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Objekt (Grammatik)
Akkusativobjekt (direktes Objekt). Bearbeiten. Dem Akkusativobjekt entspricht das Fragewort „wen oder was? ... Im älteren Deutsch kamen Genitivobjekte deutlich …
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Grundbegriff und Abgrenzung
Ein Objekt, traditionell auch Satzergänzung genannt, ist ein Satzglied, das vom Prädikat, meist also vom Verb, gefordert wird und mit ihm normalerweise enger verbunden ist als das Subjekt. Im Deutschen wird ein Objekt durch einen vom Verb regierten Kasus, eine feste Präposition oder eine andere sprachspezifische Markierung gekennzeichnet und trägt eine semantische Rolle. Beispiel: „Anscheinend habe ich mein Passwort vergessen.“ Im Englischen lautet das entsprechende Beispiel: „I apparently forgot my password.“
Der Begriff Objekt bezeichnet im engeren Sinn eine grammatische Funktion auf Satzebene. Gemeint sind vom Verb regierte Ergänzungen. In einem weiteren Sinn werden auch Ergänzungen von Adjektiven oder Präpositionen als deren Objekte bezeichnet; dafür wird häufig der allgemeinere Begriff Komplement verwendet. Die Ergänzung einer Präposition ist jedoch nicht mit einem Präpositionalobjekt gleichzusetzen.
Im Deutschen trägt das Subjekt den Nominativ und muss mit der finiten Verbform in ihren Merkmalen übereinstimmen; diese Übereinstimmung heißt Kongruenz. Objekte sind dagegen die übrigen vom Verb regierten Ergänzungen, die die Verbform nicht beeinflussen und keinen Nominativ tragen können. Diese Abgrenzung gilt nicht für alle Sprachen: Manche Sprachen kennen Objektkongruenz oder Objekte im Nominativ; Hindi besitzt beides.
Die deutsche Wortstellung ist relativ frei. In der neutralen Grundreihenfolge steht das Objekt meist näher am Verb als das Subjekt: „zwei Männer eine Kiste in den Hof trugen“ (Subjekt – Objekt – Prädikat). Eine Umstellung wie „DIESE Kiste ZWEI Männer tragen mussten“ erzeugt Hervorhebungseffekte. Die Verschiebeprobe zeigt ebenfalls die engere Verbindung von Verb und Objekt: „[Die Kiste in den Hof tragen] konnten nur zwei kräftige Männer“, nicht aber „*[Nur zwei kräftige Männer in den Hof tragen] konnten die Kiste.“ Einige Verben bilden Ausnahmen, bei denen Akkusativ oder Dativ vor dem Nominativ als Grundreihenfolge erscheint.
Direktes und indirektes Objekt
Im Deutschen wird das direkte Objekt im Wesentlichen über den Akkusativ bestimmt; auch Objektnebensätze ohne sichtbare Kasusmarkierung werden in diesem Sinn als direkte Objekte bezeichnet. Das indirekte Objekt entspricht im Deutschen im Wesentlichen dem Dativobjekt.
Das Akkusativobjekt beantwortet die Frage „wen oder was?“. Beispiele sind: „Ich liebe dich“, „Ich schreibe einen Brief“ und „Ich streiche eine Wand mit Farbe an.“ Ein Verb, das ein Objekt verlangt, wird transitives Verb genannt. In engerer Verwendung gilt diese Bezeichnung vor allem für Verben mit Akkusativobjekt; weiter gefasst können auch Verben mit anders markierten Ergänzungen einbezogen werden.
Beim werden-Passiv wird das Akkusativobjekt des Aktivsatzes zum Subjekt: „Dabei unterstützten sie ihn großzügig“ – „Dabei wurde er großzügig unterstützt.“ Der Akkusativ heißt deshalb bei transitiven Verben struktureller Kasus: Seine Vergabe folgt nicht nur dem einzelnen Verb, sondern auch allgemeinen grammatischen Regeln. Der Dativ bei „helfen“ ist dagegen ein lexikalischer Kasus.
Das Dativobjekt beantwortet die Frage „wem?“. Es kann alleinige Ergänzung sein oder neben einem Akkusativobjekt stehen: „Ich schreibe dir eine Mail“, „Ich glaube dir, dass es so war“ und „Ein Fremder half mir.“ In einer bekommen-Konstruktion kann ein Dativobjekt zum Subjekt werden: „Wir überweisen Ihnen den Betrag“ – „Sie bekommen den Betrag überwiesen.“ Daher gilt der Dativ in solchen Konstruktionen ebenfalls als struktureller Kasus. Daneben gibt es den freien Dativ, der frei hinzugefügt werden kann und zugleich als Angabe gilt: „Kannst du mir den Müll runtertragen?“ (= für mich).
Kasus, Bedeutung und weitere Objektarten
Objekte können als Substantivgruppen beziehungsweise Nominalphrasen, Pronomen, Präpositionalphrasen, Nebensätze oder satzwertige Infinitive auftreten. Der vom Verb zugewiesene Kasus gilt für die gesamte Substantivgruppe, auch wenn er nur an einzelnen Wörtern sichtbar ist. Darin unterscheiden sich Objekte von Adverbialen und Prädikativen: Beim Adverbial ist der Kasus frei und durch die adverbielle Bedeutung ausgelöst; beim Prädikativ entsteht er durch Kongruenz mit einem Subjekt oder Objekt. Der Objektkasus ist unabhängig davon, ob das Verb finit ist. Deshalb können auch Infinitive und Präsenspartizipien Objekte haben, aber kein Subjekt.
Objekte sind nicht durch eine einzige Bedeutung definiert. Im Vergleich zum Subjekt tragen sie jedoch meist die passivere semantische Rolle. Typisch für das direkte Objekt sind Patiens oder Thema, also etwas, das eine Einwirkung oder Veränderung erfährt. Objekte können aber auch Ortsangaben enthalten („Er verließ den Raum“), etwas bezeichnen, das erst entsteht („Er komponierte zwei Opern“), oder etwas, das nicht existiert („Ich vermisse etwas“, „Er sucht den Stein der Weisen“). Die Rolle Agens kommt ihnen nicht zu. Bei zwei Objekten ist das indirekte Objekt meist weniger stark von der Handlung betroffen und kann beispielsweise die Rolle eines Rezipienten haben: In „Er schickte seiner Tante eine Postkarte“ ist „eine Postkarte“ das Akkusativobjekt, „seiner Tante“ das Dativobjekt.
Genitivobjekte werden von einigen Verben regiert oder können von ihnen regiert werden, sind aber rückläufig und meist auf gehobene Schriftsprache beschränkt. In deutschen Dialekten gibt es sie außer im Walliser- und Walserdeutschen nicht mehr; in Österreich, Süddeutschland und der Schweiz, mit Ausnahme des Wallis, fehlen sie auch in der Standard-Umgangssprache. Häufig werden sie durch Dative ersetzt. Beispiele sind „Ich gedenke ihrer“, „Wir bedürfen deiner Hilfe“ und „Er erinnerte sich dessen nicht“. In der Rechtssprache kommen sie noch häufiger vor, etwa in „Er beschuldigt mich des Diebstahls“. Ältere Genitivobjekte standen unter anderem bei achten, begehren, benötigen, danken, genießen, lachen, pflegen, vergessen und warten; besonders seit dem 16./17. Jahrhundert wurden sie zunehmend durch Akkusativ- oder Präpositionalobjekte ersetzt. Ein Genitiv innerhalb eines Satzglieds ist davon zu unterscheiden: In „durch die Straßen [der Stadt]“ ist „der Stadt“ ein vom Substantiv abhängiges Attribut.
Ein Präpositionalobjekt ist eine vom Verb geforderte Präpositionalphrase mit fester Präposition, etwa „Sie wartet auf ihn“. Das gesamte „auf ihn“ ist das Objekt, nicht nur die Ergänzung der Präposition. Bei einem Präpositionalobjekt wird die Präposition vom Verb regiert; bei einem präpositionalen Adverbial ist die Form frei wählbar. Knapp 20 Präpositionen können auf diese Weise regiert werden, vor allem an, auf, aus, für, gegen, in, mit, nach, über, um, von, vor und zu. Präpositionalobjekte können allein auftreten („Er denkt an sie“) oder zusammen mit einem direkten Objekt („Er informiert sie über das Treffen“).
Objektsätze und ihr Nachweis
Nebensätze können wie Substantivgruppen die Funktion eines Objekts übernehmen. Zu den direkten Objekten gehören Inhaltssätze mit dass oder ob sowie indirekte Fragen mit einem Fragewort, freie Relativsätze mit wen oder was und satzwertige Infinitive mit zu. Beispiele sind „Ich sah, dass es geregnet hatte“, „Ich kann nicht sehen, ob es regnet“, „Ich heirate, wen ich will“ und „Er versprach, sich bald um das Problem zu kümmern“.
Da Objektsätze selbst kein Kasusmerkmal tragen, weist man ihre Funktion durch Ersetzung mit einem Pronomen nach: „Ich sah, dass es geregnet hatte“ entspricht „Ich habe es auch gesehen.“ Ebenso entspricht „Der Oberförster versprach mir, sich zu rasieren“ dem Satz „Der Oberförster versprach es mir.“ Die Infinitivgruppe „sich zu rasieren“ ist dabei das direkte Objekt von „versprechen“, „mir“ das danebenstehende indirekte Objekt.
Manche Nebensätze entsprechen einem Präpositionalobjekt, obwohl die Präposition vor dem Nebensatz entfallen kann. Das wird durch die Ersetzung sichtbar: „Er zwang seine Tochter (dazu), den Fabrikantensohn zu heiraten“ entspricht „Er zwang seine Tochter zu dieser Ehe.“
Objektsätze stehen meistens nicht im Mittelfeld, sondern am Ende des Hauptsatzes im Nachfeld, also nach der rechten Satzklammer. Das unterscheidet sie von Adverbialsätzen, die nicht zwingend nachgestellt werden müssen, und von Akkusativobjekten, die diese Endstellung nicht erlauben. Möglich ist: „Anna hatte nicht erwartet, diese Antwort zu bekommen“ beziehungsweise „Anna hatte nicht erwartet, dass sie diese Antwort bekommen würde.“ Nicht möglich ist „*Anna hatte erwartet diese Antwort“; die Stellung „?Anna hatte, dass sie diese Antwort bekommen würde, nicht erwartet“ ist oft weniger akzeptabel.
Objekte im Englischen
Die Darstellung des Englischen ist im Artikel ausdrücklich als grundsätzlich überarbeitungsbedürftig markiert. Anders als im Deutschen werden Objekte dort vor allem wegen des Fehlens typischer Kasusendungen klassifiziert. Unterschieden werden drei Typen: direktes Objekt (direct), indirektes Objekt (indirect) und Präpositionalobjekt (prepositional).
Wenn nur ein Objekt vorhanden ist, gilt es automatisch als direktes Objekt. Bei zwei Objekten ist der Empfänger einer Handlung (recipient) das indirekte Objekt; das andere, meist stärker betroffene Objekt (patient), ist das direkte Objekt. Beispiele: „I gave her (recipient, indirektes Objekt) the apple (patient, direktes Objekt)“ und „I asked my mother (recipient) a question (patient).“
Ein Präpositionalobjekt wird durch eine vom Verb bedingte Präposition eingeführt; die gesamte präpositionale Einheit gilt als Objekt. Beispiele sind „They robbed him (direktes Objekt) of his ring (präpositionales Objekt)“ und „I protected him (direktes Objekt) from falling (präpositionales Objekt).“
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