommen unter anderem in deutschen Dialekten, im Luxemburgischen, Portugiesischen, Galicischen, Albanischen, Griechischen, in der ungarischen Umgangssprache und im Arabischen vor. Im Katalanischen ist der propriale Artikel formal vom gewöhnlichen definiten Artikel unterschieden. Im Madagassischen gibt es verschiedene propriale Artikelformen für Ortsnamen, Personennamen, Geschlecht, Verhältnis und Sprecherintention.

Formen und Gebrauch im Deutschen

Im Deutschen werden der bestimmte und der unbestimmte Artikel nach Genus, Numerus und Kasus flektiert. Rein rechnerisch wären je Artikel 24 verschiedene Formen möglich. Tatsächlich treten beim bestimmten Artikel nur sechs Formen auf, beim unbestimmten Artikel sieben; viele Formen übernehmen mehrere grammatische Funktionen.

Der unbestimmte Artikel hat im Plural die Nullform ∅: Jemand hat gestern ein Buch gekauft, aber Jemand hat gestern ∅ Bücher gekauft. Auch bei unzählbaren Substantiven steht im Singular normalerweise kein unbestimmter Artikel: Ich habe gestern ∅ Mehl gekauft. Wird der Stoff portioniert oder gezählt, kann ein Artikel oder Quantifikator auftreten, etwa ein Pfund Mehl. Die Formen des unbestimmten Artikels im Singular sind unter anderem ein, eine, eines, einer, einem und einen; im Plural steht ∅. Der bestimmte Artikel hat im Singular die Formen der, die, das, des, dem und den; im Plural fallen die Genera zusammen, zum Beispiel die im Nominativ und Akkusativ, der im Genitiv und den im Dativ.

Im heutigen Deutschen ist der Artikelgebrauch bei Gattungsnamen meist verbindlich: Die Frau schläft; ein Mädchen weint. Bei Personennamen und bestimmten Prädikativen steht dagegen oft kein Artikel: Hans ist Bäcker; Petra ist Schweizerin. Einige feste Fügungen sind ebenfalls artikellos, zum Beispiel Ich fahre Auto. Artikellosigkeit gibt es außerdem in Sprichwörtern und formelhaften Wendungen wie Haus und Hof oder Mann und Maus sowie bei manchen Abstrakta und Stoffbezeichnungen, etwa Schönheit vergeht oder Geld regiert die Welt.

Personennamen stehen nach Lehrbuch vor allem dann mit Artikel, wenn ein Adjektiv davortritt: der hübsche Hans, die kluge Petra. Im oberdeutschen Sprachraum ist der Artikel bei Namen jedoch auch sonst üblich, außer in der Anrede. Ortsnamen stehen meist ohne Artikel, besonders neutrale Ortsnamen. Maskuline und feminine Länder- und Regionalnamen haben dagegen einen proprialen Artikel, etwa die Slowakei, die Waadt, der Libanon und der Ruhrpott. Fluss- und Bergnamen führen im Deutschen stets einen proprialen Artikel, zum Beispiel die Elbe, der Amazonas, die Schneekoppe und der Mount Everest.

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