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Adverbiale Bestimmung
... Adverb wird eine Wortart bezeichnet, die von anderen Wortarten wie z. B. Adjektiv oder Präposition abzugrenzen ist. Das Adverb ist somit eine Wortart, die …
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Begriff und Abgrenzung
Eine adverbiale Bestimmung, kurz Adverbial oder Umstandsbestimmung, ist ein Satzglied, das weder Subjekt, Objekt noch Prädikativum ist. Damit bildet es unter den Satzgliedfunktionen eine Restklasse. Typischerweise modifiziert ein Adverbial ein Verb, eine Verbalphrase oder einen ganzen Satz: Es macht etwa Angaben zu Ort, Zeit, Art und Weise, Grund oder zur Gültigkeit einer Aussage.
Adverbial bezeichnet eine grammatische Funktion, Adverb dagegen eine Wortart. Ein Adverb kann also als Adverbial auftreten, doch Adverbiale können auch durch andere Formen ausgedrückt werden. Streng unterschieden werden Adverbiale von Attributen: In „Er geht im Wald spazieren“ hängt „im Wald“ vom Verb ab und ist ein Adverbial; in „ein Spaziergang im Wald“ hängt dieselbe Wortgruppe vom Substantiv ab und ist ein Attribut.
Adverbiale können äußerlich Präpositionalobjekten ähneln. In „Ich warte auf dem Bahnsteig“ ist „auf dem Bahnsteig“ eine Ortsangabe; in „Ich warte auf den Zug“ ist „auf den Zug“ ein Präpositionalobjekt. Das zeigt sich an den Fragen: „Wo warte ich?“ ersetzt das Adverbial vollständig, aber beim Objekt muss die Präposition erhalten bleiben: „Worauf warte ich?“ Außerdem wird die Präposition beim Präpositionalobjekt vom Verb festgelegt, beim Adverbial nicht: Man kann etwa „auf dem Bahnsteig“, „in der Halle“ oder „drinnen“ warten.
Die Begriffe Adverbial und Angabe sind ebenfalls nicht gleich. Angaben sind immer weglassbar, Ergänzungen können vom Verb verlangt werden. Die meisten Adverbiale sind weglassbare Angaben und Modifikatoren. Manche sind aber notwendige Ergänzungen, ohne dass das Verb eine bestimmte Präposition oder einen Kasus regiert, etwa „Er benimmt sich wie ein Idiot / idiotisch“ oder „Sie wohnt in München / sehr ruhig / dort“. Richtungsangaben wie „vom Spielfeld / in die Kabine humpeln“ gelten ebenfalls als Adverbiale, obwohl sie keine Adjunkte sind.
Bedeutungsklassen
Adverbiale werden traditionell nach ihrer Bedeutung eingeteilt. Die Auflistungen sind nicht vollständig einheitlich. Grundsätzlich unterscheidet man Situationsadverbiale und Satzadverbiale. Viele, aber nicht alle Arten lassen sich mit Fragewörtern erfragen.
Situations- oder Ereignisadverbiale beschreiben Eigenschaften des vom Verb bezeichneten Ereignisses oder Zustands. Lokaladverbiale geben Ort, Weg oder Richtung an: „Der Wolf lauerte tief im Wald“, „Die Wölfe liefen in den Wald“, „Die Wölfe kamen aus dem Wald“. Typische Fragen sind „Wo?“, „Wohin?“ und „Woher?“. Richtungsangaben haben offenbar meist Argumentstatus; teilweise werden sie auch als Bestandteile eines zusammengesetzten Prädikats aufgefasst.
Temporaladverbiale betreffen die Zeit: zeitliche Lage („Ich wasche mich jeden Morgen“), Dauer („Er duschte eine halbe Stunde lang“) oder zeitliche Begrenzung („Er duscht seit einer halben Stunde“, „Er las, bis ihm die Augen zufielen“). Fragen sind unter anderem „Wann?“, „Seit wann?“, „Bis wann?“, „Wie oft?“ und „Wie lange?“. Modaladverbiale betreffen Art und Weise, Instrument oder die Haltung des Subjekts: „mit letzter Kraft“, „Mithilfe einer Schere“ und „widerwillig / gerne“. Meist fragt man „Wie?“. Kausaladverbiale im weiten Sinn nennen Grund, Zweck, Bedingung oder Einräumung: „Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse“, „Zwecks besserer Sicht“, „Bei schönem Wetter“ und „Trotz aller Schwierigkeiten“. Dazu passen Fragen wie „Warum?“, „Weshalb?“, „Wieso?“ und „Wozu?“.
Satzadverbiale
Satz- oder Kommentaradverbiale beschreiben nicht die Eigenschaften eines Ereignisses. Sie beziehen sich auf die Tatsache oder Möglichkeit des Ereignisses oder auf die Äußerung, mit der ein Sprecher einen Sachverhalt mitteilt. Sie haben daher propositionalen oder pragmatischen Bezug und sind meist nicht erfragbar.
Epistemische Adverbiale geben den Sicherheitsgrad oder die Herkunft einer Aussage an: „Vielleicht/Angeblich fällt die Veranstaltung aus.“ Evaluative Adverbiale bewerten den Sachverhalt aus Sicht des Sprechers: „Glücklicherweise wurde niemand verletzt.“ Agentive oder subjektorientierte Adverbiale bewerten die Handlungsweise des Subjekts: „Unverschämterweise weigerte er sich, die Rechnung zu zahlen.“ Bei „unverschämterweise“ ist die Umschreibung „Das war unverschämt von ihm“ möglich; bei rein evaluativem „glücklicherweise“ nicht.
Bereichsadverbiale beschränken die Gültigkeit einer Aussage, etwa „Streng wissenschaftlich (gesehen) ist die Erdbeere keine Beere.“ Textadverbiale verdeutlichen den Zusammenhang im Text: „Zum einen ist das Projekt zu teuer und zum anderen hat es kaum Nutzen.“ Sprechaktadverbiale beziehen sich auf den Stellenwert der Äußerung als Handlung: „Ehrlich gesagt, traue ich Wladimir nicht.“
Formen des Ausdrucks
Adverbiale können durch Präpositionalphrasen, Adverbien, Adjektive, Verben, Substantivgruppen und Nebensätze ausgedrückt werden. Präpositionen und besonders Adverbien sind typische Mittel und benötigen dafür keine zusätzliche Markierung. Die Grenze zwischen Präposition und Adverb ist nicht immer eindeutig.
Deutsche Adjektive können meist ohne besondere Endung adverbiell verwendet werden. Spezielle Endungen treten nur bei bestimmten Bedeutungen auf, etwa in „glücklicherweise“ oder „unverschämterweise“. Im Englischen markiert beispielsweise -ly den adverbiellen Gebrauch: „(sing) beautifully“. Auf Verben beruhende Adverbiale erscheinen im Deutschen als Partizipien, etwa „Sie trat lachend ein“ und „Er griff zitternd nach der Flasche“. Dies wird als adjektivische Ableitung des Verbs verstanden. Andere Sprachen haben hierfür besondere Formen, die Adverbialpartizipien oder Konverben heißen.
Nominalphrasen können durch Kasus adverbielle Bedeutung tragen. Der Akkusativ kann Dauer markieren: „Sie hat den ganzen Tag gearbeitet.“ Der Genitiv kann einen Zeitpunkt markieren: „Eines Tages stand ein schwarzer Kater vor unserer Tür.“ Diese Adverbialkasus werden nicht vom Verb regiert: Im Passiv heißt es nicht „*Der ganze Tag wurde gearbeitet“, sondern „Es wurde den ganzen Tag gearbeitet.“ Auch Englisch erlaubt Nominalphrasen adverbiell, etwa „that day“ und „every way imaginable“. Im Ungarischen werden neben Nominativ und Akkusativ noch 19 weitere Kasusformen beschrieben, weil viele adverbielle Funktionen durch Endungen statt durch Präpositionen ausgedrückt werden.
Auch Nebensätze können Adverbiale sein. Unterordnende Konjunktionen zeigen häufig ihre Bedeutung an, zum Beispiel „weil“ für kausal, „obwohl“ für konzessiv und „während“ für temporal. Uneingeleitete Verb-Erst-Nebensätze können etwa konditional funktionieren. Möglich sind auch freie Relativsätze: „Wir treffen uns (dort), wo wir letztes Mal gestanden haben.“
Stellung im deutschen Satz
Im Feldermodell können Adverbiale im Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld stehen. Das Nachfeld ist meist adverbiellen Nebensätzen vorbehalten. Im Vorfeld können Adverbiale ohne Einschränkung stehen und bilden dabei häufig eine unmarkierte Wortstellung. Besonders komplex ist das Mittelfeld, weil Subjekt, Objekte und verschiedene Adverbiale oft vertauscht werden können.
Als Grundtendenz stehen Satzadverbiale weiter außen, also weiter vom Verb entfernt, Situationsadverbiale näher am Verb. Orts-, Zeit- und Instrumentaladverbiale stehen normalerweise hinter dem Subjekt, aber vor dem Objekt. Als Hinweis dienen schwach betonte indefinite W-Pronomen: „… weil wer wo was verloren hat“ ist gegenüber „… weil wo wer was verloren hat“ bevorzugt. Auch Adverbiale der Subjekthaltung und agentive Adverbiale stehen typischerweise unterhalb des Subjekts: „… da wer bereitwillig den Auftrag übernahm.“
Epistemische und evaluative Satzadverbiale stehen in neutral betonten Sätzen besonders vor dem Subjekt: „… weil wahrscheinlich wer was weggenommen hat.“ Andere Adverbialtypen können ebenfalls vor das Subjekt treten, wenn sie bekannte Information, einen einschränkenden Rahmen oder einen starken Kontrast ausdrücken, etwa „Im 16. Jahrhundert haben in Deutschland Mönche viel Bier getrunken.“
Die Stellung von Adverbialen der Art und Weise ist umstritten. Sie kommen vor oder nach dem Akkusativobjekt vor: „Peter will jetzt konzentriert einen Aufsatz lesen“ und „Otto hat heute einen Kollegen heftig beschimpft“. Ob die Stellung vor dem Objekt eine Grundposition oder durch besondere Bedeutungs- und Strukturwirkungen erklärt ist, wird unterschiedlich beurteilt. Adverbiale der Subjekthaltung haben jedenfalls andere Stellungseigenschaften als solche der Art und Weise, obwohl beide traditionell oft Modaladverbiale heißen.
Reihenfolge in SVO-Sprachen
Die Hierarchie der Adverbiale bleibt auch in Sprachen mit der Grundreihenfolge Subjekt–Verb–Objekt (SVO) im Grundsatz erhalten: Satzadverbiale stehen weiter vom Verb entfernt, Ereignisadverbiale näher am Verb. Für das Deutsche ergibt sich vor dem Prädikat die Abfolge: Satzadverbial (evaluativ) < Satz-/Modaladverbial (subjektorientiert) < Orts-/Zeit-Adverbial < Art-und-Weise < Prädikat.
Am Satzende von SVO-Sprachen erscheint die Reihenfolge häufig spiegelbildlich. Haider (2000) vergleicht: „She has worked on her hobby with great care in the garden the whole time today.“ Im Deutschen lautet die entsprechende Folge: „Sie hat heute die ganze Zeit im Garten mit großer Sorgfalt an ihrer Lieblingsbeschäftigung gearbeitet.“ Ebenso: „Carlos estuvo viviendo en Madrid en 1978“ gegenüber „Carlos hat 1978 in Madrid gelebt.“ Nach dem Verb sind die weiter links stehenden Elemente dem Verb näher; deshalb bleibt die Hierarchie trotz der spiegelbildlichen Reihenfolge erhalten.
Bei Adverbialen am Satzanfang wird grundsätzlich dieselbe Reihenfolge wie im Deutschen erwartet. Nach Haider (2000) entsteht jedoch Variation durch Topikalisierung: Ein Adverbial kann am Anfang stehen, weil die Angabe im Kontext bereits erwartet wird. Dann können in SVO-Sprachen Ortsangaben vor Zeitangaben stehen, etwa „In America, after the election, trade began to improve“ oder „En Barcelona en aquellos años difíciles de guerra no se podía …“.
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