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Satz (Grammatik)

Ein Satz ist eine aus einem Wort oder mehreren Wörtern bestehende in sich geschlossene sprachliche Einheit. Definitionen des Satzbegriffs sind in …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Definitionsprobleme
  2. 2. Wichtige Definitionsansätze
  3. 3. Satz in Sprache und Schrift
  4. 4. Satzarten und Verbstellung
  5. 5. Einfache und komplexe Sätze
  6. 6. Unvollständige Sätze

Grundbegriff und Definitionsprobleme

Ein Satz ist eine in sich geschlossene sprachliche Einheit, die aus einem Wort oder aus mehreren Wörtern bestehen kann. Grammatisch wird er oft als größte Einheit verstanden, die durch die Regeln der Syntax erzeugt werden kann. Syntax bedeutet dabei die Lehre vom Bau von Wortgruppen und Sätzen. Andere Ansätze sehen den Satz vor allem kommunikativ: Er ist dann die kleinste Verständigungseinheit, mit der eine Sprechhandlung, also ein Sprechakt, vollzogen wird. Teilweise wird für diese kommunikative Einheit aber eher der Begriff „Äußerung“ verwendet.

Der Satzbegriff ist nicht einheitlich. Es gibt annähernd 200 Definitionen von „Satz“, und verschiedene linguistische Schulen, also Richtungen der Sprachwissenschaft, entwickeln eigene Begriffe. Die logischen, philosophischen, kommunikationswissenschaftlichen und psychologischen Sichtweisen lassen sich kaum vollständig miteinander vereinbaren. Deshalb wird angenommen, dass hinter der Bezeichnung „Satz“ nicht ein einziger Begriff steht, sondern eine ganze Familie sich überschneidender Begriffe.

Wichtige Definitionsansätze

Der Schulduden definiert: „Der Satz ist eine geschlossene sprachliche Einheit, die sich aus kleineren Einheiten (Wörtern und Wortgruppen) zusammensetzt.“ Diese Definition erklärt jedoch nicht alle Fälle eindeutig, denn es gibt auch Ein-Wort-Sätze wie „Geh!“. Außerdem muss genauer bestimmt werden, was „geschlossene sprachliche Einheit“ bedeutet, weil auch Wortgruppen in einem gewissen Sinn abgeschlossen wirken können.

Die Duden-Grammatik bietet mehrere Definitionen. Eine lautet: „Ein Satz ist eine abgeschlossene Einheit, die nach den Regeln der Syntax gebildet worden ist.“ Problematisch ist, dass auch syntaktisch falsche oder bewusst regelwidrige Formen als Sätze gelten können, etwa „Ich habe fertig!“ oder „Wir sind Papst“. Eine andere Definition lautet: „Ein Satz ist die größte Einheit, die man mit den Regeln der Syntax erzeugen kann.“ Diese Sicht geht auf Bloomfield zurück, der den Satz als größte selbständige syntaktische Form beschrieb, die nicht in eine größere syntaktische Form eingebettet ist. Dabei bleibt aber offen, wie Nebensätze einzuordnen sind. Eine dritte Duden-Definition lautet: „Ein Satz ist eine Einheit, die aus einem finiten Verb und allen vom Verb verlangten Satzgliedern besteht.“ Ein finites Verb ist eine gebeugte Verbform, zum Beispiel „zogen“ in „Wir zogen nach dem Süden“. Diese Definition erfasst aber Ellipsen und infinite Nebensätze nicht ausreichend.

Traditionell wird der Satz auch als Einheit aus Subjekt und Prädikat verstanden. Das Subjekt benennt, worüber etwas ausgesagt wird; das Prädikat enthält die Satzaussage, meist mit dem Verb. Diese Sicht beschreibt vor allem den Deklarativsatz, also den Aussagesatz. Für die Logik ist ein Satz im engeren Sinn eine sprachliche Form, die wahr oder falsch sein kann. Dadurch werden Fragesätze, Befehlssätze und Wunschsätze nicht vollständig erfasst.

Weitere Ansätze sehen den Satz als Grundeinheit von Rede oder Text. Auch das ist schwierig, weil dann erst Rede oder Text definiert werden müssen und weil es Fälle wie „Hilfe!“ gibt, bei denen ein Wort zugleich Satz und Text sein kann. Kommunikativ kann ein Satz als selbständige, abgeschlossene sprachliche Äußerung verstanden werden, die in einem Handlungszusammenhang geäußert wird und prinzipiell verstanden werden kann.

Satz in Sprache und Schrift

In der Sprachtheorie wird der Satz meist der Ebene der parole zugeordnet. Parole meint bei de Saussure die konkrete Sprachverwendung, also tatsächliches Sprechen oder Schreiben. Bühler bezeichnet den Satz entsprechend als „Sinneinheit der Rede“. Es wird als wenig sinnvoll angesehen, auf der Ebene der langue, also des abstrakten Sprachsystems, nach einer festen zeichenhaften Einheit „Satz“ zu suchen, wie man es bei Wort und Morphem tun kann. Trotzdem untersucht die Grammatik auch die lautlichen oder schriftlichen Träger eines Satzes syntaktisch, also in gewissem Sinn sekundär auf der Ebene der langue.

In der gesprochenen Sprache wird ein Satz meist durch eine kurze Pause vom vorhergehenden getrennt. Außerdem trägt die Satzmelodie zur Erkennung bei: Aussagen, Fragen und Aufforderungen haben typische Intonationsmuster. Ein Satz ist beim Reden meistens als Einheit erkennbar, doch die Zuordnung von Sätzen und ihrer Bedeutung ist nicht immer eindeutig.

In der deutschen Orthografie wird der Satzanfang großgeschrieben. Ein Satz endet mit einem Satzzeichen: Punkt [.], Ausrufezeichen [!], Fragezeichen [?] und gegebenenfalls Auslassungspunkte […]. Im Inneren von zusammengesetzten Sätzen helfen Komma [,], Semikolon [;] und Gedankenstrich [–], den Satzbau zu kennzeichnen.

Satzarten und Verbstellung

Sätze können nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Kommunikativ unterscheidet man vor allem Deklarativsatz, Fragesatz und Aufforderungssatz. Ein Deklarativsatz ist ein Aussagesatz, ein Fragesatz dient dem Fragen, und ein Aufforderungssatz drückt eine Bitte, einen Befehl oder eine Aufforderung aus.

Nach der Stellung des finiten Verbs unterscheidet die deutsche Grammatik Stirnsatz, Kernsatz und Spannsatz. Beim Stirnsatz steht das finite Verb an erster Stelle. Das ist im Deutschen besonders bei Entscheidungsfragen und Aufforderungssätzen der Fall, zum Beispiel: „Gehst Du schon?“ und „Geh jetzt!“ Beim Kernsatz steht das finite Verb an zweiter Stelle. Das ist typisch für Hauptsätze, die Deklarativsätze sind, zum Beispiel: „Ich schreibe jetzt diesen Satz.“ Beim Spannsatz steht das finite Verb am Ende. Das ist typisch für eingeleitete Nebensätze, zum Beispiel: „Nachdem ich dieses Beispiel geschrieben habe, höre ich auf.“

Weitere Einteilungen betreffen die Anzahl und Beziehung finiter Verben: einfacher Satz und zusammengesetzter Satz. Außerdem unterscheidet man Hauptsatz und Nebensatz, auch Gliedsatz genannt. Nach syntaktischer Unvollständigkeit werden unter anderem Anakoluth, Ellipse, Fragment und Nominalsatz unterschieden.

Einfache und komplexe Sätze

Ein einfacher Satz, auch Einzelsatz genannt, enthält nur ein konjugiertes Verb. Er kann weitere Satzglieder enthalten, entweder notwendige Ergänzungen wie ein Subjekt oder zusätzliche Angaben wie Attribute und adverbiale Bestimmungen. Ein Beispiel ist: „Der Wolf heulte in der Nacht den Mond an.“ Auch elliptische Sätze und Kurzformen zählen zu den einfachen Sätzen, zum Beispiel: „Komm!“

Ein zusammengesetzter Satz, auch komplexer Satz genannt, enthält mehr als ein finites Verb oder besteht aus mehreren einfachen Sätzen, den Teilsätzen. Sind die Teilsätze gleichgeordnet, nennt man sie Hauptsätze; der ganze Satz heißt Satzreihe oder Parataxe. Bei Über- und Unterordnung spricht man von einem Satzgefüge oder einer Hypotaxe. Dabei unterscheidet man Hauptsätze und Nebensätze. Ein Nebensatz ist einem anderen Teilsatz inhaltlich untergeordnet und kann zum Beispiel dessen Aussage näher bestimmen. Ein Hauptsatz ist der Teilsatz, der keinen anderen Teilsatz näher beschreibt.

Von einem Nebensatz kann ein weiterer Nebensatz abhängen. Ein Beispiel ist: „Ich ging spazieren (HS), da die Sonne scheinen sollte (NS 1), die jedoch ausblieb (NS 2).“ Ein komplexer Satz, der Satzreihen und Satzgefüge verbindet, heißt Satzperiode.

Sätze können mit einer Konjunktion verbunden werden, dann heißen sie syndetisch: „Ich kam, ich sah und ich siegte.“ Werden mehrere Konjunktionen verwendet, nennt man die Verbindung polysyndetisch: „Ich kam und ich sah und ich siegte.“ Ohne Konjunktionen heißt die Verbindung asyndetisch: „Ich kam, ich sah, ich siegte.“ Im Deutschen erkennt man Nebensätze oft daran, dass sie ein Einleitewort wie ein Relativpronomen, ein Fragewort oder eine unterordnende Konjunktion haben und die finite Verbform am Ende steht. Es gibt aber auch uneingeleitete Nebensätze.

Unvollständige Sätze

Auch unvollständige Sätze fallen unter den Begriff „Satz“. Ihnen fehlt ein notwendiges Satzglied oder sogar mehr als eines. Ein wichtiger Typ ist der Anakoluth, also ein Satzbruch. In der gesprochenen Sprache kann er als Reparaturphänomen auftreten, wenn ein Sprecher einen Satz anders fortsetzt als begonnen. Er kann aber auch bewusst als rhetorischer Effekt eingesetzt werden. Das angeführte Beispiel lautet: „Wie wenn da einer, und er hielte ein frühgereiftes Kind das schielte hoch in den Himmel.“

Eine Ellipse ist eine Auslassung, bei der Teile des vollständigen Satzes fehlen, aber aus dem Zusammenhang ergänzt werden können. Beispiel: „Die siegreiche Sache gefiel den Göttern. Aber die unterlegene dem Cato.“ Die vollständige Struktur wäre: „Die unterlegene [Sache] [gefiel] dem Cato.“

Ein Nominalsatz wird meist als Satz ohne das Kopulaverb „sein“ verstanden. Ein Beispiel ist: „Frau weg, Geld weg, Wohnung weg“. Solche Formen zeigen, dass ein Satz nicht immer alle Bestandteile enthalten muss, die in einer vollständigen schulgrammatischen Analyse erwartet werden.

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